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"Ich habe dir immer von den Omegas erzählt und genau die sind wir", begann Lilo das Gespräch. Nervös spielte sie mit den Bändern an ihrem Hoodie, zerrupfte langsam jeden einzelnen Faden. "Wir, also auch du? Du gehörst zum Gemisch! Wir sind keine Omegas!", sagte Mina verunsichert, dennoch klangen ihre Worte abwertend. Niemand wollte mit Omegas in Verbindung gebracht werden, da das Image des Gemisches dadurch großen Schaden nehmen könnte.
Das Gemisch war eine Gruppe von Arbeitern in Cold Stone. Sie waren nicht reich oder wohlhabend, hatten aber immer genug zum Überleben. Die Gruppe trug diesen Namen, weil sich dort Menschen aller Herkunft und Rassen vermischten.
Die Noblen, Noblessen, Alphas, Unberührbaren oder einfach die Adligen, obwohl kein blaues Blut in ihren Adern floss. Sie sahen sich selbst als die Könige an und regierten über allem.
"Ich bin kein Gemisch, MJ, war ich nie", sagte Lilo und sah zu Té. "Té ist mein Halbbruder und wir leben in..." "Geschwister? Du hast zwar diese dunklen, und ja, sorry, sehr kleinen und eher langgezogenen Augen, aber du hast rote Haare! Er ist komplett Asiate, das sieht man doch!", ihre Stimme wurde panisch hoch und brach in der Mitte ihres Satzes ab. Lilo sah sich hektisch um.
"Die Leute könnten immer noch in unserer Nähe sein, vielleicht folgen sie uns sogar", teilte auch Pou seine Bedenken mit ihnen. Besorgt schaute er in die Tiefen des Waldes und trug eine Kiste aus dem Auto in die einsame Hütte. "Ich sagte ja Halbgeschwister, aber darum geht es nicht. Ich bin mit diesen Leuten aufgewachsen und eines Tages war ich im Field Quarter und du hast mich an euren Tisch gebeten. Deinen Eltern hast du gesagt, dass...", Tränen bildeten sich in Lilos Augen und sammelten sich in den Augenwinkeln, ehe eine große Träne über die Wange ihrer Freundin rollte. Mina griff nach der eiskalten Hand ihrer Freundin und drückte sie fest. Mit der anderen Hand fuhr sie über das, mit Sommersprossen bedeckte, Gesicht und wischte vorsichtig die Träne weg.
"Ich kenne diese Geschichte, ich war dabei", flüsterte sie und drückte anschließend Lilo fest an sich. Diese ließ nun komplett los, krallte sich in die dünne Jacke ihrer Freundin und weinte hemmungslos. Immer wieder verzögerte sich ihr Atem und sie schnappte nach Luft, langsam saugte Minas Ärmel sich voll und sie spürte die warme Nässe auf ihrer Haut.
"Bist du also ganz sicher eine Omega?", erkundigte sich MJ. Es würde wahrscheinlich nichts ändern, Lilo war ihre Freundin, egal wie man sie nannte und egal, zu welcher Gruppe sie gehörte. Noch immer lehnte ihre Freundin an ihrer Schulter. Zaghaft nickte sie. "Es ist okay", flüsterte Mina und legte eine Hand auf Lilys Rücken."Ganz langsam strich sie über das mit Dreck bedeckte T-Shirt. Offenbar war auch Lilo beim Wegrennen gestolpert.
"Wollt ihr nicht reinkommen?", rief JJ. Die Jungs waren mittlerweile im Haus verschwunden und die Mädchen waren allein im Wald. Eiskalt lief es Mina den Rücken hinunter und ihre Nackenhaare stellten sich auf. Sie sah sich unsicher um, ob ihnen tatsächlich jemand folgte.
MJ lauschte dem Gespräch kaum, sie versank zu tief in ihren eigenen Gedanken. "Vielleicht war es nicht echt? Nur ein Schauspiel, ein Prank oder so?", überlegte Lilo laut. In ihrer Stimme schwang Hoffnung mit, die JJ sofort zunichtemachte. "Unsinn! Aber klar können wir uns die Waffe mal ausleihen und bei dir ausprobieren, ob sie wirklich scharf ist", zischte er und sah sie direkt an. Lilo senkte ihren Blick und fixierte angestrengt den Boden. "Für mich hat es auch sehr real ausgesehen", flüsterte Té. Er rückte näher an seine Schwester heran und legte einen Arm um sie.
"Glaubt ihr, sie wissen, wer wir sind? Wir sind Zeugen, und für einen Mord könnten sie sogar lebenslänglich bekommen. Sie werden versuchen, uns zu finden, und keine Ahnung, was sie dann mit uns machen...", sagte Pou und sah seine Freunde an. Seine beiden Augenbrauen berührten sich dabei fast, und sein Mund war nur noch ein dünner Strich.
"Wollen sie uns auch umbringen?", sprach Lilo die wichtigste Frage aus, die gewiss alle im Raum plagte. Wie ein Tiger im Käfig lief JJ hin und her und kam nicht zur Ruhe. "Sie kennen uns nicht, wie sollten sie?", äußerte er das logischste Argument. MJ biss sich von innen auf die Lippe. Nur mit Mühe brachte sie die nächsten Worte heraus: "Die Frau hat mich gesehen. Sie wird wissen, wie ich aussehe."
JJ lehnte seinen Kopf ans Fensterglas und schaute nach draußen. "Verdammt!", knurrte er, denn das hatte er anscheinend nicht bedacht. Wütend trat er so heftig gegen das Holz, dass die gesamte Hütte wackelte. Genau das hatte er nicht bedacht, aber theoretisch hatte diese Frau auch ihn gesehen... Pou sprang auf und eilte zu ihm. Vorsichtig legte er ihm eine Hand auf die Schulter. "Entspann dich, Bro, es wird alles gut. Alles wird gut!"
"Schh!", fuhr JJ ihn an. Irritierte Blicke trafen ihn, aber er ignorierte sie gekonnt. "Duckt euch", flüsterte er und ließ sich auf den Boden fallen. "Runter!" Bevor jemand anderes reagieren konnte, ertönten die ersten Schüsse. Das Holz wurde in Stücke gesprengt, die Glasscheiben zerstört.
Mina lag dort mit Menschen, die sie kaum kannte, in einem Haus, das sie nicht kannte. Über ihr stapelten sich Glasscherben und Holzsplitter sowie Schusspatronen. Dieser Abend war gewaltig schiefgelaufen, und das konnte niemand, nicht einmal sie, schönreden.
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