Wolkig


Am nächsten Morgen wurde ich von einem "nass, nass, nass, nass, nass, nass, nass, nass, nass, nass, oh mein Gott, es regnet!" geweckt.

Schlaftrunken schlug ich die Augen auf und sah Lena durch das ganze Zimmer rennen.

Über ihrem Kopf schwebte eine kleine Wolke, die sie beregnete und manchmal kleine Blitze schleuderte.

Ich musste grinsen.

„Du weißt schon, dass du mit dem Ding auf dem Kopf aussiehst wie Olaf, oder?"

Lena drehte sich zu mir um.

„EMILIA!!"

„Was ist?"

Ich grinste immer noch.

„ICH BEKOMM DAS DING NICHT MEHR WEG!!"

„Die Wolke?"

„Ja."

„Was ist überhaupt passiert?"

„Ich weiß nicht so genau. Heute früh bin ich eben aufgewacht und dann hat mir einfach diese Wolke ins Gesicht geregnet. Sie verfolgt mich. UND ICH WEIẞ NICHT WAS ICH MACHEN SOLL!!'

So trocken wie möglich sagte ich:
„Regenjacke anziehen."

Ich stand auf.

Der Boden war total nass.

Ich schlitterte ins Bad.

Als ich wieder rauskam, rannte Anna mich fast um, als sie sich an mir vorbei ins Bad quetschte.

Toni wischte mit einem Handtuch den Boden, während Lena sich aus dem Fenster beugte.

„Was machst du da?"

„Was wohl? Ich gieß die Pflanzen unterm Fenster."

„Ähm ja, ich geh dann Mal Mysanna und Sarah holen."

Toni rief mir noch hinterher:
„Bring neue Handtücher mit!"

Ich stürmte die Treppe unseres Turmes runter und eilte in Richtung Direktorat.

Auf dem Weg dorthin begegnete ich Tristan.

„Hey."

Er stoppte kurz vor mir.

„Wo rennst du den hin?"

„Ich äh... Ich muss deine Mutter holen. Und Sarah.. Lena... Äh. Sie hatte einen Unfall mit ihrem Element."

Er schaute kurz geschockt.

„Ist alles okay? Ist jemand verletzt?"

Langsam beruhigte sich mein Atem wieder und ich konnte wieder normal reden.

Meine Atemnot hatte übrigens nichts damit zu tun, dass ich unsportlich bin. Das stimmt nicht. Es lag an Tristan, seinen Augen und seiner unerwarteten Nähe.

„Nein, niemand ist verletzt. Sie hat nur irgendwie eine Regenwolke beschworen, die sie verfolgt und weiß nicht, wie sie sie wieder wegmachen soll."

Er schaute einigermaßen erleichtert.

Ich trat einen Schritt zur Seite.

„Sorry, ich glaub, ich muss weiter. Wir sehen uns."

Ich wollte an ihm vorbei, doch er hielt mich am Arm fest.

„Warte. Wollen wir uns jetzt Mal treffen."

„Äh, ja klar. Ciao."

Mit leicht geröteten Kopf rannte ich weiter.
Sah bestimmt total hübsch aus, so mit den roten Haaren.

Keine 5 Minuten später ging ich wieder mit Mysanna und Sarah in unser Zimmer.

Sarah war zum Glück gerade bei der Schulleiterin gewesen, als ich reinstürtzte.

Versuchend mich richtig zu artikulieren hatte ich den beiden von Lenas Problem erzählt.

Sofort waren sie aufgesprungen und mir gefolgt.

Als wir wieder im Zimmer waren, lehnte Lena sich immer noch aus dem Zimmer, während Toni die Handtücher aufhängte.

Fuck! Ich hab mir ein innerlichen Facepalm. Ich hatte die Handtücher vergessen.

Deshalb grinste ich Toni nur entschuldigend an und trat ein, um Platz für Mysanna und Sarah zu machen.

Anna kam Grade aus dem Bad zurück, fertig angezogen und frisiert.

Sarah betrachtete Lenas Wolke.

„Sowas ist mir noch nicht passiert", murmelte sie.

Lena sah zwar immer noch gechillt aus, aber es schien sie auch zu nerven.

„Du meinst, du hast noch nie eine Regenwolke beschworen?"

„Nein. Das heißt, doch, natürlich. Aber noch nie im Schlaf. Hast du schon versucht, sie wegzubekommen?"

„Wie denn?"

„Wie um etwas zu beschwören, nur andersrum. Stell dir einfach vor, wie diese Wolke verpufft."

Lena schloss die Augen und atmete tief durch.

Man hätte sich einbilden können, dass der Regen weniger wurde, doch sonst geschah nichts.

„Ist sie weg?", Fragte Lena und öffnete ihre Augen wieder.

Als sie die Wolke sah, sackte sie etwas in sich zusammen.

Jetzt hatte ihr Tonfall schon fast etwas jammeriges an sich.

„Was soll ich jetzt machen? Ich kann doch nicht den ganzen Tag mit der Wolke rumlaufen."

Mysanna sah angestrengt an die Decke.

„Da wird dir wohl nichts anderes übrigbleiben."

„Na super."

Lena seuftste.

„Los, Mädels, zieht eure Regenjacken an."

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