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Taehyung Pov
Ich weiß nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin der Anblick von Jungkooks Hinterkopf würde mich irgendwie müder machen, aber spätestens jetzt weiß ich ja, dass das nicht der Fall ist. Ganz im Gegenteil, das ganze macht mich nur noch nervöser als ich ohnehin schon bin.
Gehören meine Worte von vorhin eigentlich in die Kategorie Liebeserklärung? Das ist eine der vielen Fragen, die gerade in meinem Kopf herum schwirrt.
So etwas habe ich noch nie gesagt. Weder das Wort Liebe, noch verliebt oder irgendetwas sonst in der Art hat sich jemals über meine Lippen geschlichen, ich habe nicht mal einen Gedanken daran verschwendet.
Wie also konnte es verdammt noch mal sein, das ich ausgerechnet dann, wenn Jungkook sich mir gegenüber öffnet solch einen dummen Spruch raus lassen musste?
Mal abgesehen davon, dass danach gar nichts mehr zwischen uns lief, weil er mit gesenktem Kopf das Zimmer verlassen und sich im Bad für zwei ganze Stunden zurückgezogen und geduscht hat.
Ich meine, mir ist klar, dass die Worte überraschend kommen, ich hatte selber nicht vor sie zu sagen, aber die Reaktion war trotzdem ganz schön... Na ja, verletzend.
Wenn er nicht hier im Zimmer wäre, würde ich mein Gesicht im Kissen vergraben und meinen ganzen Frust hinausschreien.
Wie kann man so etwas dummes sagen?
Ich meine, da ist nichts zwischen uns. Jungkook ist ein hübscher Junge, er ist sogar verdammt hübsch, aber wir sind von Grund auf verschiedene Menschen. Gegensätze ziehen sich vielleicht an, aber das heißt nicht das sie auch zusammen bleiben.
Das hier war von Anfang an ein Spiel, ein Spiel das wir beide nicht verlieren wollen aus zwei unterschiedlichen Gründen. Ich, weil ich es interessant fand heraus zu finden, was hinter seinem Geheimnis und hinter seiner Angst steckt, Jungkook weil er mich so schnell wie möglich los werden und seinen Player zurück haben wollte.
Aber mit der Zeit änderte sich etwas für mich, das kann ich nicht abstreiten. Mein Interesse galt nicht mehr nur seiner Angst, sondern auch seiner Person, seinem ganzen Wesen. Dieser Junge hat etwas an sich, was mich fesselt, aber ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass es Liebe ist.
Das war nur so daher gesagt, vielleicht hatte ich zu viele Filme gesehen und die hatten mir den Verstand vernebelt. Auf jeden Fall war das nicht so gemeint, da bin ich mir sicher.
"Jungkook", flüstere ich seinen Namen in die unerträgliche Stille hinein und strecke eine Hand aus um sein noch nasses Haar zwischen meine Finger zu nehmen.
Er zuckt kurz zusammen, aber nachdem ich eine Weile still bleibe und ihm Zeit lasse sich daran zu gewöhnen, entspannt er sich und lässt die Schultern sinken.
Ich hätte nicht gedacht, das er noch wach ist. Normalerweise schläft er immer kurz nachdem er sich hingelegt hat ein. Er schnarcht nicht, bewegt sich zwar ganz schön viel, aber er ist nicht laut und ihm zuzusehen ist schön und lässt mich selber mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen.
"Komm hoch", sage ich, woraufhin er sich sofort mit verwirrt gerunzelter Stirn umdreht.
"Zu dir aufs Bett?"
Er sieht mich an, wie eine Frau die gerade von einem Fremden gebeten wurde ihre Unterwäsche auszuziehen und sich nackig zu ihm unter die Decke zu legen.
Man kann das zwar nicht beurteilen, ohne einen Menschen richtig zu kennen, aber ich denke ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass dieser Junge unschuldig ist. Er ist tatsächlich viel zu unschuldig für diese Welt.
Alleine wie er vorhin reagiert hat, als er mein steifes Glied gesehen hat und wie er ständig rot anläuft, wenn ich mit meinen Händen seinen Körper begutachte. Das kann vielleicht daran liegen, dass es ihm unangenehm ist, wo er Berührungen doch so sehr hasst, aber ich denke eher, dass es das genaue Gegenteil war.
Es hat ihm gefallen.
"I-ich kann nicht", sagt er und zieht sich seine Decke über das Gesicht.
So etwa in der Art ist mir noch nie passiert, aber das braucht es auch nicht damit ich weiß, dass er gerade versucht einem Gespräch und vor allem mir auszuweichen. Ich sehe schon wo das hinführen wird.
Wenn er morgen mein Haus verlässt, wird er nicht mehr auf meine Nachrichten antworten, er wird mir in der schule aus dem Weg gehen und für die Treffen jedes mal eine Ausrede finden um ihnen zu entgehen. Er wird mit mir genau das gleiche tun, was ich mit all den Mädchen gemacht habe, die mir gesagt haben sie empfinden etwas für mich.
Ich habe nie groß darüber nachgedacht wenn ich ihre Nummern gelöscht oder ihre Begrüßungen auf den Fluren ignoriert habe, aber gerade verfluche ich mich dafür, denn das ist kein schönes Gefühl. Er hat es noch nicht getan, aber alleine daran zu denken verursacht einen Schmerz in meiner Brust, den ich nicht klar definieren kann.
Aber ich bin niemand der solche Sachen einfach hin nimmt. Vielleicht habe ich nicht vieles, was mich interessiert, aber wenn ich etwas finde, dann halte ich daran fest.
Ich schlage die Decke beiseite und lege mich auf die Matratze neben Jungkook auf den Boden. Er möchte sich aufsetzen, als er merkt was ich vorhabe, aber ich durchkreuze seinen Plan indem ich das gleiche tue, was er heute getan hat, ich schlinge die Arme von hinten um ihn.
"Taehyung", sagt er nervös und steif wie ein Stock in meinen Armen. "Ich habe gerade erst geduscht."
"Dann tu es morgen früh noch mal", sage ich während ich mein Gesicht in seinen Haaren vergrabe und den Geruch meines eigenen Shampoos in seinen nassen Haaren einatme. "Ist es unangenehm für dich? Tut es weh?"
Trotz des unglaublich beruhigenden und schönen Gefühles, ist es mir wichtig was Jungkook empfindet. Es ist mir wichtiger als mein eigenes Wohlergehen, ich möchte nämlich nicht, dass er sich noch mehr weh tut nur weil ich den Drang besitze ihn berühren zu müssen.
Ich weiß, dass er sich jetzt sowieso waschen wird, nachdem ich ihn angefasst habe, aber er schrubbt seinen Körper nicht mehr so fest und benutzt auch seine Fingernägel nicht mehr. Das soll so bleiben, auf keinen Fall soll er wieder in alte Gewohnheiten verfallen.
"Schon okay", flüstert er in die Stille hinein und entspannt sich langsam, bevor er seine zitternde Hand auf meine legt.
Lächelnd drücke ich ihm einen Kuss in den Nacken bevor ich mich noch näher an ihn schmiege und mich auf die Bewegungen seiner Brust konzentriere, wenn er ein und aus atmet.
Ich weiß nicht was genau es ist, das mich in diesem Moment eine Sache realisieren lässt, die ich erst vor wenigen Minuten abgestritten habe. Vielleicht ist es das Gefühl von Glück das mich überkommt, wenn ich ihm alleine beim Atmen zuhören kann oder seine Finger, die ganz leicht über meinen Handrücken streichen.
Aber als ich realisiere, das ich ein größerer Lügner bin als ich es von mir selber gedacht habe, ist an Schlaf längst nicht mehr zu denken, denn meine Gedanken kreisen rund um das Thema Gewinnen.
Ich muss verhindern, dass er mir von nun an aus dem Weg geht. Verhindern, dass er nach diesen sechs Monaten geht und dafür muss ich ihn für mich gewinnen.
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