IV
Die Pistole habe ich noch fest im Griff und drücke sie an mich, als ich ersteinmal auf dem Boden aufschlage und dann in die Luft geschleudert werde. Mit einem ruck spüre ich, wie das um meinen Bauch geschlungene Zeug loslässt und ich ersteinmal schön durch die Luft fliege, ehe ich mit meinem Rücken gegen einen Baumstamm pralle und mir für einen kurzen Augenblick schwarz vor Augen wird. Ich falle auf den Boden. Mein Gesicht auf der Erde. Meine Augen flattern, da ich gegen die Ohnmacht ankämpfe und meine Hand liegt locker auf dem Griff der Pistole, die neben meinem Kopf liegt.
Zwar immer noch halb bewusstlos, aber wenigstens ein wenig da, bewege ich mich ein wenig und will langsam aufstehen, als ich einen Schuh auf meinem Rücken spüre und auf den Boden gedrückt werde. Meine Luft wird mir wieder aus meiner Lunge gepresst und ich verziehe schmerzvoll das Gesicht, als die Hacke des Schuh's in mein Fleisch gepresst wird. Der Schmerz zieht bis in meine Zehenspitzen hinunter und ich zische leise auf, bevor der Fuß so plötzlich verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Ich rolle mich auf den Rücken und hebe die Waffe, um zu zielen! Aber... niemand steht über mir oder in meiner nähe.
Verwirrt drehe ich meinen Kopf nach links und rechts und frage mich, ob ich das alles vielleicht gerade eine sehr lebhafte Halluzination war. Doch ein kurzes ziehen im Rücken beweist mir, dass es das nicht war und ich stehe langsam auf. Die Waffe immer im Anschlag. Immer aufmerksam. Aber egal wie sehr ich herum sehe, ich sehe niemanden! Kein Hoodie, kein Masky, kein Smiledog. Doch was mich jetzt etwas mehr verwirrt ist, dass ich auch nichts höre! Keine Schritte mehr von Hoodie. Kein entferntes fiepen von Smiledog. Nichts. Auch kein Rascheln oder irgendetwas anderes. Nichts zu sehen und nichts zu sehen.
Mit großen Augen sehe ich auf meine Hand und frage mich, ob das alles gerade echt war. Masky. Hoodie. Smiledog. Die Angst. Die Schmerzen. Die Panik. Oder träume ich gerade? Habe ich gerade einen dieser luziden Träume, die ich an sich kontrollieren kann und auch irgendwie wieder nicht? Mit gerunzelter Stirn halte ich den Griff der Pistole fester und sehe mich noch einmal um, bevor ich mich umdrehe und zur Hauptstraße gehe, die ich vorhin ja in der ferne gesehen habe. Meine Schritte hallen im Wald wieder. Das knirschen der Blätter ist laut und ich muss mich selbst beruhigen.
Auf einmal bleibe ich stehen. Mein Blick nach vorn gerichtet. Die Stirn gerunzelt. Wo ist die Straße? Der kleine Lichtblick aus Asphalt, der eigentlich aus dem Wald hinaus gehen sollte? Meine Augen zucken hin und her und suchen die Straße. Oder einen nahegelegenen Weg! Aber... nichts. Ich drehe meinen Kopf in die verschiedensten Richtungen, bleibe aber stehen. Immer unsicherer werdend, fange ich sogar an, mich im Kreis zu drehen und mich zu fragen, was denn hier verdammte Axt nochmal los ist! Und ich merke, dass meine Umgebung, sich auch ein wenig geändert hat. Es ist... wie soll ich es sagen... düsterer?
Ich glaube, dass beschreibt es ganz gut. Und was mir auch erst jetzt auffällt... Ich kann etwas sehen! Also nicht, dass ich das vorher nicht gekonnt hätte oder so. Aber es war halt dunkel. Mitten in der Nacht und nur der Mond hat geschiehen. Und jetzt? Jetzt ist es irgendwie... nicht ganz hell, aber auch nicht ganz dunkel. Bewölkt. Irgendwie zumindest. Ich lege meinen Kopf in den Nacken und sehe, dass der Himmel wirklich von grauen und teils dunklen Wolken bedeckt ist, sodass keine Sonne durchkommt. Wie zur hölle kann es jetzt Tag sein? Ich war nicht ohnmächtig! Oder... doch?
Mit meinem Kopf wieder gerade aus blickend, achte ich auf die Umgebung und merke schnell, dass ich nicht dort stehe, wo ich dachte, dass ich stehen würde. Andere Bäume stehen hier herum. Büsche sind ebenfalls verändert. "Was zur hölle..." murmle ich leise zu mir und drehe mich abrupt um, als ich ein Rascheln hinter mir höre. Metallenes klirren ist zu vernehmen, als golden glänzende Patronen auf den Waldboden fallen und im Augenwinkel ein Schatten verschwindet. Mit rasendem Herzen sehe ich noch einen moment in die Richtung, in die der Schatten verschwunden ist, bevor ich zu den Patronen gehe, die am Boden liegen.
Ich knie mich hin und nehme eine der Patronen, bevor ich mir die Waffe ansehe. Gehören die da rein? Unsicher sehe ich von der Patrone zur schwarzen Waffe und wieder zurück, bevor ich die Kugel wieder hinlege und mir die Pistole genauer ansehe. "Okay... und wie funzt du eigentlich?" murmle ich und drehe und wende die Pistole bis mir klar wird, dass ich davon nicht so viel Ahnung habe, wie ich gerne hätte. Klar, ich habe die ein oder anderen Shooter gespielt. Und klar, ich habe schon das eine oder andere mal auf Youtube ein paar Videos dazu angesehen, aber...
Das ist was komplett anderes! In meinem Kopf wirbelt es, bevor ich meinen Schädel schüttele und ihn zwinge, ihn ruhe zu arbeiten. Ich muss mich konzentrieren und von vorn anfangen. Wer weiß, wann wieder einer von den anderen zu mir kommt! Ich atme tief ein und wieder aus, ehe ich die Waffe genauer inspiziere. Also. Grundeinteilung. Automatik, Halbautomatik und Vollautomatik. Was bist du? Mit einem Gesichtsausdruck, als würde ich schon seit einer Stunde auf der Toilette hocken, sehe ich die Pistole ein, bis mir endlich diese verdammte Definitionsreihe einfällt! Hirn! Das hat jetzt aber ein bischen gedauert, kann das sein? Zumindest ein bischen?
Also. So weit ich mich erinnere war es so, dass Automatische Waffen nach einem Schuß wieder Schußbereit sind. Halbautomatische Waffen sind automatische Waffen, die beim betätigen des Abzugs genau einen Schuß aus dem selben Lauf abgeben und vollautomatische Waffen sind Waffen, die beim betätigen des Abzugs auch mehr als einen Schuß aus dem selben Lauf abgeben können. Nachdenklich sehe ich auf die Waffe hinunter. Also von Vollautomatik gehe ich jetzt mal nicht aus... Mit einer kleinen Grimasse muss ich feststellen, dass ich keine Wahl habe als sie abzufeuern um zu sehen, was für eine Art sie ist. Verdammter Mist!
Ist ja nicht so, als wäre das verschwendung für ein oder zwei Kugeln oder so. Ich seufze, als ich wieder ein Rascheln höre und mich sofort umdrehe! Den Griff der Waffe fest umklammert, ziele ich auf den Busch und drücke erst einmal ab. Ein lautes krachen ertönt und sofort schießt eine Hülse aus der Kammer, bevor ich automatisch ein zweites mal abdrücke. Auch hier kracht wieder ein Schuss und ich senke die Waffe. Meine Augen auf den Busch gerichtet, der sich nicht mehr bewegt. Vorsichtig gehe ich darauf zu und hebe sofort die Waffe, als ich hinter den Busch sehe! Und da liegt...!
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