¤71¤ Ende
Taehyung Pov
Fünf Jahre später
Fast schon euphorisch drücke ich die Taste mit dem Punkt auf meiner Tastatur und beende damit den letzten Satz in dem Bericht, den ich über den gestern von meinem Team gelösten Mordfall schreiben musste. Ich liebe meinen Job, auch wenn viele sich darüber wundern was man daran mögen kann Fälle wie einen Mord oder einen Raub zu untersuchen um dann ellenlange Berichte darüber schreiben zu müssen. Ich tue es einfach.
Was ich aber noch viel mehr liebe ist die Zeit, die ich nach der Arbeit und an meinen freien Tagen mit dem Menschen verbringen kann, den ich am meisten liebe und der es sich sogar nicht hat nehmen lassen mir einen Brief zu schreiben.
Einwenig verwundert war ich schon, als mir meine Kollegin sagte jemand habe einen Brief für mich hinterlassen und als ich die Schrift auf dem Umschlag, mit der mein Name rauf geschrieben wurde, als die von Jungkook identifizierte, wurde die Verwunderung noch größer. Er hat mir noch nie einen Brief geschrieben, er hat hier ja noch nicht einmal eine Nachricht am Telefon für mich hinterlassen.
Es hat mich in den Fingern gejuckt diesen Umschlag sofort aufzureißen und zu lesen was da drin steht, aber ich wollte zuerst meine Arbeit fertig machen und so den stressigen Teil hinter mir lassen um mich dann diesem Brief zu widmen. Ich bezweifle stark, dass das nur eine Einkaufsliste oder sonst etwas in dieser Art ist, denn das alles hätte er mir auch übers Handy schreiben können. Es muss irgendetwas besonderes sein.
Ich bin bereits 28 Jahre Alt, langsam geht es auf die dreißiger zu, aber ich fühle mich noch wie vor genau zehn Jahren, als ich Jungkook kennen lernte. Keine hundert Jahre könnten dieses Gefühl schwächen, das Gefühl der Liebe, das ich ihm gegenüber empfinde und das noch genau so stark, wenn nicht sogar stärker ist als damals. Dementsprechend nervös bin ich auch als ich den Zettel im Umschlag auseinander falte.
Lieber Taehyung,
Ich bin mir sicher, diese Art Nachrichten auszutauschen kommt dir durchaus bekannt vor. Ich habe keine Ahnung wie du darauf reagieren wirst, aber ich bin mir sicher, du wirst diesen Brief bis zum Ende lesen, weil du wissen willst, warum ich mir die Mühe mache Worte mühsam per Hand auf Papier zu bringen, diesen Umschlag dann deiner Kollegin zu geben und sie zu bitten es dir gegen zwölf Uhr des heutigen Tages im Büro zu geben. Das hier wird etwas länger dauern, also lehn dich zurück und mach es dir bequem.
In dem zweiten Brief von vor zehn Jahren hattest du mich gefragt wie es mir geht, aber ich habe dir nie darauf geantwortet. Es ist ein wenig spät, aber ich bin trotzdem der Meinung, dass ich dir diese Antwort schulde. Um zu beschreiben wie es mir geht, reicht dieser eine Zettel nicht aus und die Wörter, die mir zur Verfügung stehen sind nicht genug um dir zu erklären wie glücklich ich bin. Manchmal stehe ich Morgens auf und bleibe im Bett liegen ohne mich zu regen, weil ich fürchte das jede kleinste Bewegung mich aus diesem Traum reißen kann, in dem ich lebe. Die Momente, in denen mir dann wieder bewusst wird, dass das die Realität ist, dass du tatsächlich bei mir bist und ich dich tatsächlich lieben kann, das sind die Momente, in denen ich spüre was Glück wirklich heißt. Für mich bedeutest du alles Glück der Welt und ich bin nicht bereit es jemals wieder her zu geben.
Du hast mich in einem der Briefe gefragt, ob man in der Lage ist einen Menschen so sehr zu lieben, dass man nicht anders kann als ihn zu verletzen. Ich glaube ja. Ich glaube, dass es Menschen gibt, die sich so sehr an dieses Gefühl klammern, dass sie nicht nur andere, sondern auch sich selber verletzen und ich hatte immer Angst, dass ich zu einem dieser Menschen werde. Aber mit dieser Angst war es genau sowie mit all meinen anderen Ängsten: Du hast sie mir genommen. Wir sind Menschen, wir streiten uns, aber auf jeden Streit folgt eine Versöhnung, die noch viel inniger ist. Taehyung, du könntest mich niemals so sehr verletzen, dass ich mich für ein Leben ohne dich entscheiden würde.
Also bitte, glaube nie wieder du hättest es nicht verdient mich zu lieben oder das mein Leben ohne dich besser wäre, denn du bist mein Leben.
Kannst du glauben, dass es bereits zehn Jahre her ist, seit wir uns kennen gelernt haben? Ich erinnere mich noch an jedes unserer Treffen, als wäre es erst Gestern gewesen. Du hast mich mal gefragt, ob ich mir jemals vorgestellt habe wie unser Leben in zehn Jahren aussehen würde. Du hast gesagt, dass du Angst hast, weil ich nach dem Streit in deiner Vorstellung nicht mehr vorkäme. Du hattest Angst vor einer Zukunft ohne mich. Aber hier sind wir, Tae. Hier bin ich, genau zehn Jahre nachdem dein letzter Brief mich erreicht hat und ich werde auch in zehn und zwanzig Jahren von jetzt an noch bei dir sein. Ich werde bei dir dein, bis der Tod entscheidet das er uns trennen muss.
Wenn du jemals wieder von mir verlangen solltest, dich zu vergessen oder glücklich ohne dich zu Leben, dann sehe ich mich gezwungen dir wieder Verstand einzuprügeln, weil es ohne dich kein Glück für mich gibt. Du hast mir geschrieben ich soll glücklich werden und das bin ich, Tae. Ich bin glücklich mit dir.
Nun, zu der Frage, warum ich mir die Mühe mache, wenn ich dir auch einfach eine SMS hätte schreiben können. Die Antwort ist ziemlich simpel: Du bist mir jede Mühe Wert und das werde ich dir unser ganzes Leben über zeigen.
Ich liebe dich,
Dein Jungkook
~~~~~
Ich schließe die Tür so schnell es geht auf, trete mir die verdammte Schuhe von den Füßen und stolpere quasi in seine Wohnung hinein. Die ganze Fahrt im Auto über dachte ich die Aufregung verfliegt bald, dabei ist sie nur gewachsen mit jedem Meter, den ich ihm näher kam. Keine Ahnung warum ich ihn nach dem lesen dieses Briefes so überstürzt sehen möchte, es ist einfach so. Ich möchte ihm nur so schnell wie möglich sagen was ich während des Lesens gedacht habe. Was ich eigentlich jeden Tag denke.
Er kommt gerade aus dem Bad, nur ein Handtuch um seine Hüfte bedeckt das nötigste, das Wasser in seinen Haaren tropft an den Spitzen herunter und sogar seine Brust scheint er nicht abgetrocknet zu haben, bevor er raus kam. Aber das ist gut so, es kommt mir nur recht, denn so muss ich nicht darauf warten bis er fertig ist.
Ich schmeiße die Schlüssel auf die Kommode direkt neben der Tür und gehe auf ihn zu. Er hat keine Zeit auf mein plötzliches auftauchen zu reagieren oder irgendetwas zu sagen, denn ich umfasse sein Gesicht mit beiden Händen und Presse meine Lippen verlangend auf seine.
Trotz der Überraschung, die das für ihn sein muss, erwidert er meinen Kuss sofort ebenso leidenschaftlich wie ich und lässt sich von mir rückwärts an die Wand drängen. Er stöhnt auf als ich meine Zunge in seinen Mund führe und zieht mich an dem Bund meiner Hose noch näher an sich heran. Die Verlockung ist groß, mein Verstand bereit sich ab zu schalten, aber bevor wir zum körperlichen kommen, muss ich ihm das sagen, was mir die ganze Zeit über während der Fahrt im Kopf herum geschwirrt ist.
Ich löse mich schweren Herzens von ihm, lege eine Hand auf seine Wange und sehe ihm in die Augen bevor ich mit der größten Sicherheit und Überzeugung, die jemand nur haben kann, gegen seine Lippen flüstere: "Ich liebe dich."
"Das ist eine wunderschöne Begrüßung." Er schlingt seine Arme um meinen Nacken und ein Lächeln umspielt seine Lippen. "Womit habe ich das verdient?"
Es ist eine Frage, auf die er keine wirkliche Antwort verlangt, das weiß ich und darüber bin ich froh. Denn wenn ich ihm wirklich darauf antworten müsste, würde das viel zu viel Zeit benötigen, weil ich alles an ihm liebe. Für mich ist er Perfekt.
"Du hast den kitschigen Brief gelesen, nicht wahr?", fragt er als eine Zeit lang keine Antwort, sondern nur ein dämliches Grinsen meinerseits kommt, das wahrscheinlich jeden verliebten Trottel verkörpert.
"Ich hätte ihn eher Süß genannt, aber kitschig trifft es auch." Er lacht und alleine dieses Geräusch entschädigt mich für den ganzen Stress des Tages. Es wirkt besser als jede Musik.
"Hast du schon in die Innentasche deiner Jacke geguckt?", fragt er mich und beißt dabei nervös auf der Unterlippe herum.
In der Innentasche meiner Jacke? Er weiß, dass ich die praktisch nie benutze und deswegen auch nie dort nach sehen würde, aber wenn er mich schon so darauf anspricht, dann bedeutet das, dass er etwas darin versteckt haben muss. Wenn es mindestens genau so süß wie seine Worte ist, dann kann es nur perfekt sein. Voller Vorfreude auf das, was mich erwartet, greife ich in die Innentasche und wühle darin herum, bis mir etwas kleines zwischen die Finger fällt und ich es heraus ziehe.
Mit großen Augen starre ich den Silbernen, schlichten, aber durch den Diamanten in der Mitte denoch besonderen Ring an. Ich habe keine Ahnung, womit ich das ganze verdient habe. Alleine neben ihm aufzuwachen ist ein Geschenk für mich, aber dieser Brief war ein wunderschöner Bonus und jetzt schenkt er mir auch noch einen Ring.
"Und?", fragt er mit mindestens eben so großen Augen, allerdings ist in seinen ganz klar Aufregung und Nervosität zu erkennen.
"Was und?" Ich bin immer noch viel zu perplex wegen den ganzen Überraschungen, die er mir heute bereitet hat, das es mir schwer fällt zurück in die Realität zu finden.
"Da ist es wieder, das Problem mit den Worten." Die Jahre vergehen und vieles ändert sich, aber Jungkook wird trotzdem nicht besser darin was das verpacken seiner Gefühle in Worte angeht und obwohl er weiß, dass es mir nichts ausmacht, ringt er immer wieder mit sich selber darum es endlich ohne Probleme zu können. Genau wie jetzt, denn er kratzt sich am Hinterkopf und atmet tief ein und wieder aus.
"Ich möchte, dass du mich heiratest."
Seine Worte wirken auf mich wie eine Lavine, vollkommen unerwartet und heftig. Wenn es etwas gibt womit ich nicht gerechnet habe, dann einem Heiratsantrag. Jungkook und ich haben häufig darüber gesprochen, aber eher als läge das noch in weiter Zukunft. Deswegen hätte ich niemals daran gedacht das es schon so bald sein würde und vor allem nicht, dass der Antrag von ihm kommen würde. Für mich stand immer fest ich würde derjenige sein, der diese Frage stellt.
Allerdings bin ich gerade so glücklich, dass ich nicht einmal antworten kann. Ich stehe einfach nur so da und beobachte wie der sichere und selbstbewusste Ausdruck in seinem Gesicht immer unsicherer wird, bis er mich besorgt ansieht.
"Kam das zu plötzlich? S-sag es mir, wenn du nicht willst, aber bitte sag etwas, Taehyung."
"Ja."
Verwirrt runzelt er die Stirn und sieht mich mit schief gelegtem Kopf an. "Ja...?", fragt er unsicher, weil er anscheinend nicht zu verstehen scheint worauf diese beiden Buchstaben sich beziehen.
"Glaubst du wirklich, ich würde Nein sagen? Natürlich heirate ich dich!"
Sofort nehme ich sein Gesicht wieder in meine Hände und lasse ihm keine Zeit meine Antwort richtig zu verarbeiten. Ich drücke ihm einen Kuss auf dir Lippen, löse mich davon und fange an welche auf seinem ganzen Gesicht zu verteilen. Nichts auf der ganzen Welt, keine Worte, keine Taten könnten ausrücken wie glücklich ich gerade bin.
"Ich liebe dich, Taehyung", sagt der jüngere, nimmt mir den Ring aus der Hand und schiebt ihn mir über den Ringfinger, an dem er wie angegossen sitzt.
"Ich liebe dich auch, Jungkook."
Und ich habe mein ganzes Leben Zeit um ihm zu zeigen wie sehr.
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