8. Anders

Anders (TW: Keine)

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Dieses schreckliche Gefühl, anders zu sein. Falsch zu sein und nicht in die Welt reinzupassen.

Vermutlich hat es jeder irgendwann, vermutlich verdrängt es jeder irgendwann. Ich bin jetzt an dem Punkt angelangt, an dem ich es nicht mehr verdrängen kann.

Ich stehe in der Mitte meines Zimmer und sehe plötzlich mit anderen Augen auf meine Regale, meine Bücher- und Spielesammlung, meinen Krempel und meine versteckten Briefe und Tagebücher. Mit diesen neuen Augen - diesen grässlich veränderten Augen - sehe ich Dinge, die nicht da sein sollten. Dinge, die zu kindisch sind, oder zu komisch. Die zu fremd oder zu vertraut sind, wenn sie das Gegenteil sein sollten.

Und ich mache Sachen, die ich nicht machen sollte; ich verhalte mich kindisch, obwohl ich erwachsen sein sollte; ich verhalte mich anders, obwohl ich mich anpassen sollte.

Und irgendwie fühlt sich alles, was ich sehe und mache, so falsch an, aber gleichzeitig auch so richtig.

Meine Füße tragen mich aus der Tür hinaus auf den Flur, meine Hände greifen nach der Jacke und meiner Tasche, meine Beine führen mich zum Bus. Und ich sitze da und schaue aus dem Fenster, während alle um mich herum stur auf ihre Handydisplays starren.

Schon wieder fühle ich mich schrecklich anders, schon wieder passe ich nicht ins Bild rein. Und mir ist klar, dass es mich nicht kümmern sollte, dass es okay ist anders zu sein - aber es kümmert mich doch und es fühlt sich alles andere als okay an.

Ich habe Angst, Erwartungen zu enttäuschen. Die meiner Eltern, die der Gesellschaft und vor allem meine eigenen. Dabei weiß ich nicht einmal, was ich von mir selbst erwarte. Will ich richtig oder falsch sein? Angepasst oder anders? Alles fühlte sich nur zur Hälfte nach der richtigen Entscheidung an.

Ich gehöre zu keiner Seite, ich schwanke hin und her wie ein Schiff im Sturm. Dabei muss ich mich dringend entscheiden, ob ich nun das sichere Land ansteuern oder weiter auf See bleiben und nach dem größeren Ziel, dem größeren Sinn suchen will.

Ich will beides. Ich will Sicherheit und Risiko. Ich will ich selbst sein, ich will aber auch an die Gesellschaft und Erwartungen angepasst sein.

Doch die Wahrheit ist, dass ich nichts von beidem haben kann, nichts von beidem sein kann. Dass ich für immer hin und herschaukeln werde, von den Wellen nach vorn und nach hinten geschubst werden werde.

Und ich kann einfach nicht aus dem Boot aussteigen.

Also sehe ich weiter aus dem Fenster. Und ich beginne wieder, es zu unterdrücken. Dieses schreckliche Gefühl, anders zu sein. Falsch zu sein und nicht in die Welt reinzupassen.

Und ich verliere die Augen, die mir die grässliche Wahrheit zeigen, die mir Angst machen. Verliere die Gedanken, die mich verunsichern. Zumindest auf Zeit ist das alles weg.

Meine Hände greifen wie von selbst in meine Tasche, tasten nach meinem Handy. Und dann starre ich wie alle anderen auf den Bildschirm - nur mit dem Unterschied, dass meiner schwarz ist. Weil ich selbst, wenn ich es versuche, nicht so sein kann wie sie.

Es muss reichen, wenn ich so tue, als ob - wenn ich nicht zeige, dass ich auf hoher See gefangen bin. Denn egal, wie ich es drehe und wende, ich komme immer wieder zum selben Schluss.

Anpassung ist alles und anders sein ist nichts.

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