40.

"Hey, Ana", begrüßte ich sie, als ich ihr Zimmer betrat. Als Antwort bekam ich nur ein fröhliches Lächeln. Sie saß gut gelaunt aufrecht in 'ihrem' Bett und zeichnete, wie immer. Es war schön zu sehen, dass es Ana gut ging, obwohl sie jede Minute sterben könnte. Ja, jede Minute. Immerhin war die letzte Woche so schnell vergangen, dass ich kaum wusste, wie mir geschah. Natürlich hoffte ich, dass Ana noch lange Zeit putzmunter in ihrem Bett liegen würde und ich ihr beim Zeichnen zusehen könnte, doch mir war klar, dass es nicht so ablaufen würde. Aber so richtig bewusst war es mir nicht.

Ihre gute Laune steckte mich an, sodass auch auf meinem Gesicht ein Lächeln erschien. Ich beugte mich zu ihr runter, um sie zu umarmen. "Happy Birthday!", sagte Ana und drückte mich fest an sich. "Danke", erwiderte ich nur.

Schweigend setzte ich mich neben sie auf ihre Bettdecke und sah sie an. Sie hatte abgenommen, dunkle Augenringe umrahmten ihre blauen Augen. Sie war hübsch, zu dünn, aber trotzdem hübsch. Es war schade, dass die Krankheit ihr Leben so zerstörte. Aus ihr hätte so viel werden können.

"Hier", riss mich Ana aus meinen Gedanken. Sie überreichte mir ein Päckchen, das ordentlich in schönes Geschenkpapier verpackt war. Ich schmunzelte. Es waren kleine Weihnachtsmänner abgebildet, die die unterschiedlichsten Sachen taten. Einer hielt sich vor lachen den Bauch, ein anderer hielt eine Christbaumkugel in der Hand. Grinsend sah ich sie an. Sie zuckte mit den Schultern. "Hatte nichts anderes zu Hause", meinte sie ebenfalls grinsend.

"Danke!", sagte ich. Ein Geschenk hatte ich überhaupt nicht erwartet. Es war nett, dass sie daran gedacht hatte.

"Gern geschehen. Und kannst du das hier zu deiner Schwester legen? Es ist ein Geburtstagsgeschenk. Wenn die aufwacht, kann sie es auspacken", sagte sie. Unwillkürlich traten mir Tränen in die Augen. Sogar an meine im Koma liegende Schwester hatte Ana gedacht. "Glaubst du... glaubst du wirklich, dass sie wieder aufwacht?", sprach ich meine Ängste aus. Es tat weh, darüber zu reden, ich hasste mich dafür, dass meine Hoffnung von Tag zu Tag geringer wurde.

"Aber natürlich! Sie ist ein starkes Mädchen, da bin ich mir sicher. Auch wenn ich das wahrscheinlich nie herausfinden kann."

Ihre Worte munterten mich zwar auf und verdrängten den Gedanken an meine Schwester, allerdings kam ein schrecklicher und fast genau so schlimmer Gedanke in meinen Kopf. Sie würde ihr aufwachen nicht miterleben. "Bitte sag so etwas nicht. Das ist echt schlimm zu hören."

"Oh", mache sie betroffen. "Mir ist gar nicht aufgefallen, was ich da gesagt habe. Aber mach dir keinen Kopf. Ich werde schon nicht heute an deinem Geburtstag abkratzen." Leicht lächelte sie mich an. Automatisch erwiderte ich das Lächeln.

"Ach ja, da ist noch etwas. Das habe ich vollkommen vergessen. An Caras Geburtstag hatte ich kein Geschenk für sie, kannst du ihr das geben? Ist mir heute morgen erst wieder eingefallen. Glücklicherweise konnte Emma es mir vorbei bringen, als sie mich besucht hat."

"Natürlich. Aber wer ist Emma?", fragte ich.

"Emma ist meine, sagen wir Hausfrau, obwohl ich den Begriff nicht leiden kann. Sie ist so ein herzensguter Mensch", seufzte Ana ein bisschen traurig. Dann wechselte ihr Gesichtsausdruck wieder zu fröhlich. "Danke!", rief sie und drückte mir strahlend einen Bilderrahmen in die Hand.

"Und jetzt geh schon!" Ana scheuchte mich aus ihrem Bett. "Die anderen warten schon auf dich. Viel Spaß!"

Lachend ging ich zur Tür, wo ich nochmal anhielt und mich zu ihr umdrehte. Dabei fiel mir auf, dass sie mich die ganze Zeit über beobachtet haben musste, denn sie starrte mich mit einem Blick an, den ich nicht definieren konnte. War das Sehnsucht? Vielleicht, immerhin wartete auf mich noch ein langes Leben, jedenfalls ein längeres.
Als sie jedoch merkte, dass ich sie anstarrte, setzte sie ein Lächeln auf. Diesmal fiel mir allerdings auf, dass es unecht wirkte. Wie oft hatte sie diese Maske schon getragen, ohne dass einer von uns das mitbekommen hatte?

"Willst du wirklich nicht mitkommen?", fragte ich, nachdem ich meine Gedanken beiseite geschoben hatte. Es brachte nichts, über etwas zu grübeln, für was man sowieso keine Antwort finden konnte.

Ihr Gesicht nahm den selben Gesichtsausdruck an, wie vorhin, bevor sie ihr Lächeln aufgesetzt hatte. "Ich würde gerne, aber Dr. Hope kommt gleich. Die Untersuchung kann eine Weile dauern. Vielleicht kann ich ihn überreden, mich danach zu euch in Lilys Zimmer zu rollen."

"Okay", erwiderte ich nur, bevor ich mich verabschiedete und endgültig das Zimmer verließ. Auf dem Weg zum Zimmer meiner Schwester grübelte ich über ihre Worte nach.
Vielleicht kann ich ihn überreden, mich danach zu euch in Lilys Zimmer zu rollen.
War sie wirklich in so schlechter Verfassung, dass sie nicht alleine laufen konnte? Jetzt erst viel mir auf, dass ich sie die ganze letzte Woche nie auf den Beinen gesehen hatte. Auch davor war sie nicht mehr in ganz so guter Verfassung wie am Anfang unserer Freundschaft. Vielleicht... "HAPPY BIRTHDAY!", rissen mich viele aufgeregte Stimmen aus meinen Gedanken. Ana schob ich erst mal in den Hinterkopf. Lächelnd umarmte ich meine Freunde und nahm dankend ihre Geschenke an. Sogar Kevin hatte etwas für mich, obwohl unsere Freundschaft noch nicht so lange anhielt. An Lily hatten natürlich auch alle gedacht, ihre Geschenke befanden sich auf dem kleinen Tisch. Ich legte Anas und mein Geschenk für sie dazu.

"Kerzen sind im Krankenhaus leider verboten, deswegen", meinte Cara entschuldigend und zeigte mir einen Kuchen, auf dem sich eine elektronische Kerze befand. Ich musste leise lachen, als ich sie sah. Meine Freunde hatte sich echt Mühe gegeben, sie waren die besten.

"Los, blas sie aus", lachte Kevin, während er mir eine Hand auf die Schulter legte und mir zuzwinkert. "Aber ich bezweifle, dass dein Atem dafür reicht."

"Dann könntest du mir vielleicht beim Blasen behilflich sein!", scherzte ich, sodass wir beide einen Lachanfall bekamen. "Jungs!", murmelte Cara kopfschüttelnd, konnte sich ein Grinsen aber nicht verkneifen. Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, griff ich nach der Kerze und hielt sie mir vor den Mund. Ich pustete einmal demonstrativ in Kevins Gesicht und wir beide mussten schon wieder grinsen. Aber aus Respekt vor Cara legte ich den Schalter an der Unterseite um, sodass das Licht erlosch, natürlich nicht ohne mir etwas zu wünschen. Es ertönte ein sarkastischer Applaus, weil mein 'Blasen' anscheinend gut angekommen war. "Alles Gute zum Geburtstag!", hörte ich meine Freunde mich noch einmal beglückwünschen. Ich wünschte mir nichts mehr, als diesen Moment mit meiner Schwester teilen zu können.

"Wer...", krächzte jemand, bevor die Person sich räusperte und den Satz erneut anfing. "Wer hat denn Geburtstag?" Schweigend standen wir da, ohne uns zu rühren, bis mir langsam dämmerte, wer da eigentlich gesprochen hatte. "LILY!", schrie ich und rannte die zwei Meter auf ihr Bett zu, die sich noch zwischen uns befanden. Überglücklich drückte ich ihr einen Kuss auf die Wange und nahm ihre Hand. "Ähm, ja? So heiße ich doch, oder?", fragte sie, anscheinend ein bisschen mit der Situation überfordert.
"Ja", antwortete Marc, die Erleichterung und Freude war ihm anzusehen. "Du hast uns echt Angst eingejagt."

Lily grinste nur. Typisch, ihr Humor war eben speziell. Es fühlte sich an, als würde die Sonne aufgehen (metaphorisch gesehen, denn 1. war es schon mittags und die Sonne schien strahlend hell auf die Erde und 2. konnte die Sonne gar nicht aufgehen, es sah für uns nur so aus), wenn ich ihre Augen sah. Immerhin hatte ich diese grau-grünen Augen nur im Spiegel betrachten können, was meinem Herz immer einen Stich versetzt hatte.

"Ihr habt meine Frage immer noch nicht beantwortet: Wer hat Geburtstag?", holte mich meine Schwester wieder in die Gegenwart zurück.

"Wir", meinte ich grinsend. Es war, als würde sich mein Gesichtsausdruck gar nicht ändern wollen. Das Grinsen schien wie aufgeklebt, aber es machte mir nichts aus, dass meine Mundwinkel irgendwann anfingen weh zu tun. Ich war einfach nur glücklich, dass meine Schwester wieder wach war.

"Ehrlich?", rief sie erstaunt aus. "Ich lag ein halbes Jahr im Koma?" Zögernd nickte ich. Auf meine Antwort hin, wurde sie noch blasser, als sie eh schon war. Ich wollte gar nicht wissen, was in ihrem Kopf abging, aber es mussten schreckliche Gedanken sein. Schnell versuchte ich sie abzulenken. "Willst du deine Geschenke gar nicht auspacken?" Mein verschmitztes Lächeln erwiderte sie nur halbherzig, trotzdem war ihre Reaktion ein schwaches Nicken.

Wir halfen ihr dabei, sich aufzusetzen.

"Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht, dass ihr nicht alle auf mich gestürzt seid, nachdem ich aufgewacht bin. Etwas mehr Freude hätte ich euch schon zugetraut", scherzte Lily. Aber uns allen war klar, dass ein Körnchen Wahrheit in ihren Worten mitschwang.

"Na ja", begann Cara. "Ich habe mal gelesen, dass Patienten, die gerade aus dem Koma erwacht sind, sich schwach fühlen und zu viel Trubel nicht ertragen. Tut mir leid!"

Louis nickte nur zustimmend, während Marc meine Schwester anstarrte, als wäre sie ein Geist. Lily gab sich damit zufrieden, doch dann fiel ihr Blick auf Kevin, der bisher unbeteiligt am Fenster stand und uns lächelnd beäugte.

"Und wer bist du?", erkundigte sich Lily.

"Ich heiße Kevin."

"Er ist neuerdings ein guter Freund von mir", kam ich Kevin zur Hilfe, als Lily sich mit der Antwort nicht ganz zufrieden gab. Er warf mir daraufhin nur einen dankbaren Blick zu, den ich mit einem Lächeln quittierte.

"Aha", meinte sie und zog kurz ihre Augenbrauen zusammen. "Du warst nicht zufälligerweise mal ein Mädchen?"

"Hä?"

"Vergiss was ich gesagt habe. War nur Quatsch. Aber ich mag dich. Du siehst gut aus."

Sowohl Kevin als auch Marc begannen zu husten, Kevin nuschelte noch ein 'Danke'.

"Natürlich längst nicht so gut wie du", beeilte sich Lily zu Marc zu sagen.

Lachend beugte ich mich zu meiner Schwester hinunter und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann lief ich zum Tisch, nahm alle Geschenke, die für Lily bestimmt waren und überreichte sie ihr.

Sie bedankte sich und griff zuallererst nach Anas Geschenk. Als sie das Geschenkpapier abwickelte, kam eine kleine Schachtel zum Vorschein. Als ich sie genauer betrachtete, bemerkte ich, dass die kleinen Zeichnungen darauf von ihr waren. Auf dem Deckel hatte sie eine Rose gezeichnet, wunderschön und so detailliert, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Auch an den Rändern waren viele Blumen, ebenso detailliert und hübsch wie die einzelne Rose. Ich wollte gar nicht wissen, wie viel Zeit und Geduld sie in nur diese eine Schachtel gesteckt hatte.

"Wunderschön!", hauchte Lily beeindruckt und fuhr mit einem ihrer Finger leicht über den Deckel der Dose. Dann öffnete sie diese vorsichtig, sodass ein silbern glänzendes Armband zum Vorschein kam. Lily holte es heraus und betrachtete es ehrfürchtig. Es war sehr alt, wahrscheinlich ein Erbstück von Anas Großmutter oder so ähnlich. Das Silber war echt, dessen war ich mir sicher, auch die Verzierungen und Gravuren bewiesen, wie wertvoll das Armband war.

"Wow. Das ist...", mitten im Satz hörte sie auf zu reden, bis sie verlangte, zu wissen, von wem das war.

Alle starrten mich an, sodass Lilys Augen denen der anderen folgten. "Schaut mich nicht so an, das ist nicht von ihr. Ana bat mich, es dir zu geben", erklärte ich.

Ich bekam von Kevin einen Schlag auf den Hinterkopf. "Sie weiß nicht, wer Ana ist, du Hohlkopf!"

"Ach so, stimmt ja!", sagte ich, musste aber ein Grinsen verstecken. Hohlkopf! Diese Beleidigung hatte es echt in sich. (Sarkasmus lässt grüßen.)

"Doch, ich kenne sie!", rief Lily plötzlich und rang aufgeregt mit ihren Händen. Das Armband hatte sie sicher in der Schachtel verwahrt und wieder zur Seite gelegt. Der Deckel jedoch lag immer noch in ihren Schoß.

"Sie hat mich besucht, nicht wahr? Oft, wenn ich mich recht erinnere. Ihre Stimme habe ich noch in meinem Kopf, aber was sie gesagt hat, weiß ich nicht mehr. Deswegen habe ich auch gedacht, du, Kevin, wärst ein Mädchen, weil ich dachte, du warst derjenige, der zu mir gesprochen hat. Aber deine Stimme klingt ganz anders", sprach Lily aufgeregt. Als wir überrascht nickten, zappelte sie in ihrem Bett herum. Dabei fiel etwas aus dem Deckel. Ihre Aufregung schwand ein wenig, als sie den Zettel aufhob und in der Hand hielt. Es war ein Brief, mit geschwungener Handschrift stand dort deutlich Lily. Ich war neugierig, was meine Freundin Lily geschrieben hatte, doch was meine Schwester dann sagte, verstand ich auch.

"Ich würde den Brief gerne alleine lesen!"

"Natürlich. Und ich werde in der Zwischenzeit Ana informieren, dass du aufgewacht bist. Sie liegt in einem anderen Zimmer, es dauert nicht lange. Ihr anderen könntet einen Arzt holen, es wird Dr. Hope interessieren, dass meine Lieblingsschwester aufgewacht ist", meinte ich. Im Moment war ich nur froh, dass Lily keine Fragen stellte, sie wusste ja weder von Anas Krankheit noch von ihrem bevorstehenden Tod. Lily wusste, dass ich zurzeit keine Fragen beantworten konnte und akzeptierte das auch.

"Warte!", rief Louis. Er sprang auf und lief zu mir zur Tür. "Ich komme mit. Ich wollte sowieso noch mal mit Ana reden."

Ich zuckte nur mit den Schultern, bevor ich mich umdrehte. Aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie Marc sanft über Lilys Handrücken strich und dann ebenfalls den Raum verließ, um mit Cara und Kevin zusammen, den Arzt zu holen. Dabei drückte ich Cara noch etwas in die Hand. "Ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk von Ana", rief ich ihr zu, als ich ihren fragenden Blick bemerkte. Mit großen Augen besah Cara das Bild in ihrer Hand. Anscheinend würden Marc und Kevin alleine einen Arzt suchen müssen. Apropos Marc: 'Sollte meine Schwester mit ihm zusammen kommen, würde ich ihrem Glück nicht im Weg stehen!', versprach ich in Gedanken. 'Aber falls er sie verletzt, breche ich ihm alle Knochen.'

Glücklich lief ich zu Anas Zimmer. Es war mir egal, dass Louis neben mir lief, seine Nähe verursachte dieses Mal nicht die geringste Art von Nervosität. Wichtig waren im Moment nur meine Schwester, Ana und meine Glücksgefühle. Vielleicht hätte ich mir bei Louis nervöser Art Gedanken machen sollen, oder als ich einen Krankenbruder in Anas Zimmer stürmen sah, aber ich tat es nicht. Stattdessen lachte ich darüber, wie wir alle Anas erfundenen Begriff für eine männliche Krankenschwester übernommen hatten.

Doch als ich den Raum meiner besten Freundin betrat, fror mir das Lachen auf dem Gesicht ein.

Geschockt starrte ich auf die Szene, die sich in Zeitlupe vor mir abspielte. Drei Ärzte oder Krankenpfleger um das Bett meiner besten Freundin versammelt. Anas Augen, die mich ansahen, ohne Angst, ohne jegliche Panik oder Sorge. Sie versprachen Geborgenheit. Und ich beruhigte mich. Es war, als würden ihre Augen so einen großen Einfluss auf mich haben, dass sie mich davor bewahrten, zusammenzubrechen. Auch nachdem ich Louis Worte durch einen tiefen Schleier aus Nichts hörte, waren ihre Augen das, was mich dazu brachte, aufrecht stehen zu bleiben und die Geschehnisse zu erleben und dennoch nicht zu erleben.

"Ich liebe dich, Ana!", waren Louis Worte, die Worte der Person, die ich eigentlich liebte. Es war mir egal. Mir war alles egal, bis auf meine beste Freundin, die dort lag und mich mit ihren Augen ansah, Versprechungen machte, die sie nie einhalten könnte. Denn ich wusste, diese Sicherheit verspürte ich nur wegen ihr, nur wegen ihren blauen Augen, die mir in den letzten Monaten mein Leben gerettet hatten. Ich wusste, ohne sie hätte ich das nie überstanden und ich wusste auch, dass ich es ohne sie niemals überstehen werde. Sie war das einzige, was mir helfen konnte.

Ich starrte regungslos in ihre Augen, wagte nicht zu blinzeln, aus Angst, auch nur einen Moment den Augenkontakt zu brechen und nie wieder herstellen zu können. Ich sah in ihren Augen etwas, was ich auch schon vor Tagen, Wochen, sogar Monaten vernommen hatte, aber nie definieren konnte. Auch jetzt war es das letzte, was ich sah, bevor sie ihre Augen schloss, einen letzten Atemzug tat und reglos dalag.

Ohne ihre Augen gab es nichts, was mich auf den Beinen hielt. Mein Halt, meine Geborgenheit, meine Luft zum Atmen, mein Schutz, es war alles in dem Moment verschwunden, als sie ihre Augen geschlossen hatte. Als mir bewusst geworden war, dass ich dieses wunderschöne Blau nie mehr sehen werde. Ich stürzte. Ich stürzte auf den Boden, in eine Schwärze, in ein Nichts. Doch bevor ich endgültig in die Dunkelheit abdriftete, wurde mir klar, was ihr letzter Blick bedeutete. Was all ihre für mich undefinierbaren Blicke bedeuteten. Es war Liebe!






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