4.1

~*~

  Luhan fiel in Minseoks Familienleben wie ein Regentropfen ins Meer. Er war sogleich als ein Familienmitglied akzeptiert worden und eine Woche später schien jeder vergessen zu haben, dass er bis vor kurzem noch nicht zu ihnen gehört hatte.

  Einzig der Engel selbst fühlte sich wie ein schwarzer Fleck auf einem weißen Kleid. Es war...qualvoll. Luhan hatte den Tag herbeigesehnt an dem er Minseok wiedersehen würde. Er hatte unglaubliche Schmerzen in der Hölle ertragen nur mit dem Bild von Minseok vor seinem inneren Auge, das ihn nicht ermüden ließ.

  Und als es so weit war...als er Minseok zum ersten Mal Angesicht zu Angesicht stand, war es wie ein Schlag ins Gesicht gewesen. Er hätte weinen wollen vor Freude oder Schreien vor Euphorie. Er wollte Minseok an sich reißen und gleichzeitig wollte er ihn vor Furcht nicht berühren.

  Dann war Rahil hinter seinem Rücken aufgetaucht und später die zwei Kinder und...plötzlich lag alles in Scherben.

  Luhan lag in Scherben.

  Minseok, das einzige Wesen das ihm je etwas bedeutet hatte, hatte keine Ahnung wer Luhan war. Was er für ihn getan und aufgegeben hatte. Was er für Luhan bedeutete. Minseok hatte ein Leben. Eine Familie. Kinder. Luhan spielte für ihn keine Rolle.

  Er war sich sicher diese Gewissheit musste mehr geschmerzt haben, als das Brechen seiner Flügel, als er auf der Erde aufschlug. Eine Erinnerung drängte sich in seine Gedanken: Nach seinem schmerzhaften Fall hatte es Luhan gerade erst geschafft seine Augen zu öffnen und den klaren, blauen Himmel zu sehen, als Hände ihn aus seiner Grube gehoben hatten.

  „Gefallener." Der Mann, der ihn festgehalten hatte - so hatte er später herausgefunden, war der Erzengel Jinki, in dessen Nähe er in die Erde eingeschlagen war. Luhan hatte gewimmert und seine Augen standen in Tränen, als der Erzengel mit leuchtenden, weißen Händen seine Haut entlang fuhr. Luhan wäre es lieber gewesen, er hätte ihm mit einem Messer die Haut aufgeritzt.

  Luhan war nur dank einem letzten Aufbegehren seiner Macht und Yixing's Hilfe gerettet und in die Hölle gebracht worden. Es war so ein knappes  Unterfangen gewesen, dass Luhan noch immer ab und an bittere Angst auf seiner Zunge schmeckte.

  „Was hast du?", fragte die zehnjährige Jia und legte ihm ihre kleine, klebrige Hand auf die Wange. Es riss ihn völlig unvermittelt aus seinen Gedanken.

  „Es ist nichts", sagte er und versuchte sich an einem Lächeln. Luhan hatte so viele Menschenkinder gesehen – er hatte Minseok heranwachsen gesehen und doch verstand er nichts von Kindern und ihren großen, unschuldigen Augen.

  „Mama sagt man darf nicht lügen."

  „Oh mh, ich lüge nicht", log Luhan und das Kind schüttelte unglücklich den Kopf.

  „Du sahst traurig aus!"

  „Stimmt das Luhan?", fragte plötzlich die allzu vertraute Stimme von Minseok. Luhan blickte auf. Er saß mit den Kindern auf dem Teppich vor dem Kamin – der im Sommer natürlich nicht brannte. „Bist du traurig?"

  „Ja!", rief Jia und die siebenjährige Mina wiederholte das Wort mehrfach und mit erhobenen Armen.

  „Das ist gar nicht gut", sagte Minseok mit besorgter Stimme zu seinen Töchtern und ging auf die Knie. „Was sollen wir jetzt tun?"

  „Kuss!", rief Jia, woraufhin Luhan erschrocken die Augen aufriss.

  Minseok lachte nur laut los. „Luhan, du Herzensbrecher! Du hast mir meine kleine Tochter geklaut."

  „Nein, so-"

  Minseok lachte nur noch lauter über Luhans erschrockenes Gesicht. Er stieß ihm spielerisch einen Ellenbogen in die Seite. „Ganz ruhig. Ihre Mutter liest ihnen zur Bett-Zeit immer ein Märchen vor und Märchen haben kein glückliches Ende, wenn der Prinz und die Prinzessin sich zum Schluss nicht küssen – so ist es doch oder?" Die Kinder riefen begeistert ihre Zustimmung aus.

  Luhan führte sich gedankenverloren eine Hand an den Mund und strich sich über die Lippen. Er hatte nie daran gedacht wie es wäre jemanden zu küssen.

  „Luhan hat bestimmt eine Prinzessin die irgendwo auf ihn wartet, nicht wahr?"

  „Das stimmt nicht Papa", sagte Jia beleidigt, sah aber dennoch schüchtern zu Luhan herüber. „Oder?"

  „Ich...ich weiß nicht", brachte Luhan bruchstückhaft hervor.

  Minseok grinste. „Meine Rede."

  „Nein!", heulte Jia und warf sich in Luhans Arme. „Wie ungerecht."

  Luhan sah Minseoks Lippen an und fragte sich wie es sich anfühlen würde ihn zu küssen. Der Gedanke ließ seinen Mund trocken werden.

Minseok zwinkerte ihm zu und Luhan beobachtete wie er zu Rahil an den Tisch ging, wo sie Socken stopfte.

~*~

  Luhan war ein tüchtiger und zuverlässiger Arbeiter und Zuhause hatten sich die zwei Mädchen ebenfalls an seine Anwesenheit gewöhnt – Minseok ging so weit zu behaupte, dass sie sich beide Hals über Kopf in ihn verliebt hatten.

  Wahrscheinlich hatte sich selbst Rahil ein wenig in den Goldjungen verliebt. Minseok wusste, dass sie in Luhan einen Schatten ihres ermordeten Bruders sah und ihn wohl aus diesem Grund angefangen hatte wie ihr eigenes Kind zu behandeln. Zudem hatten sich Minseok und sie immerzu viele Kinder gewünscht, doch da mehr als zwei Kinder wirtschaftlich für sie unmöglich waren, kam Luhan ihren Wünschen nach einem weiteren Kind – und dazu einen Jungen – den sie verhätscheln konnte, wie gerufen.

  Luhan, das musste man sagen war aber auch wirklich kein schlechtes Kind. Er war ruhig aber intelligent. Er arbeitete und zahlte Minseok für die Unterkunft, die sie auf Ungewisse Zeit verlängert hatten. Er schien generell nicht viel aus Nahrung oder materiellen Gütern zu machen und er war so...unkompliziert. Er schien zufrieden damit einfach in ihrer Nähe sein zu dürfen.

  Minseok hatte bereits vor langer Zeit alle Zweifel und Sorgen zu seiner Person über Bord geworfen und versuchte den Jungen nun besser kennenzulernen und ihm eventuell eine Art Vaterfigur zu ersetzen – zumindest wollte er ihm ein guter Freund werden.

  Es war Sonntag als die Mädchen und Rahil sich in ihre schönen Feiertagskleider kleideten, und ihre Haare im Erdgeschoss zu Zöpfen flochten. Sie würden einen Sonntäglichen Spaziergang durch den Park machen und natürlich musste sich die ganze Familie dafür ordentlich kleiden. Es war dann, dass Minseok auffiel das Luhan wirklich dringend eigene Klamotten brauchte.

  „Ich kann dir nicht immer meine Sachen geben", murmelte er, während er ein Hemd nach dem anderen vor Luhans Brust hielt. „Die Kleider von alten Männern tragen zu müssen muss dir peinlich sein, nicht wahr?"

  „Du bist nicht alt", erwiderte Luhan und nahm Minseok das Hemd in seiner rechten Hand ab. „Das wird schon passen."

  „Du brauchst dennoch mehr eigene Kleidung. Du solltest mit Rahil auf den Markt gehen, sie versteht mehr von schönen Stoffen als ich."

  Luhan warf ihm einen wissenden, belustigten Blick zu den Minseok nicht verstand, dann streifte er sich das raue Baumwollhemd über den Kopf, das Minseok ihm gestern gegeben hatte. Seine Haut war tatsächlich strahlend und er hatte unerwartete Muskeln auf dem Bauch. Seine Schlüsselbeinknochen standen etwas hervor und wirkten einladend sie mit dem Finger entlang zu streichen.

  Luhan hatte sich nicht bewegt und Minseok bemerkte, dass er ihn unbewusst angestarrt hatte. Seine Augen waren von unergründlicher Tiefe, als Minseok zu ihnen aufsah und sich dann schnell abwandte.

  Er zog sein eigenes Shirt über den Kopf und griff mit schnellen Fingern nach dem frischen Sonntagshemd, das auf dem Ehebett lag. Er hatte das beschleichende Gefühl dass Luhan ihn beobachtete, aber er blickte nicht zurück, um sich zu vergewissern.

  „Bist du jemals zur Schule gegangen?", fragte er dann um die schwere Stille zu brechen.

  „Ich habe Zuhause gelernt", erzählte Luhan. „Manchmal habe ich gelesen, aber öfter habe ich mit stumpfen Nadeln gestickt."

  Minseok erwähnte nicht, dass das ein unerwarteter Zeitvertreib für einen jungen Mann war. „Das muss sehr früh gewesen sein. Noch vor deiner Zeit im Waisenhaus, nicht wahr?"

  „R-richtig", bestätigte Luhan stotternd. Minseok konnte verstehen, dass es ein sensibles Thema für ihn war.

  „Wieso stumpfe Nadeln?"

  „Mein Vater wollte nicht dass ich mir mit der spitzen Nadel in den Finger steche, nehme ich an."

  Minseok wandte sich zu ihm um, als er den letzten Knopf seines Hemds geschlossen hatte. Luhans Hemd lag ihm bereits zugeknöpft und eng am Körper an. Minseok war kleiner als er, aber Luhan war schlanker – er sah gut in seiner Kleidung aus. 

  „Dann musst du ehemals sehr behütet aufgewachsen sein."

  „Ich denke schon", antwortete Luhan langsam. „Wie waren deine Eltern?"

  Minseok musste einen Moment lang über die Frage nachdenken. „Ich erinnere mich nicht mehr wirklich an sie." Er zuckte hilflos die Achseln. „Es ist der Zeitgeist der uns die Erinnerung ausbläst nehme ich an. Ich sehe ihre Gesichter nicht mehr vor mir, aber ich weiß, dass meine Mutter oft köstliche Kartoffelsuppen gekocht hat und in unserem Haus war es immer warm, weil mein Vater nicht an Brennholz gespart hat."

  Luhan hörte ernsthaft interessiert zu und seine Lippen kräuselten sich zu einem schönen Lächeln. „Du siehst glücklich aus, wenn du darüber sprichst."

  „Ich hoffe meinen Kindern ein guter Vater zu sein."

  Luhan nickte. „Natürlich."

  „Hast du Familienpläne Luhan?"

  „Nicht in...absehbarer Zeit denke ich." Minseok reichte ihm die passende Jackett Jacke zum Hemd, beschloss jedoch das junge Menschen wie er mit einem Hemd gedient seien und nahm sie ihm wieder ab. Es war zu heiß und wenn Minseok sich schon hineinquälte, dann konnte er es zumindest Luhan ersparen.

  „Gehen wir zu den Damen und drängen sie ein wenig, sonst kommen wir heute nicht mehr aus dem Haus."

  „Minseok", setzte Luhan überstürzt an, bevor Minseok den Türgriff erreichen konnte. Er drehte sich wieder zu ihm herum. „I-ich denke du bist unglaublich und ein großartiger Mensch. Bei allem was du tust."

  Minseok legte den Kopf schräg. „Du sprichst als würdest du mich seit Jahren kennen." Er kam lächelnd zurück und zerzauste Luhans Haar, bevor er sie mit beiden Händen wieder glatt strich. „Und danke, ich freue mich, dass du mich magst." Luhan lief rot an. „Du bist wirklich niedlich Luhan. Lass uns gehen."

  Jia und Mina trugen beide hübsche, weiße Kleider mit bunten Schleifen und Schnüren am Rücken. Sie drehten sich vor Luhan um sich selbst, so dass ihre Röcke aufwallten und Luhan klatsche zu ihrer Freude in die Hände.

  „Geschenke von einer guten Bekannten von uns", erklärte Rahil und strich Mina's Rock wieder glatt. „Sie hat wirklich guten Geschmack und liebt es die Mädchen mit Kleidern und Schmuck zu überschütten."

  „Tante Astralia macht die schönsten Geschenke", rief Jia und lief dann an Luhans Seite um ihn an die Hand zu nehmen. „Ich will rausgehen!"

  „Wir gehen schon", lachte Rahil und nahm die kleine Mina ebenfalls an die Hand.

  Der Park war wie jeden Sonntag gut gefüllt mit feinen Familien, die ein Picknick auf den Wiesen veranstalteten oder jungen Kindern, die auf Rollschuhen über den Weg düsten.

  Minseok grüßte passierende Familien, indem er seinen Zylinder mit Daumen und Zeigefinder von seinem Kopf hob und höflich nickte. Luhan beobachtete ihn dabei.

  „Siehst du all die Damen, die zu uns herübersehen?", fragte Rahil hinter vorgehaltener Hand amüsiert. Minseok sah tatsächlich viele Leute, die zu ihnen herübersahen. „Sie sehen Luhan an", kicherte Rahil. „Sie müssen so neidisch auf mich sein."

  Minseok zog sie für einen Moment an seine Seite. „Du nutzt den Jungen für deine eigene Freude aus."

  „Es ist kein Ausnutzen!", korrigierte sie schnell. „Es ist doch kein Problem ein wenig mit ihm zu prahlen."

  „Nein, gewiss nicht."

  Sie stupste ihn mit dem Ellenbogen in die Seite, als sie plötzlich laut von einem Hund angebellt wurden. Jia schrie erschrocken auf und verschwand hinter Luhans Rücken, während Mina wie in Trance zu dem Tier laufen wollte. Luhan hielt sie geistesgegenwärtig zurück.

  „Verzeihung", sagte eine vertraute Stimme und zog den Hund an seiner Leine zurück. „Der Gute ist nur aufgeregt."

  Minseok lachte. „Kein Problem guter Freund." Der bärtige Mann stand auf und schüttelte Minseoks und anschließend Rahils Hand.

  „Antoine", begrüßte Rahil die Frau, die neben ihm erschienen war und gab ihr ein Kompliment zu ihrem hellblauen Sommerkleid und dem rosafarbenem Hut.

  Jeff und seine Ehefrau Antoine waren ein paar Jahre älter als Minseok und Rahil, aber sie waren sich bei einem örtlichen Theaterschauspiel begegnet und seit jeher Freunde gewesen. Sie liefen sich sonntags gelegentlich über den Weg und schritten dann gemeinsam weiter.

  „Bettie du siehst bezaubernd aus", richtete Rahil nun an die junge Frau, die neben ihrer Mutter stand und den jüngeren Bruder an der Hand hielt. „Du bist wieder so gewachsen."

  „Sie ist von stattlichen siebzehn", sagte ihr Vater und klang stolz. „Sie ist in den letzten zwei Jahren eine wahrhafte Blume geworden."

  „Nicht Papa", sagte das Mädchen errötend. Die Farbe auf ihren blassen Wangen leuchtete auch auf ihrem Kastanienbraunen Haar.

  „Wer ist der junge Mann in eurer Anwesenheit?", fragte Antoine mit Neugierde, die sie nicht verstecken konnte.

  „Sein Name lautet Luhan", erklärte Rahil und schob Luhan mit einer Hand an seinem Rücken nach vorne. „Er ist ein Bekannter meines Mannes."

  Luhan beugte respektvoll den Kopf und gab ein paar Worte der Begrüßung von sich. Minseok musste beinahe loslachen als er Bettie rotanlaufen sah.

  „Wollen wir uns ein wenig auf die Wiese setzen?"

  Während die drei Kinder sich gemeinsam abseits ihrer Eltern auf die Wiese niederließen und Blumenketten aus Gänseblümchen bastelten, kam das Gespräch unter den älteren schnell auf die Arbeit, dann die Politik und später die Wirtschaft – so wie es immer in der Gesellschaft erwachsener Leute ablaufen musste.

  „Wie lange gedenkt Luhan bei euch zu bleiben?", fragte Antoine und leitete damit einen Themenwechsel ein.

  Minseok sah den blonden Jungen nachdenklich an. „Ich denke, das steht noch nicht fest, nicht wahr?" Luhan nickte mit einem Lächeln auf den Lippen.

  Bettie hatte in den letzten Minuten kein einziges Mal von Luhan fortgesehen. Rahil tippte mit dem Zeigefinger auf Minseoks Handrücken und deutete dann mit dem Kopf in die Richtung der zwei jungen Leute. Minseok verstand was sie vorhatte und zuckte unschlüssig die Achseln. Ihr flehender Blick ließ ihn schließlich nachgeben.

  „Bettie, Luhan wärt ihr so lieb und bringt uns ein paar kandierte Nüsse? Die Kinder würden sich gewiss freuen." Minseok griff in seine Hosentasche und streckte Luhan kurz darauf eine Hand Münzen hin. Luhan blinzelte mehrfach, bevor er das Geld annahm.

  „Natürlich." Luhan sah Bettie an – zum ersten Mal an diesem Tag und das Mädchen schoss errötend in die Höhe. „Dann gehen wir."

  „Vielen Dank ihr zwei", lächelte Rahil und zwinkerte Luhan zu. Sie beobachteten wie die beiden davonschritten und steckten dann die Köpfe zusammen.

  „Er ist bezaubernd", sagte Antoine. „Unsere Bettie hat noch nie so verlegen dreingeschaut."

  „Er ist in Ordnung", murrte Jeff, dessen väterlicher Stolz es nicht gestattete einen Mann so bedenkenlos in der Nähe seiner Tochter zu akzeptieren.

  Minseok lachte und versicherte dass Luhan ein gutes Kind war. Er erzählte ihnen von seiner tüchtigen Arbeit in der Werkstatt und das andere Paar tauschte vielsagende Blicke aus. „Denkt ihr wir sollten eine Verlobung arrangieren?"

   „Wir sind nicht Luhans Eltern", sagte Minseok schnell. „Wir haben kein Recht darauf diese Aufgabe zu übernehmen."

  „Aber ihr seid doch so gut wie sein Vormund. Wer sonst soll den Jungen verheiraten?"

  Rahil und Minseok dachten darüber nach. „Nein nichtsdestotrotz. Er wird es selbst entscheiden müssen."

  „Es gibt ja noch den klassischen Weg", ging Rahil schnell dazwischen, weil Jeffs Stirnrunzeln nichts Gutes bedeuten konnte. „Und ich denke ein so schönes Mädchen wie Bettie verdient es ordentlich umworben zu werden."

  Das stimmte die Eltern des Mädchens zufrieden und es stand für sie natürlich außer Frage, dass Luhan ihre Tochter auf alle Fälle wiedersehen wollen würde.

  „Jia wird uns dieses Gespräch wohl niemals verzeihen, sollten Luhan und Bettie einmal zusammen kommen. Sie ist so vernarrt in den Jungen." 

  „Wäre sie nur ein wenig älter-" Rahil zuckte die Achseln und ließ den Satz unbeendet.

  „Niemand bekommt mein Mädchen", sagte Minseok mit düsterer Miene, woraufhin alle zu Lachen begannen.

  „Das sagst du nun, mein Guter, und dann wirst du dir Enkelkinder wünschen und deine Meinung sehr schnell ändern."

  Minseok musste zugeben, der Gedanke hatte etwas. Er und Rahil umringt von ihren zwei Kindern und ihren Ehemännern, während kleine Enkelkinder um sie herumsausten. Eine große, hoffentlich immer glückliche, Familie.

~*~

Bettie war ein schüchternes, hübsches Mädchen. Sie sprach nicht  viel und ihre Wangen waren ständig rot verfärbt. Luhan hatte nicht wirklich die Absicht sich mit ihr zu unterhalten, aber er wollte nicht unhöflich erscheinen und Minseok damit enttäuschen.

  „Womit füllst du deine freie Zeit?", fragte er, während die Kieselsteine unter ihren Schuhen knirschten.

  „Ich, mh, male", gab sie kleinlaut zu. „Und lese."

  „Was malst du?"

  „Blumen, vor allem. Am liebsten die wilden Blumen auf der Wiese vor Großmutters Haus, aber auch die Zimmerpflanzen von Mutter, die sie als Dekoration auf unsere Tische stellt." Sie sah Luhan flüchtig an. „Und du?"

  Der Engel dachte an seinen Lieblingszeitvertreib im Himmel – das Jahrelange auf die Erde hinab sehen und all die Zeit, in der er Minseok beobachtet hatte. Keine passable Antwort. „Ich arbeite gerne", sagte er schließlich.

  „Das ist wirklich ehrenwert, nicht viele Leute gehen ihrer Professur gerne nach."

  Luhan lächelte nur zur Antwort und Bettie, die für einen Moment vergessen hatte verlegen zu sein, blickte schnelle wieder von ihm fort. Sie war wahrscheinlich ein herzensgutes Mädchen, aber Luhan kam nicht umhin Enttäuschung darüber zu verspüren, dass Minseok derjenige gewesen war, der sie gemeinsam fortgeschickt hatte. Natürlich wusste er, was die Menschen mit dieser Aktion beabsichtigten. Luhan war ein Engel, aber er hatte viel Zeit damit verbracht Menschen zu beobachten. Und dann auch noch ausgerechnet Minseok! Der Gedanke schmerzte Luhan in der Brust.

  Der Engel hing seinen eigenen, düsteren Gedanken hinterher, während Bettie, schweigsam wie sie war, neben ihm herlief.

  L-Luhan", setzte sie schließlich an, noch röter als die Minuten zuvor. „Darf ich...dir eine Frage stellen?"

  „Gewiss", bestätigte der Engel und sah sie erwartungsvoll an.

  „G-gibt es...eine Person, die dir sehr wichtig ist in deinem Leben?"

  Luhan blieb stehen und sah sie mit großen, überraschten Augen an. Er hatte nicht mit dieser Frage gerechnet. „Ich-"

  „Entschuldige wenn ich zu neugierig und unhöflich erscheine, doch", sie suchte stotternd nach Worten. „Ich möchte wissen, wie deine Gefühle stehen und ob du..."

  „Es gibt da jemanden", sagte er und nun weiteten sich ihre Augen in Schock und Scham.

  „Oh...verstehe. Natürlich, was für dumme Gedanken ich nur hatte."

  „Verzeih", sagte er vorsichtig. „Aber es hat in all der Zeit immer nur eine Person für mich gegeben."

  „Natürlich", lächelte sie. „Ich meine, was dachte ich mir bloß, nicht wahr? Entschuldige meine Forschheit."

  Luhan versicherte, dass es in Ordnung war, aber letztlich kauften sie die Süßigkeit und sprachen auf dem Rückweg zu den anderen kein Wort mehr miteinander.

  Auch Betties Eltern fiel die bedrückte Stille ihrer Tochter auf und sie tauschten besorgte Blicke mit Minseok und Rahil, die nur ratlos die Achseln zuckten.

  Als Luhan mit der Portion Nüsse für die Kinder zurückkehrte – die restlichen teilten sich die älteren – setzten sich Mina und Jia gemeinsam zwischen Luhans Beine, die in einem Schneidersitz auf der Wiese platziert waren. Sie pickten die gesüßten Nüsse aus seiner Handfläche heraus und fanden Spaß daran ihn zu füttern. Luhan hatte Bettie bereits vergessen, während die Mädchen auf den Nüssen kauten und lachten und ihm ‚zum Dank' ihre Blumenkronen auf den Kopf setzten. 

  „So schön", sagte Jia immer wieder und suchte noch mehr Blumen um sie in Luhans Haar zu flechten. Luhan hielt sich fern von den anderen Menschen und konzentrierte sich stattdessen auf die drei Kinder. Er hatte Jia und Mina ins Herz geschlossen, sie waren Minseoks Kinder und er fing an sie zu lieben, weil er Minseok in ihnen sah. In ihrem Lächeln, ihren unschuldigen Augen und den spitzen, hübschen Gesichtszügen.

  Nur ein wenig später, entschlossen die anderen weitergehen zu wollen und es dauerte daraufhin nicht mehr lange, bevor sich die Wege der befreundeten Paare trennten.

  „Es war schön dich kennengelernt zu haben Luhan", sagte die Mutter von Bettie mit einem Damenhaften Knicks. „Ich hoffe dich wiederzusehen, Bettie würde sich bestimmt darüber freuen." Luhan nickte nur höflich. „Sag du auch etwas mein Kind", richtete sie anschließend an ihre Tochter. Bettie konnte ihn nicht ansehen, aber sie wünschte Luhan viel Glück mit seinen ‚Herzensangelegenheiten' und wandte sich dann rotwerdend schnell wieder ab.

  Für eine Weile herrschte bedrückte Stille, während sie zurückliefen, bevor Rahil das Wort ergriff: „Mochtest du Bettie nicht, Luhan? Das Mädchen wirkte sehr traurig, als ihr zurückgekehrt seid."

  Der Engel blickte die schöne Frau für einen Moment an, bevor er den Blick senkte. „Ihr hättet uns nicht gemeinsam fortschicken sollen, das hätte ihr falsche Erwartungen erspart."

  Rahils Augen weiteten sich in Überraschung. „Oh Luhan verzeih, ich wollte dich wirklich nicht in Verlegenheit bringen!" Sie sah ehrlich erschüttert aus. „Entschuldige ich hätte mich heraushalten sollen."

  Jia zog daraufhin an Luhans Hand und sah ihn mit gerunzelter Stirn an. „Bist du böse auf Mama?", wollte sie wissen.

  Luhan schüttelte schnell den Kopf. „Natürlich nicht Jia."

  Rahil wirkte erleichtert und Luhan sah zu Minseok herüber, der die Situation still beobachtet hatte. Rahil war viel für Luhan. Sie war das kleine Mädchen, dass Schutz bei Minseok gefunden hatte, der Grund weshalb er zum ersten Mal geweint hatte und die Frau, die er um so vieles beneidete. Neid der so weit ging, dass er in Hass umschlagen könnte. Und doch – Rahil und die Kinder waren die Personen, die Minseok am meisten auf dieser Welt liebte. Wie könnte er es jemals wagen sie zu hassen wenn Minseok sie so sehr liebte? Letztlich stand Minseok für Luhan immerzu an erster Stelle und somit auch dessen Gefühle.

  Das war wohl der Grund, weshalb es ihm so schwer fiel, zu tun, was Lucifer ihm aufgetragen hatte.

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Fun-Fakt: Fallen wird wahrscheinlich die längste Geschichte, die ich je geschrieben habe. Na ja, vielleicht auch nicht.

Fun Fakt Nr. 2: In meinen anderen Geschichten taucht immer wieder das Thema Kunst auf und ich war eigentlich überzeugt dass ich nichts Kunst-mäßiges in Fallen eingebaut habe aber dann habe ich dieses Kap noch einmal gelesen und...upps schon wieder. ABER 'Königlich Verliebt' ist kunstlos soweit ich mich erinnere, also let me live T.T Ich liebe Kunst und ich höre niemas damit auf es in meine Geschichten zu integrieren \(°-°)/ Fight me!

Okay xD nein ehrlich gesagt finde ich es echt cool wenn ihr Parallelen zwischen meinen Geschichten findet ^^ das zeigt mir im Grunde ja nur dass ihr sie alle gelesen habt und das ist ziemlich klasse :D

Liebe Grüße!

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