Bei Jace
»Und hier drinnen wohnst du?«, fragte ich staunend. Ich hatte das Haus zwar schon von außen gesehen, aber drinnen war es noch beeindruckender -und definitiv aufgeräumter als in meinem Zimmer.
»Ja. Meine Eltern hatten mal hier gelebt, aber nun mussten sie irgendwie geschäftliche Sachen anderswo erledigen und ich sollte auf die Schule hier, da die nur eine halbe Stunde von ihrem Arbeitsplatz entfernt ist. Du musst wissen, meine Mutter arbeitet als Lehrerin und mein Vater ist Leiter einer Firma.«, erklärte er mir.
»Das ist also der Grund, wieso du mitten im Schuljahr in die Klasse kommen konntest!«, stellte ich fest, erfreut darüber, dieses Rätsel endlich mal gelöst zu haben.
»Jup.«, meinte er grinsend. Plötzlich strich etwas an meinem Bein entlang, was mich erschrocken auftauchen ließ. Aber als ich erkannte, worum es sich hierbei handelte lächelte ich. Dann bückte ich mich auch schon und streichelte das schwarze Kätzchen.
»Minka scheint dich zu mögen.« , stellte Jace erstaunt fest. Wegen dem erstaunten Ton fragte ich nach: »Was wäre denn, wenn nicht?« Daraufhin grinste Jace.
»Du würdest es auf jeden Fall spüren. Außerdem könntest du froh sein, wenn es nur sein Finger ist, und nicht deine ganze Hand.«, erklärte er, während ich die schnurrende Minka weiterhin streichelte. »Und vor so einer Gefahr warnst du mich nicht?«, fragte ich und zog eine Schnute. Daraufhin grinste Jace noch mehr.
»Nun, wollen wir jetzt die Strafarbeit erledigen?«, fragte ich und er stimmte zu.
Kurz darauf saßen wir nebeneinander an einem großen, runden Esstisch, die Blätter über den ganzen Tisch zerstreut und arbeiteten.
Wir arbeiteten nun schon seit einer Stunde, als Jace mich überraschend fragte: »Hast du Hunger?« Ich nickte Schulterzuckend.
»Gut. Was willst du denn haben?«, fragte er mich. »Kannst du überhaupt kochen?« Skeptisch musterte ich ihn und fing bei meiner Vorstellung an zu lachen.
»Erstens, ja ich kann kochen, das heißt, ich kann Sachen wie Spagetti, Tütensuppen und Dosenravioli oder Fertiggerichte machen -und wieso lachst du jetzt eigentlich?«
»Ich habe mir vorgestellt, wie du mit einer Schürze und einem dieser Kochhüte aussiehst.«, gackerte ich. Ja, ich war entweder irre geworden, oder einfach nur netter, offener. Wahrscheinlich sogar beides.
»Äh... und was willst du jetzt zum essen?«, fragte er mich wieder, diesmal aber sichtlich verwirrt. »Spagetti wären gut.«, meinte ich Schulterzuckend.
»Ich hoffe du meinst jetzt nicht solche mit Soße, wie zum Beispiel Spagetti Bolognese.«, antwortete er lachend.
»Nö, denn die Soße esse ich meistens eh nicht mit, und was das kochen betrifft, da bin ich auf dem gleichen stand wie du.«, gab ich zu.
»Dann ist ja gut!«, sagte er erleichtert. »Kannst du dann noch ein bisschen mit dem Referat weitermachen?«, fragte er. Ich nickte.
Eine halbe Stunde später gab es dann die Spagetti. Da ich schon immer einen merkwürdigen Geschmack hatte, aß ich meine Portion mit Reisepässe und Ketchup.
»Das schmeckt besser als bei mir zu Hause.«, musste ich zugeben. »Danke. Es freut mich, dass es dir geschmeckt hat.«, lächelte er. Dann räumten wir ab und machten mit dem Referat weiter.
»Ich muss zugeben, Reli ist echt nervig.«, sagte Jace nach einer Weile des Grübelns. Ich murrte ein ja als Antwort. »Hey, es Schneit!«, bemerkte ich plötzlich. Es musste schon die ganze Zeit geschneit haben, denn es lagen mindestens vierzehn Zentimeter Schnee. Ich grinste.
»Meinst du nicht auch, dass wir uns eine Pause verdient haben?«, fragte ich, und er wusste worauf ich hinaus wollte. »Aber sicher doch! Ich hoffe du hast Sachen für den Schnee dabei.«, sagte Jace grinsend. Ich schaute auf meine schwarze Jeans und auf meinen Kapuzen-pullover.
»Denke schon.«, sagte Schulterzuckend und wir gingen nach draußen -mir war klar, dass wir uns wie Kleinkinder benahmen, aber solange es Spaß macht, was ist dann da schon dabei?
Als wir draußen im Garten waren hatten wir fünf Minuten Zeit Schneebälle vorzubereiten. Dabei fror ich mir die Finger ab, da ich keine Handschuhe anhatte. Allerdings war mir das egal, da die ausgelassene Schneeballschlacht mich das eh vergessen ließ.
«Ha, hab dich!«, rief Jace und ich warf einen weiteren Schneeball. »Und ich wurde getroffen!«, rief er dann auf. Wir lachten uns beide schief und warfen Schneebälle, bis es schon langsam anfing zu dämmern. Das hieß, es musste so an die vier Uhr sein.
»Wir sollten langsam wieder reingehen und das Referat zu Ende machen.«, meinte ich nach einer Weile. Ich zitterte schon vor Kälte und Jace ging es genauso.
»Ja, sollten wir lieber. Vor allem weil mir verdammt kalt ist. Es hat so minus sieben Grad.«, stimmte Jace mir zu und wir gingen schnell ins Haus zurück. Im Wohn-und Esszimmer drehte er die Heizung auf vier, weshalb es bald schön warm war. Dann gab er mir noch eine Decke und mummelte sich selbst in eine. Bald saßen wir mit dem Rücken an der Heizung und machten das Referat dort weiter.
Nach zwei weiteren Stunden waren wir endlich fertig mit dem Referat.
»Meine Güte. Ich hab nicht mitbekommen, dass wir in der Schule so viel in vier Stunden Reli gemacht habe. Vielleicht hätte ich besser nicht immer geschlafen.«, stöhnte ich auf, als ich mir die fünf beschriebenen Blätter anschaute. Jace grinste schief.
»Ich sollte vielleicht auch mal besser aufpassen, aber in Reli hatte ich eh immer eine zwei oder eine drei auf dem Zeugnis.« Nun war ich es, die schief grinste.
»Sag mal, was ist eigentlich dein Lieblingstier?«, fragte Jace auf einmal überraschend.
»Krähe aber Schlangen und Wölfe auch. Und du?«, antwortete ich. »Meines ist auch die Schlange, aber ich mag genau wie du Krähen und Wölfe gern. Schwarze Panther sind aber genauso schön.«, sagte er.
»Wieso hast du mich das eigentlich gefragt?«, fragte ich und er zuckte mit den Schultern.
»Ich denke, einfach weil ich es wissen wollte?«, antwortete er und ich schüttelte lächelnd den Kopf.
»Oh, ich muss Mum anrufen! Ich soll ihr sagen wenn wir fertig sind, damit sie mich abholen kann.«, fiel mir ein und ich holte mein Handy aus der Schultasche. Ich telefonierte kurz mit meiner Mutter und wir machten aus, dass sie mich in zehn Minuten abholen würde.
»Sie kommt in zehn Minuten.«, sagte ich Jace bescheid, und er nickte.
»Am Freitag haben wir auch Sport, oder?«, fragte er und ich nickte. »Ja, in den letzten beiden Stunden. Allerdings haben wir da erstmal noch ein paar Wochen schwimmen. Das heiß Schwimmzeug mitnehmen.«, meinte ich und er nickte.
Den Rest der Zehn Minuten spielten wir ein bisschen an der Playstation 4, die Jace im Wohnzimmer an der Wand, direkt unter dem Fernseher platziert hatte.
Zwanzig Minuten später klingelte es an der Haustür und ich verabschiedete mich schnell von Jace und ging zu meiner Mutter.
»Das waren aber lange zehn Minuten.«, scherzte ich. »Ja, tut mir leid, aber ein Laster stand auf der Straße quer. Dann fuhren wir nach Hause.
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