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KAPITEL 18

Dahlia entschied sich dagegen, wieder schlafen zu gehen. Stattdessen blieb sie einfach im Bett liegen und starrte schweigend an die Decke. Die Geräusche der anderen waren längst verstummt und nur das entfernte Heulen der Kreaturen draußen durchschnitt manchmal die Stille.

Ihre Gedanken drehten sich jedoch nur um eine einzige Person.

Hades.

Dahlia wusste mittlerweile ganz genau, dass er sie loswerden wollte. Nicht sofort. Nein. Erst wollte er spielen. Mit ihren Gefühlen. Mit ihrem Kopf. Mit ihrer Geduld.

Das  machte sie wütend.

Aber wenn Hades glaubte, sie würde daran zerbrechen, dann kannte er sie schlecht.

Ihr Blick wanderte langsam zu den beiden Katanas neben ihrem Bett. Das schwache Licht der Kerzen spiegelte sich auf den dunklen Klingen wider.

Akahana.
Kurotsuki.

Alleine der Anblick beruhigte sie etwas.

Dahlia wusste, wie man kämpfte. Sie wusste, wie man überlebte. Und sie würde niemals zulassen, dass irgendjemand ihr Team zerstörte.

Nicht einmal Hades.

Wenn er spielen wollte, dann sollte er eins wissen:

Dahlia gab nicht auf.

Niemals.

Der Morgen brach langsam an und nach und nach wachten alle auf. Selbst Hades, der sonst kaum schlief, hatte für einige Stunden die Augen geschlossen gehabt.

Kaum war er wach, griff er automatisch nach seiner Zigarettenschachtel. Sein Gesichtsausdruck blieb wie immer leer und emotionslos, während er langsam den Raum verließ.

Niemand hielt ihn auf.

Die meisten waren es längst gewohnt, dass Hades einfach verschwand.

Er machte sich auf den Weg Richtung Dach. Das Gebäude war ruhig und nur seine Schritte hallten durch das Treppenhaus. Oben angekommen blieb er jedoch kurz stehen.

Die Tür zum Dach war bereits offen.

Sein Blick wurde sofort wachsamer.

Langsam drückte er die Tür weiter auf und trat hinaus. Der kalte Wind strich ihm durchs Haar, während er sich schweigend an das Geländer stellte und an seiner Zigarette zog.

„Wer bist du?"

Seine Stimme klang gelangweilt.

Hinter ihm blieb es erst still.

Dann antwortete eine ruhige männliche Stimme:

„Kaelian."

Hades drehte sich langsam um.

Vor ihm stand ein junger Mann mit blonden Haaren und grauen Augen. Etwa gleich groß wie Hades, vielleicht etwas schlanker, aber trotzdem gefährlich wirkend. Über seinem Rücken hing eine Katana.

Und sofort bemerkte Hades die seltsame Aura um die Waffe.

„Wusste nicht, dass hier noch Menschen leben", fügte Kaelian ruhig hinzu.

Hades antwortete nicht direkt. Er zog lediglich erneut an seiner Zigarette und musterte ihn schweigend.

Kaelian wirkte ruhig.

Zu ruhig.

Und genau solche Menschen waren meistens die gefährlichsten.

Währenddessen bemerkte unten im Saal kaum jemand, dass Hades verschwunden war. Die meisten frühstückten schweigend oder unterhielten sich leise.

Dahlia hingegen hielt es nicht mehr aus.

Sie brauchte frische Luft.

Kaum öffnete sie die Tür zum Saal, knallte sie direkt gegen jemanden.

„Ganz schön stürmisch."

Die Stimme war rau, allerdings nicht die von Hades.

Dahlia hob langsam den Blick.

Vor ihr stand derselbe blonde Typ vom Dach.

Während hinter ihr sofort mehrere aufsprangen und kampfbereit wurden, reagierte Dahlia kaum.

Ihr Blick blieb ruhig.

Fast gelangweilt.

„Aus dem Weg, Prinzessin", sagte sie nur trocken und drückte ihn leicht zur Seite.

Der Fremde zog überrascht die Augenbrauen hoch.

Dann grinste er.

„Prinzessin? Ich heiße Kaelian."

Dahlia blickte über ihre Schulter.

„Hab ich gefragt?"

Ohne auf eine Antwort zu warten, ging sie weiter Richtung Dach.

Hinter ihr richtete Ares sofort seine Glock auf den Neuen.

„Wer bist du?"

Kaelian hob beide Hände leicht.

„Hades hat mich hergebracht."

Kai und Atila tauschten sofort misstrauische Blicke aus.

„Hab ihn oben getroffen", erklärte Kaelian ruhig. „Wusste nicht, dass es noch so viele Menschen gibt."

Sein Blick wanderte kurz durch den Raum.

„Nennt mich einfach Kael."

Dabei grinste er locker, als würde gerade nicht die Welt untergehen.

Dahlia interessierte es kaum, wer neu ins Team kam. Angst hatte sie keine.

Zumindest nicht um sich selbst.

Denn selbst wenn Kael gefährlich gewesen wäre, hätte er niemals bis zu den anderen geschafft. Dafür waren Ares, Violet und die restlichen Kämpfer viel zu aufmerksam.

Dahlia stieg die letzten Treppen zum Dach hoch und drückte die Tür auf.

Der kalte Wind traf sofort ihr Gesicht.

Und natürlich stand Hades dort.

„Keinen anderen Platz gefunden?", fragte Dahlia genervt und verdrehte leicht die Augen.

Hades blickte sie kurz an.

„Nein."

Kurz.
Knapp.
Wie immer.

Dahlia seufzte leise.

„Dann geh ich eben."

Sie drehte sich direkt wieder um und wollte verschwinden.

Doch Hades beobachtete sie einfach nur schweigend.

Die Tür knallte laut hinter ihr zu.

Dahlia war mittlerweile wirklich genervt. Sie hatte einfach nur kurz alleine sein wollen und selbst das funktionierte nicht mehr.

Zurück im Saal ließ sie ihren Blick durch den Raum gleiten. Eigentlich war dieser Ort perfekt. Groß genug. Sicher genug. Warm genug.

Für den Moment zumindest.

Ihr Blick blieb schließlich an Kaelian  hängen.

Er saß entspannt auf einem der Betten und musterte sie interessiert.

„Du bist also Dahlia."

„Sieht wohl so aus."

Ihre monotone Antwort ließ ihn leicht grinsen.

Natürlich hatte sie Fragen. Wie hatte er alleine überlebt? Woher kam er? Warum wirkte er so ruhig?

Doch Reden war gerade das Letzte, worauf sie Lust hatte.

Also setzte sie sich einfach wieder auf ihr Bett.

Neben ihr lagen wie immer ihre beiden Katanas.

Kurz darauf setzten sich Violet, Liliana und Dorothy ebenfalls zu ihr.

„Alles okay?", fragte Liliana vorsichtig.

Dahlia nickte einfach.

Die Mädchen beobachteten sie jedoch weiterhin aufmerksam. Violet besonders.

Denn Violet bemerkte längst, dass Dahlia sich verändert hatte.

Sie wurde stiller.

Nachdenklicher.

Und immer wenn Hades den Raum betrat, spannte sich ihr ganzer Körper automatisch an.

Die Zeit verging langsam, bis schließlich auch Hades zurückkam. Nach und nach versammelten sich alle um den großen Tisch, während Kael begann zu erzählen, wie er alleine überlebt hatte.

Nur Dahlia und Ares hielten etwas Abstand.

Ares setzte sich neben sie und musterte sie kurz.

„Du weißt, dass du mit mir reden kannst, oder?"

Dahlia nickte nur leicht.

Sie war gerade viel zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt.

Dann hörte sie plötzlich Kaels Stimme.

„Ich hab damals eine Katana gefunden... und irgendwie hatte ich das Gefühl, sie spricht mit mir."

Sofort hob Violet den Kopf.

Auch Dahlia blickte jetzt auf.

Erst jetzt bemerkte sie die Waffe richtig.

Kael zog die Katana langsam hervor und betrachtete die dunkle Klinge beinahe ehrfürchtig.

„Kagejin", sagte er ruhig. „Die Schattenklinge."

Dahlia spürte sofort die Energie der Waffe.

Sie verstand genau, was er meinte.

„Wie heißen deine?", fragte Kael schließlich und blickte zu ihren Schwertern.

Dahlia ließ ihren Blick kurz zu den Katanas gleiten.

„Akahana. Die Blutblüte."

Ihre Finger glitten langsam über die erste Klinge.

„Und Kurotsuki. Der Schwarze Mond."

Kael grinste leicht.

„Die mögen dich."

Dahlia nickte ruhig.

„Ich weiß."

Dann blickte sie kurz auf ihre Schwerter.

„Sie haben mich ausgesucht."

„Da haben sich zwei gefunden", murmelte Atila belustigt und warf dabei einen kurzen Blick zu Hades.

Und sofort bemerkte er dessen Gesichtsausdruck.

Hades sah alles andere als begeistert aus.

Obwohl Dahlia und Kael kaum miteinander gesprochen hatten, störte ihn alleine die Tatsache, dass sie sich verstanden.

Und  das machte ihn innerlich aggressiv.

Denn Hades hatte Kael selbst hergebracht.

Jetzt musste er dabei zusehen, wie dieser problemlos mit Dahlia redete.

Den restlichen Abend versuchte Dahlia sich irgendwie abzulenken.

Doch egal was sie tat — ihre Gedanken wanderten immer wieder zurück zu diesem Kuss.

Sie ertappte sich sogar dabei, wie ihre Finger automatisch ihre Lippen berührten.

Erst als sie aufsah und bemerkte, dass Hades sie beobachtete, zog sie ihre Hand sofort weg.

Sein Blick lag direkt auf ihren Lippen.

Und plötzlich wurde Dahlia heiß.

Sie hasste es, dass ihr der Kuss gefallen hatte.

Die Art, wie er sie festgehalten hatte.
Wie seine rauen Lippen auf ihren gelegen hatten.
Wie seine Finger durch ihre Haare gefahren waren.

Schnell verdrängte sie den Gedanken wieder.

Er wollte sie tot sehen.

Sie durfte sich niemals in jemanden wie ihn verlieben.

Etwas weiter entfernt saß Liliana neben Violet auf einem Bett und bemerkte irgendwann, dass Atila sie immer wieder ansah.

Jedes einzelne Mal erwischte er sie dabei.

Und jedes Mal grinste er anschließend oder zwinkerte ihr zu.

„Was habt ihr eigentlich alle mit euren Blicken?", fragte Violet irgendwann genervt und schaute zwischen Liliana und Atila hin und her.

Mittlerweile kam sie sich vor wie in irgendeinem schlechten Liebesfilm mitten in der Apokalypse.

Nicht einmal sie selbst starrte Ares so an wie Atila Liliana.

Von Hades und Dahlia wollte Violet gar nicht erst anfangen.

Manchmal sah Hades Dahlia an, als würde er für sie alles niederbrennen.

Und im nächsten Moment wieder, als würde er ihr persönlich den letzten Atemzug rauben wollen.

Violet war nicht dumm.

Sie hatte längst bemerkt, dass zwischen den beiden etwas passiert war.

Dafür hatten die geschwollenen Lippen von Dahlia und der rote Handabdruck auf Hades' Gesicht völlig gereicht.

Doch sie sprach es nicht an.

Denn so wie Dahlia aussah, würde sie explodieren, sobald jemand das Thema erwähnte.

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