Kochen
„ Was willst du Tim? Du weißt, dass du auch einfach zu mir ins Zimmer kommen kannst." Basti unterdrückte sich ein lachen krampfhaft, indem er die Lippen zusammen presste. Wohl grad die lass mich in Ruhe, ich bin Teenager Phase. Er konnte sich noch gut daran erinnern, dass er selbst so gewesen war, als er ungefähr vierzehn gewesen war.
„ Wir haben Besuch und außerdem will ich kochen. Wenn du mir also sagen könntest, was du essen willst, damit ich das mit Basti abklären kann, wäre das sehr hilfreich." Tims Bruder schien ihn jetzt erst richtig zu realisieren. Er rang sich ein kurzes hallo hab, bevor er sich wieder an seinen Bruder wandte.
„ Ich hab mir schon was gemacht. Ich geh dann weiter Hausaufgaben machen." Hausaufgaben. Ein Tag vor den Ferien. Genau. Kein kleines Kind in dem Alter machte schon freiwillig Hausaufgaben, in den Ferien gleich drei mal nicht. Tim schüttelte ebenso über diese Ausrede den Kopf.
„ Sag doch einfach, dass du zockst, oder ein Buch liest."
„ Schulbuch.", korrigierte Max ihn sofort und verschwand dann wieder in seinem Zimmer. Das war ne kurze Begegnung. Sollte ihm recht sein. Schließlich wollte er eh erstmal Tim besser kennenlernen. Aus ihrer Zweisamkeit wurde nur leider nichts, da es in diesem Moment klingelte.
„ Veni. Ich geh schnell aufmachen. Bleib du einfach hier." Tim verschwand im Flur und Basti folgte ihm unauffällig. Er fand es blöd einfach nur hier stehen zu bleiben. Konnte er Veni gleich richtig begrüßen. Ein Surren ertönte, als Tim wohl die Eingangstür öffnete und zog dann ihre Wohnungstür auf. Die Treppe hoch kam ein völlig verschwitzter und halb erfrorener Veni.
„ Ich hoff die Heizung ist aufgedreht. Oder zumindest ne warme Dusche. Sonst erfrier ich hier draußen.", meinte dieser zähneklappernd und umarmte Tim kurz. Tim trat zur Seite, um ihn reinzulassen. Da fiel sein Blick dann auch auf Basti und er stockte für einen winzigen Augenblick. Jedoch nicht so lange, das es sonderlich auffällig war.
„ Hey du auch hier?", fragte er überrascht und umarmte auch ihn kurz.
„ Ja hat sich nach dem joggen so angeboten. Wenn ich störe, kann ich aber gerne."
„ Vergiss es, du bleibst hier." Veni zog sich geschwind die Schuhe aus und hängte seine Jacke auf.
„ Okay Plan. Ich geh schnell duschen, dann kochen wir ein paar Nudeln mit Tomatensoße und dann machen wir was zusammen.", schlug Tim vor, während er sich ins Bad begab.
„ Gut aber ich geh danach duschen. Ich schwitze extrem." Merkte Basti. Sein Shirt klebte an ihm, gab somit zumindest etwas von dem Preis, was sich darunter verbarg. Und das war ein mehr als gut gebauter Körper. Basti lief es kalt den Rücken runter. Solch ein Köper gehörte gesetzlich verboten. Ihm wurde unglaublich heiß und seine Wangen färbten sich rot, als ihm bewusst wurde, das er bereits viel zu lange nach ziemlich weit unten gestarrt hatte. Schnell wand er den Blick ab.
„ Kein Grund rot zu werden. Ich bin's gewöhnt, dass Tim Stegi hinterher gafft. Und außerdem ist ein Blick auf den Bauch nichts verwerfliches. Mach ich bei Tim ständig.", flüsterte Veni, jedoch noch laut genug, dass auch Tim es hörte.
„ Hey." Nicht gerade sanft schlug Tim Veni gegen den Oberarm, der darüber jedoch nur lachen konnte. Lief ja super. Oh Hilfe. Am liebsten wollte er sich in Luft auflösen. In seinem gesamten Leben hatte er sich noch nie sowas peinliches geleistet. Zugegeben er wusste auch erst seit einem halben Jahr, dass er auf Jungs stand. Dennoch war das hier mit am peinlichsten und zum Glück auch das erste Mal, dass ihm das passierte.
„ Keine Sorge, wir beide sind ziemlich offen. Tim ist schwul und ich denke, ich bin bi. Also egal was du bist, von uns wirst du herzlich akzeptiert." Das machte es ja so viel besser. Er wurde gerade beim Starren erwischt.
„ Also regelt ihr das Mal unter euch, ich bin duschen." Mit einem unterdrückten lachen verzog sich Tim ins Bad und schloss hinter sich ab. Veni packte einfach seine Hand und zog ihn mit sich. Wie er feststellen musste in die Küche. Also würden sie wohl schon mal anfangen zu kochen. Von drüben hörte er das Rauschen der Dusche. Veni holte aus den Schränken einen Topf, sowie Nudeln und stellte beides auf der Anrichte ab.
„ Kümmerst du dich um die Nudeln, ich mach schnell ne Tomatensoße. Und starr mir dabei bitte nicht noch auf den Arsch. Ich bin zwar eventuell bi, aber ich hab mich schon verguckt." Wie konnte man sich den bitte nicht sicher sein, ob man bi ist, oder nicht. In dem Alter wusste man doch, wem man hinterher schaute. Oder nicht? Ausnahmen gab es ja immer.
„ Wieso weißt du nicht, ob du bi bist? Wenn du dich schon in jemanden verguckt hast, dann weißt du doch, was du willst." Basti fühlte lieber mal vorsichtig vor. Offen hieß nicht, dass das im Bezug auf alles galt, was das Thema anging.
„ Verguckt hab ich mich in nen Jungen, das Erste mal geknutscht habe ich mit nem Mädchen. Es war ok, aber ich hab nichts für sie empfunden. Und bis jetzt war ich erst ein Mal verliebt. Daher bin ich unsicher. Ist aber nichts großes. Können wir bitte nicht darüber reden? Das ist mir dann doch etwas unangenehm. Hat aber nichts mit dir zu tun, oder damit, dass ich nicht offen bin. Ich hab meine Gründe." So offen und fröhlich, wie er Veni heute im Training kennengelernt hatte, war er jetzt nicht mehr. Im Moment war er zurückgezogen und schüchtern. Das würde noch sehr lustig werden. Er hatte dennoch nicht vor weiter auf dem Thema rum zu reiten.
„ Schon gut, ich kann mir denken, dass unerwiderte Liebe scheiße ist. Ich seh, wie Tim darunter leidet. Und Stegi ist fast jeden Tag in seiner Nähe."
„ Du willst nicht wissen, wie schlimm es noch werden kann. Tim hat noch Chancen. Ich bin in meiner persönlichen Hölle gelandet. Lassen wir es gut sein. Ich hab Hunger." Basti konnte nicht anders, als über den plötzlichen und total offensichtlichen Themenwechsel zu lachen. Um wirklich vom Thema wegzukommen, nahm er den Topf und füllte etwas mehr als die Hälfte Wasser hinein und stellte diesen auf den Herd. Veni machte sich schweigend an die Tomatensoße, summte dabei aber ein Lied, damit es nicht ganz so still war.
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