TWENTY-FIVE

and therefore is winged
cupid painted blind.
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Die Wälder, die Clints Farmhaus umgaben, waren so grün, dass ich das grelle Weiß, das in den vergangenen Stunden meine Netzhaut vorrangig bestimmt hatte, beinahe schon zurücksehnte.

Das Haus selbst war jedoch äußerst reizend; jetzt, da ich es mit eigenen Augen gesehen hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie Scott sich so darüber aufregen konnte.

Es war im Südstaaten-Stil gehalten, auch wenn die cremige Farbe und die dunkelgrünen Säulen einen angenehmen Kontrast zu den üblichen Kolonialhäusern darstellten.

Nutztier sah ich auf den ersten Blick eigentlich ebenfalls nicht, weshalb der Eindruck einer tatsächlichen Farm mit jeder Sekunde mehr getrübt wurde.

Clint manövrierte das Kampfflugzeug in das Innere eines großen Schuppen, während ich mich vom Fenster löste und die auf der Sitzbank zusammengerollte Wanda weckte.

Sie schlug nach mir, als ich sie vorsichtig an der Schulter berührte und ich warf Steve einen hilfesuchenden Blick zu, der jedoch bereits ungeduldig an der Tür verharrte.

Keiner von uns wusste, wie es jetzt weitergehen sollte.

Bucky war verschwunden, ebenso wie HYDRA und so waren wir eigentlich in derselben Position wie all die Monate davor. Es war, als befänden wir uns in einer Endlosschleife.

Wanda setzte sich indes schlaftrunken auf, als ich sie wiederholt an Kopf angestupst hatte und verkündete: „Ich hab Hunger."

„Ich bin sicher, Laura hat etwas gekocht", antwortete Clint, der die Motoren ausschaltete und sich nun ebenfalls aus dem Cockpit löste.

Natasha, die Bruce keines Blickes gewürdigt hatte, stand vor der Gangway und öffnete die Tür mit einem Knopfdruck.

Wanda und ich waren unter den letzten, die das Flugzeug verließen und ich hakte mich bei ihr ein, kaum, dass wir aus dem Schuppen herausgetreten waren.

Es war Winter, und dementsprechend eisig war die Luft. Seltsam, dass die Landschaft trotzdem in einem solch satten Grün erstrahlte.

Ein breiter, grasbewachsener Platz erstreckte sich vor dem Farmhaus, auf dem die Reifenspuren irgendwelcher Traktoren zu sehen waren.

Insgesamt hatte die Landschaft etwas herbes Idyllisches an sich und ich konnte nicht anders, als aufzuseufzen.

„Sei nicht traurig, Orla", erwiderte Wanda, während sie mich langsam die Stufen hinauf führte. „Wir bekommen das schon hin mit Barnes."

Ich schenkte ihr ein mattes Lächeln und hoffte inständig, dass sich ihre Worte bewahrheiten würden.

Wir betraten zuerst die Veranda, und dann das geheizte Innere des Hauses. Die Farm war sehr rustikal ausgestattet, aber ich fühlte mich sofort wohl.

An den Wänden hingen Zeichnungen von Kindern, die kaum über sechs sein konnten, und jede Menge Hinweise auf die primäre Beschäftigung ihres Vaters.

Dartscheiben, kunstvolle Köcher, handgeschnitzte Pfeile und sogar ein matt schimmernder Bogen, über dem Eingang zur Küche.

Ich war so von der Innendekoration des Hauses in Beschlag genommen worden, dass ich überhaupt nicht bemerkte, was für eine angespannte Atmosphäre plötzlich in der Küche herrschte.

Erst, als ich in einen stocksteifen Cap stolperte und irritiert an ihm vorbei auf den Küchentisch sah, wurde mir bewusst, was die plötzliche Unruhe angeregt hatte.

Tony Stark saß an dem Küchentisch und schien uns erwartet zu haben.

Eine hübsche Frau in ihren frühen Vierzigern, vermutlich Laura, von der Clint vorhin gesprochen hatte, stand neben ihm und schenkte ihm ein Glas einer bräunlichen Flüssigkeit ein, die auf mich nicht besonders vertrauenserweckend wirkte.

Neben Tony saß der rot-silberne Typ, der auch schon in DC dabei gewesen war und weiter hinten im Raum erkannte ich zwei weitere Mitglieder aus seinem Team; ein Teenager, kaum älter als sechzehn, der mit zwei kleinen Kindern auf dem Sofa spielte und ein an den Rollstuhl gefesselter Mann Mitte vierzig, der den Teenager irritiert beobachtete.

Erst jetzt fiel mir auf, dass hinter Laura an der Theke sowohl Scott als auch Sam lehnten. Ersterer grinste mich an, als er mich hinter Steve erkannte und ich hob grüßend die Hand.

Der gesamte Raum war gesteckt voll mit Superhelden und die Stimmung war kurz davor, in eine absolute Katastrophe umzukippen.

Steve starrte Tony Stark an, der ihn wiederum eisig musterte, Wandas Augen waren riesig und auf den Humanoiden fixiert, der sie ebenfalls betrachtete.

Ich erwartete, dass Steve über den Tisch fliegen würde um Tony an die Wand zu drücken, aber ich hatte nicht mit Laura Bartons Diplomatiefähigkeit gerechnet.

„Setzt euch!", befahl sie streng. „Ihr alle."

Wanda, Natasha, Clint, Sam, Scott, der Teenager und ich folgten ihrem Befehl sofort, jeder nahm wahllos einen Stuhl ein, während Cap und Stark sich nach wie vor eiskalt musterten.

Laura stellte jeweils ein riesiges Glas vor uns ab und begann dann diese mit der gruseligen Wurzellimonade zu befüllen.

„Steve und Tony", sagte sie liebenswürdig, aber mit einem gefährlichen Unterton in der Stimme. „Ihr seid Gäste unter meinem Dach und hier wird jeder Streit ausdiskutiert, hab ich recht, Schatz?" Sie wandte sich an Clint, der neben mir Platz genommen habe.

„Ja, Schatz", erwiderte er gequält. Wahrscheinlich machte er sich bereits jetzt Sorgen um seine Innendeko.

Laura entfernte einen Stuhl, damit auch der Rollstuhlfahrer in Tonys Team Platz nehmen konnte, während Steve und Tony sich ganz langsam und ziemlich argwöhnisch auf ihre Plätze sinken ließen.

Die Spannung hatte sich, wenn möglich noch einmal verstärkt.

Ich versuchte, niemandens Blick zu kreuzen, wahrscheinlich fragte sich Team Iron Man ohnehin gerade, wer ich war und was ich hier sollte und so nahm ich verlegen einen Schluck von der Limonade.

Am liebsten hätte ich sie sofort wieder ausgespuckt, denn der bitterste, herbste Geschmack legte sich plötzlich auf meine Zunge und ließ mich einen Augenblick alles vergessen, was vonstatten gegangen war.

Wanda neben mir ging es nicht anders, denn sie würgte leise und stellte das Glas dann so weit wie möglich aus ihrer Reichweite.

Mich überraschte jedoch der Teenager aus Starks Team. Er trank das Glas in einem Zug aus, leckte sich genießerisch die Lippen und Laura war sofort zu Stelle, um ihm das Glas aufzufüllen.

Indes richtete sich das Augenmerk jedoch auf Tony, der das Gespräch begonnen hatte.

Er wandte sich dabei primär an Steve, was mich nicht überraschte, angesichts der Dinge, die zwischen ihnen vorgefallen waren.

„Mein Team und ich haben entschieden, dass wir euch auf neutralem Boden gegenübertreten wollen, damit wir eure Kapitulation ausdiskutieren können."

„Neutraler Boden?" Steve schnaubte verächtlich. „Das hier ist Clints Zuhause, ich bezweifle stark, dass die Farm hier für irgendjemanden als 'neutral' durchgeht."

„Und außerdem werden wir nicht kapitulieren", warf Clint ein, der seine Limonade bereits zur Hälfte ausgetrunken hatte.

„Genau", fügte Sam hinzu. „Wir sind weit davon entfernt aufzugeben."

Wanda und ich wechselten einen schnellen Blick. Das verlief ja großartig.

„Was Stark eigentlich meint", warf der Teenager ein, der sich bis dato eigentlich ruhig verhalten hatte, „ist, dass wir euch ein Friedensangebot zukommen lassen wollen."

Ich sah Wanda verwirrt an. „Sein Name ist Peter Parker", flüsterte sie mir ins Ohr. „Er ist Team Iron Man."

Steve lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Und was für einen Grund haben wir, euch zu vertrauen? Das könnte doch lediglich ein Trick sein, um uns einzusperren."

„Ist es nicht", sagte der Humanoid, Vision, wie Wanda mir schnell ins Ohr flüsterte. „Wir sind des Kämpfens müde, genau wie ihr. Obwohl Stark es vielleicht nicht zugeben will, sind wir ohne euch nur die Hälfte des Teams, das wir sein sollten und – wir brauchen euch."

„Selbst wenn das so ist, unsere Meinungen werden sich niemals überschneiden, was diese UNO-Sache betrifft." Sam hatte wieder gesprochen. „Wir werden also ewig innerlich zerrissen sein."

Nicht zu vergessen die Sache mit Tonys Eltern. Ich bezweifelte, dass der stolze Iron Man jemals bereit sein würde, dem Mörder seiner Eltern zu verzeihen und ihn sogar in seine Reihen aufzunehmen.

Tony verzog das Gesicht. „Ja, die Sache mit der UNO. Vielleicht wäre es besser, diesen Umstand erst einmal ruhen zu lassen, während wir uns an die Dinge wenden, die im Augenblick unsere Aufmerksamkeit weitaus mehr verdienen."

„Die wäre?", fragte Steve kühl.

„HYDRA. Und Barnes."

Ich biss mir auf die Lippen. Natürlich würde Bucky in die Diskussion mit einbezogen werden. Ich machte mir wahrlich große Sorgen, dass Tony über seiner Rachsucht hinweg seine Menschlichkeit vergaß.

„Wir sind die Avengers und wir sollten HYDRA Einhalt gebieten, solange es wir noch können. Der Winter Soldier tyrannisiert unsere Welt und wir tun nichts dagegen." Tony blickte Steve mit eisiger Berechnung an und langsam bekam ich das Gefühl, dass es sich lediglich um ein Streitgespräch zwischen ihnen beiden handelte, in dem wir nicht mehr waren, als Zaungäste.

„Und wie willst du das anstellen? Wir wissen nicht, wo HYDRA sich versteckt, wer alles dazu gehört, was sie als nächstes vorhaben. Das ist nun einmal das Problem einer geheimen Untergrundorganisation."

Tony musterte Steve abschätzig. „Ich war dieses gesamte Jahr über nicht untätig, wenn du das meinst. Vision, Rhodes und ich haben einiges über HYDRA herausgefunden. Unter anderem auch, dass sie die UNO sehr viel weiter infiltriert haben, als wir ursprünglich dachten."

Etwas wie Triumph huschte über Steves Gesicht. „Also gibst du zu, dass wir recht hatten? Dass unsere Souveränität immer bei uns zu liegen hat, denn obwohl wir nicht perfekt sind, wir immer noch ein gewisses Gefühl von moralischer Sicherheit vermitteln?"

Tony schwieg eisig und ein paar Augenblicke dachte ich, er würde nicht antworten. Dann: „Ja."

Überraschte Blicke wurden im Raum getauscht. War der Konflikt nun aus der Welt geschafft? Würden Steve und Tony nun eine Ära einleiten, in der die Avengers nicht mehr innerlich zerrissen waren?

War es wirklich so einfach?

Selbst Steve wirkte milde überrascht. „Du schlägst dich also auf unsere Seite?"

Tony tauschte einen Blick mit Vision und Rhodes zu seinen Seiten. „Ich habe in meinem Leben schon so viel Schuld angehäuft." Sein Blick flackerte zu Wanda herüber, die ihre Arme ablehnend vor der Brust verschränkt hatte. „Ich dachte, wenn wir uns in Verantwortung anderer geben, würde meine Schuld damit ein wenig getilgt werden, oder zumindest müsste ich keine neue auf meine Schultern laden. Aber anscheinend habe ich mich geirrt. Die einzige Möglichkeit, wie ich diese schwere Schuld von mir weisen kann, ist, wenn ich selbst endlich Verantwortung für meine Taten übernehme. Und ich schätze, das tue ich jetzt."

Auf seine Worte folgte Schweigen. Kein unangenehmes oder wütendes, sondern lediglich die kurze Zeit, die jeder von uns brauchte, um das eben Vernommene zu verarbeiten.

Zu meiner Überraschung war Wanda die erste, die das Wort ergriff. „Du weißt, ich bin kein sonderlich großer Fan von dir, Stark, aber ich glaube wirklich und ehrlich, dass du mit diesem Friedensangebot einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung getan hast."

Tony neigte den Kopf, während Scott und Sam ähnliche Laute der Zustimmung gaben. Bruce nickte lediglich bedächtig, während Natasha zustimmend lächelte.

„Ich würde gerne mit Stark alleine reden", sagte Steve plötzlich und Laura machte sich sofort daran, uns aus den Stühlen zu scheuchen.

„Geht vor die Tür. Feuerholz hacken", entschied sie sofort, während Tasha und sie uns mit geübter Präzision aus dem Wohnzimmer lotsten.

Wir mussten schon ein ziemlich witziger Anblick sein.

Ein Dutzend Superhelden, die wie gehorsame Schäfchen aus dem Haus in den Garten getrieben wurden. Laura schloss die Tür hinter Stark und Steve, die sich bis zu diesem Augenblick lediglich angestarrt hatten.

Ich fand mich zwischen Scott und Sam wieder, die gerade eine leise Konversation darüber führten, was die beiden wohl zu bereden hatten.

Eigentlich lag es auf der Hand; Bucky Barnes.

Steve würde ihn niemals aufgeben, und Tony wurde seine Rache niemals vergessen. Und wenn die beiden nicht in diesen Belangen keine Einigkeit erzielten, dann war alles andere umsonst.

„Na, Scott, was macht dein unveröffentlichtes Hauptwerk?" Ich schlug ihm grinsend auf die Schulter, um mich von meinen düsteren Gedanken abzulenken.

Er verzog das Gesicht. „Es macht sich großartig." Rasch zog er ein Notizbuch aus seiner Jackentasche. „Den Zwischenfall in der Küche muss ich unbedingt aufschreiben."

Während er sich auf der Veranda auf eine der Stufen sinken ließ, wanderte mein Blick zu zwei Gestalten unter einer blattlosen Linde. Wanda und Vision.

Sie standen mit einem Sicherheitsabstand von mehreren Metern auseinander; ein wenig wie Bucky und ich eigentlich, bevor wir so richtig wussten, was der jeweilig andere empfand.

Vision sprach leise und Wanda nickte. Sogar ein schmales Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

Der Teenager, der laut Wanda Peter hieß, gestellte sich zu mir. „Er spricht andauernd nur von ihr. Wird Zeit, dass als endlich zusammen kommen und uns mit ihrem Drama verschonen."

Ich grinste. „Ich wusste nichts von Vision. Wahrscheinlich zeigt Wanda ihre Gefühle nicht so offenkundig."

Peter hielt mir seine Hand hin. „Ich bin Peter Parker und du musst Orla sein, oder?"

Ich nickte und ergriff seine Hand. „Freut mich, dich kennenzulernen."

Wir beobachteten Sam, Bruce und Natasha dabei, wie sie sich gegenseitig Holzscheite zuwarfen, während wir darauf warteten, dass dort drinnen hinter den Mauern dieses reizenden Farmhauses eine Entscheidung getroffen wurde.

Eine Entscheidung, die nicht nur über Buckys Leben bestimmte, sondern eigentlich über unser aller.

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