TWENTY-THREE

one need not to be
a chamber to be haunted.
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Im Schneefeld in einer halbwegs schnellen Geschwindigkeit voranzukommen, erwies sich als äußerst schwierig.

Nicht nur war der Schnee einen halben Meter hoch und ich sank bei jedem Schritt bis auf den Grund ein, meine Jeans war innerhalb weniger Sekunden vollkommen durchweicht und eiskalt.

Dieser Umstand wirkte sich nicht gut auf meine ohnehin schon schlechte Kondition aus; während ich versuchte, so wenig wie möglich einzusinken und Bruce und Bucky nicht aus den Augen zu verlieren, die inzwischen fast fünfzig Meter vor mir waren, wurden meine Muskeln eiskalt und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie schockgefroren waren.

Das Weiß des Schnees vor meinen Augen blendete mich, und obwohl die Nacht schon anbrach, musste ich mir eine Hand vor das Gesicht halten, um nicht die Orientierung zu verlieren.

Immer wieder drehte ich mich gehetzt um, aber bisher war HYDRA noch nicht aus dem Loch gebrochen, dass Bucky und Bruce behelfsmäßig mit einem Geröllblock verbarrikadiert hatten.

Schließlich übersah ich eine harte Schneeplatte direkt vor mir und mein Fuß verhakte sich; ich fiel der Länge nach in den kalten Schnee.

Dort, wo die Kristalle meine Haut berührten, begann es zu brennen wie Feuer und während ich stöhnend versuchte mich aufzurichten, riss ich meine Haut an der scharfkantigen Eisplatte auf.

Ich stöhnte auf und versuchte den Blutfluss, der erstaunlich stark war für so eine kleine Wunde, mit meinem Ärmel einzudämmen, während ich mühsam wieder auf die Beine kam.

Gerade, als meine Muskeln brennend und zitternd versuchten, das Gewicht meines Körpers zu halten, spürte ich eine Berührung an meinem Rücken.

„Orla!", rief eine Stimme wie aus weiter Ferne und meine verschwommene Sicht klarte sich ein wenig auf, als Buckys besorgtes Gesicht vor mir auftauchte.

Seine eisblauen Augen jagten einen Welle der Elektrizität durch meinen Körper und als seine Metallhand über meine Wunde an der Hand strich, zuckte ich erschrocken zusammen.

„Sie hat einen Kälteschock", rief Bucky in die Richtung einer dunklen Gestalt, die mehrere Meter von uns entfernt im hellen Schnee aufragte.

Ich krallte meine Hände in den Stoff seiner Armeejacke und versuchte den erschreckend geruchsneutralen Schnee mit Buckys herben Duft zu überdecken.

„Lauf weiter!", rief Bucky Bruce zu, während er seine Arme so um meinen Körper schlang, dass er mich ohne große Schwierigkeiten anheben konnte.

Meine Füße verließen den eiskalten Schnee und ich krallte mich nur noch fester an ihn, in der Angst, auf der Seite herunterzukippen.

„Ich hab dich, keine Sorge", murmelte er und dort, wo seine Haut mich berührte prickelte es angenehm, so, als wollte mein Körper langsam wieder auftauen.

Mein Kopf schlug gegen seine Brust, als er sich umdrehte und über die Schneewüste hinter Bruce hereilte, als würde ich nicht hundertzwanzig Pfund wiegen.

„Wie klischeehaft", murmelte ich, meine Augen halb geschlossen. „Der Held muss das hilflose Mädchen durch die Weltgeschichte tragen."

„Ich bin kein Held", war seine einzige Antwort und ich schnaubte schwach.

Ohne mich als allgemeinen Klotz am Bein, kamen Bucky und Bruce viel schneller voran.

Hin und wieder genehmigte ich mir einen Blick durch meine halb geschlossenen Lider; der kleine Berg, der eigentlich kaum mehr als ein Hügel war, in dem HYDRAs Außenstation angebracht war, wurde immer kleiner und noch immer schien niemand von unserer Flucht Notiz genommen zu haben.

Wahrscheinlich waren sie zu beschäftigt, die falschen Tunnel in die Luft zu sprengen.

„Wie lang noch?", fragte ich irgendwann, während ich versuchte, meinen Kopf in seine Richtung zu drehen, aber meine Muskeln schienen mir immer noch nicht recht gehorchen zu wollen.

„Wir versuchen auf den Wald am Fuße der Bergkette zuzuhalten", erklärte Bruce, der inzwischen neben uns rannte. „Barnes sagt, dahinter gebe es eine Landstraße, die direkt in das nächstgrößere Dorf führt."

Ich verlor jegliches Konzept von Zeit, während Bucky und Bruce stumm nebeneinander über die Schneewüste rannten. Himmel, mussten Superhelden nicht einmal Luft schöpfen?

Irgendwann waren die letzten Strahlen der Sonne verschwunden, und die Nacht brach mit einer solchen Überraschung über uns herein, dass ich ich beinahe glaubte, jemand hätte abrupt das Licht ausgeschaltet.

Bucky schien dieser Umstand jedoch zu erleichtern. „So wird es schwerer für sie, uns zu finden", murmelte er. „Glaube ich", fügte er nach kurzer Überlegung hinzu.

Bruce schien das nicht sonderlich zu überzeugen. „Und du willst mir weismachen, sie haben keine Wärmebildkameras und Helikopter?"

Bucky verdrehte die Augen. „Doch. Aber nicht die Mannschaft, um sie zu fliegen."

Ein unangenehmes Surren zuckte plötzlich über die Weite der Schneelandschaft; ein Geräusch, das ich schon einmal gehört hatte; vor inzwischen fast einem Jahr in Wakanda, als HYDRAs Söldner auf die Forschungsstation zugekommen waren.

„Ach", entgegnete Bruce wütend. „Was ist dann das?"

„Suchhubschrauber mit Wärmebildkameras", seufzte Bucky. „Orla, kannst du laufen?"

Unsicher testete ich die Flexibilität meiner Muskeln. Sie fühlten sich relativ intakt an. „Ich denke schon."

Bucky ließ mich vorsichtig auf den Boden hinab, und ich machte ein paar vorsichtige Schritte über den eisigen Boden.

Tatsächlich schien sich der Schock größtenteils gelegt zu haben, meine Sicht war – trotz der vollkommenen Dunkelheit – nicht die schlechteste, im Vergleich zu davor, als der Schnee mich so geblendet hatte, dass ich mir eine temporäre Blindheit zugezogen hatte.

„Glaubst du, sie finden uns?", fragte ich nervös.

„Ich halte sie auf", sagte Bucky bestimmt, während vor uns, nur noch wenige hundert Meter entfernt, helle Lichtkegel auf dem Eis erschienen, die ihren Ursprung einen halben Kilometer über uns zu haben schienen.

Nein!", protestierte ich. „Das machst du nicht! HYDRA wird sonst was mit dir anstellen, wenn sie dich in die Finger kriegen."

Bucky schüttelte den Kopf. „Werden sie nicht. Ich bin ihr Soldat. Aber euch beide würden sie entweder auf der Stelle töten oder so lange an euch herumexperimentieren, bis ihr sterbt. Es ist die logische Wahl, das ich zurückbleibe."

Ich sah ihn fassungslos an. „Willst du die Gedankenkontrolle wieder auferlegt bekommen? Schon wieder deine gesamte Identität verlieren?"

„Wenn das bedeutet, dass du sicher bist, dann ist es mir das wert!", entgegnete er eine Spur ungehalten. „Oh, Orla, ich tue das für dich!"

„Ich will aber nicht, dass du das für mich tust! Ich will wissen, dass du in Ordnung bist, und vor allem du selbst!"

Bruce unterbrach unseren Streit, bevor wir noch mehr Zeit verlieren konnten.

„Wir haben keine Zeit mehr! Wenn wir eine Entscheidung treffen wollen, dann lieber schnell."

„Ich bleibe hier", sagte Bucky und achtete nicht auf meinen lautstarken Protest.

Ohne auf meine Widerworte zu achten, zog er mich an sich heran und küsste mich erstaunlich sanft auf die Lippen. „Bis bald, моя любовь", flüsterte er und dann machte er ein paar Schritte von mir und Bruce weg, in die Richtung der herannahenden Helikopter. „Pass auf sie auf, Banner", grollte er in Bruces Richtung, und bevor ich ihn zurückhalten konnte, war er in der Dunkelheit verschwunden.

Bucky!!", schrie ich ihm hinterher, aber als ich versuchte, ihm zu folgen, hielt Bruce mich mit einer erstaunlichen Kraft zurück. „Lass mich los!"

Aber Bruce dachte gar nicht daran. Er hievte mich in die entgegengesetzte Richtung, so lange, bis ich aufgab, mich zu wehren. „Er macht das, damit wir fliehen können", sagte er unter der Anstrengung, die es ihn kostete, mich festzuhalten. „Und wir danken ihm nicht, indem wir hier stehen bleiben."

„Ich will ihm auch gar nicht danken! Dieser selbstsüchtige Idiot! Ständig muss er irgendwelchen dummen Opfer bringen..."

Bruce ließ mich los und zog mich weiter über den schneebedeckten Boden. Ich fragte mich, wie er in der vollkommenen Dunkelheit etwas erkennen wollte.

„Dort vorne beginnt der Wald", sagte er und als ich einen Blick zurück warf, bemerkte ich, dass die Hubschrauber abgedreht hatten. Wahrscheinlich weil sie das hatten, was sie gewollt hatten.

Ihren Winter Soldier.

Dünne Zweigen strichen wie Finger über mein Gesicht, als Bruce durch das Dickicht brach, und mich hinterher zog.

Der Boden änderte seine Konsistenz; das unnachgiebige Kalt des Schnees wich federnden Holz und da selbst das schwache Licht der Sterne verschwunden war, meinte ich, dass wir uns nun unter einem Blätterdach befanden.

Als sich etwas Spitzes in meinen ungeschützten Hals bohrte, revidierte ich meine Vermutung sofort.

Korrektur; Tannennadeln.

„Weißt du, wo wir hinmüssen?", fragte ich Bruce, während ich verzweifelt versuchte, nicht an Bucky zu denken und daran, dass ich ihn nach kaum einer Stunde wieder verloren hatte.

„Immer gerade aus, denke ich. So hat es zumindest Barnes beschrieben."

„Mir ist eiskalt", erwiderte ich zickig, während ich zum hundertsten Mal an diesem Tag begann, das Gefühl in meinen Fingern zu verlieren.

„Gleich sind wir aus dem Wald raus." Bruces Stimme klang plötzlich so fern, und ich wollte schon in Panik verfallen; einen zweiten Schwächeanfall konnte ich mir nicht leisten.

Eine wohlbekannte Stimme hallte jedoch plötzlich in meinen Kopf wieder und schien alle anderen Geräusche vollkommen auszublenden.

Orla! Was in aller Welt machst du? Ich kriege irritierende kognitive Wellen auf mein geistiges Radar."

Wanda?

Wer sonst? Mit wie vielen anderen Telepathen pflegst du noch regelmäßigen Kontakt?"

Oh, mein Gott, bin ich froh, dich zu hören. Hör zu, Bruce und ich sind mitten in einem dunklen Wald auf der Flucht und ich glaube, wir haben uns verlaufen. Ihr müsst uns hier rausholen!

Hast du Glück, dass wir schon fast bei euch sind."

Ehrlich?

Ja. Sharon hat die Akte besorgt und wir haben das Flugzeug genommen, das Clint unter seinem Schuppen versteckt hat."

Wir sind in dem Wald, ein paar Kilometer von der Station entfernt. Wenn ihr Wärmebildkameras habt, dann solltet ihr uns sehen können. Vorausgesetzt wir sind bis dahin noch nicht abgefroren.

Moment. Ich gebe es an Steve weiter."

Eine kurze Pause folgte und ich stolperte über mindestens drei Wurzeln, die sich plötzlich vor mir aufgetan hatten.

Okay. Wir sollten in wenigen Minuten bei dem Wald sein. Bitte sterbt bis dahin nicht."

Ich werde es versuchen, entgegnete ich säuerlich.

Die Verbindung wurde unterbrochen, zumindest hatte ich plötzlich das Gefühl, wieder alleine in meinem Kopf zu sein, und ich beeilte mich, das soeben vernommene an Bruce weiterzugeben, der nach wie vor vollkommen unwissend war.

„Wir können stehen bleiben, glaube ich", brachte ich schließlich mühsam hervor. Dieses ständige Gerenne würde noch meinen Tod bedeuten.

„Wie lange, schätzt du, brauchen sie bis hierher?", fragte Bruce irgendwann, als wir einzig und alleine unseren eigenen Atem gelauscht hatten. Das Geräusch erschien schrecklich laut in der vollkommenen Stille des Waldes.

„Keine Ahnung. Sie sollten bald hier sein."

Und dann würde ich Steve sagen, wo Bucky zu finden war. Ich wusste, dass er keine Sekunde zögern würde, in die HYDRA-Einrichtung einzumarschieren und Bucky höchstpersönlich aus den Klauen dieser Monster zu befreien.

Wenn Wanda es geschafft hatte, ein gesamtes Hochhaus zum Einsturz zu bringen, dann würden ein paar läppische Labore doch ebenfalls keine Schwierigkeiten für sie darstellen.

„Hast du das gehört?", fragte Bruce plötzlich und ich hob den Kopf.

Ein paar hundert Metern von uns entfernt erschallte das Geräusch eines Motors, erst leise, aber je länger wir in der Stille verharrten, desto lauter und penetranter wurde der Lärm.

Das Licht eines Scheinwerfer zuckte über uns hinweg, und malte gespenstische Schatten auf die dünnen Baumstämme, die aus dem Schnee ragten.

Erst mit dem plötzlich Lichteinfall bemerkte ich die Lichtung, die nur durch ein paar Meter Unterholz von uns getrennt war.

Das kleine Flugzeug landete elegant auf der schneebedeckten Fläche und Bruce und ich beeilten uns, durch das nasse und schmutzige Dickicht auf den Landeplatz durchzubrechen.

Die schmale Tür öffnete sich; ein vertrauter Rotschopf brach heraus und sprang elegant auf den Boden der Lichtung.

Bruce verharrte sofort bewegungslos auf der Stelle und starrte sie an.

„Hallo, verehrte Freunde", entgegnete Natasha ironisch. „Ihr habt ein Taxi bestellt?"

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