»»--Chapter Seven--««

╔═.✵.══════════╗
My body must have
gone mad
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Yeonjun
Schon am zweiten Tag musste ich mir eingestehen, dass Soobin mir nicht auf die Nerven ging, am dritten musste ich bereits feststellen, dass ich begann, ihn zu mögen. Am vierten Tag ging uns das Essen aus. Dies musste ich feststellen durch einen kritischen Blick in den Kühlschrank.
Ich hockte also vor dem Kühlgerät, was wohl irgendwie durch die Solarpaneels auf dem Dach betrieben wurde und alles, was wir noch hatten, war ein Kohlrabi im Gemüsefach und eine Packung Käse, die aber irgendwie traurig aussah. Ich konnte nicht mal sagen warum. Schweigend betrachtete ich das Desaster. "Soobinie", jammerte ich wehleidig, "ich habe Hunger."
Soobin lachte fröhlich auf, als sein Blick auf mich fiel. Ich konnte nicht sagen, ob das an dem Spitznamen lag oder an der Tatsache, dass ich vorm Kühlschrank hockte und traurig in diesen hineinblickte, was sicher niiiiicht bescheuert aussah. "Das kann ich sehen", antwortete er und stellte sich zu mir. "Wann ist der so leer geworden?", fragte er amüsiert und ich grinste halb. "Als du alles aufgefuttert hast", klagte ich ihn an und er gab nur ein Schnauben von sich.
"Jaaaaahaaa, genau Yeonjun", meinte er unbeeindruckt, "komm, gehen wir einkaufen." Damit stand ich auf und schmiss die Tür des Kühlschranks sachte zu. "Okay", stimmte ich zu, "ich hab kein Geld." Eine Sache, die ich eigentlich bald ändern musste, denn hey, ich wollte ihm nicht für immer auf der Tasche liegen. Er tat viel für mich.
Er gewährte mir Unterschlupf, er hörte mir zu, er bewahrte mich ein Stück weit vor meinen Dämonen. Ich wusste nicht, ob ihm klar war, wie viel er in diesen paar Tagen schon für mich getan hatte. Dementsprechend wollte ich mich nicht ewig bei ihm durchfressen, auch wenn ich noch keine Lösung hatte, wie ich an Geld kam, oder an Lebensmittel, oder sonst irgendwie helfen konnte.
"Ich hab welches", meinte Soobin nur feierlich, aber ich fragte mich, wie lange er wohl noch welches hatte und woher. Warum konnte ich mir nicht vorstellen, dass seine Eltern ihn an den Gewinnen, die sie durch ihn gemacht hatte, beteiligt hatten?? Sie hatten ihn ausgeschlachtet, doch hatte er was davon gesehen? Wahrscheinlich nicht. Doch Soobin schien relativ entspannt, was das anging und ich versuchte erstmal ebenfalls entspannt zu bleiben. Ich würde mich schon revanchieren können.
"Wir laufen jetzt eine Stunde nach Osten, gehen da einkaufen und schleppen den Scheiß eine Stunde zurück", kündigte er fröhlich an, "na wie klingt das?" "Nach einer Stunde Fußmarsch durch die Wüste. Hervorragend, darauf hab ich mein Leben lang gewartet!", antwortete ich fakebegeistert und Soobin stieg darauf ein, indem er die Tür überschwänglich aufriss. "Wusste ich es doch!", rief er begeistert und winkte mich hinter sich her.
Ich sprang aus der Tür und Soobin folgte mir. Auch wenn das hier draußen wahrscheinlich keinen Sinn machte, schloss er die Hütte ab, ehe er einen Kompass herauskramte und den ausrichtete, sodass wir (hoffentlich) nicht in der Wüste verloren gingen. Wenn ich jedoch daran dachte, dass er mich einfach so aufgegabelt hatte, dann konnte ich seinen Navigationsskills wohl irgendwie Vertrauen schenken.
"Immer schön nach Osten", meinte er und deutete in eine Richtung. Ich schlenderte schon mal los und blinzelte in die Sonne. Es kam mir inzwischen so lang her vor, dass ich verzweifelt genug gewesen war, kopflos in die Wüste zu rennen. Ich konnte mein gebrochenes Herz auch immer noch fühlen, es war nicht von heute auf morgen weg, doch ich hatte Glück im Unglück, denn Soobin hatte zwar kein Zauberheilmittel parat, doch er hatte eine Art Kleber und wir hatten die Bruchstücke erst mal wieder zusammengesetzt, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass sie noch nicht an den richtigen Stellen saßen.
"Hey, erzähl mir was, solange wir laufen", meinte ich leichthin und sah ihn an, "kannst du eigentlich fliegen?" Er schüttelte heftig mit dem Kopf. "Oh nein", meinte er und checkte den Kompass, "das ist anatomisch gar nicht möglich. Diese Flügel sind nicht gemacht, um damit zu fliegen." Ich musterte ihn. Dachte er das nur? Ob er es schon mal versucht hatte, seit ich ihm die Dinger eingerenkt hatte? Nicht, dass ich wüsste. "Hast du es denn mal versucht?", fragte ich und er nickte. "Ja", passend dazu schüttelte er die Flügel nervös aus - wahrscheinlich war das keine so tolle Erinnerung.
"Nicht weil ich wollte", redete er auch gleich weiter, "sondern auf Drängen von anderen hin. Ich will auch gar nicht damit fliegen können, aber naja... Ich habe dann mal irgendwann meinen Eltern vorgerechnet, dass es nicht gehen wird. Danach haben sie mich endlich mit dem Scheiß in Ruhe gelassen. Es ist wie mit deinen Hörnern, Yeonjun... sie sind da, aber sie haben keine Funktion."
Schon... aber wenn man bedachte, dass ich, seit ich die Hörner hatte, immer stärker geworden war, dann musste er doch auch irgendwas haben, was er nur noch nicht entdeckt hatte. Ich war mir da fast sicher. Nachdenklich runzelte ich die Stirn. "Ich kann knurren, obwohl sich doch anatomisch nichts getan hat, oder? Solltest du dann nicht fliegen können, so wie ich knurren kann?" Wieder nur schüttelte er den Kopf. "Aber was kannst du dann?"
Dieses Mal zuckte er nur mit den Schultern und seine Flügel zuckten wieder nervös.
"Nichts, schätze ich", sagte er schließlich, doch ich glaubte das nicht. "Irgendwas kannst du sicher. Du musst es nur wollen, aber du willst nicht. Diese Flügel sind mit Sicherheit nicht allein gekommen. Da muss noch was sein, das nicht sichtbar ist, aber dennoch da. Es kann doch nicht sein, dass nur ich mich so verändert habe, oder?"
"Fliegen ist es auf jeden Fall nicht", meinte er und hüpfte an mir vorbei durch den Sand der Wüste. "Hier ist es gar nicht so extrem heiß", stellte ich fest und Soobin nickte. "Wir sind ja auch in der Nähe der Stadt und bald ist auch Regenzeit, dann blüht die Oase wieder, das sieht schön aus, zumindest hat mein Onkel das geschrieben. Hmn, wie stand es in dem Brief. 'Die Wüste ist die meiste Zeit des Jahres diesen Namen nicht wert.'" Er lächelte kurz, ehe er wieder nach vorn sah. "Ich bin wirklich gespannt, wie die Oase aussieht."
Wir liefen eine Weile schweigend nebeneinander her und hingen jeweils entspannt unseren eigenen Gedanken nach. "Was... meintest du eigentlich mit 'stärker werden'?", fragte Soobin nach einer Weile und ich kratzte mich am Kopf, sorgsam darauf bedacht, meine Hörner nicht zu berühren. Er verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und streckte sich beim Gehen ein wenig. "Hat sich bei dir da wirklich was getan?"
"Jaaah, ich bin ein Monster, Mann. Ich sagte doch, ich bin stark. Erinnerst du dich daran, wie ich sagte, dass ich das Sofa durch die Wand flippe? Das war keine Übertreibung." Er lachte leise. "Natürlich war es das, denn du würdest nie mein Haus oder mein Sofa einfach so kaputt machen." Ich schnaubte nur. Er hatte ja recht. "Glaubst du mir nicht?", fragte ich und er zuckte mit den Schultern. "Du hast breite Schultern?", versuchte er zu relativieren. Ich lachte abfällig.
"Die sind jetzt nicht so viel breiter als deine, Soobinie", meinte ich nur uns er beäugte mich misstrauisch. Wir hatten in etwa dieselbe Statur, tatsächlich war ich vielleicht etwas breiter als er und auch kräftiger, doch er war ein paar Zentimeter größer, was ihn eben mehr wie eine Bohnenstange wirken ließ, als dass es bei mir der Fall war. Es fiel auch nicht weiter auf, denn ich wirkte etwas größer, dank meiner Hörner.
"Willst du mir jetzt echt sagen, du seist überstark?", hakte er nach und ich konnte nicht glauben, dass nur bei mir sich da was getan haben sollte. Warum konnte er sich das so schlecht vorstellen, er hatte doch Flügel auf dem Rücken! Er musste seine Kleidung deswegen auch extra anpassen, denn einfach so kam er mit den Flügeln nicht da rein. Wie konnte ein Junge, der lange Schlitze in seine Pullis machen und diese mit Klettband versehen musste, daran zweifeln, dass mehr mit einem passierte?
Ich ging also ihm hin, hob ihn an und liftete ihn einfach über meinen Kopf und das ohne große Zeichen von Anstrengung, denn für mich war er ein Fliegengewicht. Ich ließ ihn wieder fallen, fing ihn so auf, dass seine Flügel auch nichts abbekamen und stellte ihn wieder ab. "Ich wusste, du bist der Coolere von uns beiden", meinte er verstimmt und lächelte dann aber gleich wieder, "das war ganz erstaunlich."
Seufzend bedeutete ich ihm, dass wir weitergehen sollten.
"Ich leide täglich", meinte ich nur, denn ich würde das alles hergeben, wenn nur die Schmerzen endlich aufhören könnten. Die Stärke nutzte auch nichts, denn auch wenn ich den Leuten, die mich auf dem Kieker gehabt hatten, locker hätte weh tun können, so habe ich es doch nie gemacht. Wenn das passiert wäre, hätte ich wohl ein Stück meiner Selbst verloren und wenn mir noch irgendwas heilig war, dann dass ich nicht in tausende Scherben zerfiel, die dann nur noch ein verzerrtes, groteskes Bild meiner Selbst wiedergeben konnten. Ich hatte versucht ein guter Junge zu bleiben, bis eben auf das eine Mal.
"Das macht dich an sich aber nicht weniger cooler, sondern eher deine Situation", sinnierte er und ging weiter. "Weißt du, mir sagen die Leute nach, dass es heilend ist, mich anzufassen, oder dass es Glück bringt. Also werde ich ungefragt angegrabbelt. Das passiert immer und immer wieder. Dabei ist das Blödsinn...", er hielt kurz inne. Scheinbar war ihm was in den Sinn gekommen. Irritiert sah ich ihn an. "Was ist es?", fragte ich und er zog die Augenbrauen zusammen. "Ich frage mich, wie die Leute drauf kommen? Scheinbar wurden wirklich manche geheilt, aber das kann nicht mit mir zusammen hängen, denn noch viel mehr wurden eben nicht geheilt. Du verstehst schon." Ich nickte.
"Wenn es so wäre, dann... ", er trat an mich ran und hob seine Hand. Zuerst fragte ich mich, was er vorhatte, doch dann merkte ich, wie er sie zu meinen Hörnern ausstreckte und fing sie schnell mit meiner Hand ab. "Nicht anfassen", zischte ich, "wenn sie berührt werden, dann schmerzen sie schlimmer."
"Siehst du, du glaubst auch nicht daran", meinte er nur und versuchte seine Hand wegzuziehen, doch ich hielt sie fest und zog den ganzen Soobin ein wenig näher.
"Soobin", sprach ich ihn ruhig an, "wir können das gern austesten, wenn ich das nächste Mal Bauchweh habe. Ich glaube nicht, dass da nichts ist. Vielleicht gab es ja doch ein Muster, bei denen, die geheilt wurden? Du kannst es vielleicht nur nicht sehen. Aber das hat nichts mit meinen Hörnern zu tun." Beruhigend strich ich mit dem Daumen über seinen Handrücken, um ihn zu trösten, denn er schein selbst nicht zu wissen, ob er sich entschuldigen sollte für den Versuch oder ob er beleidigt sein wollte, weil ich ihn nicht meine Hörner berühren ließ.
"Es...", begann er und ich schüttelte den Kopf, auch wenn das die Kopfschmerzen nicht besser machte. "Es ist okay", sagte ich mit Nachdruck, ehe er weiter sprechen konnte. Er ließ das Thema auch erst mal ruhen, doch ich konnte sehen, dass er nicht zustimmte, jedoch interessanterweise weniger in seinem Gesicht, als dass ich es daran sah, wie er seine Flügel trotzig ein wenig schüttelte. Ich unterdrückte ein Grinsen.
"Komm", sagte ich und lief weiter.
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