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Am nächsten Morgen ist Alanas Freude von dem gestrigen Ereignis immer noch vorhanden. Aber auch ihre Enttäuschung darüber, dass Mandrik nicht mit ihr reden wollte, begleitet diese Stimmung. Sie beschließt, gleich nach der Schule noch einmal beim Zirkus vorbeizuschauen. Am liebsten würde sie heute Abend sofort wieder in den Zirkus gehen.
Auf dem Schulweg begegnet ihr kein einziges Plakat. Auch an den Stellen, an denen gestern noch zahlreiche Plakate gehangen haben, findet sich nun kein einziges wieder. Es ist seltsam. Auf dem Weg in die Schule begegnet sie immer sehr vielen Menschen, doch niemand scheint über das gestrige Erlebnis zu sprechen. Dabei waren die Menschen in der Stadt gestern doch Feuer und Flamme. Nach der Vorstellung hat Alana auch noch die Gespräche einiger Menschen mitbekommen und sie schienen begeistert gewesen zu sein. Normalerweise, gerade in der Stadt Rumor reden die Menschen noch tagelang über große Ereignisse, die geschehen sind, weil sonst nichts in dieser kleinen Stadt passiert.
Als sie in der Schule angekommen ist, findet sie ihre Freundin schon auf dessen Plätzen sitzen. Sie würden gleich Kunst haben, worauf sie sich schon freut. Es ist ihr absolutes Lieblingsfach. Einerseits wegen dem Zeichnen und den künstlerischen Arbeiten, die sie in dem Fach anfertigten. Andererseits wegen der Gespräche, die man hier mit seinen Freunden führen durfte, ohne dafür ermahnt zu werden, denn sie quatscht leider unheimlich gerne mit ihren Freunden im Unterricht. Sie begrüßt ihre Freundin mit einer Umarmung und strahlt über das ganze Gesicht.
"Wieso hast du so gute Laune?", fragt ihre Freundin schließlich.
"Ich war doch gestern in dem Zirkus" , erklärt Alana.
"Welcher Zirkus?", fragt ihre Freundin mit zusammengezogenen Augenbrauen.
"Der, der in der Stadt ist. Zirkus Caraval. Über den alle reden und wo du nicht hinwolltest, weil er dir zu gruselig war" , antwortet Alana.
"Ich weiß echt nicht, wovon du redest, Alana. Das musst du geträumt haben"
"Komm. Hör auf mich zu verarschen." , erwidert Alana lachend.
"Ich verarsche dich nicht. Ich kann mich an keinen Zirkus erinnern"
"Wirklich?" "Ganz sicher?" , fragt Alana, nun doch etwas verunsichert.
"Ja, wenn ich es dir doch sage" , sagt ihre Freundin und damit scheint das Gespräch beendet zu sein. Alana ist so tief in ihren Gedanken versunken, dass sie es nicht mitbekommt, was ihre Lehrerin sagt. Sie muss nachher unbedingt beim Zirkuszelt vorbei schauen. Am besten jetzt gleich. Sie meldet sich und behauptet, dass ihr schlecht sei. Sie müsse an die frische Luft. Sobald sie draußen ist, sprintet sie los, zu dem Platz, wo gestern das Zirkuszelt gestanden hat. Doch dort ist nichts. Noch nicht einmal ein Abdruck des Zeltes, so wie sonst immer. Hat das Zelt nicht lange genug auf dem Platz gestanden? Wieso ist es so plötzlich schon wieder weg? Eine Vorstellung. Dafür lohnt es sich doch gar nicht, in eine Stadt zu kommen. Normalerweise bleiben die Zirkusse doch einen Monat in der Stadt, oder nicht? Warum erinnert sich scheinbar niemand an den Zirkus, außer Alana? Was ist hier los? Tausende von Fragen schwirren in ihrem Kopf herum, die sie alle nicht beantworten kann. Sie muss nach der Schule noch einmal hierherkommen und alles genauer betrachten. Jetzt würde sie zurück in den Unterricht müssen, sonst würde ihrer Lehrerin ihr verschwinden komisch vorkommen. Im Kunstunterricht sollen sie eine Zeichnung von dem anfertigen, was sie gerade beschäftigt und Alana fertigt ein regelrechtes Kunstwerk an, welches die Artisten und den Zirkus von der gestrigen Vorstellung, sowie ihr Gedankenwirrwar vereint. Sie bekommt erst Lob von ihrer Freundin und dann auch noch von ihrer Lehrerin.
"Dein Traum scheint dich ja wirklich mitgenommen zu haben" , stellt ihre Freundin fest.
"Es war kein Traum!" , protestiert Alana. Den ganzen Schultag kann sie sich nicht mehr konzentrieren, weil sie andauernd an den Zirkus und vor allem an Mandrik denken muss. Nun stellt sie in Frage, weshalb er nicht mit ihr reden wollte und ob es etwas mit dem plötzlichen Verschwinden auf sich hat. Etwas mit diesem Zirkus stimmt nicht und Alana ist fest entschlossen, herauszufinden, was damit nicht stimmt. Nachdem sie nach Hause gekommen ist, nimmt sie ihren Laptop, ihr Handy und einen Block mit nach draußen und kehrt noch einmal an den Ort zurück, wo gestern der Zirkus gewesen ist. Inzwischen glaubt sie selbst daran, dass sie all das nur geträumt hat, weil sie scheinbar der einzige Mensch ist, der sich daran erinnern kann. Das würde auch erklären, weshalb niemand darüber redet. Als sie ein paar Passanten auf dem Weg zum Zelt angesprochen hat, sind diese entweder mürrisch weitergegangen oder haben sie verständnislos angeschaut.
Als sie an dem Platz angekommen ist, überzeugt sie sich noch einmal mit eigenen Augen, dass hier wirklich nichts gewesen sein kann. Ihr Bauchgefühl und alles andere sagt ihr jedoch, dass sie gestern auf jeden Fall auf dieser Wiese im Zirkus war. Es hat sich so verdammt real angefühlt. Sie kriecht auf dem Boden herum und sucht nach Hinweisen, dass sie nicht verrückt ist und es den Zirkus wirklich gegeben hat. Sie setzt sich noch einmal auf einen der Steine, die auf dem Platz liegen und klappt ihren Laptop auf. Internet hat sie von dem kleinen Cafe, welches ganz in der Nähe ist. Sie googelt noch einmal den Zirkus Caraval, doch auch dieses Mal kommt sie auf keine Ergebnisse. Zumindest auf keine Ergebnisse, die einen Zirkus erwähnen. Den Zirkus scheint es nicht zu geben. Oder sie scheinen keine Informationen über sich im Internet preiszugeben, denn auch wenn es nichts über dem Zirkus im Internet gibt, glaubt Alana fest daran, dass es ihn wirklich gibt und sie dort gewesen ist. Als Alana den Namen googelt, kommen verschiedene Informationen über den Namen heraus. Die Dinge müßen sich ständig bewegen oder verändern weil Sie den Stillstand nicht mögen kommt zum einen bei dem Namen heraus, was das plötzliche Verschwinden erklären würde. Sie fragt sich, ob sie nun zu viel in ihre Recherche hineininterpretiert oder ob es wirklich einen Zusammenhang zwischen dem Namen und dem Auftreten des Zirkusses gibt. Vielleicht ist sie mit dem Namen auf eine heiße Spur gekommen. Nach halbstündiger Suche ist dies jedoch das einzige, was sie noch herausfinden konnte und ihre Stimmung ist ein bisschen betrübt, bis sie noch einmal das ganze Gras absucht und tatsächlich etwas findet, was den Artisten des Zirkuses gehören könnte. Vielleicht hat es aber auch ein kleines Kind hier beim Spielen verloren. Es ist eine gelbe Haarklammer mit Herzen darauf und sie könnte schwören, dass sie diese bei einer der Artisten gesehen hat. Vielleicht sollte sie aber doch lieber auf ihre Freundin hören. Vielleicht hat sie es einfach nur geträumt und wird später bloß enttäuscht. Eine Haarklammer ist immerhin nicht gerade das, was einen Zirkus ausmacht. Diese Haarklammer könnte jedem gehören. Sie setzt sich noch einmal auf den Stein und versucht die richtige Position zu finden, um ein Foto von dem Platz zu machen. Als sie durch ihre Galerie scrollt, um sich die Fotos anzuschauen und die besten zu behalten, bemerkt sie, dass die Fotos, die sie in der Vorstellung gemacht hat, verschwunden sind. Ebenso die Fotos von den Plakaten. Sie schaut im Mülleimer ihres Handys nach, doch auch dort sind sie nicht. Dies ist ein heftiger Schlag ins Gesicht. Nun beginnt Alana doch an ihrem Verstand zu zweifeln. Sie hat noch nicht einmal ein Bild von Mandrik, für den sie begonnen hat, zu schwärmen. Aber es ist aussichtslos, sich in einen Artisten zu verlieben, oder? Er ist die ganze Zeit auf Weltreise und hat wahrscheinlich von Kind an Training gehabt. Alana könnte nicht einfach so mit ihm mitgehen. Geschweige denn, dass er überhaupt auch Interesse an ihr hätte, was bisher sowieso nicht der Fall zu sein scheint. Alana macht sich wieder auf den Weg nach Hause, um sich noch einmal all ihre Zeichensachen anzuschauen. Wenn diese Zeichnungen nun auch weg wären, dann wäre sie komplett aufgelöst. Sie kommt in ihr Zimmer und es sieht genauso undordentlich aus, wie sonst auch immer. Tausende von Zeichnungen liegen überall auf dem Boden verteilt herum. Sie braucht eine Weile, um alles zusammen zu suchen, aber sie findet alle Zeichnungen, die sie inzwischen vom Zirkus gezeichnet hat. Sie sind alle da. Dies ist der einzige Beweis, dass der Zirkus wirklich dagewesen sein könnte, oder? Oder hat sie es nur aus ihrer Fantasie gemalt?Sie schaut überall in der Stadt nach, ob sie nicht doch noch ein altes Plakat findet, was beweisen würde, dass sie recht hat. Niemand kann so schnell so viele Plakate verschwinden lassen. Wenn Wahlen sind, hängen die Plakate noch Monate danach in der Stadt. In den nächsten paar Tagen bekommt Alana immer mehr Zweifel daran, ob der Zirkus wirklich in ihrer Stadt war oder ob sie sich alles nur ausgedacht hat. Die Zweifel werden von Tag zu Tag stärker, bis Alana ganz aufgegen hat und ihre Freundin es geschafft hat, ihr den Unsinn auszutreiben. Aber kann man sich solche Wesen erträumen? Sie würde Mandrik in ihren Träumen so gerne noch einmal wiedersehen. Sie versucht es noch ein paar Mal zu googeln, doch kommt immer auf die gleichen Ergebnisse.
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