Hitziger Abend

Gerrit betrat das Bordell "Rote Liebe". Die Laute Musik drang zu ihm durch und er musste sich erst einmal in diesem Menschengedränge zurecht finden. Überall tanzten leicht bekleidete Damen an der Stange, saßen mit älteren Herren auf den roten Ledersofas und tauschten Zärtlichkeiten aus. Gerrit beobachtete die Menschen eine Zeit lang. 'Wer arbeitet hier denn freiwillig?', fragte er sich und kämpfte sich dann durch zur Bar. Es standen mehrere Frauen an der Bar. Eine Leicht bekleideter als die andere. Er ließ seinen Blick über die Frauen schweifen. Dort stand Alex, befüllte die Gläser und redete mit einigen Kunden die an der Bar saßen. Es war ganz offensichtlich, dass sie angebaggert wurde, doch sie überlächelte das nur und schien ein paar kecke Kommentare zurück zu werfen. Sein Headset hatte er zuhause gelassen. Viel zu groß war das Risiko, hier als Polizist aufzufliegen. Deshalb trug er jetzt auch einen schmalen Oberlippenbart und eine schwarze Perücke. Alex hatte den Vorteil, dass sie hier in der Stadt niemand als Polizistin kannte. Er dagegen, hatte schon viele Verbrecher festgenommen, die jetzt wieder auf freiem Fuß waren und ihn erkennen könnten. Dem Sprichwort: "Man sieht sich immer zweimal im Leben", wollte er in der jetzigen Situation ungerne nachgehen. Langsam trat er an die Bar und setzte sich etwas entfernt von Alex hin, war aber nah genug dran, ihre Gespräche nun zu hören. Er beobachtete sie unauffällig. Wie sie Gläser befüllte, abwusch und mit Kunden und Kollegen lachte. Dennoch sah er auch, dass sie immer wieder versuchte an die Schränke zu kommen um zu sehen, was in ihnen verborgen war. Er grinste zufrieden. 'Sie denkt also noch an ihren eigentlichen Job'  

Er ließ seinen Blick über die Körper der Angestellten hinter der Bar gleiten. Sie waren teilweise schon fast abgemagert. Nur ein Körper stach heraus. Er musste sich eingestehen, dass Alex in ihrem Outfit nicht schlecht aussah und ihrem Körper und ihrer Figur auch nicht zum Nachteil gereichte. Sie stach einfach heraus und das schienen auch die anderen Kunden zu bemerken. Er hörte zwei Männer neben sich, wie sie sich über Alex zu unterhalten schienen. Der eine redete schon relativ verwaschen und auch seine Bewegungen waren unkontrolliert. "Die Blonde da vorne, ist echt 'n Blickfang! Die mach ich mir heute Klar!", hörte er den Mann lallen. Sein Gesprächspartner lachte nur und Gerrit schüttelte innerlich mit dem Kopf.

Alex hatte gerade wieder eine Bestellung aufgenommen und stellte zwei Swimmingpool's auf ein Tablett und balancierte es geschickt durch die Masse. "Ey Blondie, wo ist denn dein Waffenschein?", hörte sie die ziemlich verwaschene Frage eines Kunden, der neben zwei anderen Männern saß. Sie sah den Mann erstaunt an. 'Waffenschein? Weiß der etwa dass ich...', ihre Gedanken wurden schon von seiner Fortsetzung durchkreuzt. "Für so einen scharfen Hintern braucht man doch bestimmt einen!", die beiden Männer brachen in Gelächter aus und Alex musste grinsen. 'Was besseres fällt dem aber auch nicht ein, oder was?' Sie sah den Mann an und beugte sich jetzt zu ihm. Er stank ziemlich nach Alkohol. "Und wo ist dein Idiotenschein?", fragte sie keck. "Für so einen schwachen Spruch, bräuchte man sicherlich auch einen!", sie zwinkerte ihm zu und hörte, wie jetzt der dritte Mann in der Runde anfing zu lachen. Sie sah zu ihm. Er hatte schwarze Haare und einen Oberlippenbart. Er sah noch ziemlich Nüchtern aus und hatte auch noch kein Glas vor sich stehen. Sie wollte ihn gerade fragen, was er trinken möchte, als sich der andere Mann wieder meldete. "Ey Blondie. Komm mal her zu mir. Zu Onkel Manni!", sagte er und winkte sie aufstoßend mit seinen Fingern zu sich heran. Sie beugte sich wieder zu ihm. "Hast ja eine ganz schön Kesse Lippe! Aber Spaß bei Seite. Was nimmsten du?", fragte er und grinste sie an. Alex starrte erst einmal zurück. "Falls du es noch nicht mitbekommen hast, stehe ich hinter der Bar. Also unerreichbar für dich, Kumpel!", sagte sie jetzt etwas forsch und wandte sich ab.

Gerrit grinste. Schlagfertig war sie, gar keine Frage. Er beobachtete sie weiterhin, wie sie sich nun an den Menschen vorbeischlängelte und auch die Kunden im Saal bediente, die auf ihren Sofas saßen. Er war sich sicher, dass sie schon einmal einen Kellnerjob wahrgenommen haben musste, denn sie bewegte sich recht Sicher mit dem vollgestellten Tablett. Er sah wieder zu diesem Manni, der Alex ebenfalls hinterher sah. "Ich krieg die heute noch rum!", sagte er.  "Du solltest weniger von dem Zeug nehmen. Seh sie dir an. Die kriegst du nicht rum!", hörte er den vermeintlichen Kumpel sagen. Gerrit hörte weiterhin angeregt zu. 'Welches Zeug? Redet er von Drogen?', fragte er sich und sah, wie Alex sich zurück durch die Massen schlängelte. Manni winkte sie wieder zu sich heran. Sie rollte mit den Augen, ging aber ein Stück auf ihn zu. "Sag mal, hast du später schon etwas vor?", fragte er und Alex schnalzte ungeduldig mit der Zunge. "Ja, aber nichts mit dir!", antwortete sie, drehte sich um und wollte gehen, doch dieser Manni packte sie am Handgelenk und zog sie auf seinen Schoss. "Lass mich los, sonst kannst du gleich gehen!", sagte sie fordernd und sie sah so aus, als würde ihr das gerade so gar keinen Spaß bringen. Gerrit beobachtete die Situation weiterhin. "Zier dich doch nicht so, ich bezahl doch auch für alles!", meinte Manni und versuchte ihr mit der Hand unter den Rock zu fahren. "Es reicht jetzt!", sagte Alex mit fester Stimme und versuchte sich von ihm wegzudrücken. Gerrit sträubte sich. Er hasste es, wenn Männer so mit Frauen umgingen. Alex schien sich nicht alleine helfen zu können. "Sagmal, hast du was genommen, oder was verstehst du nicht?", fragte sie wütend und sah sich suchend um.

Dieser Manni war einfach zu stark für sie. Seine Pupillen sahen verdächtig groß aus und sie war sich sicher, dass er nicht nur Alkohol zu sich genommen hatte. Mulmig war ihr schon zu Mute. Immer wieder versuchte sie seine Hände abzuwehren und eine ihrer Kollegen auf sich aufmerksam zu machen. Dann hörte sie plötzlich eine Stimme. "Ich glaube du hast verstanden, dass die Dame das nicht möchte?", fragte der Mann mit dem Oberlippenbart und sah Manni herausfordernd an. Sie sah den Mann nachdenklich an. Irgendwie kam er ihr bekannt vor und auch die Stimme kannte sie. Manni schien nicht auf ihn hören zu wollen und Alex war umso überraschter, als der Mann sie einfach von seinem Schoss zog. "Danke!", sagte sie ehrlich und machte, dass sie wieder hinter die Bar gelangte. Von dort aus beobachtete sie die Situation weiterhin. Der Mann mit dem Oberlippenbart und Manni diskutierten lauthals. Manni sprang plötzlich auf und erhob die Faust. Alex ergriff sofort die Initiative und nahm sich die Messingschaufel, mit der Eiswürfel in die Cocktails gelangten. Sie schlug mehrmals mit der Schaufel auf die Bar, genau zwischen Manni und dem anderen Mann. "Wenn hier nicht sofort Ruhe ist, fliegt ihr! Kapiert?!", fragte sie und sah beide durchdringlich an. Der Mann mit dem Oberlippenbart sah nun zu ihr und ihre Blicke kreuzten sich. Blau traf auf braun. 'Gerrit?!', zuckte es ihr durch den Kopf und sie zwang sich überrascht wegzusehen. "Ist schon in Ordnung, es gibt hier kein weiteres Problem. Ich wollte eh gerade gehen!", antwortete Gerrit und tat weiterhin so, als würde er sie nicht kennen. Alex nickte und ging wieder ihrer Arbeit nach.

Irgendwann hatte sie die Situation mit Manni komplett vergessen, vor lauter durstigen Kunden, doch dann trat der Chef zu ihr. "Du hast Feierabend, Alexa. Aber kommst du nochmal in mein Büro? Habe da etwas bezüglich eines Nebenjobs!", sagte er und ging mit ihr gefolgt in sein Büro. Alex beobachtete den Mann genau. Sollte sie wirklich heute schon die Chance auf ein Drogengeschäft bekommen?


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