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Jungkook Pov
Ich stolpere ins Bad und steuere sofort die freistehende Badewanne an, ohne mich weiter auf den Rest der Einrichtung zu konzentrieren.
Die Stellen auf meiner Haut, an denen vorher noch Jimins Hände und Fäuste lagen, brennen so sehr, das ich meine Tränen nicht zurückhalten kann, egal wie gefasst ich vor Taehyung wirken möchte.
Sofort drehe ich den Wasserhahn auf und atme tief ein als das kalte Wasser aus dem Duschkopf geschossen kommt.
Der Vorteil einer freistehenden Badewanne ist ganz klar die Optik, der Nachteil aber, wie ich jetzt bemerke, dass man den Duschkopf in der Hand halten muss.
Zuerst muss ich die Zähne zusammen beißen um nicht laut auf zu schreien als das Eiskalte Wasser auf meine Haut trifft, aber schnell überdeckt diesen Schmerz das Gefühl von Erleichterung als ich nach dem Durchgel greife und es auf meinen Händen verteile.
"Jungkook", sagt Taehyung sanft meinen Namen als er hinter mir her ins Bad kommt, aber ich schüttle den Kopf und versuche mein Gesicht mit den Haaren zu bedecken.
Egal was er sagen möchte, ich kann es nicht hören. Ich möchte es nicht, die selben Dinge, die sie damals zu mir sagten.
"Spricht mit ihm, du musst es endlich tun."
"Warum ich? Der Junge lässt mich nicht an sich heran, er wehrt mich ab wie das Immunsystem es bei Krankheitserregern tut."
"Das ist nur ein Grund mehr es zu tun! Du kannst doch nicht einfach dabei zu sehen wie er sich selber ruiniert!"
"Nein, das kann ich nicht."
Immer wieder spielt sich diese Konversation in meinem Kopf ab, wie ein Audioband, das sich ständig selber wiederholt. Aber es waren die letzten Worte, die ich von ihm zu hören bekam, das letzte mal das ich seine Stimme hören durfte.
"Tae...", wimmer ich leise und kralle mich mit den Fingernägeln in meinen Oberschenkeln fest. "Kannst du die Musik anmachen? Bitte."
Es sind Momente wie diese, in denen ich merke wie wichtig mir die für andere "langweilige" Musik doch ist, weil ich befürchte ohne sie in ein dunkles Loch zu fallen, aus dem ich selber nicht mehr heraus finde.
Er nickt und verschwindet mit schnellen Schritten wieder. Ich entledige mich dem sowieso zerrissenen Hemd, knülle es zusammen und verteile das Duschgel darauf bevor ich anfange wie ein verrückter jede kleine Stelle an meinem Oberkörper damit zu schrubben, aber es hilft mir nicht.
Die Knöpfe kratzen an meiner Haut, aber obwohl mir dieser Schmerz, den die Schwämme und die ganzen Desinfektionsmittel verursachen sonst immer hilft, tut er das gerade überhaupt nicht.
Das brennen schwindet nicht, es ist viel mehr so, als würde es mit jeder Sekunde schlimmer werden, so schlimm, dass ich mir am liebsten die Haut von den Knochen reißen würde.
Meine Tränen hören auf zu fließen, das brennen auf der Haut ist kurz vergessen als ich durch den Flur die Mondscheinsonate von Beethoven höre.
Es ist selbst für mich faszinierend, wie mein Körper sich augenblicklich entspannt und für einen kurzen Moment den ganzen Schmerz ausblendet.
Ganze 15 Minuten, so lange geht die Version die ich auf dem Player habe, hält der Effekt nicht an, aber es hilft mir doch ein ganzes Stück weiter, ein unglaubliches Stück.
"Lass mich dir helfen", sagt Taehyung nachdem er den Lautsprecher, an den der Player angeschlossen ist irgendwo abstellt und auf mich zu kommt. Seine tiefe Stimme passt perfekt zu der Atmosphäre, die dieses Meisterwerk schafft.
"Du sollst mich nicht anfassen und um ehrlich zu sein wäre es mir lieber wenn du mich auch nicht siehst."
Ich muss mich waschen, jetzt und das ganz dringend, trotz der Musik die mich etwas beruhigt hat. Aber ich kann es nicht solange jemand anderes hier ist. Das habe ich noch nie getan.
"Na schön, Jungkook. Ruf nach mir wenn du etwas brauchst."
Ich nicke kaum merklich und schnappe sofort nach dem Schwamm, den er mitgebracht hat als er reingekommen ist.
Mein ganzer Körper zittert, aber ich spüre kaum mehr etwas von dem kalten Wasser, es fühlt sich an als wäre es lauwarm.
Ich drücke den Badewannenstöpsel aus Metall zu und fange an mir wie ein verrückter die Brust zu schrubben, während das eiskalte Wasser langsam die Wanne füllt.
Obwohl ich mich mittlerweile so weit beruhigt habe, dass ich im Stande sein sollte die Temperatur des Wassers auf lauwarm zu stellen, tue ich es nicht.
Trotz der Dominanz der Taubheit, spüre ich ein leichtes ziehen an manchen Stellen meines Körpers. Es ist ein Schmerz, der mich ablenkt, der die anderen Schmerzen, die der Berührungen nicht überdeckt, aber der mich in Beschlag nimmt.
"Er ist krank! Das ist nicht mehr normal!"
Ich weiß. Ich weiß verdammt, aber es ist nicht meine Schuld. Ich wollte das nicht.
Als die Wanne endlich voll mit Wasser ist, werfe ich den Schwamm, mit dem ich mir meinen gesamten Oberkörper, die Arme und den Rücken Wund geschraubt habe, auf den Boden und starre gegen die Decke, während ich mich langsam sinken lasse.
Ich hole tief Luft, bevor ich auch mit meinem Gesicht unter Wasser gehe und durch die Oberfläche das verschwommene Bild anstarre, das sich mir bietet.
Sie haben oft versucht, mich dazu zu bewegen einen Arzt aufzusuchen, aber ich wollte nicht. Mir ist klar, das mein Verhalten in keinster Weise Normal ist und das die krankhafte Angst vor Berührungen mich zerstört, aber ich habe mich damit abgefunden. Alles andere ist unwichtig.
Ich schließe die Augen, als ich merke wie die Luft knapp wird und versuche nicht mehr an die Dinge zu denken, die mir Kopfschmerzen bereiten. Ich versuche nur an diesen Moment zu denken, in dem ich an der Schwelle zum Tod stehe und mir traurigerweise bewusst wird, das es für mich seit einer Ewigkeit keinen schöneren Moment gab.
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