Chapter 48 | Resolution
„Ich hab's dir doch gesagt!" sagte Lazaro kurz bevor wir das Rudelhaus erreichten. Verwirrt schaute ich zu ihm rüber, doch er deutete nur mit einem leichten Kopfnicken in Richtung des Rudelhauses.
„Schau ganz unauffällig zu unserem letzten Stockwerk hoch." Erklärte er per Mindlink und ich riss etwas überrascht die Augen auf. Also das hatte Lazaro vorhin damit gemeint! Ich hatte ja total vergessen, dass Kyran die beste Aussicht aus seinem Zimmer hatte. Er stand mit verschränkten Armen vor seinem riesigen Panoramafenster und jedes Mal wo ich heimlich zu ihm heraufschaute, fuhr mir ein kalter Schauder über den Rücken. Wer weiß, was für komische Szenarien er sich in seinen Gedanken gerade ausmalte oder wie lange er uns bereits beobachtete...
„Fang an zu humpeln." Befiehl ich ihm per Mindlink. Er schaute mich mit gehobener Augenbraue an aber als ich ebenfalls in Richtung Rudelhaus deutete, nickte er.
Ich sah noch dabei zu, wie uns Kyran Schritt für Schritt mit seinen Blick verfolgte, doch als wir kurz vor der Terrasse ankamen und ich zu ihm hinauf schaute, erkannte ich keinerlei Figur die am Fenster stand. Ich ahnte bereits schlechtes....
„Woher kommt ihr denn zwei her?" fragte er uns neugierig gleich nachdem wir einen Schritt in das Rudelhaus setzten. Wir sind extra hinten rum gelaufen, doch Kyran hatte es dennoch geschafft, innerhalb von Sekunden hier aufzutauchen. Wieso fühlte ich mich plötzlich so ertappt vor?
„Amanda wollte unbedingt mit mir trainieren." antwortete ihm Lazaro nachdem er bemerkte, dass ich kein einziges Wort rausbekam.
„Und wieso seid ihr extra in den Wald dafür gegangen?" fragte er mich und schaute mir tief in die Augen. Ignorierte dabei Lazaro...
„Um die anderen nicht einzuschüchtern?" antwortete ich, doch Kyran hatte mich mit seinem Blick so arg eingeschüchtert und verunsichert, dass meine Antwort eher wie eine Frage klang. Um meine Aussage zu retten, setzte ich ein schiefes Lächeln auf und griff Lazaro unter seinem Arm. Er taumelte zwar etwas überrascht zurück, legte aber ohne irgendeinen Einwand den Arm um mich herum.
„Ich muss Lazaro zur Krankenstation begleiten, denn der Kampf ist genauso wie letztes Mal ausgegangen." Sagte ich mit einem siegessicheren Grinsen, während ich deutlich das empörte Schnaufen von Lazaro neben mir hörte. Dies brachte mich nur noch mehr zum Lächeln. Wir liefen schon los, doch ehe wir das Treppengelände erreichen konnten, blieb Kyran plötzlich direkt neben Lazaro stehen.
„Du kannst schon mal vorgehen Amanda." Meinte er nur während er Lazaro ebenfalls unter den Arm griff und mich abwartend über seine Schultern hinweg anschaute.
„Hmm, ja klar! Ich warte dann oben auf euch." antwortete ich nach einem kurzen Moment des Zögerns. Ich lief extra langsam die Stufen hoch und als ich oben ankam und nach hinten blickte, erkannte ich keinerlei Spur von den beiden. Ich lehnte mich etwas an dem Treppengelände an um was zu sehen bzw. zu hören, doch meine Bemühungen blieben leider ohne Erfolg.
Kurze Zeit später entschied ich mich einfach dafür, zu einen der leerstehenden Krankenzimmer zu laufen. Ich setzte mich auf den kleinen Drehhocker drauf und drehte mich einige Male um mich herum, aber nachdem sie nach einer Weile lang noch immer nicht auftauchten, stand ich auf und lief zu der kleinen Kommode hin. Auf der Kommode lagen noch einpaar Krankenakten und jede Menge Papierkram drauf. Ich blätterte durch einige dieser Unterlagen durch und schnappte mir einen der Notizbücher. Sein rubinroter Ledereinband hatte sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In den ersten Seiten hatte Dr. Michelson eine Art täglichen Krankheitsbericht über einen unserer Rudelmitglieder geführt. Die darauffolgenden Seiten waren jedoch alle blank.
Mein Blick war zwar noch immer auf die blanken Seiten dieses Notizbuches gerichtet, doch meine Gedanken schweiften immer wieder zu meinem vorherigen Gespräch mit Lazaro ab. Lazaro's Worte haben mich zwar sehr überrascht und schockiert, haben mir aber was einige Sachen betraf, die Augen geöffnet. Ich hatte jetzt ein total anderes Verständnis für das ganze hier.
„Zur Strafe muss er jetzt die Wachen vor Luna Mary's Zimmer ablösen." Flüsterte mir Kyran plötzlich ins Ohr und ich zuckte vor Schreck zusammen. Das schwere Notizbuch glitt mir aus der Hand und während ich versuchte mein rasendes Herz zu beruhigen, hob es Kyran für mich auf.
„Ich mag es nicht, wenn man mich veräppelt." Sagte er nur als er es mir zurückgab und sich ebenfalls, wie ich zuvor, auf den Drehhocker setzte. Ich konnte deutlich seinen brennenden Blick auf meinem Rücken spüren und als ich mich schließlich zu ihm umdrehte, schaute er mich abwartend an. Erwartet er etwa eine Entschuldigung?
„Wer es aber wirklich nötig ihn nochmal arbeiten zu schicken? Selbst wenn wir uns einen kleinen Spaß mit dir erlaubt haben, hat er dennoch so einiges abbekommen." Ich drehte mich zu ihm herum und schaute ihn mit einem ernsten Blick an. Dennoch konnte ich meinen Stolz nicht vor ihm verbergen. Der Sieg gegen Lazaro hatte zugegeben, mein Ego ziemlich gepuscht. Ein Gefühl, dass ich schon seit längerer Zeit nicht gefühlt hatte...
„Er hat bereits schlimmeres durchmachen müssen. Eine Stunde Wache stehen, sollte für ihn also zu schaffen sein." rechtfertigte er sich, doch als er meinen genervten Gesichtsausdruck bemerkte, stand er wieder auf und kam einen Schritt auf mich zu.
„Ich liebe es, wenn du verärgert bist." Sagte er als er vor mir kurz stehen blieb und mich anzwinkerte. Er wollte schon gehen aber als er jedoch an mir vorbeilief flüsterte er mir noch etwas ins Ohr.
„Lazaro bekommt morgen einen freien Tag. Du brauchst dir also deshalb keine Sorgen mehr zu machen". Er hatte schon beinahe die Türe erreicht, als ich ihn mit einem lauten „Warte" noch davon abhielt das Zimmer zu verlassen.
„Ich würde Luna Mary einen kurzen Besuch abstatten. In den nächsten Tagen, werde ich ja keine Möglichkeit dazu haben." Informierte ich ihn während ich unsicher auf seine Reaktion wartete. Da ich mich die nächsten Tage ausschließlich nur um seine Mutter kümmern musste, wurde mir keine andere Möglichkeit dafür geboten, Mary einen Besuch abzustatten. Obwohl er sich nur ein kleines Stück zu mir umwandte, konnte ich deutlich sein Unbehagen erkennen. Trotzdem nickte er mir nach einigen Sekunden des Schweigens, verständnisvoll zu.
„Ich hab Lazaro bereits über deinen Besuch informiert." Ein schwaches Lächeln legte sich über meine Lippen und ohne etwas Weiteres zu sagen, verließ er das Zimmer.
Ohne Zeit zu verlieren, schnappte ich mir das Notizbuch und einen Stift und lief eilig die Treppen runter. Vor meinem alten Zimmer angekommen, erblickte ich Lazaro, der mit einer verkrümmten Haltung und einen müden Gesichtsausdruck neben der Türe stand und angeblich Wache hielt. Einmal pusten und er wäre bestimmt umgekippt. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich daran ihn zu erschrecken, doch entschied mich letztendlich doch noch dagegen. Ich wollte ihm ja keinen weiteren Ärger bereiten.
„Tut mir nochmal Leid wegen vorhin. Hatte nicht gedacht, dass dich Kyran hierzu verdonnern würde." Entschuldigte ich mich bei ihm als ich direkt neben ihn stehen blieb. Obwohl er über meinen Besuch Bescheid wusste, zuckte er dennoch überrascht zusammen. Er straffte sofort seine Schultern, nahm eine aufrechte Haltung ein und schaute mich einen selbstbewussten Blick an. Versuchte seine Müdigkeit zu verstecken...
„Du brauchst dich bei mir nicht zu entschuldigen. Immerhin war ich mir den Konsequenzen ja bewusst." Gestand er.
„Ja aber das war doch voll unnötig!" ärgerte ich mich auf. Lazaro legte mir seine Hand auf die Schulter und beugte sich zu mir herunter.
„Das ist doch ganz normal. Macht dir deshalb keinen Kopf mehr. Jetzt stehen wir schon so lange hier rum. Wolltest du dieser Luna hier drinnen nicht einen Besuch abstatten?" fragte er mich während er auf die Türe hinter uns deutete.
„Jetzt geh schon. Sie wartet wahrscheinlich bereits auf dich." Er deutete erneute auf die Türe hinter uns und nahm seine ursprüngliche Position wieder ein. Starrte auf die gegenüberliegenden Wand und Ignorierte mich. Ich musterte ihn ein letztes Mal, ehe ich mein altes Zimmer betrat. Noch bevor ich die Tür vollständig öffnen konnte, hatte sich Mary bereits aufgerichtet und die Beine über den Bettrand geschwungen.
„Bleib ruhig liegen!" rief ich ihr noch zu, doch sie war zu schnell für mich.
„Ach das passt schon." Vergewisserte sie mir während sie ihre Hand auf ihrem Bauch legte und mich mit ihrem ansteckenden Lächeln überrumpelte. Sie sah um einiges besser aus, doch ich wusste nicht, wie lang dieses Lächeln noch anhalten würde...
„Du siehst so skeptisch aus heute." Bemerkte sie als sie zu mir herüberschaute. Erst in diesem Moment realisierte ich, dass ich noch immer neben der Türe stand. Mit eiligen Schritten lief ich zu dem Stuhl neben ihrem Bett, doch als ich mich hinsetzen wollte, spürte ich etwas Unangenehmes. Ich lehnte mich ein kleines Stückchen zurück und zog den den Stift aus meiner Hosentasche raus. Hatte ja total vergessen das ich den dahin tat.
Mary schaute mich schon ziemlich verwirrt an, aber als ich mit dem Zeigefinger auf mein Ohr tippte, verstand sie sofort was ich mit dieser Handbewegung meinte.
Die Wände um dieses Zimmer waren um einiges dünner als die des Kerkers. Denn während man hier oben alles mithören konnte, kam kein einziger Laut aus dem Kerker. Niemand konnte wissen, was da unten geschah.
Lazaro schien zwar eine richtig vertrauenswürdige Person zu sein, aber da ich ihn nicht so lange kannte, konnte ich nicht zu 100% von dieser Annahme ausgehen. Außerdem könnte er, genauso wie er mir alles über sein Gespräch mit Kyran erzählt hatte, auch Kyran alles über mein heutiges Gespräch erzählen.
„Wie geht es dir?" fragte ich sie, um diese schwere Atmosphäre etwas aufzulockern.
„Hmm, den Umständen entsprechend würde ich mal sagen. Ich hab aber mittlerweile endlich verstanden, was du letztes meintest."
„Und das wäre?" fragte ich sie irritiert. Ich konnte mich nur an Bruchteile erinnern.
„Das ich mich auf die Geburt gefasst machen soll." Sagte sie während sie ihren großen Bauch streichelte und nervös lächelte.
„Hast du dir bereits Gedanken über den Namen gemacht?" Fragte ich sie während ich ihr mit einer Handbewegung deutete, weiter zu reden. Solange ich etwas ins Notizbuch reinschrieb, sagte Mary einige Jungs u. Mädchennamen auf. Immer wieder würde ich ihr kurz zustimmen oder ihre Namenswahl hinterfragen. Als ich endlich fertig wurde drehte ich den Spieß um. Mit einem unsicheren Blick überreichte ihr das offene Notizbuch, welches wahrscheinlich sofort ihr Lächeln zu Nichte bringen würde. Jedenfalls ging ich davon aus, da die Wörter die ich gerade niederschrieb sie sicher verletzen würden.
Ich fing ebenfalls damit an, ihr einige Namen aufzusagen. Erklärte ihr wieso ich sie mochte und was sie bedeuteten. Während ich dies tat, hatte ich unbewusst auch an meine Wunschnamen für meine eigenen Kinder nachgedacht. Diese hatte ich ihr natürlich nicht aufgezählt. Es war etwas sehr intimes, was ich noch niemanden mitgeteilt hatte. Selbst Aurelia wusste darüber nicht Bescheid...
Mary nahm das Notizbuch zu sich und als ihr Blick auf die ersten Wörter fiel, verschwand ihr Lächeln Stück für Stück. Stattdessen erkannte ich Verwirrung und ein kleines bisschen Traurigkeit?
Doch diese wurden schnell durch Verständnis ersetzt.
„Ich werde dein Kind retten und es hier rausbringen. Ich werde deinen Mate aufsuchen und ihm euer Kind übergeben, doch im Gegenzug dazu verlange ich auch etwas. Er muss unverzüglich nach meiner Ankunft dort, alle unsere Gefangenen freilassen. Wenn meine Rettungsaktion vollbracht ist, werde ich mit Kyran über deine Befreiung reden. Da ich jedoch sowohl meine Zukunft als auch mein Leben dabei riskiere ist es nur fair, wenn dein Mate den Anspruch auf das Niemandsland aufgibt. Ihr liegt zwar im Nachteil, aber dein Leben und das Leben deines Kindes, liegen in meinen Händen. Vergiss nie das Versprechen welches du mir gabst. Ich will nur das Beste für unsere zwei Rudel. Ich will eine friedliche Auseinandersetzung. Ich möchte, dass alles wieder zum Alten wird. Du wirst mit deinen Liebsten wieder vereint sein und dieses Rudel muss kein Blut mehr vergießen, um seine Liebsten zu befreien. Es tut mir leid Mary, aber ich hab keine andere Wahl. Ich werde diese Seiten deinem Mate aushändigen. Du kannst dir so viele Seiten wie du willst rausreißen."
Mary's Gesicht war zwar gesenkt, doch ihr zustimmendes Nicken, war alles was ich von ihr sehen wollte.
„Da waren einige gute Vorschläge dabei. Du hattest definitiv einige sehr schöne Ideen." Sagte sie vor sich hin während sie kurz den Kopf hochhob, mich anlächelte und sich anschließend dem Notizbuch wieder zuwandte. Mit noch immer gesenkten Kopf, riss sie zweite Seiten aus dem Notizbuch raus und gab es mir zurück. Ganz vorsichtig, um nicht die Seite zu verlieren, nahm ich es zu mir zurück und richtete meinen Blick auf den einen Satz der inmitten der Seite stand.
„Ich werde darüber nachdenken und es dir in ein paar Tagen mitteilen" Stand dort...
Mary hatte wahrscheinlich einige Worte die sie ihrem Mate sagen wollte. Von jetzt auf gleich, kann man in so einem Fall nicht die richtigen Worte finden. Sie war schon einige Monate in diesem Rudel gefangen und war von Beginn an von der Außenwelt total abgeschnitten. Sie hatte vieles durchmachen müssen und ihre schwere Schwangerschaft hatte ihr zudem noch einige zusätzliche Probleme bereitet. Probleme, die ohne mein Einschreiten, fatal für sie und ihr Kind enden könnten.
„Lass dir ruhig Zeit. Ich werde in den nächsten Tagen ziemlich beschäftigt sein und kann dich deshalb erst in eine Woche wieder sehen. Bis dahin wirst du dir ja bestimmt etwas ausgedacht haben." Sagte ich und führte so langsam das Ende unseres heutigen Gespräches ein.
„Ich verstehe. Obwohl es könnte sein, dass wir uns sogar früher treffen müssen. Mein Kleines hier scheint es sehr eilig zu haben." Kicherte sie während sie ihren Bauch streichelte. Doch dieses Kichern verwandelte sich am Ende zu einem ziemlich verzweifelten Ausdruck.
„Für dich ist jetzt nur Bettruhe angesagt. Mach dir nicht so viele Sorgen und sieh zu das du etwas Ruhe und Schlaf bekommst. Apropos Schlaf. Ich glaub ich sollte demnächst auch mein Bett aufsuchen. Heute war ein ziemlich stressiger Tag."
„Dann solltest du deinen Vorschlag schleunigst Mal selber befolgen."
Obwohl Mary ein Lächeln im Gesicht hatte, gelang es ihr nie ihre wahren Gefühle von mir zu verstecken. Inzwischen hatte ich sogar das Gefühl, dass sie es gar nicht erst probieren wollte. Mary ist zu einer guten Freundin geworden. Eine Freundin, die ich unter anderen Umständen vielleicht nie getroffen hätte. Doch selbst wenn mein Plan aufgehen sollte, würde es ziemlich schwer für uns werden uns wieder zu treffen. Klar würden unsere beiden Rudel friedlich auseinandergehen, doch nach einer so langjährigen Rivalität, wäre das Misstrauen das einzige was diese zwei Rudel noch bleiben würde. Ich glaub auch kaum, dass es jemals zu einem Bündnis zwischen unseren Rudel kommen könnte.
Gerade in diesem Moment hatte nur meine Rettungsaktion die höchste Priorität. Nicht nur würde ich die Gefangenen aus Kyran's Rudel befreien können, sondern auch dieses Stück Land, um welches sich die beiden Rudel jahrelange bekämpften, für uns erobern. Ein weiterer Grund zur Freude wäre die Rückkehr von Vicky's und Kyran's Schwester. Es war zwar noch unklar ob sie sich unter diesen Gefangenen befand, doch ich hoffte sehr innig darauf. Vielleicht werde ich am Ende es ja doch noch schaffen, ein kleines Familientreffen für sie zu organisieren.
Ich hoffe, dass ich Kyran's Mutter endlich aus diesem miserablen Zustand herausholen kann. Die nächsten paar Tagen würden sehr viel Energie von mir in Anspruch nehmen. Daher sollte ich sehr darauf aufpassen, es nicht zu übertreiben. Es wäre eher semioptimal wenn ich während diesen Tagen in Ohnmacht fallen würde. Ich will auch den anderen keinen weiteren Grund zur Sorge geben. Vor allem jetzt, wo ich mit eigenen Augen mitbekommen hatte, wie arg Kyran überreagierte.
"Ich glaub ich sollte jetzt wirklich schlafen gehen." sagte ich und musste gleichzeitig dabei gähnen. Sieht so aus als hätte ich mein Tageslimit für heute erreicht...
"Schlaf gut Amanda." verabschiedete sie sich noch während sie die Seiten aus dem Notizbuch zusammenfaltete und gemeinsam mit dem Stift unter ihrem Kissen versteckte.
"Du auch Mary." mit diesen letzten Worten verließ ich mein altes Zimmer, doch als ich in den Flur heraustrat, stand da niemand mehr da. Kyran meinte zuvor, dass Lazaro eine Stunde Wache stehen müsste. Dennoch war er hier nirgendwo zu sehen.
"Über was habt ihr euch denn so lange Unterhalten bitte? Ich dachte schon du wolltest die Nacht mit ihr zusammen verbringen." hörte ich plötzlich seine Stimme im hinteren Teil des Flures. Lazaro kam mit schnellen Schritten um die Ecke gebogen und hielt ein....
"Ist das etwa ein Bier?" fragte ich ihn total entgeistert. Klar, vertragen Werwölfe ziemlich viel Alkohol aber das er jetzt hier mit einer Flasche Bier auftauchen würde, hatte ich jetzt nicht kommen sehen...
"Tja ich wurde sehr durstig nach diesem ganzen Warten." Meinte er während er einen großen Schluck aus der Flasche trank.
"Willst du mir auch etwas Gesellschaft leisten? Die anderen haben draußen auch ein Lagerfeuer aufgebaut." fragte er mich während er die Flasche senkte und hinter sich, Richtung Terrasse deutete.
„Anderen? Ich verzichte lieber darauf. Verstehe es nicht falsch ja? Ich bin einfach nur zu müde heute. Vielleicht das nächste Mal." Schlug ich ihm vor als ich seinen niedergeschlagenen Gesichtsausdruck erblickte.
„Keine Angst. Ich habe nichts missverstanden. Geh lieber zurück in dein Zimmer bevor du hier noch im Stehen einschläfst." Meinte er lächelnd als er direkt neben meiner Seite stehen blieb und wir gemeinsam durch den Flur liefen.
Vorne angekommen, blickte ich nach draußen zu der Terrasse rüber auf der sich schon einige dunkle Silhouetten um das Feuer versammelt hatten. Obwohl ich mich noch immer im Rudelhaus befand, könnte ich mir deutlich die Wärme auf meine Haut vorstellen und das Knistern des Feuers hören. Wäre ich nicht so müde, so wäre ich auf jeden Fall mit Lazaro dahin gegangen. Das alles sah nämlich ziemlich bequem aus und ich muss zugeben, ich hatte auch diese nächtlichen Gespräche irgendwie vermisst. Es wäre auch die perfekte Möglichkeit einige der anderen Rudelmitglieder besser kennen zu lernen, doch ich war gerade so müde, dass ich kaum auf meine Beine stehen konnte.
"Viel Spaß noch und übertreib es nicht!" Warnte ich ihn mit einem schwache Grinsen ehe sich unsere Wege trennten.
Oben angekommen hoffte ich insgeheim auf Kyran zu treffen. Nicht weil ich ihn unbedingt sehen wollte, sondern weil ich noch einige Fragen zum morgigen Tag hatte. Doch mein Gefühl sagte mir, dass er sich gar nicht in diesem Stockwerk aufhielt. Er saß wohl noch immer in seinem Büro. Ohne weiter zu zögern, lief ich geradewegs in mein Zimmer rein und ließ mich ins Bett reinfallen. Ich hatte nicht einmal die Kraft meine Klamotten zu wechseln geschweige denn, die Vorhänge zuzuziehen. Kaum hatte ich mich hingelegt und schon war ich weg. Weit weg in der Geborgenheit der Dunkelheit...
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Peek-A-Boo🤭
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