13.

Ich atme erleichtert auf, nachdem ich das mit Notizen gefüllte Blatt abgebe. Gerade in diesem Moment habe ich für mich beschlossen, dass ich die letzte Jahrgangsstufe verabscheue.

Nachdem Mrs. Grey zufrieden die Blätter eingesammelt und durchgezählt hat, lässt sie uns gehen. Ich springe auf und eile aus dem Klassenraum, um diesen ganzen Spuk zu entkommen. In ein paar Tagen stand die Chemieklausur an und ich fange an, mir bereits jetzt einen Kopf zu machen.

Meine Gedanken werden unterbrochen, indem ich sanft, aber bestimmt am Handgelenk gepackt und mitgeschleift werde. „Was soll das, Riley?", frage ich, als er mich hinter sich her zieht.

„Danke, ehrlich. Ohne dich hätte ich wahrscheinlich nicht mal die Hälfte der Aufgaben", gebe ich zähneknirschend zu. Ich muss sagen, dass ich beim Abschreiben die Antworten wirklich als logisch und nachvollziehbar empfand und beinahe überrascht war, wie wortgewandt Riley sein kann.

Er schleift mich achtlos hinter sich her und ich ziehe an meinem Handgelenk, um mich aus seinem Griff zu befreien. Schließlich stehen wir auf seinem Stammplatz vor dem Tor unserer Schule und ich sehe verwirrt zu den Fenstern der Cafeteria, wo die Schüler sich beinahe erschlagen.

„Was willst du?", frage ich schließlich seufzend, als er sich eine Zigarette anzündet. Er nimmt einen tiefen Zug und schließt kurz seine Augen. Wie man direkt keine 45 Minuten später erneut eine rauchen kann, scheint mir ein Rätsel zu sein.

„Wieso hörst du auf den Scheiß, den deine Freundin sagt?", fragt er schließlich und ich zucke zusammen. „Was meinst du?"

Er lacht leise und kickt einen kleinen Stein vor seinen Füßen weg. „Du hörst darauf, was sie auf der Party gesagt hat. Wieso lässt du dich davon so beeinflussen?", fragt er erneut und ich sehe ihn verdattert an. „Ich.., weil sie meine beste Freundin ist. Freundinnen halten zusammen und unterstützen sich gegenseitig", sage ich überzeugt und erneut lacht er. Etwas beleidigt darüber, dass er mich wohl absolut nicht ernst nahm, verschränke ich die Arme.

„Dass sie dich auf der Party alleine gelassen hat, empfinde ich nicht als Zusammenhalt. Wieso lässt du dir von ihr sowas sagen? Das ist total mies und unfair", erklärt er und ich seufze. Schließlich weiß ich, was er meint.

„Hör zu, wenn ich an diese Faith rankommen wollen würde, wie du es so schön sagst, hätte ich bereits tausende Möglichkeiten dazu gehabt. Immerhin hat die mir täglich mehr Nachrichten geschrieben, als alle meine Kontakte zusammen. Absolut nervig, wenn du mich fragst. Hör auf, dir von ihr sowas einreden zu lassen. Immerhin bist du ein selbstständiger Mensch und ich verstehe nicht ganz, wieso du mit ihr abhängst, wenn sie dir weiß machen will, dass man nur mit dir redet, um an sie ranzukommen. Totaler Bullshit", meint er schließlich fest und nach kurzem Nachdenken nicke ich langsam. 

„Keine Ahnung. Sie möchte schließlich das Beste für mich", sage ich und lache nervös. Er nimmt einen letzten Zug von seiner Zigarette und pustet den Qualm in eine mir gegenüberliegende Richtung. Dann wirft er den Stummel auf den Boden und tritt kurz mit seinen weißen Sneakern darauf. Dann versenkt er seine Hände in den Taschen seiner Jacke.

„Sie möchte das Beste für dich. Du sollst es aber nie besser haben als sie", sagt er und zuckt dann mit den Schultern.

„Ich will dir nichts einreden oder so, es ist mir egal. Aber du solltest dich nicht so stark von ihr beeinflussen lassen. Es ist dein Leben und deine Entscheidung, du bist eine eigenständige Person. Wenn sich jemand mit dir unterhalten möchte, dann tut die Person das wahrscheinlich, weil du ein ziemlich interessantes Mädchen bist. Nicht, um an deine beste Freundin, die es in dieser Version gefühlt an jeder Schule im Überfluss gibt, ranzukommen."

Er nickt mir noch kurz zu und läuft dann schließlich an mir vorbei. Wie ein übergossener Hund stehe ich da und schaue ihm verwirrt hinterher, nachdem er mich stehen gelassen hat.

Ich blicke mich auf dem Schulhof um und setze mich schnell in Bewegung, um nicht alleine rumzustehen wie bestellt und nicht abgeholt. Ich versuche, die Konvesation erneut durch meinen Kopf gehen zu lassen und die Hintergründe für seine Aussagen zu verstehen, jedoch ist das einzige, was in meinem Kopf schwirrt, die Frage, ob Riley Carter mich gerade wirklich als interessantes Mädchen bezeichnet hat.

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