Mark Salling

Der Moment, wenn man die Zeitungs-App der Wahl öffnet und liest, dass Mark Salling mit 35 tot ist.

Der Moment, wenn widerstrebende Emotionen mich gerade so aufwühlen, dass ich einerseits meine robuste Wand einmal mehr mit den Händen traktieren will und andererseits ungehemmt heulen will.

Für jene, die nicht wissen, wer Mark Salling war: Er war einer der Hauptdarsteller von Glee und stand kurz vor seinem Prozess wegen Besitzes von Kinderpornographie. Schon damals zerstörte diese Nachricht ein Teil meines Weltbildes, da Glee mich zu einer Zeit begleitete, als ich vieles noch etwas durch die rosarote Brille betrachtete und nie geglaubt hätte, dass mir bekannte Stars zu solch verabscheuungswürdigen Taten fähig sind, gerade als Star einer Serie, die als Zielpublikum Kinder und Jugendliche hat.

Warum mich sein Tod trifft? Kinderpornografie ist doch einer der beschissensten Dinge, die in unserer Welt existieren. Darum vertrete ich offen die Meinung, dass man Kinderf*cker anstatt Tiere für die Versuche verwenden soll (ja! Deal with it!).

Es ist der zweite Tod von "meinem" Glee. Wenn ihr die Serie nicht kennt, da gibts eine lässige Erfindung namens Google, über die man lockerleicht zu Wikipedia findet. Sei mal selbstständig! Der erste Tod ist Cory Monteith, der allerdings durch Selbstverschulden ums Leben kam.

Glee hat mich drei Staffeln lang durch eine schwere Zeit begleitet, vermittelt eine überzeichnete, bunte Highschool-Welt, spielt mit Klischees, covert bekannte Lieder und die Stars hoppeln oder rollen über die Bühne. Die Moral der Geschichte? Sei du selbst, steh zu dir und mach das, worauf du Bock hast und lass dich von Drecksdeppen nicht beirren. Ein Gleeker war ich nie so richtig, da hätte mehr dazugehört. Immerhin hat die Serie unglaublich viele Menschen inspiriert und motiviert, viele wurden selbstbewusster und fanden Freunde und das sind für mich Aspekte, die etwas Gutes wertvoll machen können.

Darum fällt es mir langsam immer leichter, Emotionen meiner Eltern etwas nachvollziehen zu können - Promis egal welchen Ranges, die dich ein paar Jahre oder ein ganzes Leben lang begleitet haben, sterben weg. Erst Chester Bennington, dann Malcolm Young, den ich glücklicherweise wenigstens einmal live erleben durfte. Sogar noch mit Brian Johnson, ehe der Arzt es ihm verbot.

Wie und warum Mark umkam, ob es Selbstverschulden oder Fremdeinwirkung war, das ist mir ehrlich gesagt vollkommen und total scheissegal. Es fiel mir nach Cory schon schwer, die Information auszublenden und es war keine leichte Übung, Mark zuzusehen und für die Dauer der Episode den Fakt zu verdrängen, wie gern er kleine Kinder auf Videos "gesammelt" hat. Was jetzt ganz sicher nicht mehr klappen wird. Glee wird in meinem DVD-Regal komplett verstauben, die Covers lösche ich von meinem Auto-Stick und ich denke, dass ich mich einem gepflegten Wutanfall gegen die schöne Wand nicht erwehren kann. Sollte die Tage nichts Schriftliches kommen, dürfte die Hand sauber gebrochen sein.

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