Jace

(Ich-Erzählung)

Früher, vor dem schrecklichen Tag hatte ich rotes Haar, heute habe ich schwarze, auch wenn ich nicht weiß, wie das möglich ist. Wahrscheinlich der Kummer. Es sind nun schon sechs Jahre vergangen, seit dem Tag an dem meine gesamte Familie gestorben ist. Mein kleiner Zwillingsbruder Mark ist ertrunken, und meine Eltern sind ermordet worden. Danach kam ich zu Rachel und Thomas, meinen neuen Eltern. Ehrlich gesagt kann ich sie sehr gut leiden, und das wissen sie auch, aber ich erzählte ihnen nicht von meinen Gefühlen, da ich sie nicht erschrecken wollte. Sie akzeptierten das, auch wenn sie das anfangs schwer fanden. Und nun saß ich hier in der Schule und sollte mich freuen, dass ich überlebt hatte. 

Allerdings tat ich nichts dergleichen, nein, meine Gedanken drifteten immer wieder, Jahr für Jahr, Monat für Monat und Stunde für Stunde immer wieder zu dem verhängnisvollem Tag ab, und wünschte mir ich wäre damals mit ihnen gestorben. Oftmals schlief ich im Unterricht durch meine Gedankenwanderung ein, was mir schon in der ersten Woche in dieser Schule Nachsitzen eingebrockt hatte. Während unser Klassenlehrer Herr Glog hereinkam, der unter anderem Biologie, Englisch und Religion, sowie meinen Musikkurs unterrichtete. 

»Miss Shaw... Miss Shaw!«, rief Herr Glog, und ich schreckte aus meinen Gedanken auf. »Was!?«, fragte ich sehr unhöflich und genervt. Dann erst bemerkte ich den Jungen mit den braunen, fast Schulterlangen Haaren und den eisblauen Augen, der neben dem Lehrer stand. Da ich in der ersten Reihe saß, -was auch einen Grund hat, der mir aber nicht gefällt- konnte ich ihn relativ aus der Nähe betrachten, und wusste sofort, dieser Typ war sehr wahrscheinlich arrogant, besserwisserisch und noch nerviger als ich. Das sah man an seinem spöttischem Lächeln das er mir zuwarf und an seinen störrisch blitzenden Augen. Aber eines musste man ihm lassen, er sah höllisch gut aus. 

»Good morning, boys and girls.«, begrüßte und Herr Glog lasch wie immer. »Das hier ist euer neuer Mitschüler, Jace. Bitte stell dich vor, denn wir wollen alle etwas über dich wissen, damit unsere gute Klassengemeinschaft noch weiter ausgebaut werden kann.«, sagte Herr Glog und wartete. Aber auf einmal begann ich zu husten. Naja... Es war eher so was wie ein erstickendes, humorloses Lachen. »Gibt es dagegen etwas einzuwenden, Miss Shaw?«, fragte der Lehrer sichtlich aufgebracht. 

»Najaaaa...«, begann ich grinsend, »Also unsere sogenannte "Klassengemeinschaft" ist am Ar... ich meine es besteht keine. Sie sind der Lehrer, keinen Sinn für Humor, wenige Fans. Dann gibt es ein paar Mädchen und Jungengruppen, alle bestehend entweder Zicken oder irgendwelchen "ach so coolen Typen". Und dann noch mich die Außenseiterin. Hallo ich bin Lucy, und nicht sehr erfreut dich kennen zu lernen.«, sagte ich ohne wirklich darüber nachzudenken. »MISS SHAW!«, schrie Herr Glog und setzte zu einem Vortrag an, aber der Neue unterbrach ihn. 

»Danke dir Lucy...Freut mich auch nicht dich kennen zu lernen.«, sagte er arrogant lächelnd. Dann wurde seine Miene undurchschaubar. »Also... Wie Gollum schon erwähnt hatte, ich bin Jace«, und deutete auf Herr Glog, der nun auch Jace anbrüllen wollte, »und ich sage euch ein paar Dinge, die ihr zu beachten habt: 1. Ich bin nicht sehr geduldig, 2. Ich hasse es angeschrien zu werden, und 3. Meine Zwillingsschwester und meine Eltern sind bei einem Autounfall gestorben, als ich zehn war. Darüber will ich unter keinen Umständen reden. Verstanden?«, fragte er mit einem eiskaltem Blick, den auch ich immer zeige. 

»Willkommen im Club! Auch meine Familie ist tot. Wenigstens eine Sache, die wir gemeinsam haben und dich erträglicher macht.«, meinte ich kalt und legte meine Beine auf den Tisch. Ausnahmsweise schwieg Herr Glod. Wahrscheinlich war er einfach noch geschockt über die kleine Auseinandersetzung. »Jace du wirst den Tisch neben Lucy bekommen. Setzt dich!«, der letzte Satz war ein Befehl und ich war mir eigentlich sicher, dass Jace ihm jetzt eine reinhauen würde, aber er tat es nicht. Dann setzte er sich neben mich, weswegen ich die Beine vom Tisch nehmen musste. Kopfschüttelnd zeigte ich dem Lehrer den Mittelfinger, was alle in der Klasse zum lachen brachte. Dann begann der Unterricht und ich schlief -wie immer halt- wieder ein.   

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