10.6
Jahre und noch mehr Jahre waren ins Land gestrichen. Entscheidungen wurden getroffen, Fehler begangen, Kriege geführt und Blut vergossen.
Chanyeol entließ einen tiefen Atemzug als er sein letztes Werk betrachtete. Es war ein kleines Reich gewesen mit einem zu überheblichen, jungen König und einem großen Mundwerk, das sein gesamtes Land schließlich in den Untergang geritten hatte. Es war einfach gewesen seine Armee zu überrollen, Chanyeol hatte ihren Widerstand kaum wahrgenommen.
„Mein Herr", meldete sich einer seiner Offiziere. Er rieb seine Hände zusammen, hinter ihm scharten Männer mit den Füßen auf dem Boden. „Was...gedenkt ihr mit den verbleibenden zu tun?"
Chanyeol wandte sich von den Trümmern des brennenden Palastes ab. „Sie gehören euch", verkündete er. „Seid bei Sonnenaufgang wieder im Lager zurück."
Manchmal wenn sie die Festung eines Königs einnahmen, mochte Jongin es sich in dessen Burg ein wenig auszuruhen und seinen Männern das Gefühl von Heimat und Normalität zurückzugeben, doch diese Sache hier war Chanyeols persönliche Aufgabe gewesen und er hatte ihn daher nicht mit diesem Wissen belastet. Die Schätze würden seine Männer zu Jongin bringen und die Burg einem Adligen ihres Landes übergeben. So hatten sie es bereits seit Jahren geregelt.
Als Chanyeol sich auf sein Pferd schwang, sah er zwischen zwei Steinhäusern ein kleines, schmutziges Kind kauern. Ihre Augen begegneten sich, durch den Schmutz auf ihren Wangen zogen sich lange Tränenstriemen. Es würde hier wahrscheinlich nicht überleben.
Chanyeol bedeutete seinem Pferd, mit einem Ruck seiner Zügel, dass es losreiten sollte.
~*~
Jongin sah ihn nicht an, als er das Zelt betrat. Er hing über Landkarten und schob kleine Messingfiguren von einer Seite des Pergaments zur anderen. Er prägte sich die besten Ruten für ihren nächsten Feldzug ein.
„Du warst fort", sagte er schließlich. „Mit nicht einmal der Hälfte der Männer."
„Wir waren nichtsdestotrotz in der Überzahl."
„Wirst du hochmütig oder unvorsichtig?"
„Nichts von beidem", antwortete Chanyeol und ließ sich auf ein paar Kissen vor einer großen Holztruhe nieder. „Jedoch – denkst du wir sind grausam geworden Jongin?"
Jongin hielt mit einer Messingfigur zwischen den Fingern inne. Er stellte sie ab und wandte sich Chanyeol zu. „Das ist eine eigenartige Frage."
„Wieso?"
„Weil du gerade Blut auf meine Kissen schmierst." Jongin lächelte. „Oder weil wir seit Jahren auf dem Schlachtfeld leben und du niemals solche Bedenken ausgesprochen hast."
Chanyeol brummte leise. „Ich habe ein Kind in dieser toten Stadt zurückgelassen. Es war unschuldig."
„Wie viele Männer, die du getötet hast, sind schon tatsächlich schuldig gewesen Chanyeol? Wie viele haben uns persönlich etwas zuleide getan bevor wir uns an der Front gegenüberstanden?"
„Ist es also die Tat, die uns grausam macht oder kommt wahre Grausamkeit von der Leere in unserer Brust wenn wir an die Tat zurückdenken? Wieso fühlen wir nichts beim Tod eines Mannes? Eines Kindes?" Chanyeol erinnerte sich an eine Zeit als Jongin tränenüberströmt in sich zusammengebrochen war, weil er das Blut von Soldaten, die ihn töten wollten, an den Händen kleben hatte. Dieses Bild war bereits unzählige Sonnenaufgänge entfernt.
Jongin zuckte schließlich die Achseln. „Wahrscheinlich ist es beides aber ich weiß es nicht. Hast du Angst um deine Seele Chanyeol? Wir könnten den Göttern ein Opfer schlachten."
„Nein das ist es nicht. Ich habe mich nur darüber gewundert."
Jongin nickte und wandte sich erneut seinen Karten zu. „In etwa einem Monat treffen wir auf die Truppen von Galizian. Corossia und Karezenta werden uns im Kampf gegen sie unterstützen. Galizian selbst hat Simbras an seiner Seite. Das sind zwei große Länder, die nicht viele Niederlagen auf ihren Seiten erlebt haben. Wir werden das ändern."
„Corossia und Karezenta", wiederholte Chanyeol nachdenklich. „Wir können ihnen vertrauen?"
Jongin nickte. „Mein Vater hat mir einen Brief zukommen lassen, er steht in enger Freundschaft zu den Königen beider Länder."
„Gut. Dann in einem Monat also."
„Semachites wird vor Neid ganz grün werden, wenn er davon erfährt dass wir Galizian einnehmen."
Chanyeol lachte über diese Vorstellung. „Am besten wir schicken ihm die Krone des Königs, damit er sich nicht allzu ausgeschlossen fühlt." Sie hatten Semachites vor zwei Jahren vom Feld verbannt, weil eine Krankheit ihm übel mitgespielt hatte. Es sah schrecklich für den alten Mann aus und niemand, nicht einmal die Heiler, hatten an seine Genesung geglaubt, doch natürlich war ihr alter Meister nicht so einfach gestorben. Zum Trotz aller hatten Chanyeol und Jongin es nicht anders erwartet. Er war dennoch schwer geschwächt und fast gänzlich Taub auf beiden Ohren. Sie drohten ihm also ihn höchstpersönlich ans Pferd zu binden und ihn nachhause bringen zu lassen, bis Semachites schließlich nachgab. Sie hatten ihn seit jeher nicht mehr gesehen aber sie wussten aus seinen zahlreichen Briefen, dass er zu seiner Frau zurückgekehrt war und ein ruhiges (‚sterbenslangweiliges-bei-allen-Göttern-lasst-mich-sofort-zurückkehren') Leben führte.
In einem seiner Briefe hatte Semachites von Jongins Sohn berichtet. Der Junge war mittlerweile neunzehn Jahre alt und fest entschlossen bald selbst aufs Schlachtfeld zu ziehen. Semachites schilderte dass er ein Junge mit dunklem Haar und hellen, blauen Augen war. Er war ein tüchtiger Schwertkämpfer aber kein guter Schüler der geistigen Schätze. Nach Semachites ähnelte das Kind seiner Mutter viel mehr als Jongin selbst. Jongin war darüber nicht überrascht.
Chanyeol hatte gefragt ob er dem Jungen wirklich gestatten würde zu ihnen zu reisen aber Jongin hatte ihm bis heute noch keine Antwort darauf gegeben.
Es war manchmal einsam ohne Semachites aber diese Melancholie hielt immer nur bis zu ihren nächsten Feldzügen an – oder bis der Mond über ihr Nachtlager schien und Chanyeol Jongin in die Decken ihres Feldbettes drückte.
~*~
Chanyeol roch Erde und den metallischen Geruch von Blut, der sich in seine Nase gesetzt hatte. Die Linien des anderen Bataillons waren beinahe gebrochen und ihre Männer bereit durch sie hindurch zu brechen. Bisher lief alles ganz nach Jongins Plan.
„Dort oben!", rief jemand plötzlich. „Da kommt die Unterstützung von Corossia und Karezenta!" Chanyeol wandte sich um, suchte mit den Augen nach Jongin und fand sie, so wie er sie seit Jahren immerzu gefunden hatte. Triumpf war Jongin vom Gesicht abzulesen, während die Männer von Galizian langsam zurückwichen.
„Macht euch bereit!", brüllte Jongin über den Kriegslärm hinweg. Sein Befehl wurde sofort von dutzenden Männern wiederholt. Die gegnerische Armee war so gut wie besiegt, ihre Linien würden kaum länger aushalten und nun galoppierten Tausende weitere Männer die Berge hinunter um die Sache endgültig zu beenden. Es war ein guter taktischer Zug gewesen, die Schlacht in ein Tal zu treiben, wo ihre Gegner nun festsaßen. Mit Jongins Armee vor sich und den Männer von Corossia und Karezenta um sie herum.
Chanyeol stach den Mann neben sich nieder und trat über seinen Körper hinweg um auf Jongin zuzugehen. Vielleicht war es ein wenig früh für Glückwünsche aber es war offensichtlich dass die Schlacht beendet war. Ein weiteres Land, das von Jongin eingenommen wurde.
Nur würde es nicht so kommen.
Die Männer von Corossia und Karezenta galoppierten auf Pferden die Hügel hinunter und brachen durch Jongins Linien ohne auf Widerstand zu treffen. Männer, die ihnen eben noch zugejubelt hatten, fielen regungslos zu Boden. Schreie wurden laut. Corossia und Karezenta griffen Jongins Armee an und nicht die von Galizian.
Jongins Gesicht wurde rot vor Wut. „Diese elenden Verräter." Jongin rief den Rückzug aus, aber Chanyeol verstand in derselben Sekunde dass ihnen diese Möglichkeit nicht bleiben würde. Sie waren umrundet, so wie sie es zuvor für ihre Gegner geplant hatten und sie waren in der Unterzahl. Jongin sah ihn an, so wild und wütend wie noch nie zuvor.
‚Was nun?', schien sein Gesicht zu fragen. Chanyeol hatte keine Antwort für ihn.
Er wehrte den Schwerthieb eines Mannes ab, der nach Jongin ausgeholt hatte und rammte ihn seine Schwertspitze in den Hals. „Kämpfe", sagte Chanyeol. „So lange du kannst, hörst du mich? Gib nicht auf!"
Die Schreie ihrer sterbenden Männer hallten von den Bergwänden zurück, während sich ihre Feinde zu ihnen vorkämpften.
Jongin nickte und hob sein Schwert an.
-
Ihre Männer hielten dreizehn Stunden durch. Dreizehn Stunden in denen sie sich tapfer den übermächtigen Soldaten von vier Ländern entgegenstellten. Es war ein verlorener Kampf, das war von vornherein klar gewesen, doch Jongins Männer waren nicht an Niederlagen gewöhnt und gewiss nicht an den Verrat ihrer Verbündeten. Wut und Zorn verlieh jedem Mann das Doppelte seiner üblichen Stärke und machte es zu ihrer besten aller Schlachten.
So wie es ihre letzte wurde.
Chanyeol wusste dass er nicht länger aushalten würde, als ein Schwert seine Schulter durchbohrte. Er zuckte vor dem Schmerz zurück, konnte sein Schwert jedoch in der Hand behalten und seinen Gegner überraschen, bevor er seine Klinge aus Chanyeols Schulter ziehen konnte. Chanyeol keuchte schwer als er das Schwert selbst hinauszog. Vor seinen Augen verschwamm der Rest der Schlacht, er schwankte zur Seite, klammerte sich aber mit aller Kraft an sein Bewusstsein. Schreie und Kampfeslärm kamen nur dumpf zu ihm hindurch, als wäre er unter Wasser. So wie damals als Jongin und er darum gewetteifert hatten, wer länger die Luft anhalten könnte...Er drängte den Schmerz aus seinem Bewusstsein hinaus. Er musste...
„Jongin", hauchte er. „Jongin!"
Er fand ihn hundert Meter von sich entfernt. Er war umkreist von Feinden, alle seine Gefährten und Wachen lagen zu seinen Füßen zu Boden. Er war der letzte der noch stand, obwohl Blut aus einer Wunde an seinem Bein klaffte.
Chanyeol verstand dass Jongin sterben würde und spürte den kalten Griff von Angst nach seinem Herzen greifen. Er war zu weit entfernt, er würde es nicht rechtzeitig schaffen und doch rannte er los. Er wehrte Männer ab ohne stehen zu bleiben, rannte gegen sie wenn sie sich in seinen Weg stellten und hielt nicht inne, selbst als ein Schwert seinen verwundeten Arm streifte. Seine Augen waren fest auf Jongin gerichtet und er flehte alle Götter um ein klein wenig mehr Geduld an. Nur ein paar Momente mehr, die Jongin ausharren würde, bis er an seiner Seite wäre. Nur ein wenig länger...
Er hatte den halben Weg überquert als ein Soldat Jongin von hinten sein Schwert in den Rücken rammte. Chanyeol sah wie die Klinge seine Uniform durchbohrte, wie sie blutig aus seinem Bauch hervorkam. Er sah den Schock auf Jongins Gesicht und spürte seinen Schmerz. Oder es war sein eigener. Welcher es auch war, er war schrecklich.
Ein Schrei hatte sich aus Chanyeols Kehle gelöst, den er erst hörte, als Jongin zu Boden sank. Langsam, so unendlich langsam, fiel er zurück. Und stand nicht mehr auf.
Chanyeol brach durch den Kreis seiner Feinde hindurch und ermordete den Mann, der Jongin verwundet hatte mit einer schnellen Bewegung seines Schwertes. Es waren viele. Viel zu viele für einen einzigen Mann aber Chanyeols Ziel war es längst nicht mehr, hier lebend heraus zu kommen.
Er wütete wie ein Kriegsgott und verwundete mehr Männer als ihm hätte möglich sein sollen, als plötzlich auch er spürte wie sich die Klinge eines Schwertes von hinten in seinen Körper bohrte. Natürlich hatte sie ihn dort getroffen. Natürlich. Jongin hätte seinen Rücken bewachen sollen. So wie Chanyeol den seinen.
Die Welt drehte sich um seinen Kopf herum, seine Finger verloren alles Gefühl und sein Schwert fiel ihm aus der Hand. Er fiel auf ein Knie und stütze sich mit einer Hand auf dem Boden ab um nicht gänzlich zu fallen. Das also war er. Der Moment in dem es enden würde.
Er suchte den Boden nach Jongin ab und sammelte all seine Kraft um zu ihm herüber zu kriechen. Die Hand auf die Wunde auf seinem Bauch gepresst, sein Schwert weit hinter sich irgendwo im Staub - vollkommen vergessen.
Er ging vor dem Körper seines Geliebten zu Boden, so dass er in Jongins Blut zu liegen kam, und berührte mit zitternden Fingerspitzen sein Gesicht. „Jongin?"
Seine Augenlieder flatterten auf, als hätte er nur darauf gewartet dass Chanyeol zu ihm käme. „Du bist hier."
„Du lebst."
Jongin lächelte schwach. „Nein, nicht wirklich mein Freund."
Chanyeol drohte das Bewusstsein zu verlieren, zu viel Blut rann ihm durch die Finger. Er drehte sich auf den Rücken und atmete schwer aus. „Es tut mir leid...dass ich nicht...nicht da war. Ich konnte dich nicht beschützen."
Jongin antwortete nicht. Panik griff nach Chanyeol. Er nahm seine Hand vom Bauch und suchte nach Jongins. Er fand sie und drückte sie fest in der seinen.
Jongin nahm einen tiefen, schmerzhaften Atemzug. Alles schmerzte, alles versank in einer Welt aus blindem Schmerz. „Chanyeol erinnerst du dich?"
„Natürlich", flüsterte Chanyeol. „Ich erinnere mich an alles."
Jongin hustete, ein feuchtes Geräusch, das Blut über seine Mundwinkel laufen ließ. „Gut", krächzte er sobald er wieder sprechen konnte. „Dann...dann vergiss unser Versprechen nicht, in Ordnung?"
Chanyeol nickte schwach. Der Himmel dämmerte in hellen Blautönen. Er hoffte Jongin hatte seine Augen auf um es zu sehen. „Kein Mensch, kein Gott und nicht der Tod", sagte Chanyeol. „Nichts davon wird uns trennen."
„Nein. Nichts davon. Versprochen?"
„Versprochen."
Chanyeol schloss die Augen als er Stimmen hörte. Er drückte Jongins Hand und spürte dass er den Druck erwiderte.
Über ihnen ragten zwei Männer mit Schwertern in den Händen. Sie hatten ihnen einen Moment gewehrt, vielleicht aus Respekt weil sie Geschichten von ihnen gehört hatten und Lieder über ihre glorreichen Tage gesungen wurden. Vielleicht weil Chanyeol trotz seiner Wunden zu Jongin gefunden hatte. Was es auch war, der Moment war verstrichen, ihre Aufgabe verlangte es beendet zu werden. Sie hoben die Klingen über ihre Köpfe und stießen sie den sterbenden in die Brust.
Das letzte woran sich Chanyeol erinnerte war der Druck von Jongins Fingern und die Bilder eines Lebens das er nicht als Sklave geführt hatte. Er hatte sich seinem Schicksal letztlich doch entgegen gestellt und dabei den größten Schwertmeister ihrer Zeit, Semachites, kennengelernt und an der Seite des goldenen Prinzen gelebt, geliebt und gekämpft.
Chanyeol starb mit den verblassenden Bildern seines Lebens.
~*~
Strahlendes Licht empfing ihn als die Dunkelheit sich auflöste. Er blickte an sich hinunter. Seine Haut war unversehrt und seine Kleidung so frisch und sauber als hätte er sie nie zuvor getragen.
„Chanyeol?"
Er blickte auf, vor ihm stand ein Mann mit eigenartigen, weißen Schwingen, die wie die Flügel einer weißen Taube an seinem Rücken befestigt waren. Chanyeol hätte Fragen gestellt aber er spürte wie sie seinen Gedanken abhandenkamen, er spürte wie jegliche Verwirrung und einstiger Glaube aus seinem Geist gezogen wurde. Er wurde ganz ruhig und spürte die Richtigkeit des Ganzen.
„Mein Name lautet Junmyeon", sagte der Mann. „Ich bin ein Engel, so wie du von nun an einer sein wirst." Er lächelte und sah wunderschön dabei aus. „Du bist gestorben und dein menschliches Leben ist nun nicht mehr von Bedeutung." Er streckte ihm seine Hand entgegen, mit der Handfläche nach oben. „Bitte tritt ein. Es wird Zeit."
Chanyeols Beine gehorchten augenblicklich, er zweifelte nicht, zögerte nicht. Das alles hier fühlte sich richtig und gut an, seine Erinnerungen und Gefühle wichen mit jedem Schritt weiter und weiter in die Dunkelheit eines leeren Geistes.
Das Tor strahlte ihm Wärme und Geborgenheit ins Gesicht als Chanyeol plötzlich inne hielt. Junmyeon sah ihn überrascht an. „Was ist?"
Er blinzelte verwirrt, harrte aus, etwas bedrückte ihn, etwas versuchte an der Oberfläche seiner Erinnerungen zu bleiben aber alles erschien ihm so unwichtig, so weit entfernt, so völlig belanglos.
„Chanyeol?", fragte Junmyeon noch einmal.
Er wandte sich um. Niemand stand hinter ihm. Jemand SOLLTE hinter ihm stehen, nicht wahr? „Wo ist Jongin?", fragte er schließlich. Das Bild von einem Mann, von IHM, erschien vor seinem inneren Auge. Nicht stark genug um wichtig zu erscheinen und doch...doch hielt ihn etwas an diesem Bild fest.
„Er ist ebenfalls gestorben", berichtete Junmyeon und legte Chanyeol eine Hand auf die Schulter. Völlige Ruhe überkam ihn. „Mach dir darüber keine Gedanken mehr. Es ist vorbei."
Und Chanyeol nickte, denn es war wirklich nicht mehr von Belangen. Er trat durch die Himmelspforte hindurch und spürte Wärme und Licht in ihn eindringen, durch seine Adern strömen und seine Wirbel erweitern. Licht durchflutete ihn bis Flügel aus seinem Rücken brachen. Er spürte wie sie ein Teil von ihm wurden und hinterfragte auch dies nicht.
„Sie sind gewaltig", sagte Junmyeon hinter ihm. Er konnte Anerkennung aus seiner Stimme heraushören. „Ich bin mir sicher du wirst eines Tages ein glorreicher Engel werden Chanyeol."
Chanyeol bedankte sich bei Junmyeon und trat weiter in den Himmel hinein. Jedes Gefühl dass er je besessen hatte weit, weit entfernt.
~*~
Der Lärm des Schlachtfelds kehrte an seine Ohren zurück. Lauter und intensiver als zuvor. Jongin öffnete die Augen und starrte verwirrt in den Himmel über sich. Er war gestorben, er war sich sicher gewesen, dass er gestorben war und doch musste er mithilfe eines Wunders überlebt haben.
„Chanyeol", sagte er leise. „Chanyeol bist du wohlauf?" Er drehte den Kopf zur Seite und starrte in das starre Gesicht seines Geliebten. Tränen schossen ihm in die Augen und er wandte sein Gesicht schnell wieder ab. Er würde liegen bleiben und auf den Tod warten um zu Chanyeol zurückehren zu können. Er wollte nicht auf diese Art ohne ihn weiterleben. Welches Wunder ihn auch am Leben erhielt, er hoffte es wäre schnell vorbei.
Doch Jongin wartete und spürte seine Wunden nicht mehr. Er spürte keinen Schmerz oder Blut das seinen Körper verließ. Seine Gedanken waren so klar wie Bergwasser und seine Muskeln durchströmte eine Kraft, so gewaltig wie schon lange nicht mehr.
Und doch, er hatte Chanyeol versprochen dass der Tod sie nicht trennen würde, dafür müsste er jedoch zunächst einmal sterben.
„Ich bin gleich bei dir", flüsterte er. „Warte noch einen Moment länger, nur einen Moment, ich bin gleich bei dir."
Tod kam nicht und Jongin wurde ungeduldig, weil die Schlacht noch immer weiter um sie herumwütete und niemand ihn auch nur beachtete. Sahen diese Trottel nicht, dass er hier lag und auf seinen Tod wartete? Hätten sie nicht kräftiger in seine Brust stechen können?
Er erhob sich und zuckte zusammen. Sein Oberkörper war befreit von jeglichem Blut und selbst die Bewegung hatte nicht geschmerzt. Er sah zu Chanyeol herüber, doch dieser lag noch immer regungslos und Blutüberströmt auf dem Boden.
„Bei allen Göttern", flüsterte Jongin. „Was geschieht hier?" Er kam auf die Beine und blickte sich um. Niemand sah zu ihm herüber. Er drehte sich langsam, ganz langsam um und blickte in sein eigenes Gesicht hinunter. Das Gesicht eines Toten.
Jongin stolperte zurück und fiel zu Boden. „Was? Wie kann das sein? Wo ist...der Hades und..." Er blickte sich wild um. „Chanyeol? Chanyeol bist du hier?", rief er, doch das Gebrüll der Schlacht und die Schreie seiner sterbenden Männer dämpften seine verzweifelten Rufe. Er blieb regungslos vor den zwei Leichen sitzen, die unmöglich Chanyeol und er sein könnten und doch...doch so sicher sie beide waren.
„Wo bist du?", fragte er Chanyeols Körper schließlich. „Und wieso bin ich nicht bei dir?"
Er blieb und wachte über ihre Körper bis jemand sie schließlich auf einen Wagen voller anderer Leichen warf. Sein Herz sank in seiner Brust. „Ihr müsst die ordentlichen Riete vollführen! Hört ihr mich? Nur dann können die Geister dieser Männer zu den Göttern und hinunter in den Hades kommen. Nur so finden sie den Weg-" Er blieb unbeachtet.
Jongin sah sich um, suchte nach jemandem, der ihn sehen und wahrnehmen könnte, suchte nach Chanyeol weil sie sich ein Versprechen gegeben haben aber er nicht hier bei ihm war.
„Chanyeol!", rief er. Panik verengte ihm die Kehle und ließ seine Augen brennen. „Chanyeol wo bist du?!"
Doch Chanyeol war nicht hier. Jongin verfolgte den Wagen mit den Leichen und stand vor dem gewaltigen Scheiterhaufen als er und Chanyeol auf ihm verbrannt wurden. Auch danach stieg Chanyeol nicht plötzlich aus den Flammen um an seine Seite zu kommen.
Jongin wartete und wartete und wartete doch Chanyeol erschien auch dann nicht, als alles Blut von der Erde aufgesogen wurde und längst wieder grünes Gras erblühte.
Er musste woanders sein, verstand Jongin. Er musste irgendwo anders auf ihn warten. Also machte sich Jongin auf die Suche nach ihm, denn niemals glaubte er auch nur eine Sekunde daran, dass Chanyeol sein Versprechen gebrochen haben könnte.
Es wurde eine ewige, verzweifelte Suche, die Jongin schließlich in Dunkelheit tauchen sollte.
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Wenn ich Fallen vor Diamantenstaub beenden sollte dann bitte...Bitte hindert mich daran. Ich weiß nicht wie aber bitte haltet mich auf. Okay das ist eigentlich die falsche Stelle um wegen DS zu meckern, mir ist nur eben aufgefallen wie verdammt nah wir eigentlich dem Ende sind?? Klar das wichtigste kommt eigentlich noch und wahrscheinlich schreibe ich noch so fünfzig bis hundert Seiten aber ich habe alle Hintergrundgeschichten geschrieben und jetzt fehlt nur noch Baekhyun?? Das ist super eigenartig!
Aber zum Kapitel - ich hoffe es hat euch gefallen? Eigentlich sollte dieses Ende hier super traurig und herzergreifend werden aber ich bin leider nicht gut darin solche Szenen zu schreiben, ich habe das Gefühl ich bin immer etwas zu schnell und die richtigen Worte wollen mir nicht in den Sinn kommen um euch dort zu treffen, wo es weh tut. Ich hoffe trotzdem dass ihr zumindest ein klein wenig traurig ward. :)
Wir sehen uns dann bald also zu Teil 11! Falls es euch schon abhanden gekommen ist: Die Welt geht praktisch unter, weil der Himmel von Jongin blockiert wird, verstorbene Menschen finden nicht in den Himmel und immer mehr Verlorene Seelen entstehen, was letztlich dazu führt dass Dunkle Auren entstehen werden und das führt widerrum zu viel Dunkelheit auf der Erde und letztlich einer Katastrophe unter der Menschheit. Ah und Zombie-Erzengel sind auf der Erde und machen Jagd auf die (Gefallenen) Engel und Erzengel. Das wollen wir ja nicht außen vor lassen ;)
Ich hoffe ihr seid gespannt wie es weitergeht.
Liebe Grüße~
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