1.

Der Schulgong. Das wohl wichtigste und meist geliebteste Geräusch im Leben eines High School Schülers. Es gibt kein schöneres Gefühl als zu wissen, dass die Schulstunde beendet ist.

Seufzend greife ich nach meinen Utensilien, die quer über meine Bank verteilt waren und werfe sie achtlos in meine Tasche. Nur noch eine Woche stand bis zu den Sommerferien an, dann habe ich es geschafft.

Ich springe vom Stuhl auf und versuche so schnell wie möglich den Klassenraum zu verlassen. Ich habe zuhause noch viel zu erledigen.

„Ava, du bist wirklich eine absolute Schnecke. Ich warte gefühlt seit Stunden auf dich", schreit mir Faith entgegen, während ich auf meinen Spind zulaufe. Ich rolle mit den Augen und lache. „Ich bin sofort nach dem Gong gegangen, das kann garnicht sein. Du lügst."

Faith und mich gibt es schon immer. Seit dem Kindergarten hieß es immer nur Faith und Ava. Es ist nicht so, dass ich sonst keine anderen Freunde habe. Im Gegenteil, ich würde behaupten, ich bin in guter Gesellschaft. Aber müsste ich mich zwischen irgendwem entscheiden, würde ich immer Faith wählen. Dies liegt nicht nur daran, dass wir uns seit dem Kindergarten kennen, sondern auch daran, dass wir unsere gesamte Schullaufbahn miteinander verbrachten und es nächstes Jahr zusammen beenden werden. Ich sehe sie jeden verdammten Tag und das ist auch gut so.

„Ich muss dir unbedingt was erzählen. Du wirst es mir nicht glauben!", raunt sie mir zu, während sie mir meinen Spind öffnet. 2455 ist der Code meines Schlosses, den mittlerweile bereits gefühlt der ganze Jahrgang kennt.

„Erzähl", fordere ich sie auf und schmeiße derweil meine Tasche in den Spind. Skeptisch beobachte ich mich in meinem kleinen Spiegel, den ich mir auf der Innenseite der Tür aufgehangen habe. Hier und da fliegen ein paar Strähnen aus meinem Zopf und meine Wimperntusche ist verschmiert, jedoch sehe ich noch relativ gut aus dafür, dass ich den ganzen Tag mit Mathematik oder ähnlich schlimmen Fächern gequält wurde.

„Rate mal, wer die Abschlussprüfungen dieses Schuljahr nicht bestanden hat", sagt Faith und grinst mich dabei verschwörerisch an. Ich runzle die Stirn und zucke mit den Schultern. Ich kannte nicht unbedingt viele aus dem Jahrgang über mir. Das Interesse an meinen Schulkameraden hielt sich in Grenzen. Sie sind einfach da und ich akzeptiere es, jedoch meide ich weitestgehend den Kontakt seitdem Cassie Brooke in der sechsten Klasse versucht hatte, eine Mobbingaktion gegen mich zu starten.

„Riley. Riley Carter. DER Riley Carter", flüstert Faith verschwörerisch. Ich sehe sie verwirrt an. Ich kenne den Namen, ich kenne das Gesicht dazu, aber ich hatte nichts mit dem Jungen zu tun. Wie gesagt, er ist einfach da und ich habe es akzeptiert.

Faith ist da anders. Sie will immer mitmischen und weiß über jeden einzelnen Schritt von Personen Bescheid, die sie für relevant hält. Sie ist da so mittendrin, in diesen Cliquen. Dadurch wusste ich, dass es ein paar Geschichten von diesem Riley gibt, aber aufmerksam verfolgt habe ich sie nie.

„Ist das gut oder schlecht?", hake ich vorsichtig nach, da ich nicht weiß, was ich mit dieser Information anfangen soll.

„Gut. Sogar sehr gut. Naja, eher schlecht für ihn. Der arme Junge muss das Jahr wiederholen. Eigentlich überrascht es mich nicht, aber er kann einem doch  leid tun. Aber das heißt, dass er ab nächstem Schuljahr zu uns in den Jahrgang kommt. Er ist ein absolutes Sahneschnittchen. 10 von 10 würde ich doch glatt behaupten", schwärmt Faith.

Wenn Faith etwas liebt, dann sind das Jungs. Gutaussehende, süße Jungs. Dinge, mit denen ich einfach nichts anfangen kann.

Es ist nicht so, dass ich eine Abneigung gegenüber dem männlichen Geschlecht habe oder nicht will, jedoch hat sich bis jetzt schlichtweg niemand für mich interessiert. Ich wurde grundsätzlich nicht mal mit dem Hintern angeguckt und irgendwie freut es mich. Durch all meine Soaps die ich regelmäßig gucke weiß ich, wie schnell das Herz eines Mädchens zerschlagen und zerstört werden kann.

Faith ist da anders. Mal wieder. Sie ist hübsch und süß und liebt es zu flirten. Ihr letzter Fang, Eric Benneton aus der Middleton High School, war schon wirklich süß. Leider hielt es nicht so lange wie geplant und ihr Leiden danach war ein Zeichen dafür, dass ich bisher nichts falsch gemacht habe in meinem Leben.

„Du weißt, dass ich mit dieser Information absolut nichts anfangen kann", merke ich an und Faith rollt genervt mit den Augen. Sie schlägt meinen Spind zu und zieht mich an der Hand durch den Flur.

„Ava Schatz, dein junges Teenagerleben nähert sich bald dem Ende. Meins genauso. Und ich habe das Gefühl, dass wir genau aus diesem Anlass den Sommer unseres Lebens haben werden. Also hör auf so spießig zu sein und reiß den Stock aus seinem Hintern. Freu dich einfach auf diese supersüße 10 von 10, die auf uns zukommt. Der Sommer unseres Lebens wird kommen."

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