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Jungkook Pov
Kaum leitet das schrille klingeln der Schulglocke den Beginn der Pause ein, lasse ich meine Sachen sowie sie sind auf dem Tisch liegen und eile aus dem Klassenraum heraus in den bereits mit Schülern gefüllten Flur.
Die Nacht habe ich kaum ein Auge zu bekommen, aus Angst jemand könnte den MP3-Player auf der Toilette gefunden und mitgenommen haben. Bei meinem Glück könnte ich mir auch gut vorstellen, dass es Jimin oder Yoongi vergönnt ist mir damit dann mein leben noch unerträglicher zu machen.
Für viele wird es nicht verständlich sein, aber mir bedeutet dieses kleine, rote, rechteckige Gerät mehr als eine Beziehung zu irgendeinem anderen Menschen es je könnte. Nicht auf sexueller, aber auf der Gefühlsebene.
Nicht nur, dass es mich mein Taschengeld von mehreren Monaten gekostet hat, es ist auch das einzige was mir von meinem Vater geblieben ist, das einzige was mich daran erinnert das er mal da war und das er jetzt weg ist. Wegen ihr.
Wenn ich ihn nicht wiederfinden würde, wäre es nicht so als würde eine Welt für mich zusammen brechen, aber es würde mich unglaublich traurig machen.
An den Spinden stehen Jimin und Yoongi auf dessen Gesichtern sich ein breites Grinsen bildet als sie meinen besorgten Gesichtsausdruck und die Schnelligkeit, mit der ich mich bewege sehen, aber obwohl ich weiß, dass ich es irgendwann bereuen werde, ignoriere ich die beiden und laufe an ihnen vorbei in das WC.
Sofort zucke ich zusammen und taumel nach hinten gegen die Tür als ich statt einem kleinen, unauffälligen Gerät einen großen, durchaus attraktiven Jungen an der Heizung hocken sehe.
Erst Jimin, dann Yoongi und jetzt auch noch er. Ich weiß gar nicht wer von den dreien am schlimmsten ist.
Ohne mich weiter umzusehen, mache ich sofort wieder kehrt und möchte den Raum schon wieder verlassen, als er sich hinter mir räusperte und ich beschließe einen kurzen Blick zu riskieren.
Solange er mich nicht anfässt oder davon spricht es zu tun kann es ja nicht schaden.
"Du bist doch deswegen hier, nicht wahr?", fragt er und hält es tatsächlich hoch.
Sofort gehe ich einen großen Schritt auf ihn zu, bis er es mit seiner gesamten Faust umschließt und mir damit zeigt, dass er es mir nicht so einfach überlassen wird.
Nicht ohne Gegenleistung.
In all den Jahren habe ich mich mit der "Krankheit", wie sie es gerne nennt abgefunden, ich habe mein Leben gelebt ohne das andere etwas davon mitbekamen oder das ich mich in irgendetwas eingeschränkt fühlte.
Aber jetzt, wo mein Körper sich weigert auf ihn zu zu gehen und ihm das teil zu entreißen, fühle ich mich zum ersten Mal hilflos.
"Was willst du?", frage ich und versuche trotz meiner unterlegenen Position nicht zu verbergen, wie sehr ich ihn hasse.
Genau, ich hasse ihn und es ist das erste mal das ich einem Menschen gegenüber von Hass spreche. Das war nicht mal bei Jimin und Yoongi der Fall.
Aber es ist alles an ihm, ich hasse alles. Sein Auftreten, die überhebliche Art, die Unfähigkeit mich endlich in Frieden zu lassen und sein ständiges verlangen sich überall einzumischen. Das grinsen, die Neugier, die Augenbraue die er immer hoch zieht, wenn er merkt er hat mich in seinem Netz gefangen.
Ich hasse das alles und ich hasse ihn.
"Ich möchte deine Zeit."
Da ist es wieder, dieses wirre zeug das aus seinem Mund kommt und das überhaupt keinen Sinn ergibt.
"Meine Zeit?", frage ich verwirrt.
"Ich möchte dich besser kennen lernen. Wir könnten was trinken gehen und du erzählst mir etwas über dich."
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht häufig mit anderen spreche, aber für mich klingt das wie eine schlechte anmache, wie eine Falle, die er legt und mit der er mich einfangen möchte.
"Wieso sollte ich?", frage ich und verschränke die Arme vor der Brust, was ihm ein schiefes grinsen entlockt.
"Bier ohne Gespräche wäre langweilig."
"Bier?"
"Magst du kein Bier?"
"Ich mag dich nicht."
Er steht auf und schiebt den Player, den ich die ganze Zeit über fokussiert hatte in seine Hosentasche.
"Du kennst mich nicht", sagt er und tritt einen Schritt nach vorne, aber statt zurück zu weichen und so wieder meine Angst offen zu legen, bleibe ich mit festen Beinen an Ort und Stelle stehen, meinen Blick fest in seinen verankert.
"Und ich habe nicht vor das zu ändern."
Noch ein Schritt, jetzt trennt uns kaum ein Meter voneinander und wenn er jetzt die Hand nach mir ausstrecken würde, dann könnte er nach meiner Hand greifen.
Ich zucke zusammen, als die Tür aufgerissen wird und mich damit aus meiner Konzentration reißt.
Mit dem Herz in der Hose trete ich einen Schritt nach vorne und stelle mich neben Taehyung um zu sehen wer es ist, der sich nicht mal die Mühe gemacht hat die schwere und knarrende Tür vorsichtig zu öffnen.
"Er sieht nicht aus, als würde er sich freuen uns zu sehen", sagt Yoongi gespielt beleidigt und vergräbt die Hände in seinen Hosentaschen.
"Dabei sind wir extra wegen dir hierher gekommen. Wieso zeigst du uns nicht etwas mehr von deinen Freudentränen?"
Mit einem Lachen, das an den kalten fliesen der Wände zurück hallt, tritt er einen großen Schritt auf mich zu.
Bereit, wie jedes mal wieder das alles über mich ergehen zu lassen, möchte ich bereits wieder die Arme über den Kopf heben, als stattdessen Taehyung vor mich tritt.
"Gibt es hier irgendein Problem?", fragt er mit einer fast tiefen entspannten Stimme und lässt Jimin damit dumm aus der Wäsche gucken.
"Nicht das ich wüsste. Würdest du also bitte zur Seite treten und mich zu meinem Freund lassen?", sagt dieser und möchte am älteren vorbei zu mir durch, aber dieser hebt den Arm und versperrt dem kleineren Jimin den Weg.
"Du bist ein Freund von Jungkook? Das ist schön, Jungkooks Freunde sind auch meine Freunde, aber leider haben wir bereits was vor, zu zweit."
Obwohl ich von der Seite sein Lächeln erkennen kann, schwingt in seinem Unterton etwas anderes mit, eine versteckte Warnung.
"Ist das so?", fragt Jimin, packt Yoongi am Arm und tritt nach hinten um uns durch zu lassen. "Dann wünsche ich euch viel Spaß."
Vollkommen baff kann ich mich nicht entscheiden, wen von den beiden ich anstarren soll. Taehyung, der es geschafft hat Jimin davon abzubringen meinen sowieso schrecklichen Tag zur Hölle zu machen, oder seinen Klassenkameraden, der uns anlächelt als würde er sich wirklich freuen.
Plötzlich packt Taehyung mich am Ärmel meines Hemdes und obwohl bei mir bereits der Schweiß bei dem Gedanken ausbricht, er könnte mich berühren, versuche ich mir selber einzureden das es nur der Ärmel ist.
Er berührt mich nicht, es ist nur mein Hemd.
Ich torkel hinter ihm her, aber kurz bevor wir das WC verlassen, höre ich Jimin leise sagen: "Wir sehen uns wenn du alleine bist, Jungkook."
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