24.

Der dritte Teil für heute.

Die Tür gab ein leises Bimmeln von sich, als ich das Café betrat. Ich ließ meinen Blick durch den kleinen Laden wandern, bis er an einem Tisch in der hintersten Ecke stehen blieb. Dort saß Marc und starrte gedankenverloren auf die Tasse in seiner Hand. Ein etwas mulmiges Gefühl breitete sich in mir aus. Es schien nicht so, als würde er auch wohl fühlen und das machte mir etwas Angst.
Ich atmete einmal tief ein und lief dann zielstrebig auf ihn zu. Er bemerkte mich erst, als ich mich schon direkt gegenüber von ihm niedergelassen hatte. Marc schaute auf und nachdem er mich erkannt hatte, warf er mir ein flüchtiges Lächeln zu. Trotzdem merkte ich, dass es gezwungen war. Er schien sich noch unwohler zu fühlen als ich.

"Möchtest du etwas essen? Oder trinken?", fragte er mich. Ich schüttelte den Kopf. Er seufzte.
"Mir ist aufgefallen, dass du zu wenig isst. Das ist nicht gut für deinen Körper!", meinte er, ohne mich aus den Augen zu lassen.
"Als ob ich noch auf meinen Körper achten muss!", sagte ich mit einem leicht spöttischen Unterton. Aus seinem Gesicht war für kurze Zeit ein mitleidiger Ausdruck zu sehen. Was hatten die Leute nur mit ihrem ganzen Mitleid?

Gerade lief die Bedienung vorbei, in der Hand hielt sie einen Teller mit einem Stück Kuchen darauf. Der Kuchen sah echt lecker aus, vielleicht sollte ich...? Nein, wenn nach mir jemand den Kuchen möchte und ich ihm das weg gegessen hatte, bekome ich ein schlechtes Gewissen, da ich den Kuchen ja auch nicht brauche.

Ich wandte mich wieder Marc zu, der mich die ganze zeit über anscheinend beobachtet hatte.
Er rief den Kellner zu unserem Tisch gab eine Bestellung auf.
"Ein Stück von diesem leckeren Kuchen, den Sie gerade an den Nachbartisch gebracht haben. Außerdem einen Muffin und noch eine heiße Schokolade für mich. Ach ja, und ein Getränk ihrer Wahl für die junge Dame."

Etwas sprachlos starrte ich ihn an. "Ein... ein Kakao", stammelte ich. Die Bedienung notierte sich das in ihrem Block und verschwand.
Daraufhin wand ich mich wieder Marc zu und schenkte ihm einen leicht vorwurfsvollen Blick. Er zuckte nur mit den Schultern und meinte: "Du solltest mehr an dich denken. Egal, ob du stirbst. Jederzeit kann irgendjemand sterben von dem du denkst, dass er dich überleben wird. Mach dir nicht so viele Gedanken!" - "Okay", erwiderte ich nur.

Nach ein paar Minuten kam unsere Bestellung. Ich trank einen großen Schluck von meinem Kakao, bevor ich mich meinem Kuchen zuwendete. Ich schob mir ein Stück Kuchen in den Mund und schloss genießerisch die Augen. So etwas leckeres hatte ich noch nie gegessen. Eine Weile waren wir noch mit essen beschäftigt, bis auch ich meine Gabel beiseite stellte und mich nach hinten lehnte. Gespannt musterte ich Marc und wartete darauf, dass er anfing zu reden. Nach einer Minute tat er mir den Gefallen.

"Versprich mir, dass du mir bis zum Ende zuhören wirst!" Nachdem ich zugestimmt hatte, sah er etwas erleichterter aus.

"Also, ich habe lange darüber nachgedacht. Aber ich musste einen Entschluss fassen, von dem ich nicht so ganz überzeugt bin. Aber ändern kann ich meine Meinung auch nicht, da die Alternative für einen längeren Zeitraum schlechter wäre. Jedenfalls für mich. Und in diesem Fall bin ich egoistisch. Es tut mir wahnsinnig leid, das musst du mir glauben. Ich kann nicht mit dir befreundet sein. Auch wenn ich versprochen habe, dir da zu helfen, ich kann es nicht. Es ist nicht fair von mir, das gebe ich zu, aber mit dem Tod kann ich überhaupt nicht umgehen. Du bist total nett und ich mag dich, aber wenn du dann... wenn du dann stirbst, wäre das für mich schrecklich. Ich habe im Moment viel um die Ohren und dann auch noch die Sache mit Lily, das macht mir ales sehr zu schaffen. Ich hoffe, du verstehst das!"

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