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Taehyung Pov
Hoseok geht die Namen der Mädels durch, die ihre Nummer gestern Abend für mich hinterlassen haben.
Normalerweise verlasse ich eine Party nie vor drei Uhr Morgens, aber gestern war mir bereits vor Mitternacht die Lust vergangen und mein Bett war in meinen Augen verführerischer als die knapp bekleideten Mädels in der Bar.
Woran das liegt weiß ich nicht genau, vielleicht war ich einfach nicht in Top Form, aber ich war müde und obwohl diese Bar, in der Hoseok Jobbt eine der beliebtesten ist, war mir nur nach kurzer Zeit langweilig.
"Die hier ist doch total dein Typ!", sagt Hoseok und zeigt mir das Bild des Mädchens im Messenger.
Unrecht hat er nicht.
Auf dem Bild liegt sie mit einem Sonnenhut und nur im Bikini bekleidet auf einem Handtuch am Strand. Ihr Lächeln ist schön und sie wirkt so ausgelassen, das ist das was er meint wenn er sagt sie ist mein Typ, denn normalerweise stehe ich nicht so auf die Tussen, die sich halb Nackt im Netz präsentieren müssen.
Aber für eine Nacht wird es reichen. So lange sie am nächsten Morgen kein Bild im Bett machen oder mich zum Frühstück da behalten möchte ist es mir recht.
"Hier, kannst du ihre Nummer für mich eintippen?", frage ich ihn und reiche ihm mein Handy, dessen PIN er sowieso schon kennt.
Sie ist eigentlich nur für mich da, damit meine Eltern nichts von den ganzen Frauengeschichten mitbekommen oder irgendwie den Verlauf meines Browsers öffnen, denn das wäre mein Untergang.
Hoseok allerdings weiß so gut wie alles über mich, da ist es nichts schlimmes ihm meine PIN zu geben wo ich ihm ja sowieso die meisten Tussen in meinen Kontakten zu verdanken habe.
Obwohl mein Blick wie gebannt auf dem Bildschirm meines Handys hängt, in welches Hoseok gerade die Nummer des Mädchens eintippt, lenkt etwas anderes meine Aufmerksamkeit auf sich, als eine Tür laut aufgerissen wird und jemand aus dem WC stolpert.
Er landet auf den Knien, stützt sich allerdings an der Wand ab und kommt wieder zitternd auf die Beine. Die Blicke der Mitschüler, und zwar jedes einzelnen hier im Flur, hängen an der schwachen Gestalt, dessen Gesicht ich erst erkenne, als er den Kopf hebt.
Er ist von oben bis unten Nass und als wäre das nicht bereits schlimm genug, sehe ich wie Blut aus seiner Nase, einer Wunde an seiner Stirn und aus seiner aufgeplatzten Lippe fließt.
"Was zur...?", murmelt Hoseok neben mir und lässt das Handy sinken um sich ebenfalls anzusehen was hier geschieht.
Jungkook achtet nicht auf die ganzen Blicke, die er auf sich zieht, es ist als wäre er in seinen eigenen Problemen gefangen und viel zu sehr damit beschäftigt sich damit auseinander zu setzen, als das er das alles bemerken könnte.
Er versucht sich so schnell wie möglich zu bewegen, das merkt man ihm an, aber seine Beine zittern und immer wieder bricht er zusammen während er auf uns zu kommt und wahrscheinlich die Tür dieses Gebäudes direkt hinter uns ansteuert.
Ich ertrage das nicht. Was auch immer ihm passiert ist, er kann das nicht alleine und da niemand sonst daran interessiert zu sein scheint ihm zu helfen, werfe ich Hoseok kurz einen entschuldigenden Blick zu, bevor ich zu dem jüngeren hingehe und mich vor ihn hocke als er erneut in die Knie fällt.
"Ich kann dir helfen, Jungkook", sage ich so leise wie möglich, damit die anderen Schüler um uns herum es nicht hören. "Aber dafür muss ich dich anfassen."
Sofort schüttelt er den Kopf und versucht von alleine wieder auf die Beine zu kommen. "Fass mich bloß nicht an", flüstert er leise, fast wie eine Bitte.
Was ist ihm nur zugestoßen? Dieser Junge hätte normalerweise alleine auf den Vorschlag von mir angefasst zu werden mit Empörung reagiert, aber jetzt fleht er mich praktisch an seine Schwäche nicht auszunutzen.
"Bewahr die Ruhe", sage ich und versuche ihm mit meinen Augen zu sagen, dass er mir dieses eine Mal vertrauen soll, auch wenn er keinen Grund dafür sieht.
Ich befreie mich aus meiner eigenen, dünnen Jacke, die ein Teil der Schuluniform ist und lege sie um seine Schultern.
Das er nass ist, trifft sich gut, denn so werden die anderen denken die Jacke dient zum aufwärmen vor den kalten Temperaturen draußen, nicht das es dazu da ist um ihn anfassen zu können, ohne das er direkt in Panik verfällt.
Ich lege meine Hände auf die von der Jacke bedeckten Oberarme und helfe ihm langsam auf. "Ich bringe dich ins Krankenzimmer."
"Nein!", sagt er sofort und sieht mir zum ersten Mal in die Augen. "Ich muss nach Hause. Ich muss mich waschen. Bitte."
Er klammert sich verzweifelt an meinem Hemd fest und mittlerweile glaube ich nicht, dass es Wasser ist, das sein Gesicht befeuchtet, sondern seine Tränen, die nicht aufhören wollen zu fließen.
"Hör zu", sage ich sanft und habe ein wenig das Gefühl mit einem Kind zu sprechen, genau wie damals mit seiner Schwester. "Ich glaube, dass du kurz davor bist zusammen zu brechen. Ich lebe nur fünf Minuten mit dem Auto von hier entfernt, ich nehme dich mit zu mir und du kannst dich dort waschen, ist das in Ordnung?"
Sofort nickt er und klammert sich weiter an mein Hemd während wir den Gang entlang laufen, durch die Tür und hinaus ins Freie.
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