Eine Spur?

"Es tut mir Leid, Gerrit. Aber ich kann Alex Handy nicht orten, wenn es ausgeschaltet ist", hörte Gerrit Mias Stimme durch den Hörer. Ein eiskalter Klumpen bildete sich in seinem Magen. "Scheiße!", fluchte er. "Okay Mia. Bleib da dran! Vielleicht bekommt sie noch einmal die Chance es einzuschalten!", sagte er und legte dann auf. Tausende Gedanken wirbelten in seinem Kopf umher. Zum einen, war er unfassbar wütend auf den Bordellbesitzer, zum anderen hatte er einfach nur Angst um Alex. Das schlechte Gewissen plagte ihn. Was ist wenn sie stirbt? Meinetwegen?, fragte er sich verzweifelt und diese Gedanken, trieben ihm die Tränen in die Augen. Sie wird mich hassen, wenn wir sie befreit haben!, dachte er niedergeschlagen und sah zu Robert. "Mia hat nichts für uns", gestand er kleinlaut. Er sprach sehr leise, weil er seiner Stimme Momentan nicht traute. Es bedrückte ihn zutiefst, seine Kollegin in eine solch missliche Lage gebracht zu haben. Robert klopfte ihm auf die Schulter. "Gerrit wir finden Alex!", sagte der jüngste mit fester Stimme. Manchmal beneidete Gerrit ihn echt um seinen Optimismus. "Und wenn nicht?", fragte Gerrit, während er zusah, wie Markus in einen Streifenwagen gesetzt wurde. "Was ist wenn sie stirbt? Dann ist das meine Schuld. Genauso wie bei Julia schon!", sprach Gerrit energisch aus und ließ Robert dann einfach stehen. Er wollte sich jetzt ganz auf die Suche nach Alex konzentrieren und stieg in seinen Wagen. Halte durch Alex!, dachte er flehend, während er tief durchatmete und davon brauste. Er wusste nicht, wohin er fahren würde. Er wollte jetzt einfach alleine sein und über alles nachdenken. Immer wieder schossen ihm Bilder von Alex durch den Kopf. Wie sie Tod, in irgendeinem Waldstück lag, halb nackt und brutal zugerichtet. Verzweifelt schlug er aufs Lenkrad. Es versetzte ihm einen schmerzlichen Stich, nicht zu wissen, wie es ihr geht und wo sie ist. Ich muss diesen Markus verhören. Er wird mir sagen müssen, wo dieser Pablo wohnt!, dachte Gerrit und wendete den Wagen mitten auf der Straße um in Richtung K11 zu fahren.

Unsanft wurde sie auf eine lumpige Matratze gestoßen. Ein übler Geruch nach Schweiß, Urin und anderen Körpersekreten stieg ihr in die Nase und sie unterdrückte den ersten Würgreiz. "Hier ist dein, nein, euer Zimmer", hörte sie die Stimme von Pablo, während ihre linke Hand an einer in der Wand integrierten Handschelle befestigt wurde. Alex sah sich in dem Raum um. Tatsächlich saßen mehrere Mädchen an einer Hand gefesselt, auf ihren Matratzen. Es lief ihr eiskalt den Rücken herunter, als sie sah, wie übel die Mädchen zugerichtet waren. "Pablo, das kannst du nicht machen! Du kannst mir nicht mein Leben wegnehmen!", versuchte Alex auf ihn einzureden. "Halt die Schnauze!", schrie er sie an, so dass sie zusammenzuckte. Er war plötzlich nicht mehr so freundlich, wie bisher. Seine Stimme war kalt und unbarmherzig. "Ich kann mit dir machen was du willst, Alexa. Du bist jetzt meine Schlampe!", hörte sie ihn sagen. "Du hast mir zu gehorchen, sonst wirst du Qualen leiden! Wenn ich dich ficken will, dann ficke ich dich! Wenn ich dich schlagen will, dann schlage ich dich! Und wenn ich dich töten will, dann töte ich dich!", sagte er bedrohlich und beugte sich dabei ganz nah an ihr Ohr. Alex wusste sofort, dass es ernst gemeint war. Und sie wusste auch, dass sie jederzeit ganz übel enden konnte, also versuchte sie sich, soviel Zeit wie möglich zu verschaffen.  "Aber warum? Warum ich?", fragte sie und konnte nicht verhindern, dass ein Schwung Verzweiflung in ihrer Stimme mitschwang. Gleichzeitig explodierte der Schmerz in ihrer linken Wange und ihr Kopf flog unsanft zur Seite. "Ich habe dir gesagt, dass du dein Maul halten sollst!", knurrte Pablo und hielt seine Hand, mit der er Alex geohrfeigt hatte, noch immer bedrohlich erhoben. Alex sah ihn schockiert an. Das er so leicht ausrasten würde, hätte sie nicht gedacht. Pablo wendete ihr nun den Rücken zu und schritt grazil durch den Raum. "Nun ja.. du passt Perfekt in mein Beuteschema. Rattenscharf und große Fresse. Du hast in meiner Sammlung gefehlt! Als ich dich das erste mal gesehen habe, wusste ich, dass ich dich haben will! Ich werde dir deine große Fresse noch austreiben, das kannst du mir glauben!", sagte er und lachte grimmig. Alex hörte ihm einfach nur schockiert zu und sah zu den anderen Mädchen, die devot den Kopf gesenkt hatten. Ihre Augen waren ausdruckslos und ihre Körper ausgemergelt. Man konnte überall blaue und blutige Striemen auf ihren Körpern sehen und sie schüttelte entschlossen den Kopf. "Mich wirst du nicht brechen, Pablo! Das kannst du mir glauben!", sagte sie grimmig und erwartete wieder Schläge von ihm, doch er sah sie nur sanft lächelnd an. "Ich hole dich in 10 Minuten ab, Schätzchen. Heute hast du Glück. Jede Schlampe wird sehr sanft und liebevoll in ihr neues Zuhause eingeweiht, es sei denn sie wehrt sich!", mit diesen Worten marschierte er aus dem Raum und ließ Alex schockiert zurück. Das kann der doch nicht machen! Scheiße! Wohin mit dem Handy?, Panik ergriff sie, doch die wollte sie vor den Mädchen und vor allem vor Pablo nicht zeigen. Wieder dachte sie daran, wer sie in diese Lage gebracht haben könnte. War es wirklich Gerrit gewesen? Hatte er nur so getan, als würde er sie mögen, oder jedenfalls akzeptieren. War das alles nur Show von ihm, um sie mit absicht in diese Falle zu locken? Wut und Enttäuschung krochen in ihr hoch und hinterließen eine bitteren Geschmack in ihrem Rachen. Vermischt mit der ohnehin schon puren Verzweiflung, musste sie nun gegen die aufkeimenden Tränen ankämpfen, während sie ihr Handy unter die Matratze schob. Das war vielleicht keine Dauerlösung, doch für den Moment musste das einfach klappen. Sie sah die Mädchen an und schüttelte fassungslos mit dem Kopf. "Was hat dieses Schwein euch angetan?!", fragte sie leise und vernahm dann das Schluchzen eines Mädchens. "Er... er hält uns hier fest und hat seinen Spaß mit uns", hörte sie eine brüchige Stimme. Alex sah das Mädchen an und musste Schlucken. "E..er hat euch missbraucht?", fragte sie vorsichtig und vernahm nur das nicken des Mädchens. "Er hat uns nach und nach bei verschiedenen Drogendeals gekauft. Er behält uns so lange hier, bis er etwas besseres gefunden hat. Dann tötet er uns. Eine nach der anderen. Zwei hat er schon umgelegt. Eine direkt im Bordell, die andere hat er vor unseren Augen getötet.", flüsterte das Mädchen. Alex durchfuhr es wie ein Blitz. Elena und Julia, dachte sie beunruhigt. "Passt auf, ihr müsst keine Angst mehr haben! Ich bin von der Kripo und meine Kollegen suchen schon nach uns!", sagte sie, als die Tür geöffnet wurde. "Alexaaaa", hörte sie ein bedrohliches Säuseln. "Das Zimmer ist eingerichtet um dich rechtsgemäß in unsere Familie einzuweihen!", Pablo kam Schritt für Schritt auf sie zu. Bitte beeilt euch!, schickte sie ein Stoßgebet gen Himmel, als sie einen kleinen Stich in ihrem Arm verspürte. Sofort verschwamm ihre Sicht und es wurde ihr schwarz vor Augen. Das letzte, was sie vernahm war: "Wir sehen uns gleich wieder!"

"Ich frage sie jetzt ein letztes Mal! Wo will dieser Pablo mit der Ware hin?", donnerte Michael streng. Markus saß wie ein Häufchen Elend im Verhörzimmer und sah weder Michael, noch den Staatsanwalt an. "Ich... ich weiß es wirklich nicht. Wir haben im Vorfeld einen Treffpunkt ausgemacht und dort bin ich mit den 20 Riesen, Alexa und Yvonne hingefahren, damit alles glatt über die Bühne läuft. Doch irgendwie wurde Alexa von ihrem Ex Freund verwanzt und Pablo hat sie mir dann abgekauft.", erklärte er wirr. Ihm wurde mit einem mal bewusst, dass er sich sein ganzes Leben verbaut hatte. Er würde ins Gefängnis gehen! Morde, Drogendeals und Menschenhändlerei. "Alexa, ist keine von deinen Nutten! Sie ist unsere Kollegin und wenn dieser Pablo ihr etwas antut, dann haben wir alle ein ziemlich großes Problem miteinander, ist das klar?!", fragte Michi wütend. Markus sah schockiert hoch. "Was?!", fragte er schockiert. "Sie ist eine Bullenbraut?", fragte er. "Pass auf Freundchen, was du sagst, haben wir uns verstanden?", unterbrach Michi ihn. "Man ich wusste das doch nicht! Dieser Pablo ist skrupellos! Er war es, der Nancy und Elena umgebracht hatte, weil sie beide Polizistinnen waren!", hinter dem Venezualischem Spiegel wurde Gerrit hellhörig. "Nancy ist Julia!", stieß er aus. "Dieses Schwein hat Julia umgebracht. Und jetzt hat er Alex!", er spürte nur noch pure Verzweiflung und Wut. Robert sah seinen Kollegen mitfühlend an. "Wir werden Alex da raus holen, Gerrit!", sagte er. "Das verspreche ich dir!" Gerrit fuhr sich verzweifelt durch die Haare und sah wieder in das Verhörzimmer. Michaels Handy klingelte und er beobachtete seinen Kollegen, wie er aufgeregt das Telefonat entgegen nahm. "Alex, verdammt!", rief Michael ins Telefon. Gerrits Magen krampfte sich zusammen, als er hörte, mit wem Michael da telefonierte. Er wollte sofort ins Verhörzimmer, doch Robert hielt ihn zurück.  "Was ist passiert? Wie geht es dir?", fragte Michael. Gerrit sah gebannt auf seinen Kollegen. "Alex beruhige dich! Was hat der Typ mit dir angestellt?", fragte Michael. Gerrit wollte unbedingt wissen, was Alex am Telefon sagte. "Er hat Was?!", fragte Michael aufgebracht. Gerrit sah zu Robert. Was hat der Typ mit Alex gemacht?, fragte er sich und spürte eine neue Welle der Wut. "Wenn er ihr auch nur ein Haar gekrümmt hat!", zischte er nervös. "Ganz ruhig Alex! Du musst dich beruhigen! Wir holen dich und die anderen Mädchen da raus, versprochen!", sagte Michael und warf Markus einen grimmigen Blick zu. "Was? Ja Alex, ich weiß das er dich verwanzt hat! Aber das kläre wir alles später! Wir holen dich da raus! Sofort!", Gerrit reichte es, er wollte gerade ins Verhörzimmer stürmen, als sein Handy klingelte. Ein flüchtiger Blick auf den Display verriet ihm das Mia anrief. Er holte gerade tief Luft um sie zu fragen, ob sie was neues hatte, doch sie sprudelte schon los. "Gerrit pass auf! Alex Handy wurde in der Reutherstraße 15 a geortet. Dort muss sie sein!", sagte sie. Gerrit fiel ein Stein vom Herzen. "Danke Mia! Wir fahren da sofort hin!", sagte Gerrit und stürmte jetzt wirklich ins Verhörzimmer. "Michael, ihr Handy wurde geortet. Beeilt euch, wir müssen da hin!", rief er aufgeregt und sah seinen Kollegen ungeduldig an. "Pass auf, Liebelein. Wir wissen jetzt wo du steckst und holen dich da raus! Er wird seine gerechte Strafe bekommen", sagte Michael noch in den Hörer und sprang auf. "Informiert das SEK!", forderte er den Staatsanwalt auf und sprintete dann mit Gerrit aus dem Raum.


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