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Taehyung Pov

Ich lehne mich an die Wand neben der Jungentoilette in die Jungkook eben verschwunden ist und vor der er mich mit seiner Schultasche alleine stehen gelassen hat. 

Anscheinend sind er, Jimin und Yoongi jetzt so etwas ähnliches wie Freunde. Trotz allem was sie getan haben scheint Jungkook ein viel zu großes Herz zu haben um ihnen ihre Taten lange zu verübeln.

Manchmal gehen sie in den Pausen zu ihm in den Klassenraum und ich verbringe sie dann alle in meinem. Ich kann ihm nicht verbieten Freunde zu haben, es wäre nur schön wenn es welche wären, mit denen ich mich auch gut verstehe, denn die Wahrheit ist, dass ich ihn vermisse.

In der letzten Woche hat er mir zwei mal abgesagt, weil er etwas mit den beiden unternommen hat. Ich wollte fragen, ob ich mit kann, aber die Wahrheit ist, dass ich mich nicht getraut habe. Ich hatte tatsächlich Angst vor der Antwort.

"Taehyung?"

Ich drehe meinen Kopf wieder nach vorne und sehe das Mädchen an, welches mich mit einer hochgezogenen Augenbraue mustert. Ich mache mir nicht einmal die Mühe in dem Register meines Kopfes nach ihrem Namen zu suchen.

Für mich gibt es nur zwei Arten von Mädchen an dieser Schule, nämlich die, mit denen ich schon einmal geschlafen habe und die, mit denen ich es noch nicht getan habe.

Sie gehört zu den Mädchen der zweiten Kategorie und darüber bin ich gerade echt froh. Ich ertrage keine Probleme mit irgendeiner verflossenen.

"Du bist doch ein Freund von Jungkook, nicht wahr?", fragt sie mit einem freundlichen Lächeln und klatscht fröhlich in die Hände als ich nicke.

Sie wirkt generell sehr aufgedreht mit der Blumenspange in ihrem Haar, den Bunten Zopfgummis die ihre beiden Zöpfe zusammen halten und dem Neon-Pinken Nagellack.

"Ich wollte dich um etwas bitten."

Sie zieht einen Papierschnipsel aus ihrer Jackentasche hervor und streckt ihn mir hin. Es reicht bereits ein kurzer Blick auf die vielen hintereinander gereihten Ziffern um zu wissen, dass es sich hierbei um eine Handynummer handelt.

"Könntest du die hier Jungkook geben?"

Obwohl sie vorher noch sehr selbstbewusst und Aufgedreht gewirkt hat, ist davon keine Spur mehr zu sehen. Jetzt ist sie schüchtern und plötzlich auch sehr zurückhaltend.

Keine komischen Mimiken mehr, keine komischen und schnellen Gesten, keine laute Stimme. Es ist tatsächlich, als wäre sie alleine bei der Erwähnung von Jungkooks Namen ein ganz anderer Mensch.

Ich sehe den Schnipsel an und schüttle den Kopf. Es ist vielleicht unfair gegenüber Jungkook ihm die Möglichkeit zu nehmen es selber zu entscheiden, aber ich möchte nicht das er ihn sieht.

"Warum nicht?", fragt sie und senkt enttäuscht die Hand in der er liegt. Es wirkt fast so, als hätte sie die Abfuhr von ihm bereits erhalten, dabei hat sie nur eine von dem Jungen bekommen, der die Nummer überbringen sollte.

Ist ihr das etwa so wichtig? Sie kennt Jungkook doch nicht einmal, wie kann sie da so verletzt sein, nur weil ich ihr keinen gefallen tun will der mit ihm zu tun hat.

Ich antworte ihr nicht, sondern sehe sie einfach weiter an in der Hoffnung sie verschwindet einfach, aber sie schnaubt lediglich und stopft den Schnipsel zurück.

"Dann gebe ich sie ihm eben selber."

Sie zieht den Reißverschluss ihrer Jackentasche zu und dreht sich um, allerdings kommt sie nicht weiter als einen Schritt, weil ich ihr Handgelenk mit meiner Hand umschließe und sie zurück ziehe.

"Das kannst du nicht!"

Zu versuchen an den Zettel zu kommen wäre sinnlos, da sie einfach einen neuen schreiben kann.

Ich weiß nicht warum ich das alles tue, warum ich so auf einen simplen Schnipsel mit einer Nummer drauf reagiere, aber die einzige Erklärung die mir einfällt wäre dieser Schmerz in meiner Brust der da ist, seit Jungkook immer beliebter zu werden scheint.

Seit er mit Jimin und Yoongi abhängt, sind auch die anderen Schüler auf ihn aufmerksam geworden. Sie sprechen mehr mit ihm, binden ihn in Aktivitäten ein, aber das schlimmste ist, dass sie ihn berühren.

Sie berühren ihn und diese Berührungen schmerzen mir mehr als sie es bei ihm anscheinend tun.

"Wenn du mir nicht sagen willst warum, dann warte ich eben auf seine Erklärung."

"Er hat Angst vor Berührungen."

Ehe ich mich selber zurückhalten kann, haben diese Worte bereits meinen Mund verlassen und ich kann sie nicht mehr zurück nehmen.

Ihre Augen werden größer und sie sieht mich verwirrt an. "Was redest du da?"

"Das meinte ich nicht...", versuche ich mich zu retten, stampfe aber direkt in das nächste Fettnäpfchen. "Er ist Schwul. Er steht nicht auf Frauen."

Wenn ich gerade eine Wunderlampe hätte und drei wünsche äußern dürfte, dann würde ich meine Worte ungeschehen machen wollen und mir jemanden her wünschen, der mir ganz fest eine überzieht. Ich brauche den dritten Wunsch nicht, solange diese beiden in Erfüllung gehen könnten.

"Verdammt", sage sie und hält sich eine Hand vor den Mund.

Ich lasse sie los, was vielleicht mein größter Fehler an dem Tag war. Ich hätte sie zurückhalten und ihr sagen sollen sie soll alles vergessen was ich gesagt habe. Ich hätte sie drängen sollen, denn das was danach passierte, das hätte ich vielleicht verhindern können.

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