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Jungkook Pov
Ich packe die Schüssel mit den in Butter gebratenen Nudeln beiseite und schlage die Decke weg. Der einzige Mensch, der mich zu solch einer Uhrzeit besucht ist eigentlich Jimin, aber das auch nur wenn er sich vorher anmeldet. Heute kann er es allerdings nicht sein, ich weiß, dass er was mit Yoongi geplant und sich bereits die ganze Woche darauf gefreut hat.
Zum ersten Mal seit ich in dieser Wohnung lebe, bereue ich es bei dem Vermieter nicht mehr Druck wegen eines Spions an der Tür gemacht zu haben. Es könnte Gott weiß wer dort stehen und ich habe keine Chance vorher sicher zu gehen, dass es kein Mörder oder vielleicht sogar ein Perverser ist, der hofft hier lebt eine wehrlose Frau alleine.
Nur langsam öffne ich die Tür, bis der Spalt breit genug ist, dass ich erkennen kann wer die Klingel gedrückt hat. Verwirrung macht sich in mir breit, als ich zuerst niemanden sehe. Erst als ich den Blick senke und eine Gestalt erkenne, die wie eine Leiche vollkommen regungslos auf dem Boden liegt, öffne ich die Tür noch weiter.
Wenn er seine Füße nicht aneinander reiben und sein Magen ständig knurren würde, dann hätte ich vielleicht tatsächlich Grund mir Sorgen zu machen, aber das hier ist einfach nur unfassbar.
Da liegt tatsächlich ein betrunkener Taehyung vor meiner Haustür und ich habe auch schon eine Ahnung wem ich das zu verdanken habe. Selber hierher zu kommen ist für ihn in diesem Zustand nicht möglich, außerdem kennt er meine Adresse doch gar nicht, was das ganze nur um ein vielfaches erschwert. Es gibt also nur fünf Menschen, von denen drei gleich ausscheiden.
Jimin und Yoongi machen sich einen schönen Abend, die haben sicherlich besseres zu tun als diesen Trunkenbold wie einen Müllsack vor meiner Haustür liegen zu lassen und dann einfach zu verschwinden, das selbe gilt für Minhyuk. Die einzigen beiden, die also noch übrig bleiben sind Hoseok und Minhee. Letztere hat mir bereits letztens beim Treffen in der Bar angeboten sie könnte mir Taehyungs Nummer verraten. Sie scheint immer noch die Hoffnung zu hegen wir beiden würden wieder zusammen kommen und Hoseok unterstützt sie doch in allem was sie tut. Da würde es mich also nicht überraschen, wenn das hier das Werk der beiden ist.
Ich schnaube und knalle die Tür zu, kann aber nicht anders als sie zwei Sekunden später wieder auf zu reißen und über den Anblick zu lachen. Was auch immer ihn dazu gebracht hat sich so sehr zu betrinken, es bringt mir wahrscheinlich eine ganze Menge Ärger ein.
Ich umfasse mit meinen Händen seine Fuß Knöchel und bringe die ganze mir zur Verfügung stehende Kraft auf um ihn durch die Tür in meine Wohnung zu schleifen. Man kann von Glück reden, dass in dem Moment die meisten meiner Nachbarn wahrscheinlich geschlafen und dieses Szenario nicht zu sehen bekommen haben, denn das könnte sehr schnell missverstanden werden.
Er knurrt und rollt sich auf die Seite als ich ihn einfach los lasse und in die Küche gehe. Er kann ruhig im Flur liegen bleiben während ich ihm eine Suppe koche. Es ist zwar nicht das beste um den Hunger zu stillen, aber für etwas anderes habe ich erstens keine Zutaten im Kühlschrank und zweitens auch nicht die Fähigkeiten es zuzubereiten. Ich lebe eigentlich nur von Suppen und den Lieferservicen dieser Stadt.
Es dauert nicht lange, bis die Suppe fertig ist. Ich helfe Taehyung im Flur auf die Beine zu kommen und führe ihn zu einem der Stühle am Esstisch wo er sich sichtlich erschöpft rauf fallen lässt. Ich zeige auf den Löffel der neben der Schüssel liegt und er schafft es tatsächlich sie wie ein normaler Mensch zu essen.
Es wundert mich, dass er bei diesem Grad der Betrunkenheit noch nicht bewusstlos in irgendeiner Gasse in Seoul liegt, vielleicht sogar tot. Auch wenn es unerwartet kam, ist mir sein aufkreuzen hier lieber.
Mit vor der Brust verschränkten Armen lehne ich mich in meinem Stuhl zurück und beobachte ihn. Er muss Müde sein, denn er schafft es nur mit großer Mühe die Augen offen zu halten. Seine Wangen sind gerötet, das Haar unordentlich und die ersten drei Knöpfe seines Hemdes bereits aufgeknöpft.
Entweder das hier war ein ziemlich langer und anstrengender Tag für ihn oder jemand anderes muss für ihn das Hemd aufgeknöpft haben. Eine Frau vielleicht.
Ich meine, Taehyung hat vor unserem kennenlernen auch nie was anbrennen lassen. Frauen waren für ihn ein Hobby. Jetzt hat er nichts mehr was ihn davon abhält wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen und alleine der Gedanke daran, bringt mein Herz dazu sich vor Schmerz zusammen zu ziehen.
Ich möchte nicht daran denken müssen, wie er mit einer anderen Frau zusammen ist, sie küsst, sie auf die gleiche Weise berührt wie er es bei mir getan hat und doch tauchen vor meinem inneren Auge immer genau solche Bilder auf.
Ein zischen von ihm reißt mich aus diesen Gedanken und lenkt meine ganze Aufmerksamkeit wieder auf das hier und jetzt. Er versucht die restlichen Knöpfe seines Hemdes zu öffnen und als ich erkenne warum, springe ich sofort von meinem Stuhl auf und renne zu ihm herüber. Ich lege einen seiner Arme um meine Schulter und schleife ihn so schnell wie es geht ins Bad.
Wie kann man bloß so betrunken sein, dass man die kochend heiße Suppe über sich selber gießt und dann nicht einmal den Schmerz spürt? Ich meine, er saß da einfach tiefen entspannt und wollte nichts weiter als sein Hemd aufknöpfen, dabei hätte jeder andere Mensch vor Schmerz aufgeschrien und irgendwie versucht die Stelle zu kühlen.
So vorsichtig wie es geht lege ich ihn in die Badewanne und mache mir nicht einmal die Mühe ihn von seinen Klamotten zu befreien. Ich drehe das kalte Wasser auf und richte den Duschkopf auf seine Brust als es raus geschossen kommt. Dieses mal reagiert er sogar. Er schnappt nach Luft, schlägt wie wild um sich und wirkt plötzlich Hellwach. Es erinnert mich an einen Fisch im Netz, der verzweifelt nach einem weg in die Freiheit sucht, aber keinen findet.
Und es bringt mich zum lachen. Der Gesichtsausdruck, seine Lippen die ein 'o' geformt haben und die weit aufgerissenen Augen die mir noch nie so groß vor kamen wie jetzt, das alles bringt mich aus irgendeinem Grund zum lachen.
"Findest du das witzig?", fragt er und ich kann nur wild nicken. Er hat aufgehört zu zappeln, das zittern ist aber nach wie vor da. Alleine daran zu denken, wie er vom müden, betrunkenen Taehyung zum zappeligen Fisch mutiert ist, nur wegen etwas kaltem Wasser, reicht aus um mich erneut zum lachen zu bringen.
Das Lachen verwandelt sich allerdings in einen Aufschrei, als er seine Hände auf meine Hüfte legt und mich mit einem Ruck zu sich in die Badewanne zieht. Erschrocken lasse ich den Duschkopf los und klammere mich, verzweifelt auf der Suche nach Halt, an seinem Hemd fest.
Jetzt ist er es der lacht, während ich vollkommen überrascht von der Aktion auf ihm liege und ihn mit großen Augen anstarre. Ich weiß nicht, was er so lustig findet, aber der Klang seiner Stimme wenn er lacht und ihn so glücklich zu sehen, reichen aus um auch mich wieder zum lachen zu bringen.
Erst als ich merke, wie nah wir uns und vor allem unsere Lippen sich sind, ziehe ich mich langsam zurück und stemme mich vorsichtig aus der Wanne raus.
Dabei hätte ich nichts lieber getan, als mich dem Verlangen ihn zu küssen hinzugeben.
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