2.4


Das Mädchen wurde, mit kaum Protest, in dem Freudenhaus aufgenommen. Die ehrenwerte Dame hatte das Kind nur kurz gemustert und dann naserümpfend zu Minseok gesehen. „Großartig, machen wir jetzt ein Waisenhaus aus diesem Bordell? Na mir soll ein weiteres Gör Recht sein, wenn mir nur Niemand noch mehr Kinder in dieses Haus schleppt, habt ihr verstanden?!" Minseok wusste, dass sie nicht wirklich wütend war und bedankte sich mit einer festen Umarmung, die die ehrenwerte Dame nicht zugab, erwidert zu haben.

Astralia war beinahe beleidigt, als Minseok ihr verkündete, dass Rahil nun bei ihnen Leben würde. „So ist das also?", sagte sie mit Spott in der Stimme. „Ist das das Schicksal dass eine Mutter zu ertragen hat? Sie wird ersetzt von der nächsten Frau, die ihr Sohn auf der Straße findet?"

Minseok hatte wild gestikuliert und sie gebeten nicht so laut zu sprechen. „Natürlich nicht", hatte er gezischt, er hoffte wirklich Rahil hatte sie nicht gehört. „Bitte sag so etwas nicht wieder!" Astralia hatte tatsächlich ein wenig geknickt über Rahils Anwesenheit gewirkt, aber das Mädchen war, trotz ihrer zarten Abstammung, eine harte Arbeiterin und schrubbte die Flurböden mit der Entschlossenheit nichts falsch zu machen, was Astralia offensichtlich gefiel.

„Ein Bordell in dem Kinder für uns arbeiten!", lachte ein Mädchen mit blonden Haaren, ein paar Abende nach dem Rahil hier aufgenommen wurde, später. Es war spät und die Frauen die nicht arbeiten mussten, trafen sich in einem der unbenutzten Räume, wo sonst Gäste auf Kissen und Decken empfangen wurden. Süßes, berauschendes Parfum lag in der Luft.

„Klingt wie aus einer Gruselgeschichte, denkt ihr nicht?", lachte Roselia, sie hatte rote Haare wie eine reife Rose und sonst immer viele Kunden. Roselia kämmte Rahils schwarze Haare und begann dann sie zu flechten.

„Du hast so schönes, gesundes Haar Rahil, wie alt bist du noch gleich?"

„Fünfzehn", lächelte sie vorsichtig und warf einen flüchtigen Blick in Minseoks Richtung.

„Fünfzehn schon!", sagte ein anderes Mädchen. „Wenn du noch ein Jahr wartest, dann wird dich die ehrenwerte Dame bestimmt als festes Mädchen hier einstellen."

„Rede keinen Unsinn", lachte Roselia. „Sieh dir nur Minseoks böses Gesicht an, ich denke nicht, dass er einen solchen Deal erlauben wird. Und wir wissen alle, dass sowohl die ehrenwerte Dame, als auch Astralia nach seiner Pfeife tanzen." Die Mädchen lachten allesamt. Jemand fing an Schmuck an Rahil zu verteilen. Goldketten für den schmalen Hals und Goldreifen für die Arme. Klippohrringe und edelsteinbesetzte Haarspangen.

„Minseok", setzte Rahil unsicher an. „Ist...Astralia deine Mutter?"

„Nein", lächelte er. „Aber sie hat mich zu sich genommen, als ich ganz alleine und schwach war. Sie ist wie eine Mutter für mich geworden."

Roselia fixierte Rahils Haare mit ein paar Haarspangen und ließ dann von ihr ab. Es war eine schöne Flechtfrisur und stand Rahil unglaublich gut. „Astralia hat sich schon immer so dringend ein Kind gewünscht, es hätte für uns alle keine Überraschung sein sollen, als sie eines Tages mit dir in ihren Armen nachhause gekehrt war."

Ein paar Frauen blickten bestürzt auf ihre Hände, ein paar andere – Neuere – nur verwundert drein. „Was bedeutet das?"

„Vielen ist es nicht bekannt", erzählte Roselia mit gesenkten Augen. „Aber Astralia hat in ihren frühen Jahren in diesem Haus...empfangen."

„Sie war schwanger?", fragte das Mädchen – Lia – mit den blonden Haaren. Die anderen Frauen tauschen schockierte Blicke aus. „Das ist ein Regelverstoß!"

„Natürlich ist es das und Astralia war gerade dabei so viel Aufmerksamkeit auf das Haus zu ziehen, sie war so unendlich schön und bezaubernd – auf andere Art und Weise als heute – und die ehrenwerte Dame wusste sie würde sie wegschicken müssen, wenn sie das Kind behielt."

„Oh Gott."

„Nein, was...was hat sie getan?"

„Sie...Man hat ihr das Kind entnommen", flüsterte Roselia. „Astralia war dagegen, sie war verliebt in den Mann, der sie geschwängert hat. Ein Lord hohen Standes, ihr wisst wie schwer es ist sich nicht Gefühlen zu erlegen, wenn sie einem die Welt und alle Sterne versprechen."

„Ich kann nicht glauben, dass Astralia verliebt war."

„Sie war es und sie war töricht in ihrer Liebe. Die ehrenwerte Dame versuchte ihr Vernunft einzusprechen und flehte sie an keine Dummheiten zu begehen, aber in der Nacht verschwand Astralia."

„Und dann?", drängte Lia weiter. „Was ist geschehen?"

„Astralia hat niemals darüber gesprochen, nicht einmal mit der ehrenwerten Dame, denke ich, aber sie kam mit Wunden am Hals und im Gesicht zurück. Sie muss ihm erzählt haben, dass sie ein Kind von ihm erwartete und seinen Schock und seine Wut darüber, musste er an ihr ausgelassen haben. Astralia wurde nur wenige Tage später von der ehrenwerten Dame zum Arzt begleitet, wo man ihr die Laugenlösung eingeführt hat." Alle Frauen zuckten zusammen.

„Es muss so schmerzhaft gewesen sein."

„Astralia war lange nicht mehr sie selbst gewesen, sie wurde spöttisch und gefühlskalt, aber sie war noch immer schön und ihre Kälte war anziehend auf ihre eigene Art."

„Was ist aus dem Mann geworden? Er wusste doch Bescheid und-"

„Ich erfuhr nur, wie er ins Ausland ging. Geschäftlich natürlich. Ich denke er ist auf einer Zuckerrohr Plantage von einer giftigen Schlange gebissen worden, oder ähnliches, zumindest kam irgendwann das Gerücht auf, er sei verstorben und habe dem Freudenhaus einen ordentlichen Betrag Geld hinterlassen."

„Dann hat er Astralia wohl doch geliebt."

„Oder er dachte, dass Kind sei noch am Leben."

„Wer weiß", zuckte Rosalia die Achseln. „Letztlich spielt es keine Rolle mehr."

Als Minseok und Rahil an diesem Abend in Astralias Gemächer gingen, waren sie still und bedrückt von den Geschichten. Sie gaben Astralia keinen Grund, aber sie baten beide bei ihr im Bett schlafen zu dürfen, beide eingekuschelt in ihre Seiten.

~*~

Minseok gestand Rahil, dass er in sie verliebt war, als sie beide siebzehn waren. Alle hatten damit gerechnet und alle hatten darauf gewartet. Es war so glasklar gewesen, wie beide sich ansahen, wie sie in der Anwesenheit des anderen erstrahlten, wie sie heimlich Hände hielten, wenn sie die Korridore des Freudenhauses hinunterliefen.

Minseok hatte vor einem Jahr aufgehört Frauenkleider zu tragen, endlich als alt genug empfunden und wurde prompt aus Astralias Gemächern geschmissen.

„Wie kann sich ein junger Mann deines Alters, noch mit zwei schönen Frauen ein und dasselbe Zimmer teilen? Du kannst zurückkehren wenn du einen von uns heiratest."

Gina hatte so lange gelacht, bis ihr die Tränen in die Augen stiegen, als Minseok ihr davon erzählt hatte. „Astralia ist ein Drache, ich habe es schon immer gesagt!"

„Sie ist kein Drache", murmelte Minseok, fand jedoch auch keine schöneren Worte, um sie zu beschreiben.

„Und, wo bist du nun mehr gelandet?"

„Auf dem Dachboden."

Selbst Gina erbleichte bei seinen Worten. „Aber all die Spinnenweben und undichten Stellen! Will Astralia dir an den Kragen?"

„Sie meinte, es sei eine gute Gelegenheit den Raum zu sanieren. Von mir, versteht sich."

„Sie ist tatsächlich eine wütende Mutter, die ihr Küken mit einem Tritt aus dem Nest wirft."

„Können wir die Drachen- und Vogel-Metaphern sein lassen? In meinem Kopf bildet sich gerade ein ganz eigenartiges Bild."

Gina hatte ihn daraufhin mit Karotten beworfen und ihm aufgetragen wieder an die Arbeit zu gehen.

Mit siebzehn schließlich, nahm Minseok allen Mut zusammen, entführte Rahil auf einen Tagestripp auf den Rummel, der gerade Einzug in London gemacht hatte und kaufte ihr eine Blume von einem Clown ab.

„Ich bin verliebt in dich", sagte er dann, mitten in der Menge. Er hatte warten wollen, bis sie auf dem Riesenrad oder auf einer Bank waren, aber er konnte plötzlich nicht mehr an sich halten. Er wollte seine Gefühle für sie in den Himmel schreien, so dass jeder es wusste.

„Ich weiß", hatte sie mit einem strahlenden Lächeln geantwortet. „Und ich liebe dich auch Minseok!"

Liebesgeschichten mussten nicht schwer sein, wie die Bücher es beschrieben, von denen Rahil nie genug bekam. Der Held musste keine Drachen bekämpfen, sieben Rätsel lösen oder ein reicher Mann mit einer Krone auf dem Kopf sein, um das bezauberndste Mädchen - die Liebe seines Lebens - für sich zu gewinnen. Manchmal reichten ein paar einfache Worte und ein aufrichtiges Herz.

„Wir werden heiraten", verkündete Minseok, während sie Hand in Hand an duftenden Essenständen und Spielzeugwaren vorbeiliefen. „Wenn wir achtzehn sind - sonst köpft mich Astralia. Wir gehen in die Kirche und du wirst ein weißes Kleid anhaben!"

„Und alle Frauen aus dem Bordell werden da sein! Sie werden ihre bunten Kleider, bei denen man immer den Knöchel und zu viel Hals sehen kann, tragen und der Pfarrer wird bei ihrem Anblick ganz stark unter seiner Robe schwitzen."

Sie brachen beide in Gelächter aus und der Mond war voll und strahlte auf sie hinunter und ihre Zukunft breitete sich vor ihnen aus, wie eine Blumenwiese die kein Ende hatte.

~*~

„Was ist mit dir?", fragte ein Engel, mit Erschütterung auf dem Gesicht.

„Ich weiß es nicht", antwortete Luhan ehrlich und strich sich die Tränen in Wunder von den Wangen. „Was ist mit mir?" Luhan sah zurück auf das Kind hinab und spürte wie sich der Schmerz in seine Brust drängte.

Luhan fühlte nicht nur.

Er litt.

~*~

Obwohl alles bereits so lange entfernt lag, träumte Minseok manchmal noch immer von seinen Tagen im Waisenhaus. Es war die einzige Gelegenheit, an der er manchmal seine Eltern oder seine Geschwister wiedersah – Gesichtslos, wie in seinen Erinnerungen, weil er sich an seine ehemalige Familie kaum noch erinnern konnte – aber zumindest hatte er das Gefühl ihnen nahe zu sein. Es fing immer so an, das Gefühl von Dankbarkeit und Sicherheit, wenn er bei seiner Familie war und dann urplötzlich die Geschehnisse, die er im Waisenhaus beobachtet hatte.

Er sah es genau vor sich. Wie er die knarzende Treppe hinunterstieg, weil er wegen eigenartigen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen wurde. Kerzenschein, dass durch eine Spaltbreit geöffnete Tür in den Flur hineinschien.

Stimmen und schwere, metallische Geräusche. Unterdrückte Schreie. Wimmern. Keuchen. Minseok wurde von diesem Lichtstrahl angezogen, auch wenn er sich im Schlaf jedes Mal wieder wünschte, einfach umzukehren und niemals wieder hinzusehen.

In diesem Raum war ein kleiner Junge – nicht älter als Minseoks kleiner Bruder – an einen Tisch gebunden. Seine Arme und Beine von dicken Tau-Seilen festgehalten. Seine Augen waren ebenfalls verbunden, sein Mund von dicken, dreckigen Tüchern gestopft. Seine Brust hob und senkte sich und der Schweiß auf seiner Stirn und seiner Brust glitzerte im Schein der Kerze.

„Das Bein? Nicht doch lieber die Augen? Blinde Kinder bringen mehr ein. Die Menschen sind spendabler."

„Wir können nicht dutzende blinde Kinder vor der Kirche positionieren. Es ist zu auffällig", zischte die Wohnheimleiterin. „Wir nehmen das Bein, das wird genauso effektiv."

Minseok beobachtete wie der Mann – er war der Hausmeister, der mit den schiefen Augen und den dreckigen Klamotten – eine lange Klinge über einer Kerzenflamme erhitzte. Minseok sah wie das Kind wieder wimmerte und die Waisenhausleiterin ihm beschwichtigende Worte zu flüsterte. Es war so widerlich und doch stand er wie gebannt in der Türe und konnte sich nicht bewegen.

„Das Messer wird wahrscheinlich nicht glatt hindurchgehen. Bei so großen Kindern, ist der Knochen schon recht dick."

„Halt den Mund und mach schon. Je länger du redest, desto länger braucht er zum Heilen."

Und dann glitzerte das Messer über dem Kopf des Mannes, bevor er es mit Schwung hinunterriss. Minseok stolperte nach hinten und riss sich die Hand über den Mund, um nicht zu schreien, oder zu brechen.

„Wer ist da?!", erklang die schrille Stimme der Waisenhausleitern. Minseok rannte die Treppe hinauf so schnell er nur konnte und hörte ihre polternden Schritte hinter sich. Er rannte in sein Bett, das Gesicht in die Kissen gedrückt und hielt den Atem an.

‚Sie wird es hören', dachte er panisch. ‚Sie wird es hören!' Sein Herz schlug so laut, als sie in den Raum trat. ‚Sie weiß es! Sie weiß, dass ich es gesehen habe! Ich bin der Nächste!'

„Kleine Ratte", zischte die Waisenhausleitern in den Raum voller schlafender Kinder hinein. Sie waren mehr als fünfzig, aber Minseok war sich so sicher, dass sie wusste, dass er es war. Sie schritt einmal durch den Raum und fluchte vor sich hin. Versprach zu finden, wer es gewagt hatte, sie zu beobachten.

Vor Minseoks Bett hielt sie an und sein Herz stockte. Sie trat langsam an ihn heran, bevor sie die Decke um seinen Körper richtete. Minseok versuchte nicht zu schreien, nicht zusammenzuzucken, nicht zu weinen. Für einen Moment war alles still, dann hörte er wieder ihre Schritte über den Holzboden poltern und schließlich schloss sie die Tür hinter sich.

Minseok fand keinen Schlaf und keine Ruhe. Er schwor sich, dass Waisenhaus mit seinen Geschwistern zu verlassen, sobald irgendwie möglich, denn er wusste, er wusste einfach, dass sie ganz genau im Klaren darüber war, dass Minseok sie gesehen hatte.

Nach Träumen wie diesen, war Minseok immerzu erschüttert und brauchte eine Weile bevor er seinen Tag beginnen konnte. An diesem einen Morgen ließ ihn die Erinnerung nicht los.

Er zog seine Hose und ein Shirt über den Kopf und verließ das Bordell – sein Zuhause – noch bevor der erste Hahnenschrei erklang und ohne jemandem Bescheid zu geben.

Luhan war der Einzige, der von Minseoks Vergangenheit wusste und auch wenn Minseok davon keine Ahnung hatte, so war Luhan bei ihm. So zumindest, sah es in Luhans Vorstellung aus.

Minseok ging zur großen Kirche mitten in London. Sie stieg in den Himmel wie kein anderes Gebäude in London und hatte schon immer imposant und heilig auf ihn gewirkt. Auch wenn Minseok immer ein wenig Angst vor Kirchen hatte. Dem Grund dafür, würde er sich heute Stellen.

Es war später Nachmittag als er die erste sah. Es war ein Mädchen, mit Rabenschwarzem Haar wie das von Rahil. Minseok, der gegen eine Mauer gelehnt, den halben Tag mit Warten verbracht hatte, wurde schwindelig.

Sie lief, gestützt auf einer Krücke, über den Marktplatz – sie konnte nicht älter als zehn sein – und ließ sich vor den großen Treppen zur Kirche nieder. Minseok hatte keine Beweise, aber er wusste instinktiv, dass sie aus dem Waisenhaus kam.

Minseok hatte sich so lange, vor diesem Teil seiner Vergangenheit gedrückt und auch dieses Mal, war er bereit auf dem Absatz kehrt zu machen und zu verschwinden, doch er zwang sich dazu, näher an das Kind heranzutreten.

Als er direkt vor ihr stand, hob sie lächelnd die Hände nach oben, gewölbt wie eine Schale. Minseok hatte Tränen in den Augen, als er ihr sein gesamtes Geld, das er dabei hatte, in die Hände legte. „Entschuldige", flüsterte er. Sie neigte den Kopf verwirrt zur Seite. Sie hatte das Geld schnell unter ihren Röcken versteckt, als glaubte sie Minseok würde es ihr gleich wieder entreißen, wenn sie sich nicht beeilte. „Entschuldige", sagte er wieder und ging vor sie in die Hocke.

Das Mädchen riss vor Angst die Augen auf und öffnete den Mund, ohne dass Schreie über ihre Lippen kamen. Minseok stolperte schnell zurück. „Ich will dir keine Angst einjagen", sagte er schnell und zeigte ihr seine Handflächen um zu bedeuten, dass er nicht gefährlich war. „Ich-" Was sollte er ihr schon sagen? Sich dafür entschuldigen, was man aus ihr gemacht hatte? Er konnte ihr ihr Bein nicht zurückgeben, so wie er all den anderen Kindern nicht mehr helfen konnte. Er hasste seinen Egoismus und die Angst, die ihn wortlos aus dem Waisenhaus getrieben hatte und niemals zurückkehren ließ. Seinetwegen saßen Mädchen wie sie auf der Straße vor der Kirche und bettelten für Almosen, nur damit die Waisenhausleiterin sie sich in die eigene Tasche stecken konnte.

Minseok bemerkte, dass er schon seit einer Weile geschwiegen und das Mädchen nur angestarrt hatte. Sie musste ihn für sehr eigenartig halten.

„W-wie heißt du?" Es war das erste, was ihm eingefallen war.

„Entschuldigen Sie Sir." Minseoks Herz setzte aus. So wie es vor sieben Jahren in dieser einen Winternacht ausgesetzt war. Er stand auf und wandte sich langsam um. „Das Mädchen ist stumm", erklärte sie. Die Waisenhausleiterin. Die Frau, vor der Minseok sich seit er zehn war, gefürchtet hatte. „Sie spricht nicht."

Minseok schluckte alle Angst hinunter. Sie konnte ihn nicht erkennen. Sie konnte es nicht wissen. Nicht wahr?

„Verstehe", hauchte Minseok.

„Ich denke ich bringe sie jetzt besser wieder Nachhause, das dumme Ding schlägt sich manchmal selbstständig auf die Straße." Sie lachte und Minseok sträubten sich alle Haare auf dem Körper. „Nichtsdestotrotz vielen Dank für Ihre Spende, die glücklichen Kinder meines Hauses, werden es Ihnen danken!"

Minseok konnte sich nicht bewegen und er konnte auch nicht sprechen. Selbst Stunden nachdem das Mädchen von der Waisenhausleiterin fortgezerrt wurde, konnte er sich nicht bewegen. Er hatte nichts gesagt. Er hatte auch nichts unternommen. Sie hatte sich nicht verändert, nicht ein Haar war anders als vor sieben Jahren.

Sie war das gleiche Monster, wie damals.

Minseok hätte sie töten müssen, direkt hier und mit seinen eigenen Händen, damit sie vor den Stufen der Kirche zugrunde ging und sich gleich ihren Sünden vor Gott stellen konnte.

An diesem Tag leistete Minseok einen Schwur und betete zum ersten Mal zu Gott und alles und jeden, dass ihn erhören würde.

~*~

Luhan sprang von seiner Wolke und flog durch den himmlischen Nebel, wie noch nie zuvor. Engel wichen ihm aus, blickten ihm verwundert hinterher und rieben sich über die Augen, als könnten sie nicht glauben, wer an ihnen vorbeiflog.

Kyungsoo war über Papiere gebeugt und wirkte geschäftig, doch Luhan trat durch die Portaltüren, ohne auf die Proteste der wachenden Engel zu hören.

„Luhan?" Kyungsoo stand auf und gebot den anderen Engel zurückzubleiben. „Was machst du hier? Wieso bist du so in Eile?"

„Du sagtest", setzte Luhan an und nahm einen tiefen Atemzug. „Du sagtest, wenn es etwas gibt, das ich will, dann soll ich zu dir kommen."

Kyungsoo neigte den Kopf zur Seite und trat näher an Luhan heran. „Das ist richtig. Fehlt dir etwas?"

„Es gibt da etwas, das ich will, nein, das ich unbedingt haben muss."

Kyungsoo blinzelte ihn verwirrt an, das klang nicht wie ein gewöhnlicher Antrag den Engel ihm stellten. „Und das wäre?"

„Ein Mensch. Ich will einen Menschen."

~*~

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Es werden...coole Dinge geschehen im nächsten Kapitel :)

Story-Time: Ich war heute in 'The Great Wall' (der Film mit Matt Damon und Luhan) und ich war so überrascht...ich bin reingegangen ohne den Trailer davor gesehen zu haben und alle die ihn noch nicht gesehen haben aber sehen möchten, empfehle ich ohne Vorkenntnisse in den Film zu gehen ^^

Liebe Grüße!

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