15.
„Sie schaut uns gerade an, als würde sie uns bei lebendigem Leib anzünden wollen", gluckst Riley und ich wende schnell meinen Blick ab.
„Halt die Klappe", zische ich und packe meine Pausenbox in meine Tasche. „Wegen dir habe ich wirklich nur Probleme."
Nachdenklich sieht er mich an. „Was soll ich denn deiner Meinung nach tun? Ich kann doch nichts dafür, dass sie auf mich steht", sagt er und ich muss zugeben, dass er Recht hat. So oft hat Riley ihr schon eindeutige Signale gegeben, dass er nicht will, aber bisher scheint Faith das nicht verstehen zu wollen.
„Keine Ahnung. Du könntest ihr ja eine Chance geben", meine ich lachend. Skeptisch hebt er eine Augenbraue an. „Hast du mir vor ein paar Wochen nicht noch vorgeschlagen, sie zu blockieren?"
Ich reiße erschrocken die Augen auf und deute ihm, still zu sein. „Ich habe es dir nicht vorgeschlagen. Aber wenn du keine Nachrichten von ihr möchtest, dann ist das Blockieren die einzige Möglichkeit, um es zu stoppen. Dafür wurde es ja erfunden, du Idiot", flüstere ich und er lacht.
„Du hast mich auf die Idee gebracht. Ich bin dir ja auch ziemlich dankbar dafür, aber was wird sie nur davon halten?", sagt er spielerisch und ich werfe ihm einen wütenden Blick zu. „Wage es ja nicht, du Idiot!"
Lachend blickt er zu Faith. „Es wäre nicht nett, ihr etwas vorzuspielen. Auch wenn sie unfassbar nervig ist, hat sie das nicht verdient", meint er schließlich. Erstaunt hebe ich die Augenbraue an. „Seit wann interessiert es jemanden wie dich, ob etwas nett oder nicht nett ist?"
„Was meinst du mit jemandem wie mich?"
Ich zucke mit den Schultern. „Na, so Fuckboys. Absolute Arschlöcher. Elendige Wichser. Du weißt was ich meine."
Seine Gesichtzüge verhärten sich und er sieht mich prüfend an. „Hast du mich gerade als elendiger Wichser beleidigt?"
Abwehrend hebe ich die Hände. „Ich habe nicht behauptet, dass du einer bist. Du verhältst dich wie einer", erkläre ich und er schüttelt fassungslos den Kopf. „Wie kommst du denn auf so einen Mist?"
„Wir leben in einer kleinen Stadt, Carter. Geschichten sprechen sich schnell herum."
Er zieht erneut seine Augenbraue in die Höhe. „Genau das ist der Punkt, Miller. Es sind Geschichten. Man sollte nicht immer alles glauben. Oder glaubst du etwas noch an die Story vom Weihnachtsmann und der Zahnfee?", fragt er und ich sehe ihn verdutzt an.
„Oh bitte, Riley. Jeder weiß über dich Bescheid. Versuch' mich nicht für dumm zu verkaufen", stöhne ich genervt auf. Ich hasse Menschen, die nicht mit offenen Karten spielen.
„Niemand weiß über mich Bescheid. Vielleicht solltest du dir dein Bild selbst von jemandem machen, bevor du über eine Person urteilst, Ava."
Er greift nach seinem Rucksack, steht auf und lässt mich verdattert zurück. Kurzzeitig habe ich das Gefühl, dass mich der gesamte Raum beobachtet. Ich kann es ihnen nicht verübeln, schließlich saß bis vor kurzem Riley Carter neben mir. DER Riley Carter. Und dieser hatte mich soeben hier sitzen gelassen.
Anderseits denke ich über seine Worte nach. Was meint er damit?
„Was wollte er von dir", höre ich eine kühle Stimme und ich zucke zusammen.
„Keine Ahnung. Wir haben geredet", antworte ich und schaue Faith mit gehobenen Kopf an, weil sie hinter mir steht.
„Und über was?", fragt sie skeptisch und ich zucke mit den Schultern. „Über Schule."
Sie seufzt und nickt langsam. „Hast du nicht auch das Gefühl, dass er total den Kontakt zu dir sucht, seitdem er mir abgesagt hat? Ich denke wirklich, er will mir eins auswischen. Was passt denn an mir nicht? Ich verstehe nicht, wieso er mich nicht will", gibt sie verzweifelt zurück. Ich zucke mit den Schultern.
„Bin ich zu hässlich? Habe ich das verdient?"
Seufzend drehe ich mich zu ihr um und sehe, wie sie immer noch in die Richtung blickt, in die Riley abgehauen ist. „Nein, bist du nicht. Vergiss ihn. Er ist ein Arschloch."
„Dafür, dass er ein Arsch ist, redest du ziemlich viel mit ihm. Ich finde das etwas hinterhältig von dir", sie kräuselt ihre Nase. Fassungslos blicke ich sie an. „Was kann ich denn dafür, wenn er mit mir spricht? Er sitzt in jedem Fach neben mir, ich kann ihn nicht einfach ignoriere!"
Wütend verschränkt Faith die Arme. „Achja? Wieso konntest du es dann anfangs? So verhält sich keine Freundin, Ava! Du hättest ihm schon so oft sagen können, dass er nicht mit dir sprechen soll, solange er sich mir gegenüber so verhält. Außerdem magst du ihn doch nicht mal. Er will mich mit dir verletzen und du lässt das auch noch zu! Wieso redet er sonst die ganze Zeit mit dir? Und du fällst mir in den Rücken, ich glaube es nicht. So verhält man sich einfach nicht!", zischt sie und ich zucke erschrocken zusammen. Ihre Worte wiederholen sich in meinem Kopf und ich blicke sie fassungslos an.
„Du wirfst mir vor, dass ich keine gute Freundin bin? Wer macht denn auf Friede-Freude-Eierkuchen und hängt mit meiner Erzfeindin ab?", murmele ich wütend und packe meine Tasche.
„Erzfeindin? Das ist wirklich kindisch, Ava. Außerdem ist das was anderes - man chillt nicht mit dem Jungen, auf den die beste Freundin steht."
Ich rolle genervt mich den Augen. „Ich chille nicht mit ihm. Ich gehe mit ihm in die gleichen Kurse und ich habe es mir nicht ausgesucht. Wenn du mich entschuldigst, ich werde jetzt gehen", sage ich fest und drehe mich um, um loszulaufen.
„Dann fall mir doch in den Rücken! Aber dann musst du nicht mehr bei mir ankommen", ruft Faith mir nach und ich spüre, wie ich den Tränen nahe bin. Haben wir uns gerade ernsthaft gestritten?
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