Die Offenbarung
Tristan blickte sich um.
„Ich geh dann Mal, wir sehen uns bestimmt Mal."
„Äh, ja, danke fürs helfen."
„Kein Problem."
Dann ging er aus dem Zimmer.
Kurz darauf kamen die anderen rein.
Lena sah irritiert zwischen der Tür und mir hin und her.
„Was hat er den hier gemacht?"
„Er heißt Tristan und hat mir geholfen, den Weg zu finden."
„Ahaaaaaaaa."
Ich zog Koffer und Tasche zum Bett und schmiss mich drauf.
Ich musste die ganze Zeit an diese Augen denken...
Stopp, Emilia.
Du bist jetzt auf einer neuen Schule, du musst dich auf den Unterricht konzentrieren.
Wie immer hatte meine innere Stimme Recht.
Also packte ich meinen Koffer aus.
Mein Bett bezog ich auch.
Die anderen waren gleichzeitig mit mir fertig.
Anna meldete sich zu Wort.
„Wir sollen schon ein bisschen früher zum Abendessen kommen, also so um halb sechs."
Wieso wusste ich davon nichts?
Toni schien meinen Blick richtig zu lesen.
„Das hat die Direktorin vorhin gesagt, nachdem die Eltern gegangen waren. Als du dich schon verzogen hast, um mit irgendwelchen Jungs zu flirten."
„Ich hab gar nicht... Also, nein... Da ist nichts...", Stotterte ich.
Jetzt sahen mich alle vielsagend an.
„Ist doch egal", meinte ich Schulterzuckend.
Die restliche Zeit verbrachte ich damit abwechselnd aus dem Fenster und auf mein Buch zu schauen.
Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren.
Seuftsend holte ich mein Handy aus der Tasche und schaute mir YouTube Videos an.
Als es 5 vor halb sechs war, stand ich auf.
„Ich geh jetzt, wer kommt mit?"
Die anderen standen auch auf.
Worüber ich sehr froh war, ich hätte den weg nicht gewusst.
Doch Toni ging zielstrebig zum Speisesaal.
Woher kannte sie den Weg?
Oh mein Gott, der Speisesaal war riesig. Er erinnerte mich mega an Hogwarts.
Irgendwie.
Nur waren es 6 lange Tische. Vorne war der Lehrertisch, auch auf einer kleinen Tribüne.
Die Decke war hoch und die Säulen an den Seiten Trafen sich in der Mitte mit der jeweiligen gegenüberliegenden Säule.
Wir setzten uns an einen Tisch, wo noch mehrere Plätze frei waren.
Ich bemerkte, dass fast nur Leute in unserem Alter da waren.
Alle redeten wild durcheinander.
Doch plötzlich wurde es still.
Denn Mycassa Black war nach vorne getreten.
Ihre Stimme war kraftvoll und gleichzeitig ruhig.
„Ich freue mich, dass ihr alle da seid.
Wie schon in euren Briefen stand, seit ihr aus einem bestimmten Grund ausgewählt worden, diese besondere Schule zu besuchen."
Das könnte interessant werden.
Sie ließ ihren Blick über uns streifen.
„Ihr seid auserwählt worden, weil ihr etwas habt, dass normale Leute nicht haben. Ihr habt eine Begabung, ein geschenk der Welt."
Wieder machte sie eine Pause.
Diese Frau wusste echt, wie man Spannung aufbaute.
Aber... Was sollte an mir besonders sein!?
Vielleicht mein drang, viel Unsinn zu reden?
Wohl eher nicht.
„Ihr seid hier, weil ihr Kinder der Elemente seid."
Okay, okay das war ein prank. Oder? Das mußte ein Prank sein.
„Vielleicht habt ihr schon bemerkt, dass ihr euch zu einem bestimmten element besonders hingezogen fühlt. Oder ihr euch in seiner Gegenwart besonders wohlfühlt.
Hier werdet ihr lernen, wie ihr damit umgeht, wie ihr euer Element kontrolliert und wie ihr es benutzt."
Omg, hieß das wir konnten zum Beispiel wir konnten äh... Fliegen??
Wie geil.
„Morgen werden wir herausfinden, welches euer Element euer ist. Jetzt essen wir erst Mal."
Die Türen wurden geöffnet.
Die älteren Schüler kamen alle rein.
Tristan zwinkerte mir zu.
Ich merkte, dass ich etwas rot wurde.
„Krall ihn dir doch."
Erschrocken schaute ich Lena an, die mich grinsend ansah.
Dann kamen die Küchenleute und stellten Platten und Schüsseln vor und ab.
Ich sagte doch, Hogwarts.
Das Essen war mega lecker.
Aber ich konnte fast nichts essen. Ich war zu aufgeregt. Ich konnte ein Element beeinflussen!!
Alle redeten durcheinander, ihnen schien es genauso zu gehen wie mir.
Nach dem Essen ging ich raus. Ich musste an die frische Luft.
Der kühle Abendwind tat gut.
Ich streckte ihm mein Gesicht entgegen.
Plötzlich hatte ich den wilden drang mich zu bewegen, zu rennen.
Ich schaltete Fight Song an und sprintete los, um den halben See.
Dort ließ ich mich auf eine Steinbank sinken.
Ich hob einen Stein auf. Eine Weile spielte ich damit, ließ ihn von einer hand in die andere wandern.
Dann warf ich ihn mit aller Kraft in den See.
Ich sah zu, wie er beim reinfallen und hinabsinken Wellen warf.
Plötzlich hörte ich knirschende Schritte.
Ruckartig drehte ich mich um.
Es war Clarisse.
„Hey, wie geht es dir?"
„Hi. Hm, weiß nicht."
„Ich versteh dich."
Ich sah sie an.
„Tust du das? Als Kind von der Schulleiterin musst du doch damit aufgewachsen sein."
„Schon... Aber ich weiß, wie es ist, ein völlig neues Leben anzufangen. Und glaub mir, ich weiß, wovon ich rede."
Die letzten Worte sagte sie so traurig, dass ich meinen Arm um sie legte.
Sie lächelte schwach, wechselte das Thema.
„Und? Bist du schon aufgeregt?"
„Ja. Aber ich kann es immer noch nicht wirklich glauben. Ich bin doch ganz normal."
Eine Weile schwiegen wir.
„Was bist du?"
Überrascht blickte sie auf.
„Was meinst du?"
„Dein Element."
„Erde. Wie meine Mutter."
„Und Tristan?"
„Mein Bruder? Wasser, wie unser Vater."
Interessant.
Es wurde langsam kalt. Ich fröstelte.
Ich stand auf.
„Komm, lass uns wieder rein gehen."
Schweigend liefen wir zum Schloss zurück.
Sie brachte mich zu meinem Zimmer, wofür ich insgeheim dankbar war.
Ich öffnete die Tür. Innen war alles dunkel.
Clarisse verabschiedete sich.
Endlich allein.
Ich holte meinen Schlafanzug raus, ging ins Bad, zog mich um und legte mich mit meinem handy aufs Bett und checkte meine WhatsApp Nachrichten.
Es waren ein paar in der Klassengruppe, eine von meiner Mom und eine von Lisa.
Sie fragte mich, wie meine neue Schule war.
Meine Antwort:
Auf jeden Fall BESONDERS😁
Nachdem ich alle Nachrichten beantworte hatte und aus der Klassengruppe raus war, sah ich mir auf YouTube ein paar Musikvideos von Ed Sheeran und Taylor Swift an.
Bald darauf kamen auch die anderen.
Sie zogen sich um und legten sich auch auf ihre betten.
Lena stöpselte sich ebenfalls ihre Kopfhörer ein und begann I see fire zu summen.
Nach einer Weile legte sie es wieder weg und starrte die Decke an.
"Was denkt ihr, was für ein Element ihr habt?", Fragte sie.
„Ich hab keinen Plan", seuftste ich.
Die anderen stimmten mir zu.
Lena sah angestrengt an die Decke.
„Ich glaub, ich hab Wasser oder so. Weil ich mich im Wasser geborgen fühle. Alle Probleme sind dann nicht mehr wichtig, es sind nur noch das Wasser und ich. Und... Ich habe das Gefühl, es versteht mich. Es versteht, was ich fühle und tröstet mich."
Wir anderen hatten gebannt zugehört.
Ich überlegte.
Wasser war eher unwahrscheinlich. Ich mochte es nicht Mal wirklich. In der Schule quälte ich mich jedes Jahr durch den Schwimmunterricht und war meistens damit beschäftigt nicht abzusaufen.
Mit dem Gedanken, was ich sein könnte schlief ich ein.
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