THIRTY

down in the forest
we'll sing a chorus
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Steve wurde eine Pistole an den Kopf gehalten, und während Bucky zwar noch bewaffnet war, erkannte ich sofort, was der HYDRA-Funktionär mit dieser Geste bewirken wollte.

Obwohl Peter mich unter größtem Lärm auf dem Stockwerk abgeworfen hatte und sich dann weiter seines Weges gehangelt hatte, nahm keiner der Männer Notiz von mir – weder Bucky und Steve, noch die zahlreichen HYDRA-Soldaten.

„Lass die Waffen fallen, Soldat", scharrte der Funktionär in Buckys Richtung, während ich hastig hinter einer Ecke abtauchte.

„Bucky, nein", erwiderte Steve mit kühler Bestimmung in seiner Stimme. „Wenn du das tust, dann nehmen sie sich zum hundertsten Mal gefangen, versuchen zum tausendsten Mal dir ihren Willen aufzuzwingen und brechen dich zum zehntausendsten Mal."

Aber Bucky schien gar nicht daran zu denken, seinen besten Freund auszuliefern. „Stevie, du warst schon immer mehr wert als ich. Das hier ist nur gerecht."

Er war dabei, seine beiden Waffen sinken zu lassen, aber Steve weigerte sich vehement, Bucky auch nur eine Sekunde aufgeben zu sehen.

„James Buchanan Barnes", zischte er. „Du sollst es nicht wert sein? Hast du Orla vergessen? Das Mädchen ist buchstäblich durch die Hölle und wieder zurückgegangen, um dich immer und immer wieder von HYDRA zu befreien. Willst du ihr so danken?"

Die umstehenden HYDRA-Soldaten wurden langsam etwas ungeduldig. Ich sah, wie derjenige, der Steve die Pistole an den Kopf hielt, mit den Füßen auf dem Boden scharrte.

„Ich zähle bis zehn", sagte er kühl. „Und wenn du dich dann nicht ergeben hast, Soldat, dann war dies das Ende des großartigen Captain America."

Hastig löste ich die Sicherung aus meiner Pistole und lehnte mich so weit über den Mauervorsprung, als dass ich die Waffe darauf platzieren konnte.

„Eins, zwei, drei."

Dann schloss ich ein Auge und versuchte das Ziel der Kugel zu ermitteln – noch ein wenig höher, dann noch ein wenig weiter nach links.

„Vier, fünf, sechs."

Die Stimme des HYDRA-Funktionär schien an Dringlichkeit zu gewinnen, und ich sah, wie Bucky langsam die Hände sinken ließ, in denen sich seine zwei Pistolen befanden.

„Sieben, acht."

Ja, jetzt sollte es stimmen. Die Pistole lag auf der richtigen Höhe und würde den Funktionär direkt in den Rücken treffen.

Ich atmete tief ein und aus.

Mein Finger am Abzug schwitzte, und ich rutschte kurz ab, fand mich jedoch in die Ausgangsposition zurück.

„Neun, z–"

Dann drückte ich ab.

Plötzlich geschahen mehrere Dinge gleichzeitig. Ein Schuss erhallte, ich würde ein wenig zurückgeworfen, Steve reagierte sofort, indem er den drei schwer bewaffneten Soldaten seinen Schild über den Schädel zog, während Bucky jeden einzelnen von denjenigen, die ihn noch vor einer Sekunde in Schach gehalten hatten, mit einem einzigen Schuss außer Gefecht setzte.

Bald war die Etage leer – nur Bucky und Steve standen noch inmitten einer Landschaft aus sich schwach regenden Körpern und blutbefleckten Uniformen.

„Hast du geschossen?", fragte Steve irritiert, während er mit leerem Blick auf den Leichenberg unter seinen Schuhen blickte.

Bucky hob den Kopf. „Nein, ich dachte du hättest!"

„Wie denn, wenn ich gar keine Pistole habe, Holzkopf."

Bevor die beiden anfangen konnten, sich über den Ursprung eines Schusses zu streiten, den keiner von ihnen gefeuert hatte, erhob ich mich unter der Mauer hervor.

„Ich hab geschossen."

Beide wirbelten sofort zu mir herum, auf Steves Gesicht blankes Unglauben, während Bucky lediglich starrte.

„Orla?!", fragten beiden dennoch vollkommen irritiert und äußerst entsetzt.

Ich merkte schon, wie die beiden zu einer gebündelten Gardinenpredigt ansetzten wollten, von wegen ich sollte gar nicht hier sein, aber ich schnitt ihnen mit einer einzigen Handbewegung das Wort ab.

„Nein, keine Maßregelung. Ich hab euch – mal wieder – den Arsch gerettet und das reicht vollkommen aus als Entschuldigung des Umstands, dass ich eure Befehle ignoriert habe."

Steve wirkte zwar, als wollte er dem Ganzen noch etwas hinzufügen, aber Bucky legte ihm beschwichtigend die Hand auf die Schulter und ich bemerkte, wie ein Grinsen sich auf seine Lippen schlich.

„Kannst du dir vorstellen, dass dieses unglaubliche Mädchen meine Freundin ist, Stevie?"

Mein Herz machte einen Hüpfer. „Du bist also nicht sauer?"

„Natürlich bin ich sauer, aber ich bin auch wirklich, wirklich angeturnt." Er warf mir eines dieser Grinsen zu, das meine Knie sofort weich werden ließ.

Steve starrte entsetzt zwischen uns beiden hin und her und schlug Bucky eine Spur zu hart auf die Brust. „Erst HYDRA fertig machen, und dann erst Knutschen oder was auch immer ihr tun wollt, das in den Vierzigerjahren keinesfalls in einer solchen Breite beschrieben worden ist."

Dann schob er sich mit einem traumatisierten Gesichtsausdruck an uns vorbei und sicherte erst einmal die Ebene, während Bucky ein paar Schritte auf mich zu machte und mich so wild und leidenschaftlich auf den Mund küsste, dass mir für einen Augenblick die Luft wegblieb.

„Ich bin so sauer auf dich, Orla", murmelte er gegen meine Lippen, bevor ich sie mit einem erneuten Kuss verschloss. „Aber du hast mich gerettet, du verrücktes Ding."

Ich lachte und warf meine Arme um seinen Hals. „Ich liebe dich, Fischstäbchen, okay? Selbst wenn ich die unbegnadetste Schützin der nördlichen Hemisphäre bin."

„Och, nee, nicht schon wieder", hörte ich eine angeekelte Mädchenstimme unweit von uns entfernt.

Wanda war eine Etage zu uns herabgeschwebt, wahrscheinlich um Steve aufzusuchen, nur, um Bucky und mich aufeinanderkleben zu sehen.

Als ich mich zu ihr umdrehte, tat sie so als wolle sie sich das Treppenhaus hinab erbrechen, und ich ließ Bucky los.

Steve kam indes aus einem Seitenkorridor gerannt auf seinen Fersen mindestens ein Dutzend HYDRA-Soldaten.

Bucky deponierte mich sofort hinter einem herausgebrochenen Betonblock, bevor er, Wanda und Steve die vollkommene Annihilation der Truppen in Angriff nahmen.

Wanda kämpfen zu sehen war noch einmal ein Bonus für sich. Bei ihr wirkte es wie ein Tanz, ein Spiel, mit dem sie ihre Gegner zu Boden gehen ließ, ohne ihnen ersichtlichen Schaden zuzufügen.

Steve und Bucky hingegen waren der Inbegriff von ersichtlichen Schaden und das schien ihnen vollkommen egal zu sein.

Steve schrappte seinen Schild über jeden Körper, der ihm zu nahe kam, er warf ihn und er flog jedes Mal zu einem Mechanismus an seinem Arm zurück, sodass er sich keine Gedanken darum machte musste, wie er wieder zu ihm finden sollte.

Bucky kämpfte verbiestert – er schoss, er trat, er brach Knochen – und ich war plötzlich seltsam froh, ihn mir niemals zum Feind gemacht zu haben. Klar, die Hand um meinen Hals war auch nicht gerade die angenehmste Erfahrung gewesen, aber ich hatte überlebt. War das nicht das Wesentliche?

Schon bald schien die gesamte Ebene von HYDRA gereinigt worden zu sein, aber die Arbeit war noch längst nicht getan.

Über und unter uns tobte noch immer der Kampf zwischen den Avengers und dem Ungeziefer, das sich HYDRA nannte, und mir war bewusst, dass sich unsere Seite keinen Babysitter für mich erlauben konnte.

„Orla, bleib hier", rief Bucky mir zu, bevor er sich vollkommen ungesichert eine Etage nach unten warf.

Großartig. Was sollte ich auch anderes tun, denn offensichtlich schienen diese Treppenhäuser ohnehin nur dazu erbaut worden sein, dass sich jeder Avenger ohne Hemmungen von einer Etage in die nächste sprang.

Solange ich keinen Aufzug fand, könnte ich mich Buckys Befehl auch schwer widersetzen.

Schmollend ließ ich mich auf einen Betonblock fallen und wartete.

Wartete darauf, dass der Kampflärm erstarb, dass das Geräusch von den Schüssen und das Geschrei verblutender Männer langsam leiser wurde.

Wartete, dass irgendein Avenger sich blicken lassen würde, den ich vielleicht als Mitfahrgelegenheit missbrauchen könnte.

Wartete darauf, dass mir irgendein letzter überlebender HYDRA-Soldat vor die Linse lief.

Der nächste Avenger der auftauchte, war Tony.

Er schoss an mir vorbei, ein paar Stockwerke hinab; dort wo Bucky, Wanda und Steve ebenfalls hin verschwunden waren.

Im Flug war er etwas auf meiner Etage ab – Peter, wie ich schließlich erkannte.

Der Teenager im rotblauen Anzug humpelte noch übler als vorher – wobei er nun das andere Bein vorzog.

Er sah mich auf dem Block sitzen und schleppte sich zu mir herüber.

„Nun, das lief großartig." Ich konnte die Ironie in seiner Stimme nur allzu deutlich vernehmen und tätschelte ihm sanft den Kopf.

Er warf einen Blick auf die rauchende Pistole in meiner Hand und nickte anerkennend.

„Eines Tages werden wir auch vollwertige Avengers sein", bestimmte er und sah träumerisch in weite Ferne, während unter uns gellende Schreie ausbrachen, gefolgt von Wandas irrem Gelächter.

„Du vielleicht", erwiderte ich. „Glaub mir, meine Ambitionen liegen ganz woanders."

„Ich will Fotograf werden", sagte Peter nun. „Am besten Reporter. Aber so eine kleine Nebenbeschäftigung als Avenger wäre da auch nicht vollkommen übel. Tony ist ja auch Multimilliardär, wenn er nicht gerade in seinem Anzug steckt. Clint ist Farmer."

„Natasha Spionin", fügte ich hinzu. „Scott ist professioneller Einbrecher. Was ist Steve eigentlich?"

„Professionelles Fossil", grinste Peter.

Wir brachen beide in bösartiges Kichern aus, während wir darauf warteten, dass unsere Seite endlich so weit in HYDRAs Reihen vordringen würde, als dass wir nach Hause gehen konnten.

„Es ist echt bescheuert, wenn man nichts kann", bemerkte ich schließlich. „Mein gesamter Freundeskreis besteht aus Superhelden, mein Freund ist einer – und dann komme ich, vollkommen normal und talentfrei, eine Gefahr für die Umwelt, aber niemand vor dem Feinde zähneschlotternd fliehen werden."

Peter hob überrascht den Blick von seiner Maske, die er in den Händen gedreht hatte.

„Wie, du kannst nichts?" Er sah mich ungläubig an. „Das ganze Team hört auf dich, vertraut dir, selbst wenn du denkst, du bist keine von ihnen. Wanda betrachtet dich als ihre beste Freundin und würde dich bis in den Tod verteidigen, Scott verehrt dich, Steve ebenfalls. Von Bucky müssen wir gar nicht erst sprechen."

Ein leichtes Lächeln machte sich auf meinen Lippen breit, aber Peter war noch nicht fertig.

„Nur, weil du keine besonderen Kräfte hast, Orla, heißt das nicht, dass du nicht besonders bist. Und jedes Team braucht seinen eigenen Kleber, der es zusammenhält, vor allem die Avengers. Vielleicht wurdest du aus diesem Grund zu uns geschickt."

Nun musste ich endgültig lächeln. „Diese Idee gefällt mir, wirklich."

Als Antwort lächelte er mich nur an und genau in diesen Blick schwebte eine triumphierend grinsende Wanda an uns vorbei.

„Hallo, meine Schätzchen", flötete sie und landete elegant vor uns. „Ratet mal welche uralte, böse Gemeinorganisation gerade von Wanda Maximoff in den Boden gestampft wurde."

„Die Illuminati?", fragte Peter. „Scientology? Die Freimaurer?"

Sie streckte ihm die Zunge heraus und warf sich euphorisch um mich. „Wir haben es geschafft, Orlalein."

Ich erhob mich ächzend unter ihrem Gewicht. „Sie sind alle tot?"

„Alle!", erwiderte sie stolz. „Jeder einzelne von ihnen ist entweder tot oder so weit außer Gefecht, dass man sie sofort einkerkern kann."

„Toll gemacht, Wandachen", lobte ich und strahlte wie ein Hündchen, dem man gerade ein Leckerli zugeworfen hatte.

Nun kam auch der Rest der Avengers langsam auf unsere Etage.

Peter sprang sofort auf, um Tony mit Fragen zu bestürmen, während ich bei Bucky Anblick, wie er sich verwegen über den Mauervorsprung schwang, einfach bloß lächeln musste.

Wanda brachte sich sofort in Sicherheit, nur um Vision in die Arme zu laufen und die beiden begannen sofort ein verlegenes, wenngleich sehr intensives Gespräch.

Heuchlerin.

Ich warf meine Arme um Buckys Hals, kaum, dass er nahe genug an mir war und spürte, wie sein Herzschlag die Geschwindigkeit meines rasend galoppierenden annahm.

Steve, der sich mit einer ziemlich übel blutenden Natasha unterhielt, warf mir ein Grinsen zu und ich erkannte, dass er mir mein Eingreifen bereits verziehen hatte.

„Und wie war's?", flüsterte ich ihm ins Ohr, während ich mich sanft von ihm löste. „Irgendwelche Hinterhalte aus denen ich dich hätte befreien können?"

„Nur ein, zwei kleine. Durchschnitt allenfalls."

Ich liebte diesen Bucky.

Denjenigen, der Scherze machte, der lachte und lächelte; der eine wahre Freude war, ihn anzusehen.

Nur eines fehlte noch um sein Gesamtbild perfekt zu machen.

Ich fuhr ihm sanft durch das lange Haar. „Bucky, ich fürchte, du musst zum Friseur."

Er lachte und küsste mich kurz. „Zwei Stunden Beziehung und du schreibst mir bereits vor, wie ich auszusehen habe. Wo habe ich mich da nur hineingeritten?"

Ich schlug ihm scherzhaft gegen den Arm. „Ich meine es nur gut mit dir und deinen langen Zotteln."

Während ich meinen Kopf an seine Schulter legte und spürte, wie das Metall meine Körpertemperatur annahm, fühlte ich plötzlich eine nie zuvor dagewesene Liebe in mir aufsteigen.

Für Bucky, der mich hielt, wie ich es mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte, für Steve und Wanda, die mir so gute Freude geworden waren. Scott, der Jammerlappen, der mir ans Herz gewachsen war, ohne dass ich groß etwas dagegen unternommen hatte – Peter, Bruce, Natasha, Clint. Vision, Tony, Sam und Rhodes.

Sie alle waren wundervolle Menschen und die allerbeste Familie, die man sich nur wünschen konnte.

Ich hatte zwar meinen Dad verloren und meine Mum, aber dafür hatte ich dieses Chaotenteam dazugewonnen – und dies erfüllte mich mit einer unendlichen Glückseligkeit.

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