25.

Hoseok's PoV.:

Nach drei Nachrichten und einem Anruf von Jungkook wusste ich, dass er derjenige war der in diesem Moment vor meiner Wohnungstür stand. Leider konnte ich ihn nicht dazu überreden nach Hause zu fahren, weswegen ich meinen Feierabend früher einleiten musste und zu ihm hetzte. Er wusste noch nicht, dass Yoongi seit ein paar Tagen bei mir wohnte. Das war wahrscheinlich auch besser so, aber nun musste ich es ihm wohl oder übel erzählen.

„Da bist du ja endlich", die gelangweilte Miene des Jüngeren hellte sich augenblicklich auf, als er mich zu Gesicht bekam. Er saß auf einer der Treppenstufen vor meiner Wohnung und hatte scheinbar an seinem Handy herumgespielt. Doch nun stand er auf, zog mich direkt zu einem Kuss heran. „Fuck, ich habe dich vermisst", nuschelte er gegen meine Lippen. Ich löste mich daraufhin von ihm und zwang mir ein kleines Lächeln auf. „Ich dich auch", antwortete ich dann. „Wirklich? Dabei hast du meine Nachrichten letzte Woche komplett ignoriert...", murmelte er gekränkt. Ich konnte es ihm nicht übelnehmen, denn seine Worte entsprachen der Wahrheit. Durch den Stress mit Yoongi hatte ich schlichtweg keine Lust gehabt mich mit Jungkook's anhänglicher Persönlichkeit herumzuschlagen.

„Tut mir leid... Es gibt da etwas, dass du wissen musst", fing ich zögerlich an. Jungkook hörte mir allerdings gar nicht mehr zu, nahm sich stattdessen den Schlüsselbund aus meiner Hand und fing an meine Wohnungstür aufzuschließen. Ich versuchte ihn noch halbherzig davon abzuhalten, doch es war bereits zu spät. Die Tür schwang auf und legte meinen düsteren Flur frei. In ihm stand Yoongi, die Augen weit aufgerissen und am ganzen Körper zitternd. Sein Anblick versetzte mir einen Stich ins Herz. „Hey, Yoongi, du musst keine Angst haben. Das hier ist Jungkook. Er ist ein Freund von mir und wird uns nicht verraten", versuchte ich ihn zu beruhigen, während ich langsam auf ihn zu ging. Der Katzenhybrid blinzelte erst perplex, dann löste er sich unsicher von seinem Fleck und rückte näher an mich heran. Vermutlich um Schutz zu suchen. Und hätte Jungkook seinen vorlauten Mund nicht aufgerissen, hätte Yoongi auch sicherlich zur Ruhe kommen können.

„Du hast dir ein Sexspielzeug gekauft?", platzte es entsetzt aus dem Mund des Jüngeren, „Hast du mir deswegen nicht auf meine Nachrichten geantwortet? Weil du jetzt ein Sexspielzeug hast?".
„Was?! Was zum Teufel redest du da? Yoongi ist kein-... Warte, mach erst die Wohnungstür zu und dann können wir reden", das hier ging absolut nach hinten los. Jungkook's Fantasie schien gerade wahrlich durchzudrehen.

„Sexspielzeug? Was meint er damit, Hoseok?", hörte ich Yoongi neben mir flüstern. Seine Augen waren immer noch weit aufgerissen und starrten mich wie zwei dunkle Monde an. In ihnen lag pure Verzweiflung. Das aufgebrauste Gemüt meines Freundes schien ihn wahrlich verschreckt zu haben. „Das erkläre ich dir gleich", winkte ich ab und sah wieder zu Jungkook auf. Die Tür war mittlerweile geschlossen. Er stand mit verschränkten Armen vor ihr, hatte erwartungsvoll die Augenbrauen angehoben: „Auf deine Erklärung bin ich gespannt".

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich dir etwas erzählen muss... Jungkook, das hier ist Yoongi. Er ist der Katzenhybrid, von dem ich dir vor einer Woche erzählt habe. Weißt du noch? Der, der in ein Heim abgeschoben werden sollte", erklärte ich und auch, wenn ich glaubte das er sich nicht mehr daran erinnern konnte – denn für gewöhnlich war er immer viel zu sehr mit sich selbst und seinen Gelüsten beschäftigt –, nickte er auf einmal. „Das ist doch der, der weggelaufen ist und den du mit deinen Leuten wieder einfangen musstest", reimte er sich schließlich zusammen. Natürlich konnte er sich nur an den negativen Aspekt der ganzen Konversation erinnern. „Ja, genau der", bestätigte ich, „Er wohnt jetzt bei mir".

„Und wieso?", hakte Jungkook nach. „Weil er bei mir in Sicherheit ist. Du weißt sicherlich wie einige Menschen da draußen mit Hybriden umgehen. Sie für ihre Zwecke nutzen und missbrauchen...", antwortete ich. Jungkook trat einen Schritt auf uns zu und Yoongi griff instinktiv nach meiner Hand, krallte sich panisch an ihr fest. Seine Angst war beinahe zu riechen. Allerdings musste auch ich mich zusammenreißen, denn als der Blick des Jüngeren auf unsere ineinander verschränkten Hände fiel, glaubte ich Flammen in seinen Augen lodern zu sehen.

„Das beantwortet keineswegs meine Frage. Wieso ist er bei dir? Wieso ist er nicht im Life Companionship Center; da wo er hingehört?", zischte er aufgebracht. Das war eine gute und berechtigte Frage. Ihm zu sagen das es an Yoongi's Starrköpfigkeit lag, klang absolut absurd in meinem Kopf. Aber es war die Wahrheit und mir fiel auf die schnelle auch keine Ausrede ein. „Yoongi fühlt sich nicht wohl in der Firma. Wir haben ihn unter großen Druck gesetzt und damit sein Vertrauen gebrochen", erwiderte ich also ruhig. Jungkook schnaubte frustriert: „Ernsthaft? Seit wann nimmst du Hybriden bei dir auf, nur weil sie sich nicht in der Firma wohlfühlen? Was für ein Bullshit".

„Glaube mir, ich finde die ganze Angelegenheit auch nicht toll. Wenn meine Vermieterin das herausfindet, dann wird sie mich auf die Straße setzen und Yoongi kann in einem Heim vor sich hinvegetieren", sagte ich und ließ zeitgleich von der Hand des Katzenhybriden ab. Stattdessen überbrückte ich die wenige Distanz zwischen Jungkook und mir und griff nach seinen Händen. „Du wirst uns nicht verraten, richtig?", fragte ich hoffnungsvoll nach. Eigentlich wusste ich, dass Jungkook niemals etwas tun würde um mir zu schaden. Aber hinsichtlich dessen, dass er ganz offensichtlich etwas gegen Yoongi's Anwesenheit hatte, war ich mir nicht mehr sicher.

„Nein... Auch, wenn ich das alles ziemlich scheiße finde", nuschelte er kleinlaut, woraufhin ich erleichtert aufatmete. Dann verstärkte ich den Griff um seine Hände, ehe ich ihn zu mir heranzog und seine schmollenden Lippen küsste. Dankbar, gegenüber der Tatsache das er dichthalten würde. „Woah, ich sollte öfter nach deiner Nase tanzen", schmunzelte er und brachte mich damit automatisch zum Lachen. „Du bist so ein perverser Idiot".
„Ich bin nicht nur irgendein perverser Idiot. Ich bin dein perverser Idiot", er zwinkerte charmant, was mich ihn lachend wegstoßen ließ. Erst danach kam mir wieder Yoongi in den Sinn. Er stand immer noch hinter mir. Das heftige zittern in seinem Körper hatte bereits aufgehört und sogar ein Teil seiner Angst schien verflogen zu sein. Stattdessen sah er nun verwirrt zwischen Jungkook und mir hin und her.

„Willst-... Willst du vielleicht mit uns zu Abend essen?", fragte ich schließlich an Jungkook gewandt, in der Hoffnung er würde Yoongi vielleicht näher kennen lernen wollen. Doch der Jüngere schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Ich werde jetzt wieder nach Hause gehen. Ich muss das alles erst einmal verarbeiten", meinte er und ich nickte verstehend. Bevor er gehen konnte, beugte er sich allerdings noch ein letztes Mal zu mir vor und küsste mich wieder. Dieses Mal länger und tiefer. Als würde er wissen das Yoongi zuschaute. Als würde er ihm eine Show bieten wollen; zeigen, dass ich bereits vergeben war.

„Eifersüchtiges Arsch", brummte ich ihm zu, während ich ihn widerwillig von mir schob. „Ich markiere nur was mir gehört", Jungkook zuckte gleichgültig mit den Schultern, grinste schief und trat dann aus meiner Wohnung. Als dessen Tür ins Schloss fiel, herrschte für einen Moment betretenes Schweigen. Ich vermochte mich nicht zu dem Katzenhybrid umzudrehen, geschweige denn all die ganzen Fragen zu beantworten, die in seinem Kopf herum schwebten.

„Seid ihr zusammen?", kam es plötzlich von ihm, „So wie ein richtiges Pärchen? Wie lange kennt ihr euch schon? Und wieso hast du mir nie von ihm erzählt? Bist du dir sicher, dass er uns nicht verraten wird? Und-... Und was meinte er, als er von einem Sexspielzeug geredet hat?".

So viele Fragen... Mein Kopf dröhnte, wobei ich aber nicht genau sagen konnte ob das durch den ganzen Arbeitsstress, oder seinen vielen Fragen kam. Ich fasste mir mit einem seufzen an die Schläfen und massierte sie etwas, während ich mich schließlich langsam zu Yoongi umdrehte. Seine Katzenohren standen aufmerksam gespitzt und seine Augen waren immer noch so groß wie zwei dunkle Monde. Er schien wahrlich interessiert an meinen Antworten.

„Wie ich schon sagte; der Kerl heißt Jungkook. Ich habe ihn im Life Companionship Center kennengelernt. Er hat dort ein Praktikum gemacht. Der einzige Grund, weswegen ich dir noch nicht von ihm erzählt habe ist der, dass ich es nicht für wichtig hielt", erzählte ich wahrheitsgemäß, zog dabei meine Straßenschuhe aus. Das hatte ich beinahe vergessen, dadurch das wir die ganze Zeit im Flur gestanden und diskutiert hatten. „A-Aber... Aber ihr habt euch geküsst. Das heißt, dass ihr ein Paar seid. Sowas ist doch wichtig", merkte Yoongi an. Ich schüttelte den Kopf, zog schließlich auch meine Jacke aus: „Wir sind kein Paar. Wir sind einfach nur sehr enge Freunde, die gelegentlich miteinander schlafen und an dem jeweils anderen Zuneigung suchen".

„Ihr habt euch geküsst...", wiederholte Yoongi erneut. Er schien es nicht zu verstehen, aber zugegeben hatte ich auch nicht mehr die Nerven dafür, um es ihm vernünftig zu erklären. „Hör auf darüber nachzudenken", sagte ich also, winkte ihn hinter mir her in die Küche, „Lass uns lieber etwas kochen und dann essen. Ich habe ziemlich Hunger. Du auch?".

„J-Ja, schon", nuschelte er kleinlaut. „Na siehst du. Ich koche uns jetzt etwas. Du kannst mir dabei helfen und ein paar Tomaten schneiden, ja?", schlug ich vor. Dabei konnte ich ihm deutlich den inneren Konflikt ansehen. Ein Teil von ihm war immer noch neugierig um die Beziehung zwischen Jungkook und mir. Ein anderer Teil wollte meine Aufgabe annehmen und erfolgreich beenden, so wie es in der Natur eines jeden Hybriden lag. Und wie bereits vermutet, gab er letzterem Gefühl schließlich nach und ließ sich von mir vier große Tomaten anreichen.

Jungkook is one hell of a bratty child xD Love him for that. Ihr werdet ihn sicherlich hassen, erst recht für das was ich mit ihm geplant habe hehe ^^

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