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„Und?", richtet Jocelyn ihren Blick neugierig auf mich, „Wie war das Date gestern?"

„Das war doch kein Date", antworte ich und kritzele geistesabwesend auf dem Block vor mir herum.

Der Abend mit Kiyan war toll gewesen. Wir saßen bis weit nach Sonnenuntergang in dem kleinen, aber feinen, Diner und haben geredet - Und wie wir geredet haben! Dann war Kiyan so nett gewesen und hat mich nach Hause gefahren. Mehr ist nicht passiert, aber jetzt kenne ich den Blauäugigen um einiges besser. Er ist witzig, ehrlich und sehr zuvorkommend. Mich verwirrt es immer noch, dass er bei unserem ersten Treffen so kalt war und sich jetzt so benimmt, als wäre nichts gewesen. Jungs und ihre Stimmungsschwankungen.

„Natürlich war das ein Date!", ruft die Blondine neben mir empört aus, „Ich meine, ihr habt euch schon geküsst und wenn ihr danach Essen geht ist das ganz klar ein Date."

Augenverdrehend schaue ich meine Freundin an: „Jocelyn", lache ich, „Für mich war das kein Date. Es lief ja auch nichts weiter, wir haben nur geredet."

„Egal!", beharrt Jocelyn auf ihrem Standpunkt, „Er mag dich und du magst ihn. So einfach ist das."

„Einfach?", echote ich, „Gar nichts ist einfach. Ich kann ihn nicht einschätzen. In der Gruppe benimmt er sich mir gegenüber, als wären wir schon längst ein Paar. Wenn wir alleine sind ist er zwar höflich, witzig und so weiter, aber zurückhaltend. Ganz zu schweigen, von seiner kalten Seite. Kann der Typ sich mal entscheiden?!"

„Das wird schon", versucht meine Nebensitzerin mich zu beruhigen, „Anderes Thema: Hast du Aufgabe vier?"

„Äh, ja", meine ich leicht überrumpelt von dem plötzlichen Themenwechsel, „Hier", ergänze ich noch und schiebe mein Arbeitsblatt zu ihr rüber. Wir haben gerade Biologie-Unterricht und unser Thema ist die tolle Immunreaktion. So ein Dreck. Ich bin echt kein großer Fan von Biologie und bereue es richtig, dass ich dieses Fach nicht abgewählt habe.

„Boar, Danke!" Erleichtert greift Jocelyn nach dem zweiseitigen Aufgabenblatt und beginnt ihre Antworten mit meinen zu vergleichen und gegebenenfalls zu ergänzen. Auch wenn ich Biologie nicht mag, heißt das nicht, dass ich schlecht darin bin. Mein Schnitt liegt bei 1,3 - ich denke, dass sagt alles.

✼ ✼ ✼

„Ist das nicht Kiyan?", stupst Jacob mich an und deutet mit seinem Finger über die Schülermenge hinweg in Richtung Parkplatz, als wir das Schulgebäude verlassen.

„Wo?", frage ich und folge mit meinem Blick seinem Finger.

Tatsächlich, da steht er. Lässig an seinen schwarzen Wagen angelehnt, tippt er in seinem Handy herum. Er trägt eine Jeans, kombiniert mit einem weißen T-Shirt und Lederjacke. Heiß!

„Was will er hier?", frage ich meinen besten Freund und kaue nervös auf meiner Unterlippe herum, „Er will doch wohl nicht zu mir?", gebe ich kurz darauf entsetzt von mir. Denn ich bin sowas von nicht bereit ihn zu treffen. Ich trage eine graue Jogginghose, ein schwarzes CropTop und darüber eine graue Kapuzenjacke. So kann ich ihm nicht unter die Augen treten. Ich bin total underdressed.

„Natürlich will er zu dir, zu wem denn sonst?", gibt Jacob überzeugt von sich und grinst mich frech an, „So kacke siehst du gar nicht aus", meint er und wickelt sich eine meiner braunen Haarsträhnen um den Finger.

Und wie aufs Stichwort vibriert mein Handy.

Kiyan: Komm endlich. Ich sehe, dass du bei Jacob stehst.

„Er hat uns entdeckt", wende ich mich verzweifelt an meinen besten Freund.

„Alter, Allison! Jetzt geh schon, normalerweise bist du doch auch nicht so eine Diva!"

„Ist ja schon gut", nuschele ich entschuldigend, umarme Jacob zur Verabschiedung und laufe dann auf Kiyan zu.

„Hey", begrüße ich ihn und lächele zurückhaltend, „Was machst du hier?" Ich fummele mit meinen Händen an meiner Jacke herum und nach einigem hin und her, entscheide ich mich den Reißverschluss zur Hälfte nach oben zu ziehen. Mein Outfit ist mir unangenehm, könnte vielleicht daran liegen, dass ich aussehe wie eine Obdachlose.

„Ich wollte dich sehen, Sweetie. Was denn sonst?", grinst Kiyan mich frech an. Zu meiner Überraschung überbrückt er den Abstand zwischen uns und schließt mich in seine Arme: „Du siehst süß aus."

„Süß?", meine ich verwirrt, „Du meinst wohl eher, ich sehe aus wie ein kompletter Vollidiot." Ich erwidere seine Umarmung und genieße sie einfach nur. Kiyan kann so gut umarmen, ich könnte stundenlang hier stehen.

„Du solltest mal sehen, wie ich in der Schule rumlaufe", gibt Kiyan von sich und löst sich lächelnd von mir, „Deine Frisur gefällt mir", fügt er hinzu und streicht mir eine Haarsträhne, die sich aus meinem Zopf gelöst hat, zurück.

„Du bist witzig", meine ich nur augenverdrehend, „Du hast mich mit deinem Besuch eben überrumpelt."

„Sorry", grinst Kiyan ohne jede Spur von Reue in seiner Stimme, „Komm, steig ein. Ich fahr dich nach Hause."

„Cool, gratis Taxi", necke ich ihn und stoße ihm einmal frech an der Schulter an, bevor ich um das Auto herumlaufe und an der Beifahrertür einsteige.

„Oha, dass bin ich also für dich? Ein Taxi", gespielt verletzt greift der Schwarzhaarige sich an die Brust, als er in sein Auto einsteigt.

Meine einzige Antwort ist ein fröhliches Lachen, bevor ich mich von ihm abwende und aus dem Fenster schaue.

„Hattest du heute keine Schule?", frage ich Kiyan nach einer kurzen Stille, „Oder hattest du einfach früher aus?"

„Habe Freitags immer früher aus", antwortet Besagter und lenkt das Auto um die Kurve.

„Echt? Wie cool", meine ich begeistert, „Und ich muss immer bis 14.00 Uhr in der Schule hocken."

Wir plaudern den Rest der Fahrt belanglos, während Kiyan meinen Wegbeschreibungen folgt. Schließlich stehen wir vor meinem Haus, in dem ich gemeinsam mit meiner Mum wohne. Es ist nicht sehr groß, aber ausreichend für uns beide.

Kiyan lenkt das Auto an den Straßenrand und stellt den Motor ab.

„Willst du noch mit rein kommen?", frage ich ihn, „Meine Mum ist nicht da und ich habe sowieso nichts zu tun."

„Du hast sowieso nichts zu tun? Also erst bin ich nur der Taxifahrer und jetzt ein bloßer Zeitvertreib?", ärgert mich Kiyan.

„So war das doch nicht gemeint", rudere ich schnell meine Aussage zurück, „Ich würde mich sehr freuen, wenn du noch mit rein kommst", korrigiere ich mich, mit einem übertrieben freundlichen Lächeln.

„Aber gerne doch, Sweetie", lächelt Kiyan ebenso übertrieben und nahezu zeitgleich öffnen wir die Türen des SUV und steigen aus.

Kiyan schließt sein Auto per Knopfdruck ab und dann gehen wir die wenigen Schritte bis zur Haustür. Ich hole den Schlüssel aus meiner Hosentasche und öffne die dunkelbraune Tür.

„Schön habt ihr's hier", gibt Kiyan von sich, kaum betritt er den Flur.

„Danke", lächele ich ihn ehrlich an und ziehe, genau wie er, meine Schuhe aus. Meine Sweaterjacke streife ich mir auch von den Schultern, um sie an einem der Haken aufzuhängen.

„Heiß", kommentiert der Schwarzhaarige mein Outfit und stößt einen kurzen Pfiff aus. Denn nun stehe ich nur noch in Jogginghose und CropTop vor ihm: „Ach, halt die Klappe", erwidere ich augenverdrehend, „Hast du hunger?"

„Ja, ich könnte schon was vertragen."

„Dann komm", weise ich ihn an und laufe in unsere recht kleine Küche. Meine Mutter stellt mir immer etwas zu essen in den Ofen, wenn sie länger arbeiten ist. So muss ich es nur noch aufwärmen.

„Passt Lasagne?", frage ich Kiyan und blicke kurz in seine Richtung. Er hat sich lässig an die Küchenzeile gelehnt und mustert mich aufmerksam. Auf meine Frage hin nickt er nur.

Lasst doch gerne ein Sternchen da! <3

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