⁴⁷ 🥀 Friendly Stranger 🥀

Nach langer Zeit kommt auch hier mal wieder ein Kapitel, extra lang für euch🥹💗
Lasst gerne Kommentare da und ansonsten viel Spaß beim lesen ♥️

Sofern Taehyung aus der Praxis auf wackeligen Beinen herauseilte, brach er in bitteren Tränen aus. Er verfluchte das Universum dafür, dass sein ganzes Leben den Bach so herunter ging.

Er schaffte es und endete auf einer Bank in einem kleinen Park, mit angrenzenden Spielplatz voller lachenden, spielenden Kindern.
Mit einem schmerzenden Gefühl in seiner Brust und einem traurigen Lächeln beobachtete er und lauschte den vielen kleinen Kindern, die mit ihren Eltern spielten.

Taehyung wusste nicht wie viel Zeit verging, seitdem er da saß, oder wie viele stumme Tränen ihm übers Gesicht gingen, bis er etwas an seiner Hand spürte.

Er blinzelte und strich sich übers Gesicht, schaute den Labrador vor seinen Beinen irritiert an, der sich an seine Hand schmiegte.
"Oh hallo - hast du dich etwa verlaufen?", murmelte er dem Hund mit beig-goldenem Fell mit einem Lächeln zu und strich ihm über das Köpfchen.

Suchend blickte Taehyung nach dem vermeintlichen Beistzer des Hundes und erkannte einen jungen Mann in der Ferne, welcher auf ihn zusprintete. "Hey, Goldie! Was rennst du mir davon." Nachdem der Hund die Stimme seines Besitzers hörte, drehte er hechelnd den Kopf zu diesen.

"Entschuldigung, er rennt eigentlich nicht so zu leuten-", als Taehyung seinen Kopf hob, stockte der junge Mann. Er war einige Jahre älter als der junge Vater.
"Oh...", machte er nur leise, als er das Tränenüberströmte Gesicht des Blonden sah. "Alles gut bei dir? Ich schätze Goldie ist deswegen zu dir gerannt, er spürt Traurigkeit. Seine ehemalige Besitzerin hatte eine PTBS und er wurde darauf antrainiert - sorry."

Verlegen kratzte sich der Mann am Nacken, als er realisierte dass er zu viel brabbelte.
"Brauchst du - brauchst du Gesellschaft oder sollen wir gehen?", hing der Ältere zögernd hinterher. Sein Hund drückte seine Schnauze immer noch gegen Taehyungs Knie und wimmerte auf, als würde die Traurigkeit des Menschen auf ihn rüber schwappen.

"Kann er - könnt ihr kurz noch bleiben?", wisperte Taehyung und wischte sich über die nassen Augen.
Irgendwie half ihm der Hund total sich bisschen zu beruhigen und Gesellschaft war vielleicht besser als Einsamkeit, wo ihn seine Gedanken nur weiter verschlingen würden.

Der Ältere nickte nur sanft mit einem kleinen Lächeln und wartete bis Taehyung etwas rutschte und ihm Platz machte.

"Ich bin übrigens Seojun."

Durch seine langen, nassen Wimpern schaute Tae zu dem lächelnde Mann auf, der ihm die Hand reichte und schüttelte diese kurz.
"Taehyung, u-und normalerweise bin ich nicht so eine Katastrophe."
Er lachte und schniefte gleichzeitig.

"Du bist keine Katastrophe, jeder hat gute und schlechte Tage und das ist völlig in Ordnung.", sprach Seojun.

"Sicher? Sch-schließlich sitze ich hier im Park, weine Rotz und Wasser - wirkt das normal?" Der andere lachte nur leise und zuckte mit den Schultern.
"Hab schon schlimmeres gesehen."
Nun musste Taehyung auch lachen.

"Du bist mindestens genau so gut Im trösten wie Goldie.", murmelte Taehyung bei der Erkentniss dass er nun gelacht hatte und ihm nicht mehr ganz zum weinen zumute war.

"Goldies alte Besitzerin war meine Schwester, ich kenne mich mit solchen situation inzwischen ein wenig aus."

Taehyungs Mund formte ein o. "Geht es ihr jetzt besser?", fragte er leise.
Seojun presste die Lippen kurz überlegend aufeinander.
"Bestimmt... Sie hat sich das Leben genommen. Ich hoffe einfach, dass sie nun den Schmerz nicht mehr mit sich tragen muss."

Taehyung biss sich auf die Unterlippe, er war total ins Fettnäpfchen getreten. "Das tut mir sehr leid.", erwiderte er einfühlsam. Seojun schenkte ihm ein Lächeln und winkte ab.
"Naja jetzt weißt du warum es Goldie und mir so wichtig ist andere zu trösten, wenn sie alleine sind und es ihnen schlecht geht."
Taehyung nickte sanft.

"Und was ist deine Geschichte, Taehyung? Falls du es mir natürlich erzählen möchtest - aber manchmal tut es gut einem teilnahmslosen Fremden alles zu erzählen und objektiv eine Meinung zu kriegen."

Taehyung überlegte kurz, Seojun war immer noch ein Fremder obwohl er sehr freundlich wirkte. Aber andererseits hatte der Ältere recht, manchmal half es wirklich mit einem Fremden drüber zu sprechen. Natürlich auch mit Freunden, aber in seinem Fall war es etwas kompliziert. Denn all seine engsten Freunde waren auch Jeongguks Freunde... Und sein Hobi Hyung - die Person die er sonst immer bei allem kontaktierte - war selbst in dieser ganzen Geschichte verwickelt. Er wurde auch von seiner verlobten betrogen.

Plus das mit dem Baby konnte er auch nicht wirklich denen in seinem Umkreis erzählen, da sie es Jungkook sagen würden. Es war schon schlimm genug dass er Jimin diese Hürde aufgebunden hatte, wenn auch unbeabsichtigt.

"Ich hatte vor zwei Stunden einen Termin, um mein Kind abzutreiben und komme von dort ... ich bin ein paar Meter bis hierhin gelaufen und dann - dann einfach zusammen emotional gebrochen."

Seojuns Augen weiteten sich ein klein wenig, schockiert da er mit allem aber nicht damit gerechnet hatte.

"Ich habe es nicht geschafft.", hing Taehyung hinzu und senkte den Kopf.

"Ich konnte einfach nicht..."

Goldie drückte seine Schnauze gegen Taehyungs Hand, spürte wie seine Stimmung wieder fiel.

"Ich hab mein Kind das letzte mal verloren und hatte solche Schuldgefühle... ich konnte nicht noch mal-"
Er spürte wie der Ältere einfühlsam die Hand auf seine Schulter legte.

"Ich glaube du hast das richtige gemacht, Taehyung."

Er pulte an seinem Nagelbett herum und schüttelte den Kopf.
"In meiner Situation macht es nur alles schlimmer. Mein Ehemann hat mich betrogen und Ich - ich will mich von ihm trennen, wir haben schon zwei Kinder... ich weiß nicht wie es mit einem dritten klappen soll... Plus, wenn Jeongguk davon herausfindet würde er niemals mit der Trennung einverstanden sein."

Er hörte wie Seojun scharf die Luft einsog, dann sammelte er sich einen Moment.

"Er weiß nicht davon?"

Taehyung schüttelte den Kopf und schaute ihn mit Tränen in den Augen an. "Nein... ich fühle mich so schlecht, Hyung. So schuldig und deswegen konnte ich es nicht tun."

"Schlägt dich dein Mann, Taehyung? Oder ist er generell gewalttätig?", fragte der Ältere vorsichtig nach. Er wollte ihm nicht zu nahe treten, aber leider kam dies nicht selten in Ehen vor, weswegen er lieber nachfragte. Denn opfer häuslicher Gewalt konnten sich oft nicht selber aus der Situation retten und befanden sich in einem Teufelskreis gefangen, insbesondere wenn sei einmal Kinder hatten.

Hastig schüttelte er seinen Kopf. "Nein, Nie. Jeongguk würde mich nicht einmal anschreien, geschweige denn was anderes tun. Er liebt mich."

"Und du liebst ihn auch, sehr sogar."

Taehyung nickte.

"Und - und es lief wieder so gut zwischen uns bis ich es erfuhr..."

"Hat er es dir gebeichtet?", fragte Seojun und Taehyung lachte trocken auf und schüttelte den Kopf. Nein, er wünschte sich, Jeongguk hatte zumindest das getan. Dass er direkt nach dem Vorfall zu ihm gekommen wäre und gebeichtet hätte. Vielleicht wäre es ihm dann einfacher gefallen zu vergeben?

"Nein er hat es zwei Monate vor mir verheimlicht... ich hab es in einem Streit zwischen ihm und der Frau rausgehört."

Er hört seojun ein leises "shit" vor sich hin murmeln.

"Ich kann ihm das nicht verzeihen - er weiß es. Er weiß, dass das die gefühlt einzige Sache ist die ich ihm nicht verzeihen könnte, selbst wenn ich wollte. Es... Es geht nicht und das weiß er am besten und hat es trotzdem getan.

Ich bin immer zur Schulzeit aus dem Fenster geklettert und weinend zu Jeongguk nach Hause gerannt, als ich mitbekommen habe wie mein Vater abends wieder meine Mutter betrogen hat, die auf der Arbeit war. Und er hat mich getröstet und die ganze nacht bei sich bleiben lassen..."

"Ihr kennt euch seit der Schule?" Taehyung nickte. "Wir waren auch in der Schulzeit schon zusammen...", murmelte Taehyung wehmütig.

"Highschool sweethearts also."

Taehyung lachte bitter. "Sozusagen."

"Also was ich dir raten kann, hör auf dein Herz. Es hört sich kitschig an, aber es ist wahr. Zwing dich in keine Entscheidung hinein, die du nicht möchtest.
Wenn du dich von ihm trennen willst, dann tu das ohne darüber nachzudenken was sich danach ergibt. Denn ich sag dir ganz ehrlich, du hast einen triftigen Grund dafür und ich verstehe dich...

Wenn du aber trotz allem mit ihm zusammen bleiben möchtest und denkst er verdient die zweite Chance - und dass du ihm diese geben kannst - dann ist das in dem Falle auch in ordnung. Diese Entscheidung kann niemand treffen außer du selbst."

"Was wenn ich mich falsch entscheide?", wisperte Taehyung leise.

"Es gibt kein richtig oder falsch bei der Sache. Das was dein Herz will, ist in dem Falle automatisch das richtige."

Taehyung schluckte schwer. "Und woher weiß ich, was mein Herz will?"

"Das wirst du wissen, wenn du bereit bist die Entscheidung zu treffen, glaub mir."

Taehyung blinzelte die Tränen an, sein Brustkorb fühlte sich tatsächlich leichter, als habe man einen Fels dort weggenommen.

"Geht es dir besser?"

Er nickte. "Ja... darf ich dich umarmen?", murmelte er leise woraufhin der Ältere lachte und ihn vorsichtig in den Arm zog.
Das hatte er irgendwie gerade gebraucht. Sehr sogar.

"Danke, Hyung."

Noch eine Weile saßen die beiden einfach in Stille neben einander, während Seojuns Hund immer noch den Kopf auf Taehyungs Schoß gelegt hatte. Der Blonde strich durch das helle Fell des Hundes und lauschte einfach den Geräuschen um sich herum.

Seine andere Hand lag subtil auf seinem unterbauch und Erleichterung machte sich in ihm breit.

Tut mir so unendlich leid auch nur daran gedacht zu haben, dich von mir zu trennen. Das passiert nie, nie wieder, egal wie schwer es auch wird.

Er tauschte am Ende noch Nummern mit Seojun aus. Es war das Angebot des Älteren, dass er ihn doch gerne einfach anrufen konnte, wenn er wieder jemanden zum Reden brauchte und Taehyung nahm dankend an. Er konnte sich sogar vorstellen, dass eine gute Freundschaft zwischen Ihnen ergab.

Taehyung hatte dutzend verpasste Anrufe von einem besorgten Jimin der ihm zuhause komplett aufgebraust entgegnete.

"Ich hatte Angst um dich verdammt noch mal! Wo bleibst du seit Stunden?! Ich konnte hier weder weg wegen den Kindern, noch konnte ich jemand anderes anrufen weil keiner verdammt noch mal bescheid weiß und wissen darf! Ich bin durchgedreht vor Sorgen."

"Es tut mir leid, Jiminie.", murmelte der Blonde fix und fertig, als er aus seinen Schuhen schlüpfte.

"Und? Hast du...?", Jimin führte die Frage nicht bis zum Ende.
Sein bester Freund schaut ihn abwartend an, wagte es kaum zu atmen.
Taehyung schüttelte den Kopf.

"Ich konnte nicht... Und - und ich will auch nicht."

Jimin stieß zitternd die Luft aus und fuhr sich mit einer Hand durch das Haar, die genau so bebte. Anschließend gab er einen Laut von sich, der klang wie ein unterdrücktes Schluchzen.
Seine Augen glitzerten verdächtig mit Tränen gefüllt.

"Gott sei Dank.", brachte er noch über die Lippen bevor er Taehyung in eine enge Umarmung zog.
"Gott sei D-Dank, Tae."
Auch der Blondhaarige musste dadurch fast wieder weinen.
"In all den Stunden, seitdem du los bist, habe ich gebetet, dass irgendwas deine Meinung ändert Tae - oh-oh Gott ich bin so froh, Taehyungie."
Der Brünette schniefte.

Doch ihr kleiner Moment wurde unterbrochen als Jimins Handy klingelte.

"Es ist Jeongguk-", murmelte er zu Taehyung bevor er heranging.

"Jimin Hyung! Zum Glück gehst du ran, weißt du wo Tae ist?! Ich habe bestimmt seit heute morgen zwanzig mal versucht ihn anzurufen!"

Jimin biss sich auf die Unterlippe.
"Er ist hier, also ich bin gerade bei Tae. Ohm geht es gut, sein Handy war nur auf stumm, weil er sich heute schlapp fühlte ich sagte ihm er solle es ausschalten und sich ausruhen."

"Okay gut - hyung ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können, es macht keinen sinn, ich muss wissen was wirklich an dem Tag passiert ist - ich muss die Wahrheit wissen.
Ich fahre jetzt sofort los."

"Was - warte Jeongguk, ich verstehe gar nicht was du da sagst - Gguk? Hey? - er hat einfach aufgelegt."
Verwirrt blinzelte Jimin und das ließ Taehyung eine besorgte Miene ziehen.

"Was - was sagt er?", sprach Taehyung kleinlaut.

"Keine Ahnung er hat irgendwas wirres gesagt, von wegen er müsse die Wahrheit wissen und dass er hier hin fährt... du glaubst nicht, dass er das weiß, oder?", fragte Jimin ihn und deutete auf seinen Bauch.
Taehyung schüttelte seinen Kopf. "Unmöglich.", wisperte er nur leise. Er hätte es nicht wissen können, oder vielleicht hatte er mit seinen Ärzten geredet? Aber nein, auch sie hatte versprochen es nicht weiter zu erzählen.

Taehyung konnte nicht mehr tun, als auf heißen Kohlen zu sitzen, bis sein Mann hier auftauchte.

Und dabei schwirrten Seojuns Letzten Worte an ihn in seinem Kopf herum, wie eine Mantra.

"Es ist zwar deine Entscheidung, aber es ist sein Recht es zu wissen, Tae. Es ist genau so sein Baby wie deins. Klar es ist dein Körper und deine Entscheidung, aber als der Vater deines Kindes hat er wenigstens das Recht darauf, es zu erfahren."

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Was hält ihr von Seojun? Hat er gute Intentionen?

Und wieso tickt Jungkook wohl mal wieder so aus?🤔

Hättet ihr an Tae's Stelle genau so gehandelt

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