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KAPITEL 7
Eine Woche war vergangen, seit sie diesen Männern begegnet waren, doch die Stimmung hatte sich seitdem kaum beruhigt. Niemand sprach offen darüber, aber jeder dachte dasselbe. Dieses Treffen war nicht das letzte gewesen. Früher oder später würden sie sich wiedersehen. Und genau dieser Gedanke hing wie eine schwere Wolke über ihnen.
Man merkte jedem die Anspannung an. Ares schlief mittlerweile mit der Glock direkt neben sich, Violet kontrollierte ihren Bogen fast schon zwanghaft und selbst Dahlia bemerkte, wie oft ihre Hand automatisch zum Griff ihrer Katana wanderte, sobald irgendwo ein Geräusch ertönte. Es war längst kein bewusstes Verhalten mehr. Ihr Körper hatte sich daran gewöhnt, ständig mit Gefahr zu rechnen.
Sie hatten aufgehört, nach einem festen Ort zu suchen. Alles, was noch zählte, war ein Platz für die Nacht. Ein Ort mit Türen, die man verriegeln konnte. Deshalb hatten sie sich in einer verlassenen Schule eingerichtet. Die langen Gänge wirkten bedrückend leer. Überall lagen offene Hefte, umgekippte Stühle und vergessene Rucksäcke herum. Es sah aus, als hätten die Menschen plötzlich mitten im Alltag fliehen müssen.
Die Luft war schwer. Selbst Dorothy, die sonst immer irgendetwas erzählte, war ungewöhnlich still geworden.
Liliana stand irgendwann auf und strich sich nervös eine Locke hinter das Ohr. „Ich geh kurz raus", murmelte sie leise.
Dahlia nickte nur halb aufmerksam. Ihre Gedanken waren woanders. Seit Wochen fragte sie sich, wie ihr Leben so eskalieren konnte. Vor ein paar Monaten hatte sie noch Blumen verkauft und Kunden beraten. Jetzt lief sie mit Schwertern durch Wien und wartete darauf, dass irgendetwas aus der Dunkelheit sprang.
Kaum trat Liliana aus dem Gebäude, lief sie direkt gegen etwas Hartes.
„Aua!", zischte sie erschrocken und hielt sich sofort die Stirn.
„Vorsichtig, Prinzessin."
Die Stimme ließ ihr sofort einen Schauer über den Rücken laufen. Hastig hob sie den Kopf.
Vor ihr stand ein fremder Mann mit braunen Augen und dunkler Kleidung. Er wirkte gelangweilt. Fast so, als wäre das hier für ihn einfach nur irgendein normaler Tag.
Liliana wich instinktiv zurück. Erst dabei stolperte sie ungeschickt über ihre eigenen Füße und fiel zu Boden.
„Oh Gott... DAHLIA! ARES!", schrie sie panisch.
Der Mann verzog keine Miene.
„Deswegen hasse ich Weiber", sagte er trocken.
Keine paar Sekunden später stürmten Dahlia und Ares aus dem Gebäude. Ares hatte sofort die Glock in der Hand, während Dahlia ihre Katana gezogen hatte. Beide reagierten mittlerweile ohne nachzudenken.
„Schritt zurück", sagte Ares kalt und richtete die Waffe direkt auf den Fremden.
Dahlia ignorierte den Mann fürs Erste komplett und lief direkt zu Liliana. Vorsichtig griff sie nach ihrem Arm und half ihr hoch.
„Alles okay?", fragte sie leiser.
Liliana nickte hastig, obwohl ihre Hände leicht zitterten.
Sofort stellte Dahlia sich schützend vor sie.
Der Fremde hob langsam die Hände. „Ruhig, Tiger", sagte er amüsiert und blickte zu Ares. „Ich bin eigentlich hier, um eure Meinung zu ändern."
„Ich sag trotzdem nein", knurrte Ares sofort zurück. Schon allein die Vorstellung, seine Freunde zurückzulassen, machte ihn aggressiv. „Wien ist groß genug. Verpisst euch."
Dahlia bemerkte sofort, wie angespannt Ares war. Seine Finger lagen fest um die Glock, seine Schultern waren hart angespannt.
„Wenn ihr reden wollt, dann mit mir", sagte Dahlia schließlich ruhig und trat nach vorne.
Der Fremde grinste leicht.
„Du bist also der halbe Meter."
Doch sein Blick glitt an Dahlia vorbei direkt zu Liliana.
„Du dürftest übrigens auch mitkommen, Locke."
Liliana verzog angewidert das Gesicht. „Lieber sterbe ich", zischte sie zurück, obwohl man die Unsicherheit in ihrer Stimme hörte.
Dahlia hob leicht ihre Katana. „Geh", sagte sie deutlich ernster.
„Und was, wenn nicht?"
Sofort erstarrte Dahlia innerlich bei der zweiten Stimme.
Langsam hob sie den Blick.
Hades.
Und wie jedes Mal, wenn sie ihn sah, zog sich etwas in ihrer Brust unangenehm zusammen. Diese eisblauen Augen wirkten so kalt und leer, dass ihr jedes Mal unwohl wurde, sobald er sie ansah. Trotzdem zwang sie sich, seinem Blick standzuhalten.
Hades blieb ruhig stehen. Schwarze Kleidung. Ruhige Haltung. Kein einziges unnötiges Geräusch. Selbst die anderen Männer wurden stiller, sobald er auftauchte.
„Du schon wieder", sagte Dahlia genervt und verdrehte die Augen.
Doch innerlich hasste sie es, wie sehr sie seine Anwesenheit mittlerweile wahrnahm. Allein seine Stimme reichte inzwischen aus, damit ihr Herz schneller schlug — und genau das machte sie wütend.
Hades beobachtete sie schweigend. Irgendetwas an Dahlia irritierte ihn gewaltig. Sie war klein, eindeutig körperlich unterlegen, und trotzdem wich sie nie zurück. Die meisten Menschen hielten seinem Blick keine fünf Sekunden stand.
Sie schon.
Und genau das regte ihn auf.
„Ares wird nicht mit euch gehen, also vergesst es", sagte Dahlia schärfer.
„Es wird dunkel", sagte Ares plötzlich laut und trat leicht vor. Seine Glock blieb direkt auf die Männer gerichtet. „Und ich hab keine Lust, draußen rumzustehen. Also verschwindet lieber."
Hades hob lediglich leicht eine Augenbraue. Sein Blick blieb weiterhin auf Dahlia hängen. Er bemerkte jedes kleine Detail. Ihren schnelleren Atem. Wie sich ihre Finger leicht um die Schwerter spannten.
Und trotzdem wich sie nicht zurück.
„Und was wollt ihr tun, wenn wir bleiben?", fragte er ruhig.
Seine Stimme war emotionslos und genau das machte ihn so unangenehm.
Dahlia hielt seinem Blick stand, obwohl ihr Magen sich langsam zusammenzog.
„Bleibt doch, wo ihr wollt", sagte sie schließlich und deutete erst auf Ares, dann auf Liliana und schließlich auf Violet und Dorothy, die gerade ebenfalls rausgelaufen kamen. „Aber lasst unsere Leute in Ruhe."
Dann blickte sie Hades direkt an.
„Ihr seid vielleicht ein Team", sagte sie ruhig, „aber wir hier sind Familie."
Für einen kurzen Moment wurde es still.
Und trotzdem wich Hades' Blick keine einzige Sekunde von ihr ab.
Kai bemerkte das sofort und grinste leicht in sich hinein. Selbst Violet und Dorothy tauschten kurze Blicke aus. Die Spannung zwischen Dahlia und Hades war mittlerweile kaum noch zu übersehen.
Vor allem dieses ewige Anstarren.
Als würden beide darauf warten, dass der andere zuerst nachgibt.
Hades wusste selbst nicht, warum Dahlia ihn so sehr reizte. Ihre Art zu reden. Diese Trotzreaktionen. Wie sie ihn ansah, obwohl sie ihn offensichtlich verabscheute. Die meisten Menschen senkten den Blick, sobald er sie länger musterte.
Dahlia nicht.
Und genau das machte ihn aggressiv.
Gleichzeitig konnte er den Blick nicht von ihr lösen.
Dahlia wiederum merkte, wie ihre Gedanken langsam durcheinander gerieten. Sie hasste seine Art. Seine Stimme. Dieses arrogante Verhalten. Die Art, wie er über Menschen sprach.
Und trotzdem fühlte sich jeder Blickkontakt mit ihm an wie ein Kampf, den keiner von beiden verlieren wollte.
Dann trat Kai wieder hervor und hinter ihm der Rest ihres Teams. Offenbar waren sie die ganze Zeit dort gewesen.
Sofort stellte sich Violet neben Dahlia und spannte leicht ihren Bogen an. Ares entsicherte leise seine Glock.
Doch Dahlia blieb ruhig. Selbst wenn sie innerlich nervös war, wollte sie Hades niemals zeigen, dass er sie aus dem Gleichgewicht brachte.
Schließlich drehte sie sich einfach um und ging zurück Richtung Schule. Die anderen folgten ihr sofort.
Kai blieb grinsend stehen und blickte Dahlia hinterher.
„Die ist interessant", sagte er belustigt.
Hades antwortete nicht sofort. Sein Blick hing noch immer an Dahlia, bis sie endgültig im Gebäude verschwand.
Und selbst dann starrte er noch einige Sekunden auf die leere Tür.
Etwas an ihr machte ihn wahnsinnig.
Und er hasste dieses Gefühl jetzt schon.
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