TWENTY
❝ but for those who
love, time is eternal ❞
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Zeit verging langsamer, wenn man wartete.
Auf was genau wir ausharrten, war uns beiden nicht bewusst, aber wir vermuteten, dass es sich schon bald ankündigen würde.
Wann immer die Luke über uns geöffnet wurde, und ein Tablett mit Essen auf den Boden schepperte, schreckte ich aus dem Halbschlaf.
Das musste es sein, dachte ich mir jedes Mal. Endlich würde etwas geschehen.
Und so verging eine halbe Ewigkeit. Wir warteten auf etwas, das einfach nicht zu kommen schien.
Steve musste inzwischen längst bemerkt haben, dass ich nicht mehr in DC war. Wenn sein täglicher Kontrollanruf ins Leere ging, und vielleicht obendrein von einer Sichtung des Winter Soldiers in DC gesprochen werden würde, dann würde er sich zusammenreimen können, was geschehen war.
Ich fragte mich, wie er nun weiter vorgehen würde.
Würde er versuchen, mich zu finden? Würde er jemanden schicken, der meine Spur verfolgen sollte? Oder würde es ihn überhaupt nicht interessieren, so nach dem Motto; Orla ist zwar verschwunden, aber dafür haben wir Natasha.
Wer konnte das schon sagen?
Irgendwann begannen Bruce und ich über Tony Stark zu sprechen, und seinen ewigen Kampf, den Winter Soldier hinter Gitter zu verfrachten.
„Er war schon immer äußerst fixiert auf seine Ziele", sinnierte Bruce. „Es wundert mich nicht, dass er Steve und den Winter Soldier mit demselben Engagement verfolgt, wie zuvor unsere gemeinsamen Feinde."
„Ich finde, er sollte sich langsam wieder einkriegen."
Wenn Stark nicht so unglaublich verbohrt wäre in die Tatsache, dass Steve der Verursacher jeglichen menschlichen Übels war, dann wären wir vielleicht nicht in dieser Position.
Steve müsste sich nicht mit seinem Team irgendwo in der Pampa verstecken, während die Avengers gemeinsam auf eine Lösung für Buckys Gedankenkontrolle hinarbeiten könnten.
Sobald er frei von solchen Maßnahmen war, würde er sich sicherlich als mächtiger Verbündeter herausstellen.
Stark sollte wirklich anfangen, in HYDRA den Feind zu sehen – und nicht in Bucky.
„Tony ist... kompliziert. Er ist daran gewohnt, dass er alles bekommt, was er möchte, und auch wenn das jetzt beim Winter Soldier ein schwierigerer Fall zu sein scheint, verbeißt er sich in den Wunsch, den Mörder seiner Eltern auf einem Silbertablett serviert zu bekommen." Bruce seufzte und ich spürte, wie er sich an einem Vorsprung in der Mauer ein wenig nach oben zog.
Während ich die gesamte Zeit über auf dem Rücken lag, versuchte Bruce wenigstens hin und wieder, sich in eine aufrechte Position zu bringen.
„Er klingt wie ein verzogenes Kind."
Bruce lachte. „Glaub mir, das ist er. Aber solange er noch Begriffe wie Teamwork in Ehren gehalten hat, war dieser Umstand auch eigentlich kein Problem."
Eine Weile schwiegen wir. Ich versuchte, nicht an Bucky zu denken, der wahrscheinlich gerade irgendwo auf der Welt unterwegs war und Schrecken verbreitete, während er HYDRAs Ziele zu erfüllen suchte.
Der Gedanke daran, dass Bucky HYDRA tatsächlich so unterworfen war, wie ich es mir nie zu träumen gewagt hatte, war in den letzten Tagen mein ständiger Begleiter gewesen. Ständig musste ich daran denken, wie leer sein Blick gewesen war, als er zu mir gesprochen hatte; und obwohl er mich nicht vergessen hatte, schien er sich auch nicht wirklich an mich zu erinnern.
Und er hatte mich ohne zu zögern ausgeliefert. Ich könnte inzwischen tot sein, und es wäre ihm vollkommen egal.
Dieser Umstand machte mich so unglaublich wütend. Ich war wütend auf Stark, der nicht verstand, wer der wirkliche Feind war; auf Bucky, weil er trotz meiner ständigen Versuche, ihm vor Augen zu führen, dass er gut war, nicht hören wollte, und sogar wütend auf mich selbst, weil es mir einfach nicht gelang, irgendwie aus dieser prekären Situation zu entfliehen.
Bruce und ich schliefen in Schichten. Wir hatten entschieden, dass immer jemand wach sein sollte, für den Fall, das etwas geschah und in den paar Stunden, die sich unsere Wachphasen überschnitten, in denen sprachen wir.
Inzwischen hatte ihn einiges über ihn gelernt; er war nach der Avengers-Intervention in Sokovia vor seinem Team geflohen; die Tatsache, dass er seine Wut nicht kontrollieren konnte und den damit verbundenen unzerstörbaren Körper, machte ihm so schwer zu schaffen, dass er entschied fortan seinen Weg alleine zu gehen.
Er war in Schweden untergetaucht und hatte an einer Universität in Stockholm versucht eine Lösung für sein Wutproblem zu finden; eine Art der Medizin, der Gedankenkontrolle, die es ihm ermöglichen würde, während seiner Verwandlung in den Hulk nicht die Fassung zu verlieren.
Am Anfang war er wahnsinnig vorsichtig vorgegangen; er war bloß am Wochenende und nachts in das Labor gegangen, damit ihn niemand erkennen würde, aber mit der Zeit, als er seine Deckung immer weiter erleichtert hatte, und nichts geschehen war, beging er den Fehler ein wenig zu freizügig zu sein mit seiner Privatsphäre. Das Foto in der Wissenschaftszeitung, das Natasha auf den Plan gerufen hatte, war nun der direkte Auslöser dafür, dass er in einer Zelle von HYDRA vor sich hin rottete.
Der Winter Soldier war Natasha in den Norden von Europa gefolgt und obwohl es ihm nicht möglich gewesen war, Black Widow auszulöschen, hatte er immerhin Bruce in seine Gewalt gebracht.
„Ich gehe schlafen", entschied ich schließlich und Bruce gab einen zustimmenden Laut von sich.
„Gute Nacht, Orla."
„Nacht", murmelte ich noch und drehte mich auf die Seite, bevor ich mich so eng wie möglich zusammenrollte.
Es war ohnehin so verteufelt kalt in dieser Zelle, ein wahres Wunder, dass ich mir nicht schon eine Lungenentzündung zugezogen hatte.
Während meine Augenlider immer schwerer wurden und ich langsam, aber sicher in die Schwärze meines Schlafes absank, bemerkte ich, das etwas anders war, als sonst.
Ich schlief; zumindest glaubte ich das, und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass jemand auf mich einzureden schien.
„Orla!"
Was in aller Welt?
Ich war nicht gewohnt, ein Bewusstsein zu entwickeln, wenn ich träumte, vor allem nicht eines, das scheinbar zu mir sprach.
„Himmel, Orla, jetzt öffne doch mal deinen Geist!"
Okay, langsam wurde es wirklich gruselig. Warum klang die Stimme meines Unterbewusstseins haargenau wie eine äußerst genervte Wanda Maximoff?
„Weil ich in deinem Kopf bin, du Leuchte."
Wie bitte?
„Ja, Telepathie und so. Schon vergessen?"
Wanda! Wie kommst du in meinen Kopf? Zwischen uns müssen tausend Kilometer liegen.
„Das kannst du laut sagen. Steve ist verrückt vor Sorge. Scott musste ihn davon abhalten in einer Nacht- und Nebelaktion nach DC aufzubrechen um jeden einzelnen Stein auf der Suche nach dir umzudrehen."
Oh. Naja. Du kannst ihm ausrichten, dass er mich dort nicht so bald finden wird.
„Stell dir vor, Orla, das hab ich mir auch schon gedacht."
Hey, schraub' mal deinen Sarkasmus ein wenig hinunter. Ist nicht meine Schuld, dass der Winter Soldier denkt, er muss mich zu HYDRA bringen.
„Also doch Barnes." Ich bildete mir ein, so etwas wie ein Schnauben zu hören.
Ist Natasha bei euch?
„Ja. Sie ist vor zwei Tagen angekommen. Hat uns davon erzählt, dass der Winter Soldier sie verfolgt, aber sie ist anscheinend nicht auf die Idee gekommen, dass sie ihn bereits zu seinem Ziel geführt hat."
Großartig. Richte ihr aus, dass ich mit Bruce in einer Zelle stecke.
„Banner?" Wanda kicherte. „Er hasst mich." Sie schien auf diese Errungenschaft ein wenig zu stolz zu sein.
Ja. Banner. Sag mal, kannst du rausfinden, wo wir sind? Ich habe nämlich nicht den leisesten Schimmer, und außerdem habe ich das Gefühl, dass HYDRA bald mit irgendwelchen Instrumenten ankommt, mit denen sie Bruce gefügig machen wollen.
Wanda klang sorgenvoll. „Ich weiß nicht, wo du bist. Ich habe deinen Geist gesucht, als Steve kurz davor war, durchzuknallen und glücklicherweise habe ich dich in einem Zustand erwischt, der es mir leichter macht, in deinen Verstand einzudringen."
Und du weißt nicht, wo genau das ist?
„Ich kann es versuchen." Wanda überlegte. „Kannst du mir vielleicht ein paar Anhaltspunkte geben?"
Es ist kalt, feucht und ziemlich steinig hier. Ich würde auf einen Berg tippen, oder ein Höhlensystem.
„Vielleicht beides."
Bruce sagt, als sie ihn hierher gebracht haben, hat es sich angefühlt, als befände er sich auf einem Boot. Vielleicht in der Nähe eines Meeres, oder einer Sees?
„Berge in der Nähe eines Meeres. Also in Geografie habe ich nie aufgepasst."
Frag mal Steve. Oder Scott. Naja, Scott vielleicht nicht, ich bin sicher, er hat ebenfalls keine Ahnung von Geografie.
„Scott ist in letzter Zeit übrigens nicht ohne ein Notizbuch anzutreffen, in das er ständig hineinkritzelt, wenn jemand etwas sagt. Es ist seltsam."
Ich musste lachen.
Oh, er nimmt sich meinen Rat also wirklich zu Herzen.
Wanda schwieg kurz, dann meldete sich sich abrupt zurück: „Steve sagt, er glaubt, ihr seid irgendwo in Norwegen."
Norwegen... Könnte sein.
„HYDRA hatte dort vor dem Zweiten Weltkrieg einen Außenposten, irgendwo tief in den Bergen. Dort ist es so kalt, dass nicht einmal Patrouilleflugzeuge vom norwegischen Militär darüber fliegen."
Weiß Steve noch, wo genau sich dieser Außenposten befindet?
Ein kurzes Schweigen trat ein, in dem sie wahrscheinlich meine Frage an den Captain weitergab. „Er sagt, er könnte es herausfinden, indem er in die Militärsakten des Staaten einblickt."
Was ein wenig schwer ist, wenn man bedenkt, dass ihr euch auf einer Bio-Farm versteckt.
„Jetzt fängst du auch schon mit dieser Bio-Farm an. Hat Scott dir den Floh ins Ohr gesetzt? Ich glaube, ich habe noch keine Kuh gesehen, in den elf Monaten, in denen wir uns hier verstecken. Vielleicht ein paar Hühner. Die gewiss nicht Bio waren."
Scott übertreibt gerne.
„Steve sagt, Tasha könnte nach Washington reisen, und die Akten stehlen, oder wir fragen Sharon." Der Unterton in ihrer Stimme ließ verlauten, dass sie Sharon am liebsten nicht fragen würde.
Wer ist Sharon?
„Ehemalige SHIELD-Agentin. Ich glaube, Steve steht auf sie. Und sie definitiv auf ihn. Sam schwört, dass er gesehen hat, wie die beiden sich geküsst haben. So Zunge in Hals und so."
Zu. Viel. Information.
„Entschuldige. Wusstest du, dass Clint keinen Fernsehanschluss hat? Fast ein gesamtes Jahr ohne Reality-TV! Kim Kardashian könnte schwanger sein, und ich wüsste es nicht!"
Ich werde von HYDRA gegen meinen Willen in irgendeinem unterirdischen, grusligen, norwegischen Gefängnis festgehalten und du machst dir Sorgen um Kim K.s Schwangerbauch. Danke, Wanda, wirklich. Du gibst mir immer das Gefühl, ich sei dir wirklich wichtig.
Sie lachte boshaft. Wieder trat kurzes Schweigen ein. „Steve ruft gerade Sharon an. Ich glaube, ich kotz' gleich."
Obwohl ich tausende Kilometer von ihr entfernt auf irgendeinem steinigen Boden lag, konnte ich nicht anders, als vollkommen neugierig zu sein.
Erzähl! Was sagt er? Stellt er sich ungeschickt an? Natürlich stellt er sich ungeschickt an. Ach, Steve.
„Er ist aus dem Raum gegangen, als sie abgehoben hat. Stell dir das vor."
Ich musste grinsen. Es hatte tatsächlich mal eine Zeit gegeben, in der ich nicht so Recht gewusst hatte, was ich für Steve empfand. Aber in den langen Monaten, in denen ich ihn besser kennengelernt hatte – und meine Gedanken eigentlich nonstop um Bucky Barnes gekreist waren –, wurde mir bewusst, dass er für mir wirklich nur einen exzellenten, wunderbaren Freund darstellte.
„Sharon hat natürlich eingewilligt." Wanda seufzte. „Es kann also nicht lange dauern, und wir stürmen dieses Gefängnis. Hoffen wir nur, dass wir das Richtige erwischen."
Ja, und bitte beeilt euch ein wenig. Ich weiß nicht, wie lange sie uns einfach nur Gefangene sein lassen.
„Ah, du meinst, bevor sie euch auf einen Folterstuhl fesseln und Experimente an euch vollführen."
Wanda Maximoff, ich hasse dich.
„Ich dich auch, Orla", entgegnete sie liebenswürdig. „Ich werde mein Team zur Eile antreiben, das versichere ich dir. Und jetzt schlaf schön."
Bevor ich mich von ihr verabschieden konnte, war ihre Präsenz aus meinem Geist verschwunden und ich spürte, wie mein Verstand es mir nun endgültig erlaubte, langsam wegzudämmern.
Mein letzter Gedanke galt der Hoffnung, dass sich mit Steves Einschreiten alles zum Guten wenden würde.
Er würde Bucky helfen können, da war ich mir fast vollkommen sicher.
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Ab heute gibt es jeden Tag ein Update, weil ich Daybreak heute morgen tatsächlich beendet habe und keine Pufferzone von 17 Kapiteln mehr brauche ;)
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