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Luhan hätte das schleichende Gefühl von Wiedererkennen nicht ignorieren sollen. Hölle er hätte auf sein verdammtes Gehirn hören sollen, denn dort befand sich bekanntlich die Leitzentrale für Vernunft. Natürlich hörte Luhan stattdessen auf seine untere Körperregion, weil... Er wusste auch nicht was er sich dabei gedacht hatte. Sein Schritt war wirklich kein Tempel der guten Entscheidungen – war es nie gewesen.

Auf jeden Fall wandte sich Luhan nicht ab, so wie er es hätte tun sollen, sondern zog den Jungen vor sich noch etwas näher zu sich heran. Er war hübsch, mit milchig weißer Haut und kleinen Muttermalen auf seinen prominenten Schlüsselbeinknochen. Er hatte außerdem lange, dunkle Wimpern, hellbraune, geweitete Augen und weiches Haar, dessen Ansatz schwarz, wie seine natürliche Haarfarbe war.

Luhan fragte nicht wie alt er war. Auf seinem Tinder-Profil stand fünfundzwanzig und, obwohl offensichtlich war dass das gelogen war, wollte Luhan sich nicht darum kümmern. ‚Oh Sehun' er hatte sich den Namen in den letzten Tagen, vor ihrem Treffen gut eingeprägt und fand er passte gut zu dem gutaussehenden Mann vor ihm.

Sehuns Hände zitterten wenn er den Cocktail von der Bar hob und sie zitterten noch stärker wenn Luhan ihn mit schiefgelegtem Kopf und einem trägen Lächeln bedachte. Seine Reaktionen schrien Luhan ‚Jungfräulichkeit' ins Gesicht aber irgendwie war auch das aufregend. Die Typen, die Luhan normalerweise übers Internet kennenlernte, waren zumeist alte, ausgelaugte Büroarbeiter, deren Frauen sie nicht mehr reizten. Luhan war nicht stolz darauf es mit Familienvätern zu tun, aber auch er musste irgendwie über die Runden kommen.

Der Junge vor ihm war Alles was Luhan sich hätte wünschen können. Jung, gutaussehend, nervös und völlig fasziniert von ihm. Es war fast zu einfach.

Luhan reichte ihm erneut seinen Cocktail – irgendetwas mit viel Saft und wenig Alkohol - und hielt seinen Zeigefinger gegen den Glasboden gepresst, um den Jungen dazu zu ermutigen schneller zu trinken. Er leerte das Glas und blinzelte angestrengt. Er trank offensichtlich entweder gar nicht oder nicht oft genug.

Luhan schmiegte sich eng an ihn, nun alle Geduld über Bord werfend. Er spürte Sehuns rasendes Herz unter seinen Fingerspitzen dahinschlagen. Er war zu niedlich.

„Lass uns zu mir gehen." Er musste sich ein wenig auf die Zehenspitzen stellen um sein Ohr zu erreichen, aber der Junge hatte ihn gehört und er reagierte indem er vor Schreck ganz starr wurde. „Willst du nicht?", fügte Luhan mit gespielter Enttäuschung hinzu.

„Mh, s-sollte ich dich nicht erst auf...ich meine ich sollte dir erst, mh, einen Drink ausgeben oder so? Ich, mh..."

Selbst in dem faden Licht konnte Luhan den Rotschleier auf seinem Gesicht deutlich erkennen. „Nicht nötig. Lass mich das übernehmen", sagte er, zahlte für ihre Drinks und zog den Jungen anschließend an der Hand aus der Bar heraus. Warmer Sommerwind zerzauste sein Haar und kühlte die roten Wangen seines Begleiters ein wenig ab.

„Meine Wohnung befindet sich zwei Straßen entfernt in diese Richtung." Luhan zeigte mit dem Daumen über die Schulter. „Es ist ein Angebot. Du musst nicht mitkommen wenn du nicht willst."

Sehun schluckte schwer, Unsicherheit war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Vielleicht war er doch etwas zu unerfahren für Luhan. Enttäuschung setzte sich in seine Magengrube.

Er tätschelte dem Jungen die Schulter und lächelte aufmunternd. „Schon in Ordnung Kleiner." Luhan wandte sich ab, mit einem Seufzen das tief aus seiner Brust kam. Er hatte auch wirklich kein Glück.

„Warte!" Luhan blieb nicht stehen, aber der Junge joggte zu ihm auf und versperrte Luhan den Weg. Luhan hob fragend eine Augenbraue an und wartete bis der Junge die richtigen Worte fand. „Ich...ich würde dich wirklich gerne wiedersehen. Darf ich?"

Luhan verdrehte die Augen. „Für ein Date?" Sein Gegenüber nickte mehrfach mit dem Kopf, wie eines dieser Spielzeughunde mit dem beweglichen Nacken, mit denen seine kleine Schwester früher immer gespielt hatte. „Nein."

„Was? Wieso nicht?"

„Kein Interesse." Luhan umrundete ihn und setzte seinen Weg fort.

„Warte!" Sehun holte Luhan erneut ein und versperrte ihm auf ein Neues den Weg. „Ich...ich mag dich! Bitte geh mit mir aus!"

Luhan prustete los. „Ist das hier ein verdammtes K-Drama? Das zieht bei mir nicht."

„Es ist mein ernst, ich denke...ich denke ich mag dich wirklich sehr gerne."

„Du kennst mich nicht."

Er zögerte nur für einen Moment. „Das macht keinen Unterschied."

Luhan fand ihn noch immer niedlich, aber mittlerweile war er frustriert und ein wenig angepisst von der unerfreulichen Wendung des Abends. „Also, was genau willst du von mir? Ein paar Dates, ein wenig Händchenhalten und dann eine Beziehung, in der wir uns gegenseitig unseren Familien vorstellen?"

Der Junge nickte wieder dieses Spielzeughund-Nicken. „So in etwa."

Luhan tätschelte noch einmal seine Schulter. „Geh nachhause, Kinder wie du gehören um diese Uhrzeit ins Bett."

„Ich bin kein Kind."

„Dann benimm dich nicht wie eins", sagte Luhan genervt und umrundete den Jungen auf ein Neues. Was für ein katastrophaler Abend. Dieses Mal schaffte Luhan es bis vor seine Haustür ohne aufgehalten zu werden. Er war sich bereits sicher, dass der Junge aufgegeben hatte, als sich Sehun hinter ihm räusperte. Luhan drehte sich um und fand den braunhaarigen mit roten Wangen und gesenktem Kopf vor sich stehen.

Luhan seufzte tief. „Hör mal, ich suche wirklich nicht nach einer Beziehung und noch weniger brauche ich einen verfluchten Schoßhund, der mir auf Schritt und Tritt folgt, okay? Was ich heute gesucht habe, war ein Mann. Eine schnelle Nummer für eine Nacht. Nichts anderes."

Der Junge nickte reumütig den Kopf.

„Gut, du hast verstanden nicht wahr? Geh nachhause."

Luhan hatte seinen Schlüssel bereits aus der Hosentasche gekramt und war bereit endgültig zu gehen, als die Stimme des Jungen ihn erneut innehalten ließ. Er wandte sich zu ihm um, so genervt wie schon lange nicht mehr und bemerkte erstaunt, dass er den Abstand zwischen ihnen verringert hatte.

„Was-" Luhans Satz ging in den Lippen des anderen unter. Er hatte seine Wangen mit seinen Händen umschlossen und drückte ihm nun einen Kuss auf, der Luhan den Atem raubte. Er küsste mit geschlossenen Lippen und mit mehr Druck als nötig, aber sein Duft und seine Unerfahrenheit waren berauschend. Luhans Geduldfaden war gerissen.

Er schob den Jungen von sich, behielt eine Hand jedoch in seinem Shirt vergraben. Er schloss die Tür auf und schob sie mit seinem Körpergewicht auf und zog den Jungen mit sich hinein. Der Aufzug war bereits im Erdgeschoss und Luhan verschwendete keine Zeit. Der Junge stolperte hinter ihm hinein, Luhan drückte die Nummer für das dritte Stockwerk und hatte den Jungen gegen die Aufzugwand gepresst, bevor die Türen sich vollends geschlossen hatten.

Luhan ließ nur von ihm ab, um aus dem Aufzug zu stolpern und hatte ihn wieder an die Wand gepresst, sobald seine Haustür hinter ihnen zugefallen war. Der Junge atmete schwer und sein Herz schlug so schnell wie die Flügel eines Kolibris, aber seine Lippen waren ebenso hungrig wie Luhans. Er schien nicht zu wissen, was er mit seinen Händen tun sollte, also half Luhan ihm aus, indem er seine Hände auf seinen Hintern legte. Der Junge quietschte erschrocken auf und starrte Luhan mit geweiteten Augen an.

„Ist das wirklich in Ordnung?"

„Himmel hattest du noch nie einen Arsch in den Händen?"

Der Junge antwortete mit einem verträumten Blick, der Luhan zum Lachen brachte. Sie streiften ihre Schuhe notdürftig von den Füßen, immer darauf bedacht so viel Körperkontakt wie möglich zu bewahren.

Luhan stolperte rücklings durch den Flur und ließ gleichzeitig seine Hände über die weiche Haut an Sehuns Bauch entlang fahren, bevor er ihm das Shirt über den Kopf stülpte. Er war dünn und Papierweiß, ohne auffällige Muskeln. Luhan hinterließ rote Bissspuren auf der Haut, die er mit dem Mund erreichen konnte.

Beiden stockte kurz der Atem, als Luhan mit dem Rücken gegen seine Schlafzimmertür stieß. Er öffnete die Tür blind mit seinem Ellbogen und fiel hindurch, während der Junge in seine Unterlippe biss.

„Shit", fluchte er. „Habe ich dir wehgetan?"

Luhan verdrehte in der Dunkelheit die Augen. „Keine Panik." Die Fensterläden waren nicht geschlossen, aber es schien auch kein Mondlicht ins Zimmer hinein. Er stülpte sich sein eigenes Shirt über den Kopf und sank dann, langsam und bedächtig auf die Matratze seines Doppelbetts hinunter. „Komm her."

Der Junge schluckte – hörbar – bevor er wie in Trance auf Luhan zu wankte und ebenfalls aufs Bett kroch. Er lag über Luhan und Luhan gefiel wie er ihn ansah. Seine Augen hatten sich soweit an die Dunkelheit gewöhnt, dass er sehen konnte wie hungrig und anerkennend die Augen des anderen waren.

„Willst du mich wirklich nur ansehen?"

„Was?", hauchte er atemlos.

Luhan verschränkte die Arme hinter Sehuns Nacken und zog ihn zu sich hinunter. Er war schwerer als gedacht und knockte für einen Moment alle Luft aus Luhans Lungen, dann spürte er deutlich die Beule durch die enge Jeanshose des anderen und lachte wieder. „Jetzt schon?"

Der Junge antwortete nicht, sondern küsste ihn wieder. Luhan war zufrieden mit dem Stand der Dinge und hob seine Hüfte ein wenig um der Erektion des anderen entgegen zu kommen. Der Junge stöhnte erschrocken auf. Seine Reaktionen waren unmaskiert und echt. Es belustige Luhan und spornte ihn dazu an die Bewegung zu wiederholen. Er wurde nicht enttäuscht als der Junge scharf nach Luft schnappte.

„Ich-"

Luhan küsste ihn lächelnd und verstand seinen Fehler erst eine Sekunde darauf als der Junge anfing in seinen Armen zu zittern und plötzlich starr wie ein Brett auf ihm zu liegen kam.

Luhan blinzelte verwirrt an seinen Haaren vorbei, bis Erkenntnis in ihm dämmerte. „Was? Das ist nicht dein ernst."

Der Junge kicherte – KICHERTE! – atemlos in seine Halsbeuge hinein. „Fuck."

„Du bist wirklich...jetzt schon?? Wir haben doch noch gar nicht...das war nicht einmal ‚First Base'!"

„Das war deine Schuld...ich habe dir gesagt ich mag dich."

Luhan war nicht amüsiert. Er schob den Jungen von sich, bis er rücklings auf der Matratze neben ihm zu liegen kam und starrte entrüstet auf ihn hinunter. „Ich kann es nicht glauben."

Der Junge kicherte wieder. „Ich auch nicht."

„Du solltest wirklich nicht so glücklich klingen. Das war erbärmlich."

Noch mehr blödes Gekicher. „Ich kann nicht anders."

Luhan seufzte tief, griff über den Jungen hinweg zum Nachttisch und zog eine Packung Zigaretten und ein Feuerzeug aus der Schublade heraus. Er murmelte unverständliche Dinge vor sich hin, während er sich eine Zigarette zwischen die Lippen steckte und sie anzündete. Seine eigene Erregung war komplett dahin und von tiefem Frust ersetzt worden.

„Hey."

Luhan antwortete nicht.

„Hey."

„Was?"

„Sind wir jetzt zusammen?"

Luhan hustete Zigarettenrauch aus und spürte Tränen in seinen Augenwinkeln prickeln, als der Zigarettenqualm in seiner Lunge brannte. „WAS?"

„Zusammen, wie in Beziehung." Er blickte schüchtern zu ihm auf. „Du weißt schon."

„Wie alt bist du zum Teufel?? Sieben?"

„Nein", antwortete er beleidigt. „Ich bin volljährig."

„Kein Wunder dass die Jungend von heute nichts auf die Reihe bekommt. Alles Volltrottel."

Der Junge lächelte nur, ohne beleidigt zu wirken. „Du bist wirklich schön, weißt du das?"

„Klar weiß ich das. Ich bin kein Teenager mehr."

„Musst du ständig über Alter sprechen?"

Luhan verengte skeptisch die Augen. „Du bist wirklich volljährig?"

„Mhm."

Luhan seufzte. Was auch immer. Er hätte mehr in der Bar trinken sollen. Ein Cocktail war wirklich nicht genug gewesen. Er schnippte Asche in den Aschenbecher neben dem Bett und lehnte sich dann wieder in seine Kissen zurück. Minseok hatte Recht. Minseok hatte immer Recht. Luhan war zu alt für diese Dinge.

„Hey."

„Was?"

Der Junge klang schläfrig, so wie alle Typen nach dem Orgasmus immer schläfrig wurden. „Ich bin wirklich glücklich."

Luhan verzog das Gesicht. „Wenigstens einer von uns."

Seine Mundwinkel verzogen sich nach oben aber seine Augenlieder waren bereits zugefallen. „Das ist erst der Anfang", flüsterte er, bevor sein Atem langsam regelmäßig wurde und er neben Luhan wegdriftete.

Luhan schüttelte den Kopf über diesen wundersamen Jungen, drückte seine Zigarette aus und steckte sich eine zweite an. Er hatte viel Ähnlichkeit mit seinem Tinder-Profilbild gehabt, was Luhan positiv überrascht hatte. Sein Name lag Luhan ein wenig schwer auf der Zunge, weil er ihn an jemanden erinnert und sein Alter war offensichtlich eine Lüge. Er würde ihn wahrscheinlich umbringen, wenn er ihm am nächsten Morgen gestand, dass er noch ein Schüler war...ja er würde ihn definitiv erdrosseln. Aber nach morgen würde er ihn auch nicht wiedersehen müssen. So viel stand fest.

Der Junge erwachte am nächsten Morgen, während Luhan ungeduldig neben dem Bett stand und auf ihn hinuntersah. Er hielt die Arme fest vor der Brust verschränkt und tippte unregelmäßig mit dem Finger gegen seinen Oberarm.

„Wach?"

Der Junge streckte sich mit einem glücklichen Seufzen und sah dann wieder zu Luhan auf. „Wow du bist noch schöner geworden."

Luhan verdrehte die Augen. „Steh auf und geh nachhause, du hast lange genug geschlafen."

Der anderer richtete sich langsam auf. „Können wir nicht ein wenig länger liegenbleiben?"

„Nein", antwortete Luhan trocken. „Ich muss zur Arbeit."

„Es ist Sonntag."

„Manche Menschen arbeiten auch sonntags."

Der Junge nickte verständnisvoll. „Ich kann dich zur Arbeit begleiten."

„Auf gar keinen Fall."

„Wieso nicht?"

Luhan seufzte. „Ich bin fertig mit dir. Geh nachhause."

„Das ist kalt von dir."

Luhan hatte noch nie einen so nervigen one-night-stand gehabt. „Ja. Jetzt geh."

Der Junge schmollte. Er schob tatsächlich seine Unterlippe vor und sah Luhan mit unglücklichen Augen an (Was zum Teufel?) „Du willst nicht einmal mit mir frühstücken?"

„Iss Zuhause."

„Du bist WIRKLICH fies."

Luhan starrte ihn für einen Moment fassungslos an und der Junge starrte unnachgiebig zurück. Dann gab Luhan nach. „Gut, du frühstückst, du gehst, dann sehen wir uns nie wieder."

„Darf ich davor noch duschen?", rief der braunhaarige ihm hinterher, während Luhan bereits die Tür ansteuerte. Er seufzte tief zur Antwort.

Luhan warf grummelnd ein paar Eier (das einzige was er noch im Kühlschrank hatte) in die Pfanne und etwas Toast in den Toaster während der Junge duschte. Er kam warm und weich aus dem Badezimmer heraus und strahlte Luhan an. Er wirkte plötzlich sehr, sehr viel jünger als noch am vergangen Abend. Seine Haare waren nicht mehr zurück frisiert und hingen ihm nun stattdessen in platten Strähnen in die Stirn hinunter. Das grässliche Gefühl von Wiedererkennen schlich sich erneut in Luhans Bewusstsein aber er konnte nicht sagen wieso.

Sehun trat nahe an Luhan heran und lugte über seine Schulter. „Du machst Spiegeleier?"

„Mhm."

„Das sieht wirklich gut aus."

Sehun sah ihn an, nicht die brutzelnden Eier in der Pfanne. „Hör auf mich so anzusehen."

„Wieso? Ich mag es."

„Hör auf mit mir zu flirten, das zieht nicht." Er machte einen Schritt zur Seite. „Und mir wird schlecht davon."

Sehun schmollte wieder. „Gestern hast du die ganze Zeit mit mir geflirtet."

„Gestern wollte ich auch noch mit dir ins Bett."

„Was hat sich geändert?"

Luhan sah ihn unbeeindruckt an. „Dein Penis hat alles geändert. Er bringt es nicht."

„Du bist fies. Gestern war ich betrunken und nervös."

„Betrunken", wiederholte Luhan Kopfschüttelnd. „Du hattest ein Glas Saft."

„Da war Wodka drin!"

„Es war EIN Glas!"

Sehun schob wieder die Unterlippe nach vorne. Es war unmöglich mitanzusehen. „Wenigstens kann ich guten Gewissens sagen, dass ich nicht mit einem Minderjährigen geschlafen habe."

„Ich bin nicht Minderjährig!", wiederholte Sehun mit mehr Nachdruck. „In fünf Monaten zumindest nicht mehr."

Luhan wandte sich um mit einer Geschwindigkeit, die Menschen nicht möglich sein sollte. „Was?", fragte er ganz, ganz ruhig. „Könntest du das bitte wiederholen?"

Sehun wich einen Schritt zurück, dann noch einen. „Du siehst echt gruselig aus."

„Du bist minderjährig?!", fragte Luhan mit polternder Stimme. „Du bist unter zwanzig??" Natürlich hatte der andere, bis auf sein Aussehen, keinen wirklich erwachsenen Eindruck auf Luhan gemacht, aber Himmel er hätte doch nicht wissen können, dass der Junge illegal war!! Luhan könnte seinetwegen ins Gefängnis kommen!

„Ich bin praktisch volljährig. Fünf Monate mehr oder weniger..."

„Sind fünf Monate zu früh!", schnitt Luhan ihm ins Wort. „Was zum Teufel suchst du auf Tinder?!"

Sehun sah bedrückt zu Boden. „Ich wollte dich doch nur kennenlernen."

Luhan schnaubte. „Worüber hast du noch gelogen? Nur dein Alter?"

Sehun zuckte zusammen. „Mh, nur das."

„Ich kann es nicht fassen." Luhan warf ihm seinen besten, anklagenden Blick zu. „Was hast du dir dabei nur gedacht?"

„Nichts Böses."

Sehun sah wirklich nicht aus, als hätte er Luhan mit seiner Lüge absichtlich in Schwierigkeiten bringen wollen, was nichts an seinem Alter änderte aber letztlich hatte er ja auch nicht mit ihm geschlafen. Luhan entspannte seine Schultern und ließ damit etwas seiner Wut abflauen. „Was auch immer." Er rettete die Eier und verteilte sie auf zwei Teller. „Lösch dein Tinder-Profil."

„Das hatte ich ohnehin vor jetzt da wir zusammen sind! Was denkst du von mir?" Sehun klang beleidigt. Luhan hätte ihn, nach dieser unglaublichen Annahme, gerne schmerzverzerrt gehört.

„Wir sind nicht zusammen", stellte er klar und legte Sehun seinen Teller vor. „Iss."

„Vielen Dank."

„Was möchtest du trinken?"

„Saft?"

Luhan gab ihm Wasser.

Sehun aß langsam und stahl immer wieder Blicke auf seinen Gegenüber, wie ein Liebestrunkener Teenager, der in der Schule neben seinem Schwarm sitzt. Er war unerträglich. „Also, lebst du noch bei deinen Eltern?"

Sehun verneinte. „Ich gehe nach den Sommerferien zur Uni. Meine Eltern leben außerhalb von Seoul."

„Dann bist du gerade erst fertig mit der Schule geworden? Was ist mit den Eignungsprüfungen für die Uni?"

„Alle schon hinter mir."

„Glückwunsch."

Sehun strahlte ihn wieder an. „Danke Hyung!"

Luhan verzog das Gesicht. „Nenn mich nicht Hyung."

„Wie sonst?"

„Überhaupt nichts", grummelte er.

„Und Höflichkeitsformen?"

„Auch das wird nicht nötig sein." Luhan hatte wirklich nicht vor diesen Jungen noch einmal wiederzusehen, er zählte schon die Minuten, bis er ihn aus seiner Wohnung werfen und sich für die Arbeit fertigmachen konnte.

Sehun sah ihn erstaunt an. „Ich weiß nicht ob ich mich daran gewöhnen werden kann aber ich gebe mein bestes."

„Was auch immer. Iss schneller."

Sehun ignorierte ihn. „Wie ist die Arbeit so?"

„Du meinst, was ich beruflich mache?"

„Ah." Sehun nickte schnell. „Genau."

Luhan legte das Kinn in die Handfläche und murmelte seine Antwort der Küchentür entgegen. „Ich kellnere. Das ist nicht ganz einfach aber es wird besser bezahlt als man denkt. Vor allem wenn man gut ist."

„Wie lange machst du das schon?"

Luhan musste für einen Moment über die Frage nachdenken. Junmyeon hatte ihn damals gefragt, ob Luhan nicht mit ihm und Minseok zusammen im ‚Exordium' arbeiten wollte. Das Exordium war Junmyeons erstes Restaurant und natürlich eine Neueröffnung, was gewisse Risiken mit sich führte, aber Minseok hatte bereits zugestimmt und Luhan hatte nicht gezögert, weil Minseok sein bester Freund war und Junmyeon...Junmyeon einfach großartig war.

„Seit drei Jahren etwa", antwortete Luhan schließlich. „Ein guter Freund von mir hat das Restaurant gegründet, in dem ich nun arbeite und es ist über die Jahre ziemlich angesagt geworden."

Sehun nickte lächelnd. „Klingt nach einem schönen Arbeitsplatz."

„Es ist anstrengend und einiges kann schiefgehen, wenn man die falschen Leute einstellt oder sich nicht ordentlich um Hygiene kümmert." Luhan dachte an das Restaurant, in dem er mit zwanzig zum ersten Mal ausgeholfen hatte. Er hatte in seinem Leben noch nie so viele Kakerlaken auf einem Haufen gesehen. Mehrfach waren ihm die Viecher auch auf die Hand gesprungen wenn er abends mit einem Lappen über die Theke gewischt hatte. Bevor er dort angefangen hatte, hätte er sich niemals träumen lassen können, wie friedlich Mäuse und Kakerlaken miteinander leben konnten.

In Junmyeons Restaurant war er noch keiner einzigen Kakerlake oder Maus über den Weg gelaufen und er war wirklich froh darüber.

Als Sehun seinen Teller geleert und mit Küchenpapier über seine Lippen gefahren war, erhob sich Luhan. „Na dann", setzte er an „Lass mich dich zur Tür bringen."

Sehun folgte ihm mit Füßen, die träge über den Boden scharrten. „Hast du später...oder morgen vielleicht Zeit?" Luhan lehnte sich an die Wand neben dem Wohnungseingang und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich will dich nicht nerven oder so, aber" Sehun nahm einen tiefen Atemzug. „Ich mag dich wirklich sehr, bitte lass mich dich wiedersehen."

„Wieso bist du so hartnäckig? Du bist jung, du wirst bestimmt noch andere Leute kennenlernen." Er tätschelte ihm den Kopf, wofür er seinen Arm mehr ausstrecken musste, als er zugeben wollte. „Du wirst bessere Liebhaber finden, okay? Warte damit bitte nur bis du volljährig bist."

„Wenn ich volljährig bin, können wir beide dann nicht-"

Luhan unterbrach ihn, indem er den Kopf schüttelte. „Ich sagte bessere Liebhaber, das impliziert dass ich nicht der Richtige für dich bin."

Sehun schob wieder seine Unterlippe nach vorne. „Nicht fair."

„Hör auf zu schmollen." Sehun war anstrengend aber auch sehr niedlich. Nur noch ein paar Jahre und von dieser Niedlichkeit würde wahrscheinlich nicht mehr viel übrig sein. Er würde sich bewusst werden, wie gutaussehend er war und vielleicht sogar zu einem Herzensbrecher werden. Luhan würde es niemals erfahren.

Sehun zog seine Schuhe betont langsam an und stand dann mit herabhängenden Schultern vor ihm. „Meine Güte, du benimmst dich wie ein überdimensionales Baby." Er zog Sehuns Gesicht mit den Händen zu sich herunter und küsste ihn sanft auf die Lippen. „Kein Tinder mehr, verstanden? Wenn ich dich noch einmal dort sehe, dann sabotiere ich all deine Treffen. Glaub mir."

Sehun schnaubte. „Ich habe kein Interesse mehr an Tinder." Luhans nächste Worte wurden wieder von Sehuns Lippen verschluckt. Seine Unterlippe war voller als die Oberlippe und wenn Luhan mit seiner Zunge über seine Zähne strich erschauderte er.

Sehun drückte Luhan fester gegen die Wand und schob eines seiner langen Beine zwischen Luhans. Luhan hätte den Kuss wahrscheinlich nicht so lange fortführen dürfen aber es war immerhin ihr letzter Kuss und Sehun fühlte sich gut und warm an.

Als Sehun anfing seinen Hals hinunter zu küssen und Luhans Arme hinter seinem Nacken verschränkt waren, realisierte er dass das alles ein wenig eskalierte. Er spürte Sehuns Erektion in seiner Hose wachsen und spürte auch in seiner Magengrube einen Funken Erregung kitzeln.

„Sehun-" Luhans Hand wanderte in seine braunen Strähnen und zog sanft, bis Sehun leise stöhnte. „Sehun du solltest gehen."

„Gleich", versicherte er heißer, bevor er in Luhans Halsschlagader biss. Luhan ließ einen erschrockenen Laut von sich, der ihn tiefrot werden ließ. „Magst du das?"

„Halt den Mund!"

Luhan spürte Sehun gegen seine Haut lächeln. „Ich mag es wenn du laut wirst."

Luhan glaubte nicht, dass Sehun beabsichtigte sexy zu klingen, er glaubte viel eher das Sehun nicht viel Ahnung hatte und Luhan nur das mitteilte, was ihm durch den Kopf ging. Es hatte dennoch Wirkung auf ihn.

Luhan küsste Sehun erneut auf die Lippen und schob den anderen dann von sich. Er musste keine Kraft anwenden, weil Sehun augenblicklich gehorsam zurückstolperte. Seine Lippen waren gerötet und glitzerten feucht.

Luhan deutete mit dem Kinn auf die Haustür, weil er seiner Stimme noch nicht traute. Sehun ließ wieder die Schultern hängen, aber er nickte ergeben. „Wir sehen uns bestimmt wieder."

„Vielleicht", antwortete Luhan, auch wenn er nicht daran glaubte. Sehun öffnete die Tür. „Ah und Sehun?" Der Junge wandte sich augenblicklich mit großen Augen zu ihm um. „Schreib mir keine Nachricht mehr über Tinder und lösch am besten auch all meine Daten, die du hast. Und komm nicht wieder hierher."

Sehun sah ihn wirklich bedrückt an. „Wenn du das willst."

„Ja. Komm gut nachhause und viel Glück in der Uni."

Sehun öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder. Das letzte was Luhan von ihm sah, war sein enttäuschtes Gesicht, kurz bevor er die Tür zu zog.

Luhan liebte Mittwochabende. Das Restaurant war konstant gut gefüllt aber niemals kamen zu viele Leute auf einmal, so dass Luhan nicht in Stress geriet. Mittwochabende waren entspannt, das Licht ein wenig mehr gedämpft als sonst und Yixing durfte seine selbstkomponierten Stücke auf dem Klavier spielen – was immer großartig war. Am besten gefiel Luhan jedoch, dass er Mittwochabend mit Junmyeon im Service arbeitete und mit Junmyeon zu arbeiten war großartig. Junmyeon machte nie Fehler, er konnte den ganzen Laden alleine bedienen ohne ins Schwitzen zu geraten, er war immer gelassen und die Gäste liebten ihn, Luhan liebte ihn...alles war ziemlich perfekt.

Luhan war also nicht nur ein bisschen enttäuscht, als er Chanyeol anstelle von Junmyeon in der Umkleidekabine vorfand. „Was machst du hier?", fragte er und hörte selbst wie weinerlich er klang. „Du arbeitest mittwochs doch gar nicht."

Chanyeol begrüßte ihn mit einem breiten Lächeln, ohne auf sein saures Gesicht einzugehen. „Junmyeon hat mich gebeten für ihn einzuspringen damit er in Ruhe die zwei neuen einweisen kann."

„Dafür hättest du nicht extra kommen müssen."

Chanyeol schüttelte belustigt den Kopf. Er knöpfte sein weißes Hemd zu und griff anschließend nach der blauen Fliege in seinem Spind. Das Restaurant war sehr schick und dementsprechend kleideten sich ihre Kellner und Barkeeper. „Ich habe Junmyeon auch gesagt, dass du meine Unterstützung wahrscheinlich nicht brauchen wirst, aber er hat darauf bestanden. Ich denke er wollte nicht dass du in Stress gerätst."

Luhan spürte ein warmes Gefühl in seiner Brust anschwellen. „Ja das klingt nach Junmyeon."

„Schau nicht so verträumt", stichelte Chanyeol. Luhan schlüpfte aus seinem Shirt, während Chanyeol sich die Azurblaue Schürze umband. Blau war ein gängiges Thema dass sich durch die Dekoration hindurch zog. Tischdecken, Wandgemälde und das Licht, dass die Spirituosenflaschen hinter der Bar Theke beleuchteten, waren alle in demselben schönen dunkelblau.

Chanyeol ging ihm voraus aus der Umkleide, während Luhan sich noch zurecht machte. Er gab sich mittwochs immer ein klein wenig mehr Mühe mit seinen Haaren und seiner Kleidung. Er mochte es wenn Junmyeons Augen ein Ticken zu lange auf ihm lasteten. Es brachte Luhans Herz zum Rasen.

Bevor er in den Gastraum ging um seine Schicht zu beginnen, machte er noch einen Abstecher in der Küche, wo Minseok und Kyungsoo sich gerade über irgendein Buch unterhielten, dass beide gelesen hatten.

„Hey", begrüßte Luhan sie und trat in den Raum ein. Um die Ecke, neben der Spüle, entdeckte er außerdem noch Baekhyun, der abwechselnd als Küchenhilfe, anderntags im Service oder als Sänger neben Yixings Klavier aushalf. So vielfältig wie sein Tätigungsbereich war auch sein Charakter, wie Luhan in den letzten Monaten gelernt hatte.

„Hey Luhannie", sang Minseok und winkte ihm grinsend zu. „Bist du hungrig? Kyungsoo und ich haben ein wenig für die Dessertkarte herumexperimentiert."

„Zu Dessert sage ich nicht nein, heb mir was für später auf."

Minseok salutierte mit Zeige- und Mittelfinger und Luhan grinste breit zurück, bevor er zu seinen Gästen ging.

Junmyeon war bereits hinter der Theke, in einer engen schwarzen Hose, die seinen Hintern gut zur Geltung brachte, und einem weißen Hemd das er an den Ellbogen ordentlich hochgekrempelt hatte. Er war einer der wenigen Menschen, dessen Charakter genauso gut wie sein Aussehen war. Er war praktisch der beste Mensch auf dieser Welt. Zumindest dachte Luhan so.

Junmyeon wandte sich um als Chanyeols Augen zu ihm wanderten. „Luhan hey!" Luhan bildete sich gerne ein, dass Junmyeons Augen bei seinem Anblick etwas weicher wurden aber er konnte es nicht mit Genauigkeit sagen. Minseok nannte ihn desillusioniert. „Das sind die zwei neuen Service-Kräfte, die wir einlernen müssen. Bitte hilf ihnen aus, wo du kannst."

„Natürlich Boss." Er zwinkerte Junmyeon zu und wandte sich dann mit einem breiten Lächeln zu den zwei neuen um. Das Mädchen hatte hübsche Grübchen als sie ihn anlächelte und süße Ringellocken vor ihren Ohren, die sich offensichtlich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatten. Der Junge war etwa so groß wie Junmyeon, mit lockigem braunem Haar und spitzen Gesichtszügen. Seine Lippen waren schmal aber spitz und in ein breites Lächeln verzogen. „Freut mich sehr euch kennenzulernen", sagte Luhan in seinem besten Benehmen (Junmyeon sah immerhin zu). „Ich bin Luhan. Auf gute Zusammenarbeit."

„Freut mich sehr", sagte das Mädchen. „Ich bin Jisoo."

„Und ich Jongdae. Auf gute Zusammenarbeit Luhan!"

„Jisoo wird bei Chanyeol an der Theke bleiben und ihm ein wenig mit den Getränken aushelfen und ich zeige Jongdae wie die Tische nummeriert sind. Falls du Hilfe brauchst, zögere nicht nach mir zu rufen."

„Dafür habe ich Chanyeol", erwiderte Luhan uns strahlte Junmyeon an. „Mach dir keine Sorgen."

Junmyeon führte Jongdae ab, während Jisoo etwas näher zu Chanyeol herantrat.

„Er ist wirklich nett", sagte sie mit einem schüchternen Lächeln. „Junmyeon meine ich."

„Davon kann Luhan dir ein Lied singen", sagte Chanyeol lachend und griff nach dem Zettel, der eben aus der Bon-Maschine kam und die nächste Bestellung Getränke ankündigte, die Sooyeon gerade aufgegeben hatte. Sie kam anschließend zur Bar, mit einem Tablett unter ihrem Arm.

„Schicht Wechsel", sagte Luhan und ließ sich von ihr die derzeitigen Tische und Gäste erklären. „Tisch sieben ist super pingelig. Schau nach ob Minseok die Pesto-Pflaumen-Sauce wirklich nur unter die Nudeln gekippt hat. Tisch zwanzig sitzt seit einer Stunde da und flirtet nur miteinander. Biete ihnen vielleicht noch ein Dessert an oder einen Kaffee, dann können sie sich noch länger anstarren." Sooyeon blickte sich um und tippte dabei mit dem Zeigefinger gegen rotgeschminkte Lippen. „Neununddreißig ist fast fertig mit dem Essen, drei Tische in der zehnerreihe warten noch aber noch nicht allzu lange und siebzehn schaut jede Sekunde auf um noch etwas zu bestellen."

Die ältere Dame an siebzehn blickte auf als hätte Sooyeons Stimme sie dazu beschworen. Luhan setzte ein Lächeln auf die Lippen, nahm Sooyeon das Gerät für die Bestellungen ab und wünschte ihr einen schönen Feierabend, während er sich bereits zu der älteren Dame aufmachte.

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Das Restaurant lief einwandfrei, Kyungsoo und Minseok brachten schöne und vor allem köstliche Speisen über die Theke und Luhan versprach das Lob der Gäste an ihre zwei Köche weiter zu geben. Alles lief wie am Schnürchen, auch wenn er ein wenig enttäuscht darüber war, das Junmyeon so beschäftigt mit den zwei neuen war.

Er blickte sich um aber es war spät geworden und viele Tische geleert und die restlichen Gäste tranken Kaffee oder einen Cocktail. Er ging zu Yixing hinüber und lehnte sich an das Klavier, während Yixing sein derzeitiges Stück mit sanften Noten verklingen ließ.

„Hey."

Yixing schenkte ihm ein Lächeln voller Grübchen und strahlender Augen, weil das eben Yixing war und erwiderte den Gruß.

„Das Stück war neu, nicht wahr? Es klingt schön."

Yixing strahlte auf über das Kompliment. Er war wie ein Leuchtturm, der mit seinem Lächeln seine gesamte Umgebung beleuchten konnte. „Das ist es! Ich habe die letzten drei Tage daran gesessen."

„Hat sich gelohnt. Die Leute sind schwer begeistert von dir." Er griff in seine Anzugsjacke und beförderte ein Stück Papier hervor. „Die alte Dame an siebzehn hat mich gefragt ob ich dir die Telefonnummer ihrer Enkeltochter weitergeben kann. Ich garantiere jedoch nicht, dass sie mir nicht einfach ihre eigene Nummer gegeben hat."

Yixing lachte und nahm den Papierschnipsel entgegen. „Ich bin geschmeichelt. Ich mag alte Damen."

„Tja sie lieben dich ebenfalls." Er kniff Yixing in die Wange, weil Yixing unglaublich niedlich war und der einzige, der sich von Luhan kneifen ließ. Er wagte nicht es bei Minseok oder Kyungsoo auszuprobieren – beide konnten seiner Meinung nach zu gut mit Messern umgehen.

„Ruhig heute Abend nicht wahr?"

Luhan sah sich um, seine Aufmerksamkeit wurde noch immer nicht gebraucht. „Etwas."

„Wie lief dein Tinder-Date am Samstagabend? Ich habe ganz vergessen danach zu fragen."

Luhan winkte ab und seufzte. „Der größte Reinfall aller Zeiten, ich sollte aufhören Dating-Apps zu benutzen."

„Das sagt Minseok immer", er lächelte mit Mitgefühl in den Augen. „So schlimm?"

„Schlimmer", versicherte Luhan mit Nachdruck. Er hatte Sehun seit Sonntagmorgen ziemlich erfolgreich aus seinen Gedanken verdrängt und erinnerte sich auch nur noch aus einem anderen Grund an seinen Namen. Er war gutaussehend gewesen, das konnte Luhan nicht leugnen aber er war in jeder anderen Hinsicht nicht richtig für ihn. Luhan war erleichtert darüber gewesen, dass er auch nichts mehr von ihm gehört hatte und dass sein Tinder-Profil tatsächlich, wie abgemacht, verschwunden war.

„Gib die Hoffnung nicht auf. Vielleicht kommt ja noch heute der Richtige für dich durch die Tür." Er wackelte mit den Augenbrauen, als Junmyeon mit Jongdae gerade durch die Tür schritten, wahrscheinlich hatte Junmyeon ihm das Außenschild gezeigt, wo sie morgens die Mittagskarte und die Empfehlung des Tages aufschrieben. „Gutes Timing, nicht?"

Luhan schüttelte lächelnd den Kopf, bevor er sich vom Klavier abstieß. „Minseok und Kyungsoo haben Desserts gemacht, bleibst du bis Schluss?"

„Jetzt definitiv", erwiderte Yixing grinsend und setzte die Finger wieder auf die schwarz-weißen Klaviertasten. „Nichts geht über Dessert."

„Außer Sex", erwiderte Luhan über die Schulter, leise genug so dass das Geräusch von den Klaviernoten verschluckt wurde. „Und Fußball."

Yixing lachte leise.

-

Es war halb eins als die letzten Gäste gegangen waren und Chanyeol Jisoo zeigte, wie sie die Theke sauber machten. Junmyeon und Jongdae standen neben einem Tisch und unterhielten sich.

„Wie war dein erster Tag Jongdae?", fragte Luhan als er zu ihnen herantrat.

„Sehr gut", antwortete Jongdae mit kurzem Blick auf Junmyeon. „Ich bin froh die Stelle hier bekommen zu haben."

Junmyeon lachte, was Luhan seine ganze Aufmerksamkeit zurück zu Junmyeon verlagern ließ. Minseok verdrehte meistens die Augen, wenn Luhan ihm mitteilte das Junmyeon das schönste Lächeln aller Zeiten hatte. „Ich bin froh, dass du uns zur Hand gehen wirst. Ich denke du und Jisoo passt sehr gut in unser kleines Restaurant."

„Blau steht dir außerdem sehr gut", fügte Luhan hinzu, was Jongdae zum Lachen brachte. Junmyeon schenkte ihm ein warmes Lächeln, das Funken in Luhans Magen entfachte. „Es gibt Dessert in der Küche Jongdae." Er zwinkerte ihm zu. „Versteh dich gut mit den Köchen und du wirst hier die beste Zeit deines Lebens haben."

„Das merke ich mir definitiv."

Die Eingangstür schwang auf, was Luhan mehr an dem kühlen Windhauch spürte, als das er sie gehört hätte. Junmyeon blickte an ihnen vorbei, wahrscheinlich bereit den Neuankömmlingen mit Bedauern mitzuteilen dass sie bereits am Schließen waren aber stattdessen wandelte sich seine Miene in freudige Überraschung um.

„Sehunnie!"

Luhan wandte sich um als Junmyeon an ihm vorbeiging und spürte wie sein Herz ein paar Schläge aussetzte. Eiswasser strömte durch seine Adern.

Vor Junmyeon stand Luhans Tinder-Date vom letzten Samstag und plötzlich wurde ihm ganz klar, was es mit dem Gefühl von Erkennen auf sich hatte.

Junmyeon zerzauste Sehun die Haare und lachte über das saure Gesicht dass der andere daraufhin zog. Sehun – Junmyeons kleiner Bruder, dem Luhan bisher ein einziges Mal begegnet war, von dem Junmyeon aber allerlei Geschichten erzählt hatte, weil er absolut vernarrt in ihn war.

Luhan wurde etwas anderes schlagartig bewusst. Sehun hatte ihn nicht nur wegen seinem Alter belogen, sondern auch seinen Nachnamen geändert.

Und noch eine weitere Sache: Luhan hatte beinahe mit dem jüngeren Bruder von Junmyeon – gerade Junmyeon in den Luhan seit Jahren verliebt war! – geschlafen. Den Bruder, den Junmyeon wie einen Schatz in seiner verfluchten Schatzkammer hütete. Oh verdammt auch.


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Ich habe im Vorwort vergessen zu erwähnen, dass das Alter der Charaktere hier etwas springt, das heißt nicht wundern, dass Junmyeon der Älteste der Geschichte ist etc. :) die Kaps bleiben in etwa in dieser länge und ich habe mir noch nicht überlegt in welchen Zeitabständen ich update. Vielleicht wieder wöchentlich aber das überlege ich mir noch einmal. :)

Die Geschichte war super simpel zu schreiben, sie ist eher 'leicht' und ein bisschen auf Komedie aus (auch wenn ich eigl. super unlustig bin und keinen guten Sinn für Humor habe - ich hoffe es macht trotzdem Spaß es zu lesen). Was noch? Ah, das hier ist die 2-Satz Geschichte, aus der diese Story hier entstanden ist:

'Online-Dating ist gewiss nicht die sicherste Art um Leute kennenzulernen, aber Luhan ist ein Profi und Sehun, zum Beispiel, sieht definitiv nicht aus, wie ein Messerschwingender, perverser Psychopath. Zugegeben, vielleicht täuschen Luhans Augen ihn auch manchmal, denn Sehun hat auf seinem Tinder-Profilbild auch nicht viel Ähnlichkeit mit dem gerahmten Foto, dass auf dem Schreibtisch seines Chefs steht - und ist dennoch unverkennbar dessen Sohn.'

Nur spielt es nun in einem Restaurant und ist insgesamt ein wenig verändert. Wir könnten sagen, es ist die Geschichte in der Sehun versucht Luhans Herz zu erobern...und Luhan hat überhaupt keine Lust darauf oder ähnliches :D

Liebe Grüße!

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