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Die Waffe in der rechten Hand haltend, während ich meinen linken Arm an meinen Körper pressen, laufe ich weiter. Über Stock und Stein. Springe über Baumstümpfe und kleinere Löcher im Boden. Suche nach einem Versteck! Aber es hilft alles nichts. Hoodie kommt immer näher. Das kann ich an den Geräuschen hinter mir erkennen. Niemand kann sich komplett lautlos im Wald umher bewegen. Vorallem dann nicht, wenn man jemanden jagt. Ich habe zwar in den letzten Tagen gelernt, wie ich meine Kräfte richtig einteilen kann um noch genügend Kraft zu haben, zu entkommen! Aber wenn man schon seit ein paar Stunden gejagd wird...

Selbst dem besten verlassen die Kräfte irgendwann und ich verschwinde hinter einem breiten Baum. Meine Brust hebt und senkt sich. Ich presse mich an den Baum. Zwinge mich, meine Atmung zu regulieren und nicht zu keuchen, wie es mein Körper aber im moment verlangt. Sauerstoff. Das braucht er. Doch ich zwinge mich selbst dazu und verziehe mein Gesicht, als die Schulter schmerzlich von sich gibt, dass ja durch sie eine Kugel gejagt wurde! Aber ich kann sagen, dass keine Knochen verletzt sind. Und auch keine größeren Gefäße. Ansonsten wäre ich schon zusammengebrochen und elendig auf dem Waldboden verreckt. Hoodie über mir.

In den Tagen in denen ich hier bin, ich glaube es sind ungefähr insgesamt sechs Stück, habe ich einige wichtige Dinge gelernt. Notfallmedizin, richtiges lauschen, überleben ohne Nahrung und ich habe mich mit der Pistole auseinander gesetzt. Ich habe sie auseinander gebaut und mir angesehen, wie alles zusammen passt. Wie man alles auch wieder zusammenbauen kann und wie alles funktioniert. Mein Handy habe ich wahrscheinlich bei einer meiner Fluchten verloren. Muss mir aus der Tasche gefallen sein. Oder ich habe es in der Jacke gelassen, die ich einfach nur achtlos in irgend einen Abgrund geworfen habe, von denen hier viele sind.

Ich habe mich nie lang an einem Platz aufgehalten. Eigentlich nur, wenn ich schlafen wollte. Ansonsten bin ich weiter gegangen weswegen sich auch die Umgebung ein wenig geändert hat. Es ist nicht nur rein Wald, sondern auch Felswände und eben auch tiefe Abgründe, bei denen man den Boden nicht einmal sehen kann! Und in einen von jenen Abgründen habe ich die Jacke geschmissen. Man muss hier wirklich aufpassen. Im ersten moment läuft man gemütlich durch den halb lichten Wald und im nächsten wankt man und hofft, nicht in eine Bodenlose tiefe zu fallen! Wobei hoffen da ein schlechtes Wort ist.

Wie auch immer. Ich sollte mich auf das laufen und mein Überleben konzentrieren! Mit ein wenig wehmut schmeiße ich den Rucksack von meinem Rücken und lasse ihn einfach irgendwo liegen. Er behindert mich. Auch, wenn dort die restlichen Ersatzpatronen, eine halbe Flasche Wasser und zwei Kekse noch drin sind. Aber sofort kann ich mich freier bewegen und nutze meine neu gewonnen Fähigkeiten. Meine Ausdauer und mein Geschick haben sich deutlich verbessert. Auch meine Wahrnehmung ist irgendwie... anders. Ich kann es nicht wirklich beschreiben, aber ich habe eine bessere Übersicht und kann mehrere Dinge gleichzeitig wahrnehmen und verarbeiten, was mir schon das ein oder andere mal mein Leben gerettet hat.

Mit der Pistole in der rechten Hand laufend, sehe ich einen Abgrund und sehe schnell nach links und rechts. Aber leider würde es mir nichts bringen, wenn ich abbiegen würde. Wer weiß, wann das Ding wieder endet und ich will nicht links Hoodie haben, während ich rechts an dem Abgrung entlang laufe und darauf hoffe, nicht getötet zu werden! Also gut. Entweder ich sterbe, oder ich springe! Und jetzt rate mal, für was sich mein Hirn gerade entschieden hat. Genau. Verrecken ist jetzt noch nicht drinn. Also beschleunige ich noch einmal entschlossen und kann Hoodie's Schritte hören, wie sie immer langsamer werden.

Anscheinend will er mir nicht hinterher springen! Ein zufriedenes grinsen breitet sich aus bis ich merke, dass ich da selbst ersteinmal rüber muss. Fuck! Wenn ich aber jetzt abbremse habe ich zu viel Schwung, weswegen ich noch über die Kante kippen würde. "Scheiße..." knurre ich, laufe aber weiter. Mein Herz rast. Ich habe das Gefühl, dass meine Füße kaum den Boden berühren und doch spüre ich den harten und unebenen Steinboden unter mir. Der Absprung kommt immer näher. Und die andere seite auch. Die sichere! Na gut. Hoffentlich sichere.

Kurz vor dem Abrung mache ich einen kleineren Schritt und bringe meine gesamte Kraft für den Sprung auf. So stark es geht, stoße ich mich ab und fliege durch die Luft. Und klischeehaft wie es sich anhören will, ist alles in Zeitlupe. Ich sehe die andere Seite näher kommen und merke auch, dass ich nicht stark genug abgesprungen bin! Ich weiß, dass ich nicht auf der anderen seite aufkommen werde. Der felsige Abhang mit der spitzen Kante wird mich verletzen. Auch, WENN ich es irgendwie schaffe mich fest zu halten und mich hoch zu ziehen, werde ich mindestens eine gebrochene Rippe haben.

Wenn nicht sogar innere Blutungen. Und an denen werde ich dann innerlich verrecken. Jämmerlich. Langsam. Ohne die möglichkeit mich selbst zu erschießen, da ich die Pistole gerade losgelassen habe und diese im Abgrund verschwindet. Der Aufprall wird nicht zu hören sein. Es gibt kein Ende dieser Löcher. Ich sehe die Kante der gegenüberliegenden Seite. Sie kommt immer näher und mir wird klar, dass ich zu 90% sterben werde. Nichts und niemand wird mir hier helfen. Niemand wird mich retten. Niemand wird mich vermissen, wenn ich einfach so in diese abgrundlose hölle falle, die unter mir ist.

Verzweifelt strecke ich mich und versuche mein möglichstes, um mich wenigstens noch irgendwie an irgendeiner Kante festzukrallen, um mich dann hoch zu hieven! Aber ich bekomme nichts mehr zu fassen. Stattdessen knalle ich ein bischen unterhalb der Kante gegen den Abhang, spüre, wie neuer Schmerz aufflammt und ich dann nach hinten kippe. Nach allem greifend was ich sehe, falle ich rückwärts in die Schlucht. Mein Blick auf die Kante gerichtet, die mir mein überleben hätte sichern können. Meine Gedanken sind nun plötzlich ruhig und bei meiner Familie. Meinem Bruder mit seiner Frau und meinem Neffen. Meinen Eltern. Meinem kleinen Bruder... Tränen steigen mir in die Augen und ich schließe sie. "Es tut mir leid..." hauche ich und entspanne mich dann, um mich einfach dem Tod hinzugeben.


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