Überall Drogen

Erwartungsvoll blickte Robert Ritter seinen Kollegen Michael an. Dieser seufzte als er den Hörer auflegte: „Es sieht noch gut aus. Gerrit klingt als wäre er besser drauf. Er meinte, Alex würde im Bordell gut ankommen. Vielleicht raufen die beiden sich ja wirklich zusammen. Andererseits hat er sie ohne ihr Wissen verwanzt. Ich könnte wetten, dass da noch ordentlich Ärger auf uns zu kommt." Robert ließ sein schelmisches Grinsen sehen: „Ach du, wenn Gerrit mit Alex nicht klar kommt, dann läuft irgendwas falsch mit ihm. Alex ist doch super nett. Und nach ihrer SMS bin ich mir sicher, dass sie das Herz am rechten Fleck hat. Ich hoffe nur, dass Gerrit ihre Sensibilität nicht als Schwäche auslegt. Aber andererseits war Julia Alex ziemlich ähnlich. Vielleicht ist genau DAS Gerrits Problem. Sollten die beiden sich nach dem Fall nicht besser verstehen, werde ich ein längeres Gespräch mit ihm führen." Michael musste trotz des Ernstes der Situation lachen: „Robert, du bist und bleibst unser Optimist. Na dann komm, lass uns den Toten in der Südstadt begutachten, der Doc ist schon unterwegs." Schwatzend verließen die Kommissare ihr Büro.

Gerrit stand derweil vor dem Kühlregal in dem Discounter um die Ecke seiner Undercoverwohnung. Missmutig versuchte er zu entscheiden, was er einkaufen sollte, während er mit dem Headset Alex' Stimme lauschte: „Ach nein ich denke nicht, dass der Chef dich für mehr einstellt. Du siehst nicht gerade...wie soll ich sagen... naja fit genug aus. Nichts für Ungut, Alexa." Gerrit konnte sich nichts Schlimmeres vorstellen als anhaltendes Weibergeschwätz und rollte genervt mit den Augen, doch er zwang sich weiter zuzuhören, denn Alex antwortete bereits: „Ach du Johanna, das mag sein, ich hätte aber wirklich nichts dagegen mir noch Geld dazu zu verdienen. Von dem was der Chef mir zahlt kann ich gerade einmal meine Wohnung leisten. Und ich brauch endlich ein Auto, ich hasse die Öffentlichen. Hast du nicht eine Idee, wie ich mir noch etwas dazuverdienen kann?" Gerrit stockte der Atem. Was hatte Alex vor? Sie hatte doch noch nicht einmal ihren Job angefangen! Wollte sie ihre Tarnung auffliegen lassen? Sie konnte doch nicht so offensichtlich etwas unterstellen! Gespannt hörte er Alex' Kollegin antworten. Zu seiner größten Überraschung lachte sie: „Wahnsinn. Du bist ganz schön geldgierig, Kleines. Andererseits ist das gut für das Geschäft. Vielleicht lege ich ein gutes Wort beim Chef ein, dass er dir 'nen anderen Job gibt, wenn du dich beweist. Aber jetzt zeig uns erst einmal wie gut du die Bar tatsächlich schmeißt – die ersten Kunden kommen meistens um 13 Uhr. Also in ein paar Minuten. Räum du schon einmal die Maschine aus und schwenk schon einmal drei Weizengläser aus. Unsere Stammkunden trinken Weizen und sie kommen immer pünktlich. Du wirst deine große Klappe noch brauchen." Anschließend hörte Gerrit nichts weiter außer Gläserklirren und er beendete seinen Einkauf während er mit gemischten Gefühlen über Alex Verhalten nachdachte. Gerrit hatte die Einkäufe in die Küche gestellt sobald er zu Hause angekommen war. Aus Langeweile hatte er einige seichte TV-Sendungen gesehen und bereitete sich nun auf seinen Besuch im Bordell vor. Er hatte seine Outfits und tatsächlich auch Sachen mit denen er sich verkleiden konnte schon zu Recht gelegt. Immerhin konnte er nicht jeden Tag im gleichen Outfit auftreten und wer weiß, vielleicht zwangen ihn die Umstände zu einer Verkleidung. Julia hatte mit ihm die Verkleidungen herausgesucht, sodass er sie besuchen konnte. Er hatte sie häufiger nach dem Dienst in der Arbeit besucht und dass ihn niemand erkannte, hatte er sich verkleidet. Absolut lächerlich hatte er ausgesehen, seine schulterlangen hellblonden Haare hatte er zu einem Zopf gebunden und der Bart hatte ihm gar nicht gestanden. Aber Julia hatte trotzdem gelacht. Ein schmerzliches kleines Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, das erste seit ihrem Tod. Er warf noch einen Blick auf ihr Foto auf seinem Nachttisch, dann packte er sich die Sachen, die er für heute ausgewählt hatte und verschwand im Bad.

Alex spülte die Gläser aus und war froh, dass keiner ihrer Polizei-Kollegen zugegen war und ihr zugehört hatte. Sie konnte sich sehr lebhaft vorstellen, was sie ihr erzählen würden. Natürlich war sie mit der Frage ein hohes Risiko eingegangen aber andererseits würde sie sonst vielleicht nichts herausfinden. Und sie wollte nicht als Versagerin aus diesem Fall herausgehen – schon gleich zehn Mal nicht, da ihre Vorgängerin ihr Leben für die Aufklärung des Falles  gegeben hatte. Nachdenklich trocknete sie die Gläser aus der Spülmaschine ab und dachte über Julia Brückner nach. Sie war eine schöne blonde Frau gewesen. Das Foto, das Alex gesehen hatte war ansprechend, ja sogar herzlich nett gewesen. Alex konnte sich Julia lebhaft vorstellen – was war dieser schönen Frau nur hier in der Szene passiert? Sie nahm sich vor, Gerrit am Abend zu fragen, immerhin waren diese Informationen wichtig für sie, dass sie nicht in die gleiche Falle ging und ihr ähnliches passierte. Aber wie sollte sie ihn so etwas fragen?? Immerhin wollte sie ihm nicht zu nahe treten. Genervt seufzte sie, doch sie hörte die Glocke, die an der Tür angebracht war und konzentrierte sich auf die Gegenwart – immerhin wollte sie ihre Sache als Barkeeperin gut machen und nebenbei noch etwas über Drogendeals erfahren. Sie setzte ihr strahlendstes Lächeln auf und begrüßte die Neuankömmlinge, während sie alles genauestens beobachtete.

Robert und Michael waren in der Balanstraße angekommen. Die Leiche war in einer Seitenstraße abgelegt, nein regelrecht entsorgt worden. Mitten im Müll lag ein circa 30 Jahre alter Mann, der keine offensichtlichen Verletzungen aufwies. Robert begutachtete vorsichtig den Tatort während Michael zu Christian Alsleben ging. „Hey Doc, kannst du schon etwas sagen?" „Ach hallo Michael. Naja ich vermute bislang, dass er an einer Überdosis Drogen gestorben ist. Wahrscheinlich vor 7 Stunden aber auf gar keinen Fall hier. Er wurde hier abgelegt. Siehst du die Druckstellen an seinen Handgelenken und die Einstiche am Arm?" zeigte der Doc dem Kommissar. Michael nickte nachdenklich. Erneut ein Drogentoter, schon der zehnte in der ganzen Woche. Die Drogenfahndung hatte schon häufiger versucht zu ermitteln, doch niemand hatte eine Verbindung zwischen den Toten und einem Drogenhändler der Stadt herstellen können. Daher auch der Undercovereinsatz von Julia. Und jetzt der von Alex und Gerrit. Michael hatte einige Gespräche mit dem Staatsanwalt geführt und er hatte ihn überzeugt, dass sie keine andere Chance hatten an die Drahtzieher heranzukommen. Bei den letzten Drogentoten hatten sie keine Hinweise feststellen können. Diese hatte ihnen erst Julia geliefert als sie sich als Drogenverkäuferin ausgegeben hatte, doch nun war Julia tot und sie mussten erneut wieder von Null anfangen. Und es gab immer mehr Tote. Michael biss die Zähne zusammen. „Doc, bitte gib uns Bescheid, wenn du näheres herausgefunden hast." Wies er Doc Alsleben an, dann trat er von der Leiche zurück um sich mit Robert auszutauschen.


Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top