11.1
Luhan hatte nicht gelogen als er meinte dass eine Horde Zombie-Erzengel ihm gefolgt waren, worum sie sich also als erstes kümmern mussten. Als das schließlich geschafft war hatten sie eine neue Horde von ihnen am Hals, sobald sie ihre Flügel geöffnet hatten und weggeflogen waren. Es war, gelinde gesagt, ermüdend.
„Das nimmt gar kein Ende", seufzte Luhan, sobald sie wieder Land unter den Füßen hatten. „Schnell weg von hier, bevor sie uns finden."
Chanyeol und Baekhyun folgten Luhan, der, auch ohne seine Flügel, ein zügiges Tempo einschlagen konnte. Er eilte durch dichte Menschenmengen hindurch, als wären gar keine Hindernisse vor ihm, um mögliche Verfolger abzuschütteln.
Sie waren in London, bemerkte Baekhyun am Rande seines Bewusstseins, als er das Riesenrad vor der Themse und das Parlament mit dem Glockenturm aus der Entfernung sah. Hier war es wieder helllichter Tag.
Luhan brachte sie in ein kleines Hotel in einer Seitenstraße, wo selbst am helllichten Tag nur reger Betrieb herrschte. Vielleicht hätte Baekhyun darauf achten sollen, dass Luhans Schultern sich immer weiter anspannten, desto näher sie dem Zimmer kamen, in dem sie die anderen treffen sollten aber es fiel ihm nicht auf. Und Chanyeol wohl ebenso wenig. Sie hätten wirklich vorsichtiger handeln sollen.
„Wir sind da", sagte Luhan als sie vor einer schlichten dunklen Holztür standen.
„Was-?" Baekhyun blickte überrascht nach unten, wo Luhan plötzlich nach seinem Handgelenk gegriffen hatte. Luhan öffnete die Tür zum Zimmer und zog Baekhyun gleichzeitig hinter sich. Seine andere Hand flammte jähe auf, die Handfläche zeigte auf Chanyeol.
„Was tust du da?", fragte Baekhyun geschockt und versuchte an Luhan vorbeizugehen, der ihn jedoch unnachgiebig festhielt.
Chanyeol sah kühl von Luhan zu dem Inneren des Raums, den Baekhyun noch nicht gesehen hatte. Seine Augen verengten sich. „Wie konnte ich nur so dumm sein?", brachte er durch zusammengebissene Zähnen hindurch. „Wie konnte ich auch nur eine Sekunde lang glauben, dass ich einer Horde Gefallener Engel vertrauen könnte?"
Baekhyun starrte von Luhan zu Chanyeol und zurück. „Das ist eine FALLE? WAS?!"
„Geh rein", sagte Luhan kühl. „Außer du willst dass deinen zwei Engeln etwas passiert."
Chanyeols Gesicht zuckte vor Wut aber er gab keinen weiteren Laut von sich. Der Ausdruck in seinen Augen sprach eigene Bände für sich. Er kam Luhans Aufforderung nach und ging in den Raum hinein.
„Himmel was soll das?", richtete Baekhyun sofort wütend an Luhan. „Seid ihr verrückt geworden? Das ist nicht lustig."
Luhan zog ihn hinter sich her als er Chanyeol in den Raum hineinfolgte. „Planänderung", sagte Luhan nur leise zu Baekhyun und drückte sein Handgelenk etwas fester, was wohl einer Warnung gleichkommen sollte. „Halt dich ruhig, verstanden?"
„Ihr habt sie doch nicht mehr alle!"
„Ruhig jetzt."
Baekhyun funkelte Luhan wütend an, ließ sich von ihm jedoch weiterziehen. Worum es auch ging, es war besser dass Baekhyun ebenfalls hier war und nicht draußen wo die falschen Erzengel nach ihnen suchten. Er war sich jedoch gar nicht mehr so sicher darüber, ob er das eben wirklich ernst gemeint hatte, als er Chanyeol in eine Art Wohnzimmer gefolgt war. Baekhyun hätte am liebsten entsetzt aufgestöhnt bei dem Anblick, der sich ihnen nun bot.
Yixing und Kris hatten Kyungsoo und Junmyeon mit einem dicken Tau gefesselt und hielten sie nun fest auf eine alte grüne Couch gedrückt. Ihre Hände waren in schwarzem Rauch verhüllt und schwebten unheilverkündend über ihren zwei Geiseln. Himmel, Hölle und Lucifer damit hatte Baekhyun nicht gerechnet.
Luhan schob Baekhyun neben sich vorsichtig an Chanyeol vorbei, bis sie neben Kris und Yixing standen. Wut schien aus jeder von Chanyeols Poren zu entweichen.
„Was wollt ihr?", knurrte der Engel und verschränkte die Arme fest vor der Brust, wahrscheinlich um zu verhindern, dass er sich sonst auf sie stürzte.
„Schön dass du gekommen bist", sagte Yixing erfreut. Baekhyun hatte keine Ahnung wie er selbst jetzt, gegenüber einem erzürnten Erzengel, so fröhlich klingen konnte. „Deine Engel haben dich vermisst." Kyungsoo verzog das Gesicht als Yixings schwarzer Rauch dem Ende einer seiner Haarsträhnen zu nahe kam und ein Stück davon abbrannte.
„Was. Wollt. Ihr?", fragte Chanyeol erneut und betonte jedes einzelne Wort. „Ist das wirklich der richtige Moment um Spielchen zu spielen?"
„Wir spielen keine Spielchen", versicherte Yixing. „Wir machen es ganz einfach für dich: Die Engel sind frei wenn du uns den Weg in den Himmel zeigst. Mehr nicht."
Baekhyun fiel die Kinnlade auf. „Was?!" Kris warf ihm einen warnenden Blick zu.
„Ihr wollt in den Himmel?", wiederholte Chanyeol irritiert. „Niemals lasse ich zu dass Gefallene Engel in den Himmel kommen. Ihr seid Verräter und Verbrecher."
„Das ist dein Freund Jongin auch", erinnerte Kris mit einem fiesen Lächeln.
„Was weißt du schon über Jongin?"
Kris blinzelte mehrfach. „Eine Menge um ehrlich zu sein." Er sah zu Junmyeon hinunter, der bewegungslos auf der Couch saß. „Aber wir sollten diese alten Geschichten nicht mehr ausgraben."
Baekhyun hatte nicht die geringste Ahnung von den Vorhaben der anderen Gefallenen Engel gehabt und konnte auch noch nicht ganz einsehen, was sie mit der ganzen Sache beabsichtigten. Wobei er eine ungefähre Ahnung hatte, die ein eigenartiges Gefühl in seine Magengrube beschwor.
„Eure Bedingungen sind nicht akzeptabel. Ich werde euch den Weg in den Himmel nicht zeigen."
„Das ist zu schade für deine zwei Engel hier." Er legte den Kopf schräg. „Dann brauchst du sie wohl nicht länger?" Yixings Hand senkte sich langsam auf Kyungsoo hinunter. „Ehrlich gesagt freue ich mich ein wenig darüber." Er wackelte mit den Fingern, so dass Rauch in alle Richtungen wich. „Es hat mir schon die ganze Zeit in den Fingerspitzen gekitzelt. Es ist so unglaublich lange her, dass ich einen Engel getötet habe."
Kyungsoo zuckte heftig zusammen, als Yixing ihm einen einzigen Finger auf die Kehle legte. Rauch erschien und Kyungsoo entließ einen schmerzverzerrten Schrei.
„Aufhören!", rief Baekhyun wütend. Luhan hielt ihn weiterhin fest, weshalb er nicht weit kam als er versuchte auf Yixing zuzulaufen. Luhans Griff war auch noch stärker geworden aber Baekhyun spürte auch dass seine Hand angefangen hatte zu zittern. Etwas war hier nicht ganz richtig. Baekhyun sah zu Luhan herüber, dessen Kiefer fest angespannt war. Seine Augen bohrten sich in Chanyeol als würde er auf etwas warten, nein, auf etwas hoffen! War das ein Bluff? Wollten sie die Engel wirklich verletzen?
„Was wollt ihr im Himmel?", fragte Chanyeol ruhig, sobald Kyungsoo sich einigermaßen wieder beruhigt hatte.
„Was wohl? Euren Müll runterbringen natürlich." Yixing grinste breit. „Oh entschuldige habe ich deinen Geliebten gerade Müll genannt? Allzu sehr tut mir das jedoch nicht leid."
„Der Himmel kommt zurecht auch ohne eure...Hilfe."
„Hilfe würde ich das nun wirklich nicht nennen", sagte Yixing nachdenklich. Seine Hand senkte sich langsam wieder auf Kyungsoo hinunter, der wimmernd zurückwich. „Also werter Erzengel? Ich habe wirklich Lust ein wenig mit diesem Engel zu spielen und würde nur eben mit ihm ins Nebenzimmer gehen, wenn du ihn nicht mehr brauchst. Wie entscheidest du dich?"
Chanyeols Hände ballten sich an seinen Seiten zu Fäusten. „Ich kann den Himmel nicht auf diese Art gefährden."
„Oh ich denke dass hast du schon ausreichend hinbekommen, indem du eine Dunkle Aura in den Himmel befördert hast." Seine Augen verengten sich. „Aber ernsthaft, was willst du nun tun Erzengel? Es ist deine Schuld dass all die Engel dort oben und hier auf der Erde gefangen sind. Wie willst du das wieder hinkriegen? Hm?"
Chanyeols Wut schien zu wachsen aber er brachte kein Wort über die Lippen. Er hatte keinen Plan, verstand Baekhyun. Er wusste nicht was er tun sollte. Yixing lachte, denn er schien ebenfalls zu verstehen.
„Du bist erbärmlich Erzengel. Du ziehst einen alten Menschenfreund also der Existenz aller anderen Wesen vor? Und das nennt sich ein Erzengel? Du bist nicht besser als wir, viel eher: Du bist viel schlimmer als wir!"
„Halt den Mund", knurrte Chanyeol. Seine Hände zuckten gefährlich.
„Und du hast nicht einmal einen Plan! Erbärmlich!" Yixings Stimme wütete wie ein Ungewitter in diesem kleinen Raum. „Überlass die Sache also uns. Leute die wenigstens den Hauch einer Chance haben zu bestehen."
„Ihr wollt..." Chanyeol schüttelte heftig den Kopf. „Als ob ich euch glauben werde, dass ihr den Himmel retten wollt."
Yixing zuckte die Achseln. „Mir ist egal, was du glaubst. Aber betrachte die Fakten: Keiner deiner Weißbeflügelten Mistkerl-Freunde kommt in den Himmel weil ihr Erzengel sofort eure Macht verlieren würdet, wenn ihr euch gegen den Himmel wendet. Oben läuft ein dunkler Engel durch den Himmel und errichtet ein Problem nach dem anderen und hier unten bricht bald die Hölle auf Erden aus." Yixing grinste. „Und? Was denkst du? Die einzigen Wesen mit wahrer Macht sind WIR. Wir sind die einzigen die die Tore attackieren können ohne unsere Macht zu verlieren. Die einzigen, die den Toren überhaupt etwas anhaben könnten. Also, willst du rein oder nicht?"
Chanyeol starrte ihn fassungslos an. „I-ich kann nicht zulassen dass..."
„Oh und wir verschonen dann natürlich auch deine kleinen Engelsfreunde hier. Du musst uns nur den Weg nach oben zeigen und alles wird gut." Yixings Grinsen jagte Baekhyun Schauer über den Rücken. „Ist das wirklich so schwer Erzengel?"
„Ich kann euch nicht vertrauen."
„Zu schade", erwiderte Yixing nachdenklich. „Dann bleibt uns wohl keine andere Wahl." Er schenkte Kris ein blendendes Lächeln. „Du kannst dich jetzt an deinem Ex rächen. Die Chance hat man auch nicht jeden Tag." Wahnsinn, purer, eiskalter Wahnsinn funkelte in Yixings Augen. Baekhyun konnte sehen dass er nicht bluffte und dass er auch nicht zögern würde Kyungsoo zu verletzen.
„Stopp", sagte Baekhyun verzweifelt und kämpfte gegen Luhans Griff an. „Lass mich los. Lass mich los Luhan, sonst-" Baekhyun wollte es nicht aber er würde seine Macht gegen Luhan verwenden wenn es sein musste.
„Halt still", zischte Luhan wütend als Kyungsoo plötzlich schmerzverzerrt aufschrie. Baekhyun dachte gar nicht daran auf Luhan zu hören.
Er hatte genug Macht in sich aufgestaut um Luhan durch die Stadt zu fegen als Chanyeols Stimme leise um Einheit gebot. Kyungsoos Schrei klang nach als Yixing die Hand wieder von seinem Hals hob. Ein enttäuschtes, kleines Lächeln auf den Lippen. „Oh du hast es dir also anders überlegt?"
Chanyeols gesamter Körper zitterte vor unterdrückter Anspannung. „Ich...bringe euch vor die Tore aber keinen Schritt weiter."
Yixing hob eine Augenbraue an. „Hm vor die Tore also und dann?"
„Ihr sprengt sie auf und ich kümmere mich um den Rest."
„Ah", sagte Yixing und nickte. „Schön und gut aber ich wollte den Himmel schon seit einer Weile mal wieder von innen heraus betrachten. In alten Erinnerungen schwelgen und dergleichen."
„Nein", sagte Chanyeol entschlossen. „Ihr werdet die Tore nicht passieren. Sobald ich drüben bin kümmere ich mich alleine um Jongin."
„Das ist nicht ganz fair." Yixing verschränkte die Arme vor der Brust. „Was springt dabei für uns heraus?"
Chanyeol funkelte ihn an. „Ich weiß wieso Lucifer euch darauf angesetzt hat." Luhan zuckte leicht zusammen, was Baekhyun überraschte, denn er selbst hatte keine Ahnung wieso Lucifer so etwas befehlen sollte. „Die Hölle ist ebenfalls nicht sicher, nicht wahr?"
Yixing schwieg, was Antwort genug war.
„Es ist also auch in eurem Interesse wenn die falschen Erzengel und all die Engel wieder von der Erde verschwinden."
Kris seufzte tief. „Du hast Recht, die Hölle ist ebenfalls unter Beschlag. So viele Erzengel auf einmal verlangen Lucifer eine ganze Menge ab. Er kann keine Portale zur Hölle mehr öffnen."
Baekhyun wusste dass die Hölle der Fantasie von Lucifer entsprungen war aber so wie es klang musste deutlich mehr dahinter stecken...natürlich konnte Lucifer eine ganze Welt nicht nur durch Vorstellungskraft erstellen, was er ebenfalls brauchte war Macht und...
„Die Hölle ist, wie der Himmel, mit der Erde verbunden, nicht wahr?", setzte Chanyeol fort. „Ich habe mir oft Gedanken über die Hölle gemacht. Die Hölle kann von ihrer Gestalt nicht weit aus anders sein als der Himmel, was bedeutet dass es einen richtigen Weg in die Hölle geben muss. Eine Verbindungsstelle zwischen Erde und Hölle, so wie es von der Erde aus einen Weg in den Himmel gibt." Seine Augen verengten sich. „Kein Portal dass Lucifer einfach beliebig öffnen kann sondern einen richtigen Weg mit einem Tor. Ein Tor dass so viele Erzengel wahrscheinlich sprengen könnten wenn sie es fänden."
Yixings Gesicht verfinsterte sich. „Du weißt das alles? Wir sollten dich wirklich nicht am Leben lassen."
„Das meiste davon haben die anderen Erzengel mir erzählt", sagte Chanyeol. „Das ist wirklich kein Geheimnis mehr. Es wurde zuvor nur noch kein Eingang gefunden aber das kann sich ändern nicht wahr?"
Yixings Dunkelheit war um einiges dichter geworden und Baekhyun spürte auch wie die von Luhan sich langsam ausbreitete. Offensichtlich hatte Chanyeol da einen wunden Punkt getroffen. Und wenn das was er gerade gesagt hatte stimmte, dann waren weder Lucifer noch all die anderen Wesen der Hölle sicher. Baekhyun musste an seine sieben Ausbilder denken und was wohl aus ihnen werden würde, wenn sie ihr Zuhause verlieren würden. Oder...würden sie gar vernichtet wenn die Hölle unterging?
„Also, meine Bedingungen stehen. Ich bringe euch vor die Tore. Nicht weiter."
Yixing und Kris tauschten einen Blick aus. Protest erschien auf ihren Gesichtern.
„Ich verhandle nicht weiter mit Gefallenen Engeln. Nehm an oder tut was ihr tun müsst damit ich euch anschließend alle gemeinsam zur Strecke bringen kann." Und der Zorn in Chanyeols Augen versicherte Baekhyun, dass er dazu auch sehr wohl im Stande war. Baekhyun hatte ihn mit Zitao gegen die Zombie-Erzengel kämpfen gesehen und wusste dass er wohl dazu fähig wäre, sie alle zusammen zur Strecke zu bringen. Baekhyun schluckte schwer hinunter.
Für einen langen Moment herrschte angespannte Stille zwischen ihnen, dann ebbte der Rauch um Yixings Hand plötzlich ab. Er warf einen Blick auf Luhan, der fast unmerklich mit dem Kopf nickte, bevor er Chanyeol wieder ansah. „Na schön Erzengel wie du wünschst. Bring uns vor die Tore."
~*~
Nachdem beschlossen war, dass Chanyeol ihnen den Weg in den Himmel weisen würde kamen gleich neue Verhandlungen zustande weil Yixing sich weigerte Junmyeon und Kyungsoo jetzt schon gehen zu lassen und Chanyeol sie sofort aus ihren Fesseln haben wollte.
„Wie wäre es wenn wir sie mitnehmen", schlug Luhan nach einer Weile fort. „Sie bleiben bei uns als eine Art Versicherung, dass du uns nicht aus heiterem Himmel überfällst und hast sie trotzdem nahe genug bei dir um zu sehen, dass ihnen nichts geschieht."
Chanyeol schnaubte. „Wieso sollte ich euch noch vertrauen?"
„Denkst du mir gefällt es mit dir zusammen zu arbeiten?", fauchte Luhan mit Zorn in der Stimme. Chanyeol war es gewesen, der Minseok von seinen Ketten befreit hatte und ihn von Luhan fortgerissen hatte. Luhan musste Chanyeol schrecklich hassen. Baekhyun sah bedrückt zu Boden. Minseok hatte alles für Luhan bedeutet und nun würde er ihn wahrscheinlich niemals wiedersehen. Dieser Gedanke musste ihm sehr zu schaffen machen.
„Luhan", sagte Baekhyun sanft und ergriff seinen Arm um ihn zurückzuziehen. Für einen Streit war das hier der falsche Moment.
Luhan riss sich von ihm los und zeigte plötzlich mit der gleichen Hand, die Baekhyun gerade noch ergriffen hatte, auf ihn. „Dann vertrau ihm, wenn du uns nicht vertrauen kannst. Baekhyun wusste von dieser ganzen Angelegenheit nichts."
Chanyeols Augen verengten sich. „Und wieso sollte ich das glauben?"
„Sieh ihn dir doch an", sagte Kris und seufzte leise. „Natürlich konnten wir ihn nicht einweihen, er hätte niemals mitgemacht."
Das konnte Baekhyun gar nicht abstreiten. Er sah zu Kyungsoo herüber, dessen Haut noch immer geschunden war von der Verletzung, die Yixing ihm zugefügt hatte. Er heilte so viel langsamer als jemand der an solche Behandlungen und Wunden gewöhnt war. „Ich wusste nichts davon", sagte Baekhyun zu Chanyeol. „Ich kann mich um Junmyeon und Kyungsoo kümmern, wenn du möchtest. Ich lasse nicht zu, dass ihnen etwas geschieht."
Vielleicht bildete sich Baekhyun den kurzen Funken Verunsicherung in Chanyeols Augen nur ein, denn seine nächsten Worte ließen davon nichts erahnen. „Ich vertraue überhaupt keinem Gefallenen Engel." Er biss sich für einen Moment auf die Unterlippe. „Aber schön. Wir fliegen alle zusammen zu den Toren und ihr drei haltet Abstand von den Engeln." Er sah Luhan, Kris und vor allem Yixing nacheinander an. „Baekhyun und ich werden bei Kyungsoo und Junmyeon bleiben."
„Du vergisst dass sie unsere Geiseln sind", seufzte Yixing. „Geiseln haben wenig wert, wenn sie bei der Person sind, die man erpressen möchte."
„Ich...bringe euch schon vor die Tore", sagte Chanyeol. Widerwille klang aus seinen Worten heraus. „Den Rest übernehme ich."
„Und wir", meldete sich Junmyeon zu Wort. „Wir sind ebenfalls Verantwortliche des Himmels."
Kyungsoo nickte. „Du kümmerst dich um Jongin und wir uns um die anderen Dinge."
Chanyeol sah die zwei gefesselten Engel mit einem Lächeln an. „Gut. Danke."
„Dass wir mal mit Engeln zusammenarbeiten würden." Yixing schüttelte den Kopf. „So weit ist es schon mit uns gekommen."
„Auch wir müssen unser Zuhause beschützen", sagte Kris. „Welche Wahl bleibt uns schon?"
Baekhyuns Blick wurde erneut von den Wunden an Kyungsoos Kehle angezogen. Engel sollten nicht bluten – als er noch im Himmel gewesen war, hatte er dies zumindest immerzu angenommen. Er hatte vieles angenommen: Dass Engel für gewöhnlich nicht vom Himmel fielen zum Beispiel, nicht bluteten oder starben. Er hätte auch nicht gedacht dass Engel wirklich lieben könnten aber auch das war ein Irrtum gewesen. Er hatte Luhan kennengelernt, der für Minseok vom Himmel gefallen war, und Kris, der einmal einen heiligen Schwur geleistet hatte weil er mit Junmyeon zusammen sein wollte...und Chanyeol, der noch immer so weit ging um Jongin zu beschützen. Und Baekhyun selbst...
Er hatte Freunde gefunden in Luhan, Minseok, den anderen Gefallenen Engeln - Yixing und Kris - und in seinen teuflischen Ausbildern in der Academia. Er hatte einen Menschen kennengelernt und in ihm so viel Gutes und Wundervolles gefunden und selbst jetzt da Chanyeol ein gefühlloser Erzengel war, glaubte er das ein großer Teil von diesem Menschen noch immer in ihm steckte. Auch das hatte er nicht für möglich gehalten: Engel, die ähnlich wie Menschen fühlten. Gefühle, die sich an die Oberfläche kämpften und wieder ins Bewusstsein zurückkehrten. Seit er vom Himmel gefallen war hatte Baekhyun so einiges dazugelernt.
Er sah auf seine Hände hinunter, die eine verbotene Macht durchströmte. Er dachte an seine schwarzen Flügel, die ein Zeichen seines Verrats waren und ihn im wahrsten Sinne des Wortes ‚gebrandmarkt' hatten. Er dachte an die Bilder seiner Menschheit, die er nie so recht vergessen konnte, obwohl alle anderen Engel sich um ihre eigene Vergangenheit nie gekümmert hatten. ‚Nutzlos' war ein Wort dass ihn seit jeher begleitet hatte.
Er schloss seine Hände zu Fäusten. Stille Entschlossenheit brannte in ihm.
„Kyungsoo", sagte er über den Streit der anderen hinweg, die noch immer an der Sache dran waren. „Darf ich deine Wunden heilen?"
Kyungsoo blinzelte ihn verwirrt an. „Was?"
Baekhyun ging zu ihm herüber und ließ sich vor ihm auf die Knie fallen. Kyungsoo blinzelte ihn noch immer an, als Baekhyun sein Gesicht zwischen die Hände nahm und ihm einen Kuss auf die Wange drückte. Kyungsoos Wunden heilten augenblicklich unter der Berührung. Heilen war es das seine sieben Ausbilder ihn gelehrt hatten, wie keinem anderen Gefallenen Engel zuvor.
„D-danke Baekhyun", sagte Kyungsoo. Sichtlich erschüttert.
Es war zwar eine verbotene Macht, derer sich Gefallene Engel bedienten aber richtig angewandt, war es ganz gewiss keine nutzlose.
Baekhyun drehte sich erneut zu den anderen um. „Ich...habe ihn jetzt nicht irgendwie besudelt oder?"
Luhan klatschte sich tatsächlich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Du solltest erst fragen, bevor du solche Dinge tust!"
Baekhyun zog den Kopf ein. „Ugh, es sah nur sehr schmerzhaft aus."
„Das ist er nicht", unterbrach Chanyeol als Luhan wieder ansetzte. „Er ist nicht beschmutzt."
Baekhyun seufzte erleichtert aus. „Sorry Kyungsoo, ich mache dir auch jetzt wieder nur Schwierigkeiten."
Kyungsoo schüttelte den Kopf. „Schon gut. Danke Baekhyun." Er lächelte zu ihm herauf, so vertraut und strahlend schön wie Baekhyun ihn im Himmel kennengelernt hatte. „Es hat tatsächlich ziemlich wehgetan."
„Schön. Wollen wir jetzt los oder warten wir noch darauf dass eine Horde falscher Erzengel hier auftaucht und uns Feuer unter dem Hintern macht?" Yixing lächelte. „Ich hab plötzlich unheimliche Lust darauf die Tore zum Himmel zu zerstören."
Baekhyun sah zu Luhan herüber als er etwas aufblitzen sah aber es war verschwunden, oder nie dagewesen, als Baekhyun seine Augen auf ihn richtete. Luhan hatte sich lässig gegen die Wand hinter sich gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt und Augen aufmerksam auf Chanyeol gerichtet.
„Binden wir sie los, so können sie nicht fliegen", schlug Kris vor und umrundete die Couch um Junmyeon loszumachen.
„Wieso habt ihr uns von vornherein festgebunden wenn ihr uns jetzt wieder losbindet?", fragte Junmyeon durch zusammengebissenen Zähnen hindurch.
„Oh für den Effekt natürlich", antwortete Kris und hantierte an dem Knoten an Junmyeons Seite herum, der seine Arme gegen seinen Körper drückte. „Und ich wollte dich schon immer einmal in Fesseln sehen", sagte Kris mit flatternden Wimpern.
„Bastard."
„Das sind keine Worte, die ein braver Engel in den Mund nehmen sollte."
Junmyeons Augen waren voller Wut während er Kris beobachtete. Indes trat Baekhyun schnell wieder nach vorne um sich um Kyungsoos Fesseln zu kümmern als er sah dass Yixing seine Macht aufflammen ließ, wahrscheinlich um Kyungsoos Fesseln mit ihr, ohne auf Verluste zu achten, durchzutrennen.
„Erzähl du mir nichts von ‚brav' du Gefallener Engel."
Kris verdrehte die Augen. „Ja ja, du bist ja so rein und gut weil du nicht vom Himmel gefallen bist."
„So ist es."
„Sarkasmus Junmyeon. Das war Sarkasmus."
„Denkst du ich wüsste nicht was Sarkasmus ist? Ich sehe nur nicht wie Sarkasmus in dieser Situation angebracht wäre."
„Ich weiß ja nicht, denk vielleicht noch ein wenig länger darüber nach. Du hast die Dinge doch schon immer als aller Letzter verstanden."
„Das ist nicht wahr!", erwiderte Junmyeon lautstark.
„Nicht? Ich kann dir tausend Beispiele nennen."
Junmyeon schnaubte. „Nenn mir ein einziges."
„Eins?" Kris drehte den Kopf zur Seite. Er hatte den Knoten gelöst und lockerte die Fesseln nun, damit Junmyeon sie selbst abstreifen konnte. Es war still unter ihnen geworden, weil sie ihnen zuhören wollten aber die beiden schienen das gar nicht zu bemerken. „Wie soll ich dir aus Tausend Beispielen nur eins nennen? Himmel wo soll ich mich da entscheiden?!"
„Siehst du. Kein einziges." Junmyeon wandte Naserümpfend das Gesicht ab. „Von wegen letzter."
Kris' Gesicht zuckte vor Wut. „Als ich mich in dich verliebt habe zum Beispiel", sagte er plötzlich. „Der ganze verdammte Himmel hat es gewusst, bevor du auch nur den Hauch einer Ahnung hattest. Da hast du dein Beispiel! Du bist immer als aller letzter im Bilde. Immer."
Junmyeon lugte vorsichtig wieder zu Kris herüber. Sein Gesichtsausdruck war betont frei von jeglichen Emotionen aber das war wahrscheinlich nur eine Scharade. Sie anderen zumindest, hatten Kris' Worte aus dem Konzept gebracht. Außer Luhan vielleicht, der so etwas in die Richtung schon erwartet hatte.
„Engels-Paare", sagte Yixing und zog ein Gesicht als hätte es das letzte Jahr durchgehend geregnet. „Eklig."
Kris wandte sich wieder ab und stellte sich ans Fenster um heraus zu sehen. Wenn er rot werden könnte dann wäre er das ganz bestimmt geworden. Und Junmyeon ebenfalls.
Als Kyungsoo und Junmyeon schließlich befreit waren stellten sie sich alle in einem unförmigen Kreis in dem kleinen Zimmer auf – Kyungsoo, Junmyeon und Baekhyun dabei ein Stück abseits. Anspannung machte sich unter ihnen breit.
„Und ihr seid euch sicher, dass ihr die Tore öffnen könnt?", fragte Kyungsoo.
„Wenn wir es nicht können", sagte Luhan langsam. „Dann kann es niemand außer der Himmel selbst. Aber der Himmel agiert noch nicht und wir wissen nicht ob er es jemals tun wird. Es wird uns alle auf einmal brauchen aber das ist unsere beste Chance."
Chanyeol seufzte. „Gut. Wie gesagt, ich vertraue euch nicht und wenn ihr auch nur eine falsche Bewegung macht, exekutiere ich euch an Ort und Stelle. Verstanden?"
Yixing verdrehte die Augen. „War das nicht der Moment für ein ‚aber'?"
Chanyeol ignorierte ihn. „Ihr folgt mir. Wenn ihr mich verliert seid ihr selbst schuld."
„Flieg ruhig so schnell du kannst, damit die falschen Erzengel uns nicht verfolgen können. Kein Problem für uns."
Chanyeol nickte langsam. „Gut. Dann los."
In London war der späte Nachmittag angebrochen als Chanyeols Flügel aus seinem Rücken brachen und sie anderen seinem Beispiel folgten. Auch in London würden Zombie-Erzengel nach ihnen suchen und es würde gewiss nicht mehr lange dauern bis sie sie auch fänden. Es wurde Zeit.
Sie verschonten das Gebäude nicht, als sie mit unglaublicher Geschwindigkeit durch die Wand flogen und dann immer weiter in den Himmel stiegen.
~*~
Baekhyun erinnerte sich noch mit ziemlicher Genauigkeit an seinen Fall. Der Sturz durch Wolken, der Luftdruck der auf seinen Flügeln gelastet hatte, Flammen, die an ihm leckten weil die Geschwindigkeit zu hoch war... Baekhyun hatte außerdem eine ziemlich sichere Erinnerung daran, dass er senkrecht von oben nach unten gefallen war.
Chanyeol hingegen flog nicht immer einfach weiter nach oben. Tatsächlich hatte Baekhyun für einen Moment das Gefühl dass er versuchte sie abzuschütteln, weil er erst eine Weile nach oben geflogen war und dann plötzlich zickzackartig davonschoss. Baekhyun schwirrte der Kopf von all den Bewegungen und Abbiegungen, die Chanyeol machte und dabei den gesamten Globus umspannte. Es war verdammt schwer ihm zu folgen aber Baekhyun hatte wirklich keine Lust von den anderen zurückgelassen zu werden also konzentrierte er sich stark darauf hinter Chanyeol und neben Junmyeon und Kyungsoo zu bleiben.
Sie flogen eine ganze Weile lang, wie betrunkene, die den Weg vergessen hatte, weiter als Baekhyun plötzlich Licht auf seinem Gesicht spürte. Die Überraschung war so überwältigend, dass er automatisch anhielt.
Es war nicht bloß gewöhnliches Sonnenlicht das ihm aufs Gesicht schien, es war das Licht des Himmels! Baekhyun sah sich verwundert um, doch hier waren die Wolken plötzlich dichter und bedeckten ihn sowohl von oben als auch unten – es war als stünde er in einem Flur aus Wolken. Und er konnte tatsächlich stehen! Als wäre ein unsichtbarer Boden über den Wolkenboden gespannt.
Vor ihm strahlte Licht ihm zur Begrüßung entgegen. Warm und vertraut und so unendlich schön.
Baekhyun spürte wie Tränen in seinen Augen aufwallten, die er schnell wieder davonblinzelte. Er war nachhause gekommen. Da vorne stand das Himmelstor, durch dass er nach seinem Tod geschritten war. Er hatte es nur offen erlebt und war ein wenig überwältig von dem Glanz und dem Licht, dass es geschlossen ausstrahlte aber auch so konnte er sich noch gut daran erinnern.
Kyungsoo seufzte neben ihm. „Mein Tor", sagte er sanft. „Schön es wiederzusehen."
Baekhyun nickte schwach, nicht fähig ein Wort über die Lippen zu bringen, und folgte ihm um zu den anderen aufzuholen, die bereits vor dem Tor standen und nach oben stierten. Das Tor war riesig, nicht zu vergleichen mit einer Tür auf der Erde.
Baekhyun blickte noch einmal in die Richtung zurück aus der sie gekommen waren und wunderte sich über den ruhigen Gang der Wolken und dem ganzen Licht dass hier war. Er bezweifelte plötzlich dass er wirklich noch auf der Erde war. Es musste mehr so etwas wie eine...Zwischenwelt sein. Eine Welt, die durch einen hochkomplexen Weg mit der Erde verbunden war. Deshalb also konnten Flugzeuge oder Raketen nicht durch den Himmel sausen. Baekhyun fragte sich außerdem, ob die Hölle genauso aufgebaut war und ob man nur den richtigen Weg kennen musste, um ohne Lucifers zutun in die Hölle zu gelangen. Er schüttelte seine Gedanken ab und wandte sich wieder dem Tor zu.
Yixing Grinsen hatte noch deutlich zugenommen und umspannte nun den Großteil seines Gesichts. „Sprengen wir das Baby endlich davon! Ich will wirklich nicht länger warten."
„Vergesst unsere Abmachung nicht", sagte Chanyeol streng. Junmyeon stand an seiner Seite, die Augen sehnsüchtig auf das Tor gerichtet. „Ihr öffnet es und verschwindet dann. Ich kümmere mich um den Rest.
„Aber natürlich", sagte Yixing. „Wir sind Wesen auf die man sich verlassen kann, schon vergessen?"
Chanyeol wirkte überhaupt nicht begeistert und zögerte auch nicht Yixing dies mit den Augen kundzutun.
„Baekhyun", sagte Luhan über die Schulter und bedeutete ihm näher zu kommen, während Chanyeol weitere Warnungen aussprach und Kris und Yixing die Augen verdrehten. „Damit wir es sprengen können müssen wir alle gleichzeitig so viel Macht wie möglich aufwenden, in Ordnung? Halt dich nicht zurück."
Baekhyun runzelte leicht die Stirn. „In Ordnung."
„Ich werde dem Tor dann, wenn es sein muss, den Rest geben."
Baekhyun hatte ein eigenartiges Gefühl in der Brust. Luhan sah...nicht wie er selbst aus. „Mh ja, gut, ich denke ich habe verstanden."
Luhan nickte. „Sehr gut. Denk am besten an etwas dass dich aufregt damit du auf Höchstform kommst." Er grinste leicht. „Wie wäre es mit deinem Zusammentreffen mit Lucifer in dem gelben Zimmer?"
Baekhyun verzog das Gesicht. „Danke, das wird wahrscheinlich wirklich helfen."
Luhan lachte leise. „Heute ist ein bedeutender Tag."
„Wir werden den Himmel befreien können", bestätigte Baekhyun, Augen wieder auf dem Tor. Chanyeol würde sich um Jongin kümmern und auf der Erde würde wieder Ruhe einkehren. Baekhyun und die andern würden wohl in die Hölle zurückkehren und von da an würde er dort auch bleiben müssen um nicht von den Erzengeln getötet zu werden. Er sah für einen Moment zu Chanyeol zurück.
Yixing riss sich nun von Chanyeols Standpauke los und ging zu Luhan und Baekhyun herüber. Kurz darauf folgte auch Kris. Vier Gefallene Engel vor dem Tor zum Himmel.
„Ihr solltet ein paar Schritte zurückgehen", schlug Kris vor. „Es könnte eine heftige Explosion geben. Macht könnte sich verirren und euch treffen." Die anderen Engel traten gehorsam ein paar Schritte zurück.
„Na dann", sagte Yixing dann leise und legte seine Hände auf das Tor zum Himmel. „Ab jetzt liegt es in deiner Hand Lu."
Luhan nickte neben Baekhyun und das beklemmende Gefühl in seiner Brust verschlimmerte sich. Er hatte das Gefühl, die anderen verheimlichten ihm bei dieser Sache einen (weiteren) entscheidenden Punkt. Luhan und Kris legten ihre Hände ebenfalls auf das Tor.
Baekhyun sah noch einmal über seine Schulter, wo die anderen drei ein Stück abseits auf sie warteten. „Leg deine Hände auf das Tor", sagte Luhan leise und Baekhyun tat es.
„Dass dieser Tag mal kommen würde", flüsterte Yixing. „Wie aufregend!"
„Auf drei", befahl Luhan. Baekhyun sah aus den Augenwinkeln wie Kris nickte und dann die Augen schloss. „Eins."
Baekhyun spürte seine verbotene Macht durch seine Adern fließen und sammelte sie – so viel er nur konnte. Es war als würde er versuchen Wassermassen zu umarmen und an sich zu pressen aber es funktionierte. Er sammelte weiter.
„Zwei." Luhans und Yixings Augen waren ebenfalls geschlossen. Baekhyun wagte es nicht. Für einen langen Moment war er sich der absoluten Stille bewusst, die sie umhüllte, bis das Tor plötzlich unter seinen Fingern zu vibrieren begann.
„Drei!"
Baekhyun entließ alle Macht, die er gesammelt hatte und sah die anderen drei das Gleiche tun. Es war weniger schwarzer Rauch als dunkles Licht, dass aus ihren Händen hinausschoss - so grotesk und falsch gegen das Licht dass das Tor ausstrahlte.
Es fühlte sich an als würde Baekhyun gegen eine Wand drücken, die heftig zurückdrückte und für einen Augenblick hatte er das Gefühl, das Tor würde sich gleich auf sie stürzen und damit ihre eigene und die himmlische Macht auf sie zurückschleudern. Er hatte das Gefühl dass sie es nicht schaffen würden.
Baekhyun stemmte die Füße heftig gegen den Boden und spreizte die Flügel um besser ausbalanciert zu sein aber auch das schien nicht genug zu sein...ihre Macht wollte nicht in das Tor eindringen, weil eine unsichtbare Wand, vor dem Tor, sie daran zu hindern schien. Es musste eine Art Schmutzmechanismus sein, natürlich, was hatte Baekhyun auch erwartet?
Die Macht des Tores drückte sie zurück, Baekhyun spürte wie sie seine eigene Macht auf ihn umlenken wollte und konzentrierte sich stärker. Er wollte nicht von seiner eigenen Macht weggeblasen werden.
Aus den Augenwinkeln sah Baekhyun etwas aufblitzen und drehte den Kopf vollends zur Seite, als er die Kette sah, die plötzlich um Luhans Hals lag. Ein grimmiges Lächeln lag auf seinen Lippen und nun verstand Baekhyun, was ihm so eigenartig an Luhan vorgekommen war. Es war überhaupt nicht Luhan gewesen. Sondern Lucifer.
Und es war Lucifers gewaltige Macht, die das Tor schließlich besiegte. Der Schild des Tores, oder was es auch war, versagte und ihre Mächte drangen in die Wand aus Licht ein.
Und nur wenige Momente darauf, zerbrach das Tor in Milliarden kleine Lichtpartikel. Sie hatten es tatsächlich gesprengt! Sie hatten das Tor zum Himmel aufgerissen!
Lucifer lachte leise. „Sehr schön. Und jetzt erobern wir den Himmel."
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Erinnert ihr euch daran, was Lucifer zu Baekhyun bei ihrer ersten Begegnung 'scherzhaft' gesagt hat? Dass er ihn braucht um den Himmel zu erobern? Tja, das war kein Scherz.
Also ihr könnt euch jetzt wundern, wer die größere Bedrohung für den Himmel ist - Lucifer, der durch Luhan in den Himmel gekommen ist oder noch immer Jongin, der 'die Schriften' bei sich hat und sehr viel Zeug damit anstellen kann. :) Jongin vs Lucifer/Taemin.
Das Kapitel ist auch etwas länger ausgefallen als die anderen aber ich wollte euch unbedingt bis zu dieser Stelle bringen, damit sich das nächste Kap gänzlich im Himmel abspielen kann ^^ oh und ein alter Freund wird auftauchen - den ihr alle sehr gehasst habt aber gut. :D
Und noch etwas!! Fallen wurde von Real-_-King auf Französisch übersetzt :) Ich weiß wie viel Ausdauer es bedeutet diese Geschichte zu schreiben also bewundere ich sie sehr dafür, dass sie sich die Mühe dazu gemacht hat sie zu übersetzen ^^ Schaut bei ihr vorbei wenn ihr möchtet oder Fallen in einer schöneren Sprache als Deutsch lesen möchtet ;) (Hinterlasst ihr vielleicht auch einen Stern oder so? Das würde sie bestimmt freuen <3).
Liebe Grüße!
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