Unkontrolliert
Ich Staarte ihn an.
„WAS? Wann? Von wem?"
Er zuckte nur hilflos mit den Schultern.
„Leo wollte mir am Telefon nichts genaues sagen. Was, wenn...?"
Er schluckte.
„Was, wenn es ihr so schlecht geht, dass ihr niemand helfen kann?"
Ich wollte ihn trösten, ihn aufmuntern.
„Die wissen schon, was sie machen. Bestimmt klang alles schlimmer, als es in Wirklichkeit ist. Willst du dich hinsetzen?"
Er nickte bloß und ich führte ihn zu einer Bank vor dem Kino.
Noch immer hielt er meine Hand so fest, als ob er Angst habe, dass wenn er losließe, auch ich verschwinden würde und er ganz allein wäre.
Schweigend saßen wir da.
Ich sagte nichts, da ich es vermutlich nur noch schlimmer machen würde.
Schließlich fing er an zu sprechen.
„Wir standen uns immer sehr nah, unser Vater starb kurz nach ihrer Geburt und unsere Mutter hatte nie wirklich viel Zeit für uns. Sie musste ja das Internat leiten."
Er machte eine kurze Pause.
Ich drückte seine Hand leicht.
„Das tut mir leid."
„Muss es nicht. Wir sind ja ganz gut allein zurecht gekommen."
„Das muss ein ganz schöner Schock für dich sein..."
Er lachte, aber es klang verbittert und ironisch.
„Natürlich ist es ein Schock. Sie ist meine Schwester."
Ich senkte den Blick.
„Tut mir leid. Ich... Ich habe keine Geschwister, ich weiß nicht, wie sich das anfühlt."
Er sah zurknirscht aus.
„Nein, mir tut es leid. Es ist mein Problem."
„Clarisse ist auch meine Freundin", protestierte ich.
Er sah mich liebevoll an. Dann wandt er den Kopf ab.
„Ist das so?"
„Was ist jetzt los? Hä, natürlich ist sie das. Ich verstehe nicht..."
„In letzter Zeit hängst du aber ganz schön oft mit dieser durchgedrehten Wassermagierin und den anderen zwei Rum."
Ich zog meine hand aus seiner.
„Spinnst du jetzt? Lena ist keine durchgedrehten Wassermagierin. Okay, vielleicht ist sie das doch. Aber was ist dein Problem? Bist du eifersüchtig?"
Er warf mir einen schwer zu deutenden Blick zu.
„Nein, aber mir tut es um meine Schwester leid. Sie war immer total nett zu dir und du lässt sie einfach abblitzen. Und mich genau so. Du weißt doch ganz genau, dass du mich jetzt nur als Ablenkung vom Schulstress gefragt hast."
Ich sah niedergeschlagen auf den Boden.
„Ich lasse euch nicht abblitzen. Sie ist immer noch meine Freundin. Und dich... Ich mag dich wirklich. Zumindest..."
„Was?"
„Zumindest bis Grade. Wieso bist du jetzt so komisch? Ich kann Ja verstehen, dass du dir Sorgen machst, aber bitte... Du... Langsam hab ich das Gefühl, du willst mir die Schuld an ihrem Unfall zuschieben."
Er sagte nichts mehr.
Ich nahm es als schweigende Zustimmung.
„Und ich dachte, du hast auch Gefühle... Für mich."
Kurze Zeit später holte uns Leo ab.
Ich war froh, dass Sarah diesmal nicht dabei war. Ich sah aus dem Fenster und fühlte in mich.
Ich spürte tiefe Enttäuschung. Wie konnte ich mich nur so in Tristan täuschen?
Und ich spürte Zorn. Er wuchs je länger ich an das gerade Geschehene dachte.
Ich fühlte, wie meine Hände sich erhitzten.
Dieser blöde Tristan. Er beschuldigte MICH!!
Mir wurde am ganzen Körper warm, ich öffnete das Fenster.
Tristan sah zu mir rüber.
„Emilia, deine Augen..."
Ich fauchte ihn an.
„Mit meinen Augen ist nichts, lass mich in Ruhe."
Leo warf mir im Rückspiegel einen Blick zu.
„Bitte Versuche es zurück zuhalten, es wäre im Moment sehr ungünstig. Aber in 10 Minuten sind wir eh da."
Ich kniff die Augen zusammen.
„Ich weiß nicht, was du meinst."
In meinem Kopf hämmerte es.
Tristan, Tristan, er beschuldigte mich, Clarisse, ich bin schuld,...
Finster bemerkte ich, dass Leo mich immer noch im Rückspiegel ansah.
„Was ist??", Knurrte ich.
Mir wurde immer wärmer.
Leo fuhr nun auf die Allee zum schloss.
Tristan sah nocheinmal vorsichtig zu mir.
„Ist wirklich alles in Ordnung?"
Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu, er regte mich so auf.
„Natürlich ist alles in Ordnung, mir ging es nie besser."
Ich merkte, dass mich etwas am Nacken kitzelte.
Reflexartig fasste ich mit der Hä hin.
Meine Haare brannten!
Plötzlich hielt der Wagen quitschend.
„Tristan, bitte steig aus. Würdest du zum schloss laufen, es sind ja nur noch 50m."
Leos Blick war kühl und seine Stimme duldete keinen Widerspruch.
Wortlos stieg Tristan aus und lief in Richtung schloss.
Dann wandte sich Leo zu mir.
„Ich weiß nicht, was du hast und mir ist es auch ziemlich egal, aber mit deiner Laune macht Auto fahren keinen Spaß."
„Ach ja, frag mich doch Mal! Denkst du, es macht mir Spaß? Dieses Arschloch beschuldigt mich, dass ich an Clarisse Unfall schuld bin. Weißt du, wie ich mich fühle?"
Er wollte antworten, doch ich ließ in nicht zu Wort kommen.
„Nein, das weißt du nicht! Natürlich nicht, nie weiß irgendwer wie es mir geht. Und scheinbar interessiert es auch niemanden."
Leos stimme wurde sanfter.
„Du weißt, dass du immer zu mir kommen kannst, wenn du ein Problem hast, oder?"
Abfällig bließ ich Luft durch die Zähne.
„Ja, klar. Reden wir einfach Mal, danach lösen sich meine Probleme in Luft auf. Ich will nicht. Ich will das hier nicht mehr. Ich..."
„Emilia, du steigerst dich da rein. Bitte beruhig dich wieder. Tristan ist auch nur ein junge, der..."
„AUCH NUR EIN JUNGE!? DAS SCHEINT JA DIE AUSREDE FÜR ALLES ZU SEIN! ICH HAB KEINEN BOCK MEHR!"
Meine Finger glühten.
Leo schien doch etwas Respekt davor zu haben.
„Bitte lass das. Du bringst uns beide in Gefahr. Versuch es zu kontrollieren!"
Ich fühlte wieder in mich.
Diesmal war nichts in mir, keine Regung, nur eine unendliche leere.
„Ich will das nicht kontrollieren", sagte ich mit betonter Gelassenheit.
Dann gab ich mich voll meiner Magie in, ohne Widerstand floss sie durch mich.
Leo rieß die Vordertür auf, sprang aus dem Auto, öffnete die hintere Tür, zog mich raus, warf mich 10 Meter weiter auf den Boden, sich obendrauf.
Dann explodierte das Auto.
So, ich hoffe, das ist so logisch, wie es mir erscheint.
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