»»--Chapter Eleven--««

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Actually
I'm still a little worried
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Soobin
"Wag es dir Soobin."
Bekümmert zog ich meine Hand zurück und versuchte nicht allzu bedauernd aus der Wäsche zu schauen, während sich Yeonjun zu mir umdrehte und zumindest versuchte mir einen genervten Blick zuzuwerfen, doch das ergebene Lächeln, das folgte, strafte ihn Lügen. Ich schnaubte amüsiert und beugte mich zu ihm.
"Ich ärgere dich doch nur", meinte ich süffisant und grinste. Yeonjun verdrehte seine dunklen Augen und wandte sich wieder um zu der Lasagne, die wir gezaubert hatten (nette Formulierung, das Ding sag irgendwie aus, als käme es aus der Hölle und würde uns essen, anstatt umgekehrt) in den Ofen zu schieben.
Mir ging nach wie vor nicht aus dem Kopf, dass er gesagt hatte, dass er sich anders fühlte, wenn ich ihn berührte. Was wenn ich wirklich was verändern konnte? Etwas ... besser machen konnte, in dem ich es nur anfasste. Das war nicht wirklich Heilen, aber dass könnte durchaus als solche missinterpretiert werden. Doch was, wenn ich einfach nur Schmerzen nahm?
Dann würde es mich auch nicht wundern, dass Yeonjun meinte, er fühle sich friedlicher, wenn er meine Hand hielt, bei all dem seelischen Schmerz, den er in sich vergrub. Doch Yeonjun hatte nach wie vor keine Bauchschmerzen und an seine Hörner wollte er mich auch noch nicht ran lassen. Also zog ich ihn einfach so lange auf, bis er es leid wurde und mich machen ließ. Das war doch ein Plan. Irgendwie.
Nachdem er die Ofentür geschlossen hatte, drehte Yeonjun sich zu mir um und legte den Kopf schief. "Und was nun?", fragte er und ich zuckte mit den Schultern. "Nun ja, das dauert jetzt eine Weile", meinte ich nur und sah auf die Uhr. Ich schnappte mir die formschöne Eieruhr und stellte sie auf eine dreiviertel Stunde.
"Ich weiß nicht." Ich war einen Blick zum Fenster. Es war inzwischen dunkel, also war nicht wirklich was zu sehen. Yeonjun folgte meinen Blick einen Moment und mit einem Mal erfasste ihn eine seltsame Stimmung. Ich konnte es nicht genau aus machen. Vielleicht sowas wie... Nostalgie? "Was hast du?", fragte ich und er schien aus seinen Gedanken aufzutauchen. "Nichts", meinte er nur. Ich musterte ihn eindringlich und versucht festzumachen, was er wohl denken mochte. "Willst du raus?", fragte ich und Yeonjun warf mir einen überraschten Blick zu. Dann lächelte er und zuckte mit den Schultern. "Warum nicht?", fragte und schon war er durch die Tür.
Bedächtig folgte ich ihm und schloss die Tür hinter mir. "Wir können uns ja..." Auf die Treppe setzen, wollte ich sagen noch Yeonjun hatte sich bereits in den Sand geworfen. Ich musterte ihn einen Augenblick und setzt mich dann eben alleine auf die Treppe und sah nach oben zu den Sternen. "Warum legst du dich nicht zu mir?", hörte ich Yeonjun fragen und ich senkte meinen Blick. "Ich kann mich nicht auf die Flügel drauf legen", meinte ich unsicher. Zumindest glaubte ich das, denn in Wahrheit hatte ich es einfach nur nie probiert, weil ich den Dingern nicht traute. Ich hatte Angst, dass sie nichts aushielten, erst Recht nicht mein Gewicht auf ihnen.
Yeonjun setzte sich auf und klopfte neben sich. "Kommt her", forderte er mich auf und ich gehorchte mit einem kleinen Seufzen und setzt mich zu ihm. Der Sand war noch warm vom Tage und fühlte sich weich und sanft an. Aber er versaute mir auch grade die Hose.
"Du traust ihnen noch immer zu wenig zu", meinte Yeonjun und sah mich herausfordernd an, "sie sind nicht so zerbrechlich, wie du denkst." Ich schnaubte unentschlossen und legte den Kopf schief. "Woher willst du das wissen?", fragte ich und ich konnte ihm in Halbdunkel, das uns umgab leise Lächeln sehen. "Ich hatte die Dinger doch schon in der Hand. Glaub mir, die sind kräftig genug. Knochen und Muskeln. Leg dich einfach hin und freu dich über die Sterne ohne Nackenstarre." Hatte er wohl möglich recht? Er hatte bereits einmal recht gehabt, was meine Flügel betraf, als er sie eingerenkt hatte.
Ich holte einmal tief Luft, dann ließ ich mich vorsichtig nach hinten in den warmen Sand sinken. Ich wartete förmlich darauf, dass irgendwas passiere und irgendwas anfing weh zu tun, doch nichts passierte. Stattdessen bemerkte ich nur eben den Druck auf meinen Flügeln, der sich aber nicht besonders unangenehm anfühlte. Der weiche Sand war eine Hilfe, wahrscheinlich wäre das auf härteren Boden deutlich ungemütlicher, aber das war liegen auf harten Boden so oder so. "Naaa?", fragte Yeonjun erwartungsvoll. "Ich sterbe nicht", meinte ich altklug und er schnaubte amüsiert, bevor er sich so zu mir legte, dass er seinen Kopf neben meinen platzieren konnte.
Er schenkte mir ein kleines, süßes Grinsen, bei dem seine Fangzähne kurz zu sehen waren und sah dann nach oben zu den Sternen. Ich tat es ihm gleich und für eine Weile sahen wir einfach nur nach oben zu dem dunklen Himmel über den sich ein glitzernder Teppich an Sternen und Lichter zog. Irgendwie sorgte das Ganze dafür, dass man sich klein fühlte, aber auf eine tröstende, schöne Art und Weise. So, als ob auch alles Schlechte ganz klein und unbedeutend wurde, weil es einfach ein größeres Ganzes gab, in dem die eigenen Fehler nichtig wurden. Wir schwiegen und wahrscheinlich hätten wir das auch weiterhin getan, wenn ich von Yeonjun nicht wieder diese eigentümliche Stimmung wahrgenommen hätte.
"Was hast du?", fragte ich vorsichtig nochmal und Yeonjun seufzte. "Wer sagt, dass ich was habe?", fragte er. Ich drehte den Kopf und sah ihn an. "Na, das merkt man doch", behauptete ich. Ich meine, es war vielleicht schwierig das genau zu interpretieren, aber es war doch deutlich, dass es in eine schwermütige Richtung ging. "Wie das merkt man?", fragte Yeonjun und schnaubte leise. Er runzelte die Stirn und starrte in den Himmel. "Ich bin doch ganz normal", meinte er murmelnd. Ich nickte und zuckte mit den Schultern. "Ja, du benimmst dich normal, aber das ändert doch nichts an den Schwingungen, die du grade von dir gibst. Die sind irgendwie traurig", erklärte ich. Er blinzelte verwirrt und sah zu mir.
"Was für Schwingungen?", fragte er und ich blinzelte ebenso verwirrt, wie er grade noch. "Na die Schwingungen eben", meinte ich und überlegte, ob ich je schon mal mit jemanden darüber gesprochen hatte. "Hast du das nicht? Dass manchmal, egal wie die Person dir gegenüber sich grade gibt, du trotzdem merkst, dass es ihr ganz anders geht, als sie vorgibt sich zu fühlen?", fragte ich und Yeonjun stieß leise die Luft aus seinen Lungen aus und schüttelte den Kopf. "Soobin, ich glaube, das kann niemand", meinte er leise und ich ließ mir das durch den Kopf gehen.
"Wirklich?", fragte ich nach einer Weile und Yeonjun nickte und musterte mich kritisch. "Ich dachte, das wäre normal", meinte ich verwirrt. "Es passiert auch gar nicht so oft. Oder vielleicht doch, ich bekomme es nur nie wirklich mit, weil Schwingung und die Gefühlslage, die nach außen getragen wird, zusammen passen. Keine Ahnung." Yeonjun lachte leise. "Ich denke wir haben was gefunden, was du mit deinen Flügeln zusammen bekommen hast", meinte er amüsiert. "Ist dir nie in den Sinn gekommen, dass die Leute nicht so tun würden, als würde die sich anderes fühlen, als sie es tatsächlich tun, wenn wir alle eh bemerken würden, dass es Fake ist?" Ich zuckte unschlüssig mit den Schultern.
"Ich weiß nicht, als ich klein war schon, aber als ich älter wurde, dachte ich das macht man einfach so, wenn man auf seine Gefühlslage eben nicht angesprochen werden will und alle halten sich dann eben daran und reden nicht darüber, also habe ich auch damit angefangen. Ich dachte das gehört halt zum Älterwerden dazu", sagte ich leise. "Und doch hast du mich gefragt", erwiderte Yeonjun und ich nickte. "Ja, ich... es tut mir leid, aber wir sind eben Freunde und ich mache mir Sorgen, wenn meine Freunde irgendwie traurig sind." Er nickte und ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen. "Musst du aber nicht. Ich vermisse einfach meinen Bruder, wir haben uns oft zusammen die Sterne angesehen", erklärte er. Ah, das erklärte dann auch die Nostalgie.
"Noch ein bisschen, Yeonjun", sagte ich leise. "Wir warte bis ein bisschen Gras über die Sache gewachsen ist und dann laden wir ihn ein. Deine Mutter wird es ihm doch nicht verbieten seinen Bruder zu besuchen? Dann kannst du dich hier mit ihm hinlegen und in die Sterne sehen." Yeonjun lachte leise. Immerhin schienen meine Worte ihn etwas zu trösten und das musste ich nicht mal irgendwie erspüren, ich konnte es auch an dem kleinen, vorsichtigen Lächeln sehen, dass seine Lippen umspielte. Ich sah aufs Neue nach oben, doch ich löste meinen Blick recht schnell wieder vom Himmel, als ich spürte, wie mir Yeonjun zärtlich mit der Rückseite des Zeigefingers über die Wange strich. Ich sah ihn überrascht an und er lächelte mir zu.
"Ich liege auch sehr gerne mit dir hier."
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