Plan Q?
Den Anfang der nächsten Woche verbringe ich damit herauszufinden, wen ich zur Frühlingsfeier mitnehme. Ich fange sogar an eine Liste zu schreiben, doch irgendwie fällt es mir schon schwer überhaupt einen Namen drauf zu schreiben.
Auch Betty unterstützt mich beim Nachdenken, die beste Freundin die sie ist.
Am Mittwoch geht Julia dann shoppen. Meine Mutter besteht darauf, dass man auf Frühlingsfeiern nur Kleider mit Blumenmuster tragen kann.
Die mochte ich noch nie. Sie teilen sich den 1. Platz auf meiner ‚schreckliche Kleider'-Liste mit Glitzerkleider.
Oder Palettenkleider.
Nachdem ich das dritte Kleid anprobiert habe, gebe ich auf. Es ist weiß und hat blaue große Blüten über den ganzen Rock verteilt. Außerdem hat es diese nervigen Ärmel die einfach bei den Armen runter hängen und das Kleid schulterfrei machen.
Meine Mutter ist begeistert, Julia lächelt. Jules verdreht die Augen.
„Das ist es!", ruft sie erfreut und gibt der Verkäuferin ein Zeichen, die das Kleid nun auch bestaunen kommt.
Ok, es ist ganz hübsch. Aber ich bin doch kein Blumenmädchen auf einer Hochzeit, oder ein Garten.
Also gibt meine Mutter viel zu viel Geld aus. Für das Blumenkleid, blaue Schuhe, eine Frisur und am Ende des Tages essen wir sogar etwas, was nicht grün ist.
Oder Blumen enthält. Zum Glück.
„Hast du denn schon einen jungen Mann gefunden, der dich begleitet?", fragt sie mich, während sie versucht das Sushi zwischen den Stäbchen zu balancieren.
„Ich bin dabei. Es ist gerade ziemlich stressig in der Schule."
„Wie war deine Mathe-Prüfung?"
„Gut, ich habe eine eins."
Sie nickt nur, meine Noten ist sie schon gewohnt.
Am Tisch neben uns sehe ich Leute von meiner Schule. Normalerweise würde ich panisch werden, denn heute habe ich es sogar für Julias Verhältnisse übertrieben. Hohe Schuhe, falsche Wimpern, enges Kleid. Alles ist dabei. Doch irgendwie bringt mich das gerade nicht aus der Ruhe.
So wichtig mir die Trennung von Jules und Julias Leben ist, diese Feier bereitet mir gerade mehr Sorgen.
Meiner Mutter ist das wichtig und zur Abwechslung ist es auch mir irgendwie wichtig.
Und als ich am nächsten Tag auf dem Schulhof stehe, in einem normalen grauen T-shirt und meiner Brille, fange ich an meine Liste abzuarbeiten.
Ja, ich habe es geschafft Namen drauf zu schreiben, obwohl es nur drei sind. Und zwei Personen sind gerade nicht meine liebsten.
„Hi!"
Number one: Joe.
Ok ja, er hat etwas mit Anna. Aber er sieht gut aus, ist lustig und ich kenne ihn schon ewig.
„Hi, Jules! Wie geht's?"
„Gut, gut. Du Joe, ich hätte eine Bitte."
„Oje, was habe ich angestellt und was hat Anna gesagt?"
„Nichts, wirklich! Aber ich bräuchte ein fake Date für diese Party und da wärst du der perfekte Kandidat!"
„Fake Party?"
„Ja ich muss dort gut rüberkommen und muss eine Begleitung mitnehmen."
„Naja wenn du mich so unbedingt brauchst. Wann ist diese Party denn?"
„Du bist der Beste! Am Samstag um Acht."
„Diesen Samstag?"
Oje, das klingt nicht gut.
„Ja?"
„Betty und ich fahren das erste mal meinen Vater besuchen..."
„Stimmt, das habe ich ganz vergessen! Kein Stress Joe, ich finde schon jemanden!"
Joe schaut mich entschuldigend an.
Naja, da bleibt mir wohl nichts Anderes übrig als seinen Namen durchzustreichen.
Number two: Seth (Ich weiß, schrecklich)
Ich sollte mir wirklich andere männliche Personen in meinem Leben suchen. Vielleicht jemanden netten, das wäre schon ein Fortschritt.
Also warte ich nach der Schule vor der Turnhalle und hoffe, dass Seth zufällig ganz alleine raus kommt. Was natürlich nicht der Fall ist.
Also spiele ich Stalkerin und folge ihm zu seinem Auto, wo er endlich alleine ist.
„Na, brauchst du wieder eine Mitfahrgelegenheit?"
„Bei deinem Fahrstil? Nein, danke."
Er lacht nur und will sich umdrehen.
„Warte!"
Der dunkelhaarige Junge bleibt stehen. Man kann ein kleines Tattoo auf seinem Oberschenkel erkennen, das durch die Sporthose schimmert.
„Was ist? Willst du meine Muskeln bestaunen?"
„Nein. Eigentlich brauche ich deine Hilfe."
„Aha, und wieso denkst du, ich würde dir helfen?"
„Naja, du bist ja mein neuer Lieblingsbruder und..."
„Ciao, Julietta."
Juli-was?
Ich versuche ihn einzuholen und stelle mich vor ihn.
„Wieso trägst du eigentlich plötzlich eine Brille?"
Seine Frage ignorierend versuche ich meinen ganzen Mut zu sammeln.
„Seth, ich würde dich nicht fragen, wenn ich irgendeine andere Wahl hätte. Ich bräuchte wirklich jemanden, der mit mir auf ein Frühlingsfest geht, damit ich diesen Job bekomme."
Er geht einen Schritt auf mich zu, sodass ich seinen Atem auf meiner Stirn spüre.
Ja, er ist ein bisschen größer als ich.
„Wenn das so ist Juliette..."
Und noch ein Schritt und damit auch 10 Schläge pro Minute mehr.
„...nein."
Er entfernt sich wieder, doch mein Herz beruhigt sich nicht. Vor Wut fällt mir nichts Anderes ein, als einfach zu gehen.
Dummer Seth.
Wieso bin ich heute nicht mit dem Auto gefahren?
Dummer Bus.
Aber nicht so dumm wie Seth.
Und schon steht nur noch ein Name auf meiner Liste. Und das war wirklich Plan Q.
Denn eigentlich will ich diese Person nicht einmal sehen.
-
„Naja, er hat einfach nein gesagt."
„Einfach nein?"
„Ja, er hat eine dramatische Kunstpause gemacht und dann nein gesagt."
„Sehr nett ist er ja wirklich nicht."
„Wow, no shit sherlock!"
Ich lasse mich verzweifelt auf mein Bett fallen, während meine beste Freundin versucht mich aufzuheitern.
„Naja, jetzt kannst du nur noch Chad fragen."
„Ist dir wirklich niemand mehr eingefallen?"
„Tut mir leid, Jules."
„Gut, dann frage ich morgen Chad, wie schlimm kann so ein Frühlingsfest mit ihm schon sein."
„Bist du dir sicher? Er war schon ein richtiger Idiot zu dir."
„Ja, ich schaffe das schon. Solange er nicht betrunken ist und wir nicht alleine sind, kommt Julia mit ihm zurecht."
„Ok, wenn du meinst."
„Wie geht's eigentlich jetzt mit Alex?"
Und schon erzählt sie und endlich reden wir nicht mehr über mich. Jules mag diese ganze Aufmerksamkeit ja gar nicht.
Als Betty auflegt, strenge ich noch einmal alle meine Gehirnzellen an. Doch mir fällt einfach niemand ein. Morgen ist Freitag.
Und schon werde ich panisch.
Also gehe ich duschen und versuche runter zu kommen. Als ob das Wasser alle meine Probleme abwäscht.
Als ich dann sauber und nach Rosen riechend mein Zimmer betrete sehe ich, wie mein Handy aufleuchtet.
„Na gut, aber ich habe etwas gut bei dir, Juliette.", steht vor meinem Handyhintergrundbild von einem süßen Malteser-Hund.
Meine Herzfrequenz steigt, alles was ich abgewaschen habe kommt zurück.
Und alles was ich mir denke ist:
Meint er das ernst?
Und dann erwische ich mich dabei, wie ich ganz kurz lächle.
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