III

Mein Hirn hat ganz schnell die Lösung parat. Weiterlaufen! Masky scheint für eine kurze Zeit verwirrt zu sein wieso ich denn weiterlaufe und zögert mit dem Abdrücken, weswegen ich mit vor Angst geweiteten Augen meine Beine nicht mehr stoppen kann. Eigentlich will ich ihm ausweichen, oder ihn zumindest wegschubsen! Doch ich bin gerade in einer Zeitlupe gefangen, die das nicht zulässt. Und vielleicht hätte ich auch auf den Weg achten sollen. Ich spüre einen Wiederstand an meinem rechten Zeh und ehe ich es aufhalten kann, bediene ich das Klischee eines jeden Horrorfilmes und stolpere erst einmal schön, während ich auf der Flucht bin.

Nur, dass ich nicht auf die Schnauze fliege, sondern auf Masky, der selbst ein wenig überrascht zu sein scheint und das gleichgewicht verliert. Wir fallen beide auf den Boden, wobei er mir als Schutz dient und im nächsten moment spüre ich schon den Aufprall. Ich habe meine Augen geschlossen und liege für einen moment auf Masky drauf. Höre sein leicht verwirrtes und schmerzvolles Stöhnen, bevor ich das klappern bestimmter Nägel höre. Sofort rappele ich mich auf und sehe mich um. Während Masky auf dem Boden liegt, läuft Smildog mit wehenden Haaren, ausgreifenden Sprüngen und einem gefährlichen Knurren auf mich zu.

Aus dem Augenwinkel kann ich die Pistole sehen, die Masky wohl aus der Hand gefallen sein muss und krabbele auf diese zu. Blitzschnell drehe ich mich auf den Rücken und schieße zweimal. Die Schüsse krachen laut und hallen in der Anstalt wieder. Im nächsten moment hört man ein fiepen und ich sehe, dass Smiledog stehen geblieben ist. Ich werde nun selbst ein wenig sicherer, rapple mich schnell auf und ziele weiterhin mit der Pistole auf ihn. Meine Hände zittern und die Pistole somit auch. Blut kommt aus einer Wunde an seiner linken Schulter und ich scheine einmal getroffen zu haben.

"Geh!" zische ich mit ebenfalls zitternder Stimme, die sich teilweise noch überschlägt und alles andere als sicher klingt. Auch wenn er mich töten will, bin ich von haus aus eine recht friedfertige Person und töte nicht, wenn es nicht sein muss. Also würde ich es lieber sehen, dass Smiledog umdreht und wegläuft! Doch nichts da. Ein weiteres knurren ertönt und er setzt zum Sprung an, als ich einen weiteren Schuss abgebe. Ich habe große Selbstzweifel und ein schlechtes Gewissen. Mit einem gezielten Schuss zerschmettere ich seine rechte Pfote und wieder fiept er herzzereissend. Ich hatte keine Ahnung, dass man sich so schuldig fühlen kann.

Smiledog bricht mit seinen Vorderläufen zusammen, da ich seine linke Schulter und seine rechte Pfote getroffen habe. Bevor ich mich jedoch entspannen kann höre ich Masky, wie er wieder etwas stöhnt und sich aufrichten will. Mein Verstand sagt mir, dass ich fliehen sollte. Mein Herz bedeutet mir, hier zu bleiben und zu helfen. Ich habe nicht umsonst einen Beruf gewählt, der zum helfen da ist. Einen, bei dem ich Leuten eine freude mache, in dem ich ihnen nicht nur Blut abnehme, sondern auch dinge erkläre und kleine Verletzungen selbst und ohne Probleme behandeln kann. Alles hat einen Grund.

Doch mein Verstand siegt und ich drehe mich nach kurzem Zögern um, um nach draussen zu laufen. Weg von dem am boden liegenden Masky, dessen Maske weggeflogen ist. Weg von dem herzzereissenden Fiepen von Smiledog. Auch wenn ich eine Katzenperson bin. Jedes Tier ist mir doch irgendwie wichtig und wenn ich ihm dann noch weh tun musste, dann ist es doppelt zu schlimm! Aber... ist Smiledog eigentlich ein Tier? Diese Frage stelle ich mir, als ich endlich den Ausgang sehen kann und durch die alte und eigentlich von Brettern zugemauerte Tür nach draussen laufe. Denn früher war das hier alles zugesperrt.

Ich bleibe abrupt stehen und höre im nächsten Augenblick einen Schuss, der schräg rechts an der Hausfassade einschlägt und Putz abspringen lässt. Automatisch ducke ich mich und nehme dann meine Beine in die Hände, um abzuhauen. Die Pistole fest in meiner Hand, stürme ich in das Gebüsch des Waldes. Die Äste und Zweige klatschen gegen meinen Körper und hinterlassen schmerzhafte Striemen. Dornen verfangen sich in meiner Kleidung oder bohren sich in meine Haut. Hat Hoodie da vorhin gerade geschossen? Und hat er mich verfehlt? Oder bin ich abrupt stehen geblieben und das war der Grund, wieso er mich verfehlt hat?

Egal! Ich lebe! Mit diesem Gedanken in meinem Kopf laufe ich einfach weiter. Höre weitere Schüsse und laufe im Zickzack. Immer wieder muss ich Bäumen und Büschen ausweichen und höre einen weiteren Schuss krachen, dessen Kugel im nächsten moment knapp neben meinem Kopf in einem Baumstamm einschlägt. Splitter fliegen in meine Richtung, doch laufe einfach weiter. Hoffe, dass ich bald den Hauptweg gefunden habe, der jetzt irgendwann einmal auftauchen sollte! Meine Beine beginnen zu brennen. Die Wunden durch die Äste und Zweige brennen. Meine Lunge brennt. Meine Finger sind fest um den Griff der Pistole gelegt, sodass sie mir nicht abhaut.

Da. Endlich! Der Mondschein enthüllt mir in einiger entfernung die Hauptstraße aus dem Wald hinaus und ich nehme noch einmal meine gesamte Kraft zusammen, damit ich das schaffe. Ich kann die laufenden Schritte von Hoodie hinter mir hören und auch, wie er mir immer näher kommt. Eines muss man ihm lassen. Ausdauer und schnelligkeit hat er! Aber das Adrenalin und die Angst lassen mich ebenfalls etwas schneller werden und die Hoffnung, endlich diese scheiß Straße zu erreichen, löst in mir etwas aus, dass sich am besten mit Glück beschreiben lässt und mir ebenfalls nocheinmal einen zusätzlichen Antrieb zum laufen gibt.

Wieso ich nicht wie in so manchen Filmen einfach nach hinten Feuere und hoffe, dass ich Hoodie einfach so durch zufall treffe? Mehrere Gründe. Erstens ist das eine Geschwindigkeitseinbuße, die ich mir nicht leisten kann. Zweitens will ich keine Kugeln verschwenden, die ich noch brauchen könnte. Drittens ist das einfach nur ne beschissene Idee, NOCH mehr aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Wer weiß, wer sich hier noch alles noch im Wald aufhält? Wenn Smiledog da ist, dann dürfte auch Jeff nicht weit sein und ihn habe ich noch gar nicht gesehen! Plötzlich werde ich von meinen Füßen nach hinten gerissen und meine Luft wird aus meinen Lungen gepresst.

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