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Taehyung Pov
Nervös tippe ich auf der Tastatur des Handy herum und erwische mich selber immer wieder dabei, wie ich einen Blick durch meine offene Zimmertür auf die des Bades direkt gegenüber werfe.
Ich weiß nicht genau woher diese Unsicherheit und Angst um ihn kommt, aber sie ist da und ich kann nur Vermutungen anstellen. Der Anblick seines Körpers hat mich immerhin sehr mitgenommen, ich möchte nicht das er noch mehr leidet.
Erleichtert atme ich aus und schmeiße das Handy, auf dem ich gerade dabei war die Nachricht an das Mädchen, welches ich gestern in der Bar kennengelernt habe zu beenden, zur Seite und setze mich wieder normal hin als Jungkook zurück ins Zimmer kommt.
Es ist ihm immer noch unangenehm, das kann er selbst mit aller Mühe nicht verbergen, aber er versucht es wenigstens und obwohl das bereits unser drittes treffen ist, schafft er es nicht seine Nervosität und den Zwang sich, trotz der Handschuhe die ich trage, die Hände zu waschen.
Immer wieder verschwindet er im Bad und kommt nach Minuten wieder. Er sagt zwar nicht was er darin macht, aber die frischen Wunden und die wieder aufgerissenen an seinen Händen sind bereits genug um mich das ganze verstehen zu lassen.
"Ich habe bereits angefangen mir Sorgen zu machen", sage ich und klopfe auf den Boden neben mir damit er wieder Platz nimmt.
"Sorgen? Ich war nur kurz auf Klo."
Heute hat er sogar länger im Bad verbracht als sonst, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich nicht nur seine Hand gehalten, sondern auf kurz über sein Handgelenk gestrichen habe, als mir das Armband mit seinem Namen aufgefallen ist.
Es ist ein wirklich schönes, schlichtes, silbernes Armband in das oben in einer kunstvollen Schrift sein Name eingraviert ist. Als ich mit den Fingern darüber gefahren bin, hat er seine Hände sofort zurückgezogen und ist panisch ins Bad gelaufen.
Ich habe nicht das Gefühl, als würden diese Handschuhe das ganze irgendwie besser machen. Er hält es zwar eine ganze Weile aus meine Hand zu halten, wir haben immerhin eine halbe Stunde vor dem Fernseher geschafft, aber das Problem ist immer noch da.
Es ist das dritte treffen und ich verzweifle jetzt schon. Ich habe ihm gesagt, ich würde ihm helfen und das möchte ich wirklich, aber ich habe keine Ahnung mehr wie.
"Dachtest du etwa, ich würde mir etwas antun?", fragt er nach einer ganzen Weile und sieht mich mit gerunzelter Stirn an. Vielleicht wäre es besser in solch einer Situation zu lügen, aber es fällt mir schwer wenn er mich mit diesen Augen ansieht.
"Na ja..."
Er lächelt leicht, fast tröstend und es kommt mir so komisch vor, das ausgerechnet er versucht mich aufzumuntern.
"Ich habe nicht vor mich umzubringen, falls du das denkst."
Er wirkt schon fast glücklicher als die ganzen Stunden, die wir zuvor verbracht haben. Jemand muss mir helfen diesen Jungen zu verstehen. Was geht in seinem Kopf vor?
"Sicher? Wenn irgendetwas ist, bitte ich dich mit mir zu reden."
Meine Augen heften sich in seine und ich versuche zu erkennen, ob er das hier nur spielt, ob es ihm in Wahrheit nicht doch mies geht und er dem ganzen ein Ende setzen will.
Normalerweise bin ich nicht so der gefühlvolle Mensch der mit anderen über seine Gefühle redet, das kann ich nicht und darin bin ich schlecht, aber bei ihm ist es anders. Ich möchte wissen wie es ihm geht und was ich tun kann um dazu beizutragen das er lächelt.
"Es ist wirklich nichts. So grässlich diese Welt ist, ich habe nicht vor zu gehen."
Ich nicke etwas beruhigt, aber so schnell kann ich das Thema nicht fallen lassen.
"Hast du denn schon mal darüber nachgedacht?"
Wenn er mich vorher gekannt hätte, würde er sich sicher wundern über die Art wie ich gerade mit ihm rede. So vorsichtig, zurückhaltend, fast als hätte ich Angst davor irgendetwas falsches zu sagen.
"Ja, aber ich habe es nie in Betracht gezogen."
"Wie meinst du das?", frage ich etwas verwirrt. Wenn er darüber nachgedacht hat sich umzubringen, heißt es nicht auch, dass er in Betracht gezogen hat es tatsächlich zu tun?
"Ich glaube, das jeder Mensch im laufe seines Lebens darüber nachdenkt sich das Leben zu nehmen, weil jeder eine Zeit durchläuft, die einem schrecklicher vorkommt als der Tod. Er ist endgültig und du musst dich nicht mehr mit dem beschäftigen, was dich in dieser Welt so gequält hat. Manchmal ist der Gedanke an den Tod schöner als der an die Probleme, die einem das Leben bereitet, die Frage ist nur, ob du der Vorstellung verfällst oder dich, wie in meinem Fall, für den schwierigen Weg entscheidest, denn das ist das Leben. Ich bin vielleicht verkorkst, aber ich hänge an dieser Welt und an allem was sie zu bieten hat, den schönen und den grässlichen Dingen."
Da ist es. Da ist die Ausstrahlung, die er auch beim singen hat, die Ausstrahlung die meinen Blick wie magisch angezogen hat. Wieso sehe ich das ausgerechnet jetzt, wo er vom sterben spricht? Ich verstehe es nicht, aber was ich verstehe ist, dass dieser Mensch unglaublich stark ist. Er ist auf eine Weise stark, die ich zuvor bei keinem Menschen gesehen habe.
"Du überrascht mich schon wieder", sage ich und hebe die Hand um sie auf seine zu legen, lasse sie aber schleunigst wieder sinken als mir bewusst wird, dass er nur wieder hinaus rennen und seine Hände waschen wird.
"Wieso das denn?"
Er scheint sich tatsächlich nicht bewusst zu sein, wie sehr er mich alleine durch siehe Worte gerade fasziniert hat.
"Weil ich dich für schwach gehalten habe. Aber das stimmt nicht, du bist nicht schwach, du bist nur unglaublich zerbrechlich."
Er sieht mich mit großen Augen an, als hätte er mit allem gerechnet, nur damit nicht und dann, wie aus dem Nichts, breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus.
"Zerbrechlich, ja?", fragt er mehr sich selber als mich.
"Warum macht dich das glücklich?"
Er schüttelt den Kopf und kaum zu glauben, aber dieses Lächeln wird noch breiter, bis es sogar seine Augen erreicht und mich beinahe ansteckt.
"Weil die Leute, die bisher von meinem Verhalten was die Berührungen angeht wussten, mich als Krank bezeichnet haben. Du bist der erste, der es zerbrechlich nennt."
Es ist faszinierend, wie ein einziges Wort, über das man selber nicht groß nachgedacht hat und das eigentlich nicht mal wirklich ein Kompliment ist, einen Menschen so glücklich machen kann wie Jungkook gerade.
So glücklich, dass er nicht einmal zu bemerken scheint, das seine Hand auf meiner liegt.
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