E L E V E N
"Jetzt red doch endlich, mein Gott!"
Konnten denn alle aufhören mich Gott zu nennen? Das wär mir persönlich ganz lieb, weil ich sonst viel zu viel Verantwortung tragen würde.
"Woher hast du das Geld?", fragte ich nach einem lauten Seufzen.
"Kann ich dir nicht verraten. Wer sagt, dass du keine undercover Agentin bist?" Er hatte sich in seinem Sitz komplett zu mir gedreht und fuchtelte beim reden ständig mit seinen Händen rum. Italiener?
"Wenn ich eine wäre, dann wärst du schon voll am Arsch, Freundchen."
Misstrauisch und fragend hob er eine Braue.
"Die Kassiererin könnte Zeugin sein, wenn ich dich anzeigen oder verklagen würde.", erklärte ich und sprach so, als wäre er geistig eingeschränkt.
"Nah, ich würde sie zum Schweigen bringen können. Hast ja selbst gesehen wie sie auf mich reagiert hat.", sagte er lässig und schnallte sich an.
Verstört verzog ich mein Gesicht.
Aber unrecht hatte er ja nicht, so wie sie ihn angeschaut hatte.
Vor Ekel lief es mir eisig den Rücken runter.
Als der Motor laut aufbrummte, zog ich den Schlüssel aus der Zündung.
"Was soll das?", rief der Junge neben mir aufgebracht.
"Es ist unhöflich nicht auf Fragen zu antworten."
"Welche Fra-.."
Ich unterbrach ihn. "Tuh nicht so auf unschuldig. Sag mir jetzt woher du das verdammte Geld her hast, oder ich zeig dich wirklich an."
Er atmete tief ein und wieder aus und dann murmelte er etwas ganz schnell, dass anscheinend die Antwort sein sollte.
"Was?"
Nochmal erklang ein Gemurmel, diesmal lauter, jedoch trotzdem unverständlich.
"Red deutlich, man!"
"Ich bin in einer Gang!" Jetzt war seine Stimme laut und hallte im ganzen Auto wieder. Aufgebracht fuhr er sich durch seine Locken und flüsterte "Fuck" zu sich selbst.
"Gang? Okay, jetzt sag doch einfach die Wahrheit." Er hatte mich einfach schon wieder angelogen und das auch noch so verdammt realistisch. Guter Schauspieler der Junge.
"Das war keine Lüge..." Sein Blick war etwas verzweifelt. Keine Lüge?
Überrumpelt starrte ich aus der Windschutzscheibe.
Gangs sind doch voll gefährlich?
Als wenn er dann damit etwas zu tun haben würde. Er war doch ganz nett und machte keine Anstalten böse zu sein.
Gangs handelten mit Drogen und machten komische Spielchen mit Waffen. Was also hatte Falschgeld damit zu tun?
"Wieso hat man mir kein Gehirn geschenkt?", sagte Francesco leise zu sich selbst und erntete ein belustigten Blick von mir.
Viele waren nicht dabei, als es Gehirne geregnet hatte.
Doch als seine giftgrüne Augen fest in meine blauen blickten, verschwand das Schmunzeln von meinen Lippen.
"Okay, du meinst das wirklich ernst...", murmelte ich. Mein Herz sackte mir in die Hose und hatte nicht vor wieder an sein Platz zu gehen, bis ich eine ausführliche Erklärung bekommen hatte.
"Ja. Und es war der größte Fehler dir das gesagt zu haben. Am besten du vergisst es einfach und... siehst mich weiterhin als normalen Mann, den du gerade kennenlernst.", ratterte er runter und starrte zum zweiten Mal den Motor. Und genauso wie beim ersten, zog ich wieder den Schlüssel raus und schmiss es auf die Rückbank.
"Ich will aber mehr wissen. Denkst du, ich vergesse, dass du eine Gefahr sein könntest?"
"Wenn du wirklich denken würdest ich wäre eine Gefahr, dann säßt du nichtmehr hier."
Verdammt. Er hatte Recht...
"Dann erklär mir verdammt nochmal alles und zeig mir, dass du nicht dieser Klischee Typ aus Gangs bist!" Meine Stimme hob sich etwas, da ich am Ende meiner Nerven war. Dieser Junge raubte mir meine ganze Geduld.
"Es ist...kompliziert."
"Nur zu. Ich hab Zeit."
Genervt schnaubte er, griff nach dem Schlüssel auf der Rückbank und steckte ihn wieder zurück an seinen Platz.
Warnend boxte ich gegen seine Schulter, weshalb er diese rieb und ein "Warte" von sich gab.
Dann warten wir mal.
♕︎
Er parkte vor einer Art Garage, in der paar Jungs und Männer gerade an einem Auto rumschraubten.
"Francesco du spast, da bist du endlich. Wie liefs mit deiner Perl-...Du hast sie mitgebracht?" Ein großer Typ mit blonden Haaren, circa mitte zwanzig, lief auf uns zu, sein Blick wurde von verwirrt zu etwas panisch und dann blieb er entgültig bei France anklagend stehen.
"Ich erklärs dir später. Also Livia. Schonmal was von Tarnung gehört?" Bei letzterem wendete er sich an mich und blickte auf mich herrab.
Langsam nickte ich und schaute mich weiter hier um. Nichts war auffällig, alles wie eine normale Werkstatt.
Der Typ stand immernoch vor uns und verstand nicht was abging. Same, bro, same.
"Diese Boxen sind unsere Tarnung. Aussen sehen sie normalaus, aber was Innen wirklich abgeht, wissen nur wir." Der Lockenkopf lief auf das auseinandergenommene Auto zu und pfiff durch seine Finger.
"Francesco, was wird das?", knurrte der Dude und lief ihm hinterher. Ich stand noch wie angewurzelt da und beobachtete das ganze.
Bis mich Francesco zu sich winkte und ich langsam zu ihm rüber ging.

***
Hello und herzlich Willkommen zu Teil eins dieser Lesenacht.
Freut euchhhhh, denn es wird spannend und emotional. Hihi
Das nächste Kapitel wird aus einer anderen Sicht (aus welcher wohl 🤭)
Bis gleich <3
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