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„Also?", beginne ich, als wir auf unseren Plätzen sitzen und beiße mir unsicher auf die Unterlippe, „Ähm."
„Also was?", fragt Leon mit leicht schief gelegtem Kopf nach und ich stoße die Luft aus. Warum ist er so entspannt?
Ich habe absolut keinen Plan, wie ich sein Verhalten deuten soll. Ich bin nicht sein schmutziges Geheimnis? Aber was bin ich dann? Ist das seine Art auszudrücken, dass er mich auch gut findet und eine Beziehung mit mir möchte? Noch immer läuft mir ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke wie selbstsicher Leon nach meiner Hand gegriffen hat.
„Ähm, ja. Also - mh", stottere ich nervös, „Also findest du mich auch gut?", stoße ich die Frage schnell aus und traue mich kaum ihm in die Augen zu schauen.
Mein Herz schlägt schnell und ich beobachte Leon nervös. Jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen. Es gibt kein zurück mehr. Mein Herzschlag geht schnell und ich bin aufgeregt. Was ist, wenn er mir einen Korb gibt und unsere Freundschaft für immer zerstört ist? Alle werden mich hassen. Es würde unsere ganze Clique belasten und durcheinander wirbeln. Oh je, ich sollte aufhören mich in negative Gedanken zu verstricken.
„Das musst du doch wohl in den letzten Tagen bemerkt haben, oder? Jake, ich habe es mehr als offensichtlich gemacht", antwortet Leon und ich schaue ihn mit großen Augen an, „Ich mag dich - und das mehr, als einen normalen Freund."
„Was bedeutet das für uns?"
„Na, ich würde gerne mit dir zusammen sein. Das Ganze ist für mich zwar neu, da du der erste Mann bist den ich gut finde, aber ich bin bereit mich darauf einzulassen."
„Du meinst das ernst?", frage ich ungläubig nach. Ich kann mein Glück kaum fassen. Meine erst so hoffnungslose Verliebtheit in Leon hat eine drastische Wendung ins positive hingelegt. Allison hatte Recht und ich darf nicht immer vom schlimmsten ausgehen.
„Ja. Ich bin ehrlich, Jake. Ich habe meine Gefühle zu dir eine lange Zeit verborgen und überlegt, was das bedeuten würde. Ich hatte eine scheiß Angst vor der Sache zwischen uns, aber ich will uns eine Chance geben. Also, sofern du das auch möchtest?"
„Ja - ja, natürlich", stoße ich glücklich aus und lächele ihn über den Tisch hinweg an. Die Situation fühlt sich surreal an und ich kann mein Glück kaum glauben. Leon erwidert meine Gefühle. Und er will mit mir zusammen sein. Ich fühle mich wie ein Kindergartenkind, dass sein Lieblingsspielzeug ergattern konnte. Ein breites Lächeln liegt auf meinen Lippen und die Schmetterlinge in meinem Bauch entzünden ein Feuerwerk.
„Dann keine Geheimnisse mehr?"
„Sofern du dich dazu bereit fühlst, Leon?", frage ich ihn, "Es ist nicht einfach sich zu outen und ich möchte dich zu nichts drängen. Wir können alles auch erstmal für uns behalten und schauen, wohin die Zukunft uns bringt."
„Mach dir um mich keine Sorgen, ich bin mehr als bereit öffentlich an deiner Seite zu stehen."
Mein Herz macht einen aufgeregten Sprung und ich kann meinen Blick nicht von Leon abwenden. Auf seinem Gesicht liegt ein selbstbewusstes und fast schon freches Grinsen und er sieht mir standhaft in die Augen. Er ist sich sicher. Max wird mir nicht glauben, was passiert ist. Noch immer rasen meine Gedanken und ich versuche alles der letzten Minuten zu verarbeiten. Diese Woche ging alles ganz schnell: Die Übernachtung mit der anschließenden Kuscheleinheit, der Kuss im Kino und jetzt das Date im Diner. Leon macht offensichtlich keine halben Sachen und Geduld gehört nicht zu seinen stärken. Die vergangenen Tage waren eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit einem positiven Ende.
„Ehrlich gesagt bin ich gerade ein wenig sprachlos", gebe ich von mir und fahre mit der Hand durch meine kurzen blonden Haare.
Lächelnd sieht Leon mich an und greift über den Tisch hinweg nach meiner Hand: „Wir setzen einen Schritt vor den anderen. Es gibt keinen grund etwas zu überstürzen. Wir müssen niemandem etwas beweisen und sind auch niemandem, außer uns selbst, etwas schuldig. Ich mag dich wirklich, Jake und möchte diese Gefühle nicht länger unterdrücken."
„Allison wird vor Freude in die Luft springen", meine ich leise und drücke Leons Hand.
„Luke auch", erwidert dieser und wir schauen uns über den Tisch hinweg an, bevor wir in lautes Gelächter ausbrechen. Ich hatte keine Ahnung, dass Luke über unser hin und her bescheid wusste. Das heißt unser Geheimnis ist gar kein Geheimnis. Immerhin wissen Allison, Max und Luke bescheid. Die Wahrscheinlichkeit das der Rest unserer Freunde ebenfalls etwas ahnt oder von den anderen eingeweiht wurde ist hoch.
„Dann ist Max jetzt wohl der einzige Single in der Gruppe."
„Für den finden wir auch noch eine Freundin", gibt Leon zuversichtlich von sich, "Spätestens am College wird er sich vor Anfragen kaum retten können."
Schmunzelnd nicke ich zustimmend und stelle mir meinen besten Freund am College umringt von einer Schar Frauen vor. Das würde zu Max passen. Er möchte genau wie ich auf die Brown University gehen, also habe ich einen Sitzplatz in der ersten Reihe, wenn er endlich seine Frau fürs Leben trifft.
„Nur er hat den Luxus das Allison nicht da ist und versucht Amor für ihn zu spielen."
„Das hat sie bei uns zum Glück auch gelassen. Ich liebe sie - auf einer platonisch, freundschaftlichen Basis - aber manchmal schießt sie etwas über das Ziel hinaus."
„Da gebe ich dir Recht", antworte ich, "Ich warne dich schon mal vor: Sie wird dich mit Fragen zu uns beiden löchern."
„Das glaube ich dir auf's Wort. Dann kann ich sie auch gleich fragen, warum ihr bester Freund aus meinem Bett abgehauen ist und ohne ein Wort zu verlieren das Haus verlassen hat."
Bei Leons indirekter Frage spüre ich, wie meine Wangen sich tiefrot färben und ich wende peinlich berührt den Blick ab. Er hat wohl doch nicht geschlafen. Wie antworte ich denn jetzt darauf?
„Dann würde sie dir antworten, dass er nervös war und nicht wusste wie er mit der Situation umgehen soll, weil er dachte der Mann mit dem er kuschelt steht nur auf Frauen."
„Ach Jake, ich hätte dich nicht in meinem Bett schlafen lassen, wenn ich wirklich komplett hetero wäre und nichts für dich empfinden würde. Prinzipiell ist daran nichts verwerflich, aber ich würde Max oder Kiyan niemals bei mir schlafen lassen - die können es sich auf dem Boden bequem machen."
„Dann war das wohl ein Missverständnis meinerseits."
𐙚˙⋆.˚ ᡣ𐭩
Mit wem sollen wir Max verkuppeln?
Denkt an den Stern! <3
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