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Die Vorstellung beginnt und das laute Tuscheln der Zuschauer verstummt, ebenso wie die Musik. Es kommt eine Zirkusdirektorin in die Manege, die alle begrüßt. Sie hat langes, blondes Haar und ein Glitzerkleid an. Ihre grünen Augen leuchten vor Lebensfreude und das Publikum klatscht, dass einem die Ohren taub werden, während sie in die Manage kommt. Alana ist jetzt schon hin und weg. Als erstes kündigt die Direktorin einen Jongleur an und Alana fragt sich, wer von den Menschen, die sie schon gesehen hat, dieser jemand ist.
"Willkommen meine Damen und Herren in unserem Zirkus Caraval. Heute Abend werden sie eine Vorstellung sehen, die sie umhauen wird. So etwas haben sie noch nie gesehen. Ich verspreche Ihnen, sie werden einen unvergesslichen Abend haben" , begrüßt sie die Menschen und bekommt noch einmal ordentlich Applaus gespendet. "Und nun sehen Sie unseren Mandrik mit seiner Jonglierkunst" , ruft sie in das Publikum.
Sie staunt nicht schlecht, als sofort der junge Mann, den sie seit Tagen beobachtet in die Manege tritt. Er jongliert zuerst mit drei Fußbällen und schließlich werden es bis zu fünf Stück. Anschließend hat er sogar noch leuchtende Bälle, was die Menge ausflippen lässt. Alana hat einmal versucht, dies zu lernen und weiß, wie schwer es ist, auch nur mit drei Bällen zu jonglieren. Nach den Bällen hat er noch Keulen, mit denen er ebenfalls jongliert und Alana ist jetzt schon einfach nur beeindruckt. Nachdem Mandrik alle Bälle wieder auf den Boden der Tatsachen bringen lassen hat, verbeugt er sich und bekommt tosenden Applaus. Alana hat ein kleines Video mit ihrem Handy gemacht, als er mit den leuchtenden Bällen begonnen hat. Nun klatscht auch sie begeistert in die Hände. Als der junge Mann die Manege verlässt, kündigt die Direktorin zwei Menschen mit den Namen Hazelle und Archibald an.
Ein älterer Mann und eine junge Frau betreten gemeinsam die Manege. Während sie in die Mitte treten, verwandelt sich der Mann in einen Wolf. Es ist der gleiche Mann mit den gelben Augen, den Alana vor ein paar Minuten noch im Publikum gesehen hat. Er sitzt nun als Wolf im Publikum und Hazelle gibt ihm ein Stück Fleisch. Die Frau spricht mit ihm und Alana kann ihren Augen kaum trauen, als der Wolf antwortet, indem er sich in das Tier verwandelt, welches Hazelle ihm befohlen hat. Sie schaut sich in der Manege um, ob sie irgendwo einen Projektor entdecken kann, doch dort ist nichts. Nach ein paar Sekunden steht ein Reh vor ihr, welches sie streichelt. Dies geht noch mit einigen Verwandlungen und Tricks der Tiere weiter, bis Archibald wieder ein Wolf ist. Die beiden bekommen einen noch lauteren Applaus, als die Artisten zuvor.
"Das war das Trio Archalle" , sagt die Direktorin, die noch einmal hereinkommt und den nächsten Auftritt ankündigen will.
In Sekundenschnelle wird das Licht gedimmt und die Statisten bauen ein Gestell in die Mitte der Manege.
"Und nun sehen sie Rüya, unsere Brezelfrau" , erklärt Skylar, die Direktorin und Rüya, die Alana bisher noch nicht gesehen hat, betritt das Zelt. Das erste, was Alana an ihr auffällt, sind die auffälligen roten Haare. Sie ist unheimlich dünn und steigt nun auf das Podest in der Mitte. Sie hat einen schwarzen Anzug an und ist barfuß. Sie verbiegt sich in alle Richtungen, sodass es schon ungesund aussieht, als wenn sie keine Knochen hätte. Nachdem diese mit ihrer Vorstellung fertig ist, läuft sie einmal in der Manege umher und sammelt ihren Applaus ein, bevor sie aus der Manege in den Artisteneingang läuft.
"Nun, meine Damen und Herren, Sehen sie eine unglaubliche Handstandkunst von unserem Man-", beginnt Skylar zu reden, doch wird von einem Clown unterbrochen, der nun seinen Auftritt haben möchte. Der Clown unterbricht die Direktorin andauernd, bis sie aufgibt und ihm seine Show lässt. Er ist unheimlich witzig und das ganze Publikum muss lachen. Eine Kunst an sich. Nachdem der Clown mit seinem Auftritt zufrieden ist, wird der nächste Artist angekündigt.
"Und nun sehen sie unsere Seiltänzerin Gree" , erklärt die Direktorin und das Publikum antwortet mit einem Klatschen. Gree sieht kaum älter aus, als sechszehn und kommt schwermütig, aber elegant ins Zelt hinein. Sie hat einen hautfarbenden Body und Schläppchen an. Ihre braunen, lockigen Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden. An der Decke baumelte schon die ganze Zeit, weit oben, das Seil. Sie klettert den Turm hinauf und läuft zuerst einmal nur über das Seil hinüber, bis sie Kunststücke vollbringt. Sie springt in die Luft und landet präzise wieder auf dem Seil. Sie setzt sich darauf hin, baumelt entlang und fährt sogar mit einem Einrad drüber hinweg. Die Leute staunen mit offenen Mündern nach oben. Als das Publikum beginnt zu klatschen, verbeugt sie sich genau vor Alana und Alana schaut in ihre tieftraurigen blauen Augen. Sie fragt sich, wie alt Gree ist und ob sie gezwungen wird, vielleicht von ihren Eltern mitzumachen. Nachdem Gree schwermütig aus der Manege getanzt ist, kommt erneut ein Mann, den Alana schon gesehen hat in die Manege und beginnt mit unheimlichen Magietricks. Er beginnt mit einfachen Kartentricks und beendet seine Show mit Tricks, die Alana noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen hat.
"Nun sehen sie etwas unglaubliches, meine Damen und Herren. Ich kann Ihnen versichern, dass sie solch etwas noch nie in einem Zirkus gesehen haben. Ich habe Ihn zu Beginn des Abends einen unvergesslichen Abend versprochen. Das sollen Sie bekommen." , verkündet die Direktorin in ihr Mikrofon. Währenddessen bauen ein paar der Artisten ein riesiges Becken in die Manege und Alana fragt sich, was sie nun erwarten würde.
"Begrüßen Sie nun unsere Meerjungfrau Enytha" , brüllt sie. Sie kommt in die Manege und sieht unglaublich schön, aber auch ein wenig beängstigend aus. Sie hat kurze weiße Haare und schwarze Augen, die das Wasser in dem Becken suchen. Sie sieht sehr groß und dünn aus und steigt nun in das Becken. Die Blubberblasen des Wassers steigen sofort auf und in der nächsten Sekunde ist sie eine Meerjungfrau. Alana kann ihren Augen schon wieder kaum trauen. Wie machen die das? Sie hat noch nicht einmal geblinzelt und hat den Trick trotzdem nicht erkannt. Sie schwimmt an den Rand des Beckens und winkt dem Publikum. Besonders den Kindern. Auch wenn Alana sich fragt, wer seine Kinder um Mitternacht in den Zirkus mitnimmt. Inzwischen fragt sie sich, ob doch etwas mit dem Zirkus nicht stimmt und sie nicht hätte lieber auf ihre Freundin hören sollen. Die Artisten sind etwas seltsam. Nachdem die Meerjungfrau für mindestens fünf Minuten unter Wasser ist, kommt sie erneut an die Wasseroberfläche und scheint noch nicht einmal aus der Puste zu sein. Sie zeigt noch ein paar weitere Tricks. Es ist, als wenn sie mit dem Wasser spielen würde. Als wenn sie es erhitzen, erfrieren und mit ihm spielen könnte. Sie macht Bewegungen mit der Hand und es steigen Wasserblasen in die Luft, die in der ersten Reihe zerplatzen. Das Kind neben Alana lacht, denn es hat die komplette Wasserblase abbekommen. Anschließend wird Enytha mit ihrem Becken aus der Manege getragen, während die Direktorin wieder eintritt.
"Nun meine Damen und Herren, werden wir eine zwanzig minütige Pause einlegen. Sie können auf die Toilette gehen oder sich Popcorn und andere Snacks im Vorzelt nehmen. Ich freue mich auf die zweite Hälfte mit Ihnen" , verkündet sie und alle Menschen stehen auf. Alana hat nicht mit einer Pause gerechnet und weiß nicht so recht, was sie nun in diesen zwanzig Minuten mit sich anfangen soll. Sie beschließt, sich noch einmal Popcorn zu holen, da ihres inzwischen alle ist. Danach sucht sie nach Mandrik. Er steht im Zelt und unterhält sich mit einem anderen Artisten, aber sie hört nur ihn reden und traut sich wieder nicht, ihn anzusprechen. Sie hofft, dass sie genug Mut hat, ihn nach der Vorstellung wirklich anzusprechen und das er dann auch noch da ist.
Nach den zwanzig Minuten sitzen alle wieder im Publikum, als die Direktorin hineingeht. Ein paar Nachzügler gibt es noch. Skylar verkündet nun den nächsten Artisten mit seinem Auftritt.
"Nun lassen sie sich von unseren lieben Cato von einer unglaublichen Performance überraschen" , erklärt sie und die Frau mit dem halben Robotergesicht kommt auf die Bühne. Sie pickt sich einen der Zuschauer aus dem Raum heraus und setzt sich mit ihm in die Mitte. Er sitzt auf einem Stuhl und sie ihm gegenüber. Er wirkt wie ferngesteuert und es macht Alana ein wenig Angst.
"Was ist dein Lieblingsessen?", fragt Cato den jungen Mann.
"Pfannkuchen" , antwortet er grinsend.
"Und was hasst du?", fragt sie.
"Spinat"
Ein paar Minuten später hat sie seine Gedanken umgekehrt. Nun meint der junge Mann, dass sein Lieblingsessen Spinat ist und er Pfannkuchen hasst"
Danach stellt er sich freiwillig hin, um sich von ihr mit Messern bewerfen zu lassen. Er wirkt dabei allerdings wie ferngesteuert. Sie macht noch einige solcher Sachen mit ihm und er kommt völlig verwirrt und verdattert wieder aus der Manege heraus. Bei ihr klatschen die Zuschauer eher mäßig. Alle atmen erleichtert auf, als danach ein weniger aufregender Auftritt beginnt. Es kommt noch einmal der Magier auf die Bühne, mit dem jungen Mädchen, was mit Tieren sprechen kann. Sie betreten die Bühne. Kurz zuvor wurden sie angekündigt und es wurden kleine Tunnel, die man nach oben ziehen kann, in die Manege gelegt. Sie sehen ein wenig aus, wie die Tunnel, die man beim Kinderturnen früher benutzt hat, um die kleinen Kinder durchkrabbeln zu lassen. Die beiden tanzen jedenfalls und ziehen sich in sekundenschnelle in diesen Tunneln um. Alana kann ihren Augen schon wieder nicht glauben. Sie ist unglaublich fasziniert von der Magie und den Tricks, die dahinterstecken. Echt innerhalb von drei Sekunden haben sie komplett andere Kleidung an. Sie wünschte, so könnte sie sich morgens auch so umziehen.
Anschließend kommt das kleine Mädchen, welches als Zazie vorgestellt wird, auf die Bühne. Sie schließt die Augen und teilt sich auf einmal in drei Personen auf. Alana sucht an der Decke nach Projektoren, doch sie sieht wieder keine. Es ist dreimal das gleiche Mädchen, als wenn aus dem einen Kind Drillinge geworden sind. Danach tauschen zwei der Mädchen die Gestalt zu zwei anderen Mädchen. Sie haben auch alle andere Stimmen. Alana schaut von einem Mädchen zum anderen und kann sich nicht entscheiden, wo sie hinschauen soll.
"Nun meine Damen und Herren, sehen sie Mandrik mit seiner Handstandkunst" , verkündet Skylar, nachdem Zazie durch den Artisteneingang verschwunden ist.
Alana freut sich, ihn noch einmal zu sehen. Es wird wieder ein Gestell in der Mitte aufgebaut. Mandrik kommt in die Mitte und steht nun Oberkörperfrei darin. Er hat ein unglaublich definierten, gut aussehenden Körper. Die meisten Jungen aus ihrer Klasse trainieren so viel im Fitnessstudio, dass ihre Körper nicht mehr schön aussehen, doch Mandrik kann sich so definitiv sehen lassen.
Er holt zwei Stäbe mit Holzblöcken oben drauf heraus und steckt sie in die Platte. Dann beginnt er darauf Handstand zu machen und seine Beine in alle Richtungen zu bewegen. Alana weiß, wie schwer Handstand ist und ist völlig beeindruckt. Wie kann man so viel Kontrolle über seinen Körper haben? Seine Arme sehen aus, wie andere Menschen auf ihren Beinen laufen. So sicher hat sie noch nie jemandem im Handstand gesehen. Zum Schluss des Aktes holt er jeweils 10 dieser Holzklötze raus und stapelt sie jeweils aufeinander, um anschließend darauf einen Handstand zu machen. Als sie kippen, springt er mit auf den Boden. Er verbeugt sich und läuft grinsend durch die Manege, um im Artisteneingang zu verschwinden.
Die nächste Nummer wird nicht angekündigt, denn es ist Skylar selbst mit einer Feuerspucknummer. Sie hat einen brennenden Stuhl mit dem sie tanzt. Anschließend spuckt sie Feuer und jongliert mit ihm. Es ist eine Wahnsinns Nummer und in dem Zelt wird es immer heißer. Auch sie wird mit tosendem Applaus belohnt.
Zum Abschluss der Vorstellung bauen die Artisten ein monströses Teil auf, was Alana nur beim Anblick schon Angst macht. Es ist das sogenannte Todesrad und zwei der Mädchen, Rüya und Gree betreten mit Lederjacken die Manege. Zuerst dreht sich das Teil ganz langsam, bis es immer schneller wird, mit den beiden Mädchen darauf. Alana kann gar nicht hinsehen, denn die beiden Mädchen sind nicht gesichert und springen in die Luft, wenn das Ding oben ist, um wieder darauf zu landen. Alana hat kein vertrauen in solche Gestelle. Die müssen einen unheimlichen Adrenalinkick verspüren. Alana ist ein bisschen froh, als die Nummer vorbei ist und die beiden sich verbeugen. Bei solchen Gestellen drehen sich ihre Gedanken im Kreis.
Die Artisten schnallen das Todesrad in der Luft fest, sodass die Artisten darunter umhergehen können. Alle Artisten kommen noch einmal in die Manege gelaufen und verbeugen sich. Sie stehen am Rand, dem Publikum der Manege hingekehrt und strahlen über das ganze Gesicht. Das muss ein unglaubliches Gefühl sein. Ein paar der Leute im Publikum stehen schon auf und gehen nach draußen, was Alana unheimlich respektlos gegenüber den Artisten findet und sie wütend macht. Sie bleibt bis zum Ende sitzen, bis alle Artisten im Artisteneingang verschwunden sind und alle Menschen aus dem Zelt gegangen sind. . Nach ein paar weiteren Minuten kommt Mandrik tatsächlich wieder in das Zelt, um wahrscheinlich sauber zu machen, denn er hat einen Besen in der Hand, da sieht er sie.
"Hey, ich bin Alana" , beginnt sie nervös. "Eure Vorstellung war grandios"
"Danke" , antwortet er mit seiner rauen Stimme.
"Ich-ähm. Ich wollte fragen, ob du vielleicht mit rauskommen willst" , stottert sie vor sich hin.
"Tut mir Leid, ich kann nicht. Ich muss hierbleiben" , erwidert er. Sie geht mit hängendem Kopf, enttäuscht nach draußen und wartet dort. Sie hat all ihren Mut zusammengenommen, nur um jetzt einen Korb zu bekommen.
Nachher geht sie noch einmal in das Zelt, doch es ist kein Mandrik mehr zu finden. Sie kann das nicht einfach so auf sich sitzen lassen. Wahrscheinlich müssen sie sich ausruhen, damit sie morgen wieder fit sind und eine erneute Vorstellung geben können. Das ist ein ganz schöner Aufwand und auch unglaublich anstrengend. Alana hat die Artisten schwitzen sehen. Alana macht sich einerseits mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Weg nach Hause. Hoffentlich würden sie morgen um Mitternacht noch eine Vorstellung geben. Sie würde hartnäckig bleiben.
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